Liberator am 16.07.2009 um 21:23 Uhr
Ich absolviere derzeit meinen Zivildienst, u. a. mache ich Fahrdienst für Behinderte.
Heute musste ich eine Dame fahren, welche auch in Zukunft öfters auf meinem Plan erscheinen wird.
Dieses ärmliche Geschöpf hat mich fast zu tränen gerührt. Sie hat auf dem Rücksitz (2-Türer, sie versucht sonst rauszuspringen) bitterlich geweint, permanent. Ich habe das Gefühl, sie weiß genau von ihrer Behinderung und würde quasi gerne anders, kann aber nicht. Sie sagte mir sie hat Angst vorm Sterben - will es aber trotzdem bald. Dann sagte sie "ich bin so hässlich" und noch viele weitere Dinge. Alles während sie immer weiter bitterlich weinte. Die 15 km hin und nachmittags nochmal 15 zurück waren für mich ganz ganz schlimm!! Ich habe ihr Fragen gestellt zu Ihrer Arbeit welche sie überhaupt nicht mag (Behinderten-Werkstatt- "ich hab keine Lust, es ist so schrecklich dort"), zu einem vl. anstehenden Urlaub, zu sich selbst und was sie gerne macht und tut usw.
Sie hat einfach immer nur geweint. Sie tat mir so Leid! Ihre Schwester hat passt auf sie auf und wohnt mit ihr. Sie hat ihre Schwester auf der Fahrt so vermisst und hat ganz schnell geatmet als ich Nachmittags in die Einfahrt des Hauses gefahren bin - vor Aufregung und Freude sie wiederzusehen.
Was kann ich sagen, was die Frau glücklich macht? Vl. musste ich das hier auch nur mal schreiben, damit es mal raus ist...so traurig!

Es macht sie vielleicht froh, wenn du sie nicht als ärmliches Geschöpf siehst ;-)
Besser lässt du dich nicht auf solche Gespräche über ihr Leid ein, nicht, dass sie sich darin "verfängt".
Lenk das Thema auf was positives, stell ihr Fragen über unverfängliches, lass sie beschreiben, was ihre Schwester und sie schönes erlebt haben.
Mach sie neugierig auf deine Hobbys, ...

Du kannst ihr nur geduldig zuhören,und lass nicht zu viel gefühl zu .Du leidest sonst zu sehr! wer weis was für weitere kranke Menschen du noch beförderst! Das verkraftest du nur mit Abstand!!!!
Du kannst ihr morgen die gleichen Fragen stellen. Sie will und braucht Aufmerksamkeit. Es ist gut das du Mitgefühl hast. Aber es ist zur Zeit deine Arbeit. Nimm den seelischen Schrott nicht mit nach Hause, sonst gehst du kaputt.
Liberator am 16. Juli 2009 21:28 ja, man sollte da am besten nicht drüber nachdenken. Ich wurde nur heute quasi damit ins kalte Wasser geworfen da ich vorher noch nie eine solche Situation durchlebt habe!

Sag ihr doch einfach: "Ich mag sie" Das wirkt Wunder ;)
Liberator am 16. Juli 2009 21:27 das versuch ich morgen mal, vielleicht freut sie sich. Ich habe noch nie so eine traurige Seele gesehen! Diese Fahrt hat mir gezeigt wie gut es einem doch eigentlich geht...
JoWaKu am 18. Juli 2009 21:55 "Ich mag sie" Das wirkt Wunder.
Es kann Dir eine Menge Komplikationen bringen, wenn sie das als "Ich liebe Dich" versteht!!!
Informiere Dich erst mal bei ihren Betreuern über sie!
sei einfach nett zu ihr,zeig ihr das du dich für ihr leben interssierst...

sag ihr einfach das du dich freust sie zu sehen, diesen weg mit ihr zu fahren und dich dabei mit ihr zu unterhalten.
Mehr als Zuhören und Vertrauen schaffen geht nicht. Sie ist vielleicht depressiv, und für die kurze Zeit des Zivildienstes solltest du sie nicht zu sehr an dich binden durch Versprechungen oder besondere Aktivitäten. Sei ihr ein guter Zuhörer, gib einige gute Ratschläge für konkrete Probleme. Richtig helfen kannst Du ihr nicht, glaub mir!
Sofaschalter am 16. Juli 2009 21:29 ich stimm dir zu

ist schlimm mitzubekommen wenn ein behinderter mensch so garnicht mit seinen beeinträchtigungen klarkommt. ich denke es ist schwer sie in irgendeiner form aufzumuntern. glaube am besten ist völlig normal mit ihnen umzugehen. natürlich mit was nettem sagen
ich kann dir nachfühlen, solche dinge sind wirklich extrem traurig! sag ihr das jesus sie liebt wie sie ist und das er immer bei ihr ist. sag ihr das sie mit gott reden soll wenn es ihr nicht gut geht und das für gott alles möglich ist. sag ihr sie soll auf gott vertrauen, der sie liebt wie eine tochter.
hmm... hört sich für so an, als wäre diese dame psychisch etwas labil...sie ist auch nicht umsonst in einer behinderten-werkstatt. ich bin selber häufig in so einer werkstatt und man muß auch nicht immer "alles" glauben, was diese menschen erzählen... sie sehen häufig nur ihren blickwinkel und nicht den der betreuer in der werkstatt... soll natürlich nicht heißen, daß es bei deiner dame auch so ist, aber ich denke, daß du etwasd distanz aufbauen solltest und sie ablenken solltest. morgens kannst du ihr ja sagen: "ach komm schon, die zeit in der werkstatt geht auch vorbei und dann bist du ganz schnell wieder bei deiner schwester." wenn sie darauf nicht reagiert, dann versuch das thema zu wechseln und erzähl von dir selber... du wirst ihr wahrscheinlich nichts sagen können, was sie glücklich macht, da sie mir total auf ihre schwester fixiert scheint...

Ich arbeite selber im Gesundheitswesen und kann dich absolut verstehen. Sei einfach nett zu ihr unterhalte dich immer, im Grunde so wie Du es jetzt auch machst. Es gibt Schicksale da kann man nicht viel sagen und man findet nie die passenden Worte. Das hab ich auch schon oft erlebt. Sei einfach für die Frau da aber versuch es nicht zu sehr an dich rankommen zu lassen. Du gehst sonst selber irgendwann daran kaputt.Sag Ihr vielleicht auch einfach das du es toll findest Sie kennengelernt zu haben. Durch solche Menschen, die so leiden müssen, sieht man das Leben oft anders und regt sich nicht mehr über jeden Mist auf.
Mein Sohn war vor einigen Jahren auch Zivildienstleistender und hat genau wie du, behinderte Menschen gefahren, ( Erwachsene und Kinder ). Zu Anfang hat er genauso reagiert wie du. Aber sich selber fertig machen und zu viel Gefühl zeigen, bringt nichts auch wenn es schwierig ist , dies wegzustecken. Es ist auch keine Hilfe für diese Menschen. Verbreite doch einfach gute Laune. Zeig, dass du gut drauf bist. Verwickle sie in ein Gespräch, welches sie von ihrem Kummer ablenkt. Wenn sie sich konzentrieren müssen, auf deine Fragen zu antworten, haben sie keine Zeit über ihr Leid nachzudenken. Lasse etwas Humor mit einspielen und erzähle etwas Lustiges. Ich weiß, dass ist alles nicht so einfach, besonders, wenn man selber mal nicht so gut drauf ist. Aber sollte es dir gelingen, so eine Unbeschwertheit den behinderten Menschen nahe zu bringen, hast du etwas sehr, sehr Gutes erreicht. Sie werden sich auf jeden Fall besser fühlen, während sie in deiner Obhut sind und sie freuen sich jedes Mal, wenn du sie abholst. Sie werden dich sehr mögen, weil du ihnen gut tust.

Höre ihr geduldig zu und zeige ihr dein Mitgefühl, sage ihr nette Sachen über ihre Kleidung(auch wenn sie nicht schön sind, aber das ist ja egal) Vielleicht hast du ja auch mal Zeit mit ihr ein Kafee trinken zu gehen, admit sie sich nicht so alleine fühlt. Wie wäre es mit einem Psychologen. Aber da vorsichtig sein, da reagieren manche recht komisch drauf. Ansonsten trösten, trösten, trösten, für sie da sein, sie in den Arm nehmen. ich wünsche dir viel erfolg!!!!!!
Liberator am 16. Juli 2009 21:39 sie ist geistig behindert (ich hätte vl. beschreiben sollen dass sie geistig behindert ist..), ich glaub nicht das da ein Psychologe viel was machen kann... Einen KAffee werde ich nicht mit ihr trinken, soweit lasse ich das nicht an mich ran. Aber du hast recht, ich tröste sie einfach weiter wie ich es heute schon versucht habe. Das mit der Kleidung ist eine gute Idee. Ihre Schwester hat sie sehr schick angezogen heute, sie scheint also sehr darauf zu achten dass sie gut aussieht und sich zumindest in ihren Klamotten wohlfühlt.