Frage von Biologiekathi, 56

Was kann ich bei hypernervösem Hund mit Leinenproblemen tun?

Hallo!

Ich habe eine Frage an alle Hundebesitzer und -versteher dort draußen.

Ich habe 2 Hunde (Hovawarte, Rüden).

Leider ist einer von beiden extrem nervös und unaufmerksam (aber nur draußen). Interessanterweise ist er sowohl Zuhause als auch am Hundeplatz bzw. in der Hundeschule total aufmerksam, konzentriert, begeistert bei der Sache und horcht wunderbar auf mich.

Sobald ich aber wo anders bin, ist es vorbei. Er reagiert kaum auf Kommandos wie Sitz oder Hier. Er ignoriert mich völlig, ignoriert selbst die besten Leckerlis, für die er Zuhause oder in der Hundeschule alles machen würde. Dabei zieht er oft wie verrückt an der Leine, wenn er irgendwo hin will (was bei einer zarten Frau und einem 45kg Rüden oft zum Problem wird).

Ich arbeite jetzt seit fast 3 Jahren mit ihm - die vierte HundtrainerIn hat aufgegeben und meinte, der hat einfach nicht die geistige Kapazität das zu lernen!

Das glaub ich aber nicht - immerhin geht er am Hundeplatz Fuß auch über lange Strecken wie ein Weltmeister. Macht Sitz, Platz, Hier usw. perfekt. Selbst anspruchsvolleres wie Ablegen auf Entfernung, Voransenden usw. sind Zuhause oder am Hundeplatz keinerlei Problem. Am "zu doof" kann es also eigentlich nicht liegen.

Hab auch schon mit Johanniskraut und ähnlichen pflanzlichen Tabletten versucht ihn etwas runter zu holen - keinerlei sichtbare Unterschiede. Laut Tierarzt ist er völlig gesund.

Hat irgendjemand Ideen? Gerade das Spazierengehen ist zur echten Qual geworden. Ohne Leine (wohne sehr ländlich und er hat keinen Jagdtrieb - wäre also kein Problem) geht nicht, da er einfach nicht zurück kommt. Mit Leine reißt er mir halb den Arm aus, so dass ich mehrfach pro Monat eine gezerrte und schmerzende Schulter habe.

Mit dem von einem Trainer empfohlenen Halti zerrt er so massiv, dass ich es immer noch schmerzhaft in der Schulter spüre und es ihn im Minutentakt so verdreht, dass ich fast schon Angst habe, er würde sich das Genick brechen. Einfach immer wieder mit voller Wucht ins Halti, dass es ihm nicht nur Kopf sondern auch den ganzen Köper herumreißt. Dann ist er kurz ruhig und eine Minute später wieder das selbe.

HILFE!!!

Danke und Grüße, eure Kathi

PS. Mein zweiter Hund, ebenfalls Hovawart, ist überall ruhig, konzentriert und hat keinerlei derartige Probleme!

Antwort
von brandon, 42

Für mich hört sich das an als ob Dein Hund in bestimmten Situationen sehr unsicher ist.

Meine Hündin hört eigentlich auch sofort aber sobald ein fremder Mensch in der Nähe ist reagiert sie gar nicht mehr, bei meiner Hündin ist es einfach die Unsicherheit und Angst vor fremden Menschen.

Kann es sein das Dein Hund durch irgendetwas verunsichert ist? Hast Du ihn schon als Welpe gehabt oder hat er eine Vergangenheit von der Du nicht alles weißt?

Da wir nicht in die Köpfe unserer Vierbeiner sehen können wird es immer Verhaltensweisen geben die wir uns nicht erklären können. Da Hundetrainer so etwas meist nicht zugeben wollen kommt es dann zu solche Aussagen. Darauf solltest Du nichts geben.

LG

Kommentar von Biologiekathi ,

Hallo!

Außer der Tatsache, dass er es immer hat, wenn wir nicht im Haus, im Garten oder am Hundeplatz sind, wäre mir kein Zusammenhang zu Personen, oder Ähnlichem aufgefallen.

Ich hab ihn mit gut 1/2 Jahr bekommen und weiß, dass davor extrem viel mit ihm gemacht wurde (ev. zuviel). 2 verschiedene Welpenstunden pro Woche, überall hin mitgenommen, viel Hundefreilaufflächen mit unzähligen anderen Hunden, usw.

Mehr kann ich dazu auch nicht sagen.

Kathi

Antwort
von MiraAnui, 56

Kenn ich...hab auch so ein hypersensibelen Rüden.

Mir helfen Schüsselersazle nr 7   meine Tierheilpraktikerin, meine Physio und mein Trainier.

Wichtig ist draußen viel ruhe rein zubekommen. Gehst du zusammen Spazieren? Oder getrennt? Bei mir ist die Hündin oft der Auslöser für mein Rüde. Sie starrt irgendwo hin und mein Rüde fährt hoch... Deswegen geh ich so oft wie möglich getrennt spazieren.

Dann wird mein Rüde massiv körperlich ausgelastet. Reizangel, Ball werfen, Joggen, Zughundesport etc. Das bis er platt ist. Bei meinem Rüden ist das bei der Jahreszeit 45min Reizangel und 30min Ball (rennen und suchen) dazu mach ich viel Nasenarbeit. 

Erst so ist er draußen entspannter. Ich musste auch erst lernen ruhiger zu werden.sobald ich hochfahre,  tut es mein Rüde auch.

Halti hat es bei uns nur verschlimmert und gammelt jetzt an der Garderobe. Wir abeiten mit Geschirr und einem Brustring. Am anfang lief er am Brustring und hinten am Geschirr. Hat er gezogen wurde er vorne an der Brust rumgelenkt. Das bräuchte ihn aus dem Konzept und er achtete wieder auf mich.

Nach 2 jahren reicht nur noch Geschirr. Halsband kann ich zum spazieren gehen komplett vergessen, da hängt er drin und erwürgt sich.

Schilddrüse wurde kontrolliert? Viele Tierärzte machen das nicht von sich aus.

Auf dem Platz ist er im Arbeitsmodus. Beim Spaziergang nicht. Ist bei meinem genau so. Leute die meinen nur vom Hundeplatz kennen glauben nicht dass er draußen ausrastet sobald er andere Hunde sieht.

Ich rate dir mal eine Tierheilpraktiker aufzusuchen. Was fütterst du? Das Futter darf man auch nicht außer acht lassen. Meiner war mit Trockenfutter viel extremer als mit Barf oder Nassfutter.

Kommentar von Biologiekathi ,

Ich gehe mal zusammen, mal einzeln mit den beiden.

In letzter Zeit eher einzeln, da mein "Problemfall" einfach meine ganze Aufmerksamkeit braucht.

Ich versuch ihn auszulasten - ist alleine mit 2 Hunden und nebenbei Alltag oft nicht einfach.
Auf Ballspiele, Reizangel usw. reagiert er aber eher mit noch mehr Nervosität.
Nasenarbeit und Ähnliches hilft gut, aber irgendwie immer nur sehr kurzfristig.

Halti hab ich eh auch wieder aufgegeben (was dazu geführt hat, dass er Hundetrainer sagte, dass er mir dann auch nicht helfen könne, wenn ich das nicht so machen würde und uns fallen ließ).

Schilddrüse war bei den Blutwerten dabei - alles ok!

Tierheilpraktiker ist leider keiner in 1h Umkreis (wohne in Österreich, mitten in den Alpen). Aber ich wird noch mal sehen ob ich einen auftreibe.

Zum Futter: Meist trocken (Wolfsblut).
1-2 mal pro Woche Barf (Pansen, Kutteln, ... mit etwas Gemüse)und Kugelgelenksknochen vom Kalb.
Nassfutter so gut wie nie.

Antwort
von bunny0602, 55

Für mich klingt das ein bisschen so, als ob dem Rüden mit Dir draußen spazieren zu gehen einfach zu langweilig ist, es passiert nichts, also macht er sein Ding. 

Hast Du mal mit ihm beim Spaziergang "gearbeitet", Suchspiele, Unterordnung? Wenn er Dich total ignoriert, hast Du mal überlegt, ihn nur noch draußen zu füttern, so das er echt auf Dich achten muss, um sein Futter zu bekommen?

Eine Ferndiagnose, ohne den Hund zu sehen ist immer sehr schwer :-(

Kommentar von Biologiekathi ,

Also draußen arbeiten hab ich probiert. Von Unterordnungsaufgaben (die er dann einfach nicht macht) bis zu Futterbeutel verlieren und suchen lassen (interessiert ihn auch nicht die Bohne, auch wenn er ihn im Garten immer freudig bringt).

Nur noch draußen Füttern klingt nach einem interessanten Ansatz - das probier ich mal. Immerhin verweigert er aktuell draußen beim Spazierengehen ja sogar Leckerlis wie Käse, Wurst oder Hühnerherzen, die er allgemein heiß liebt (er lässt sie einfach fallen bzw. liegen und geht weiter).

Und klar, Ferndiagnose ist schwer. Aber nachdem die vierte HundetrainerIn aufgegeben hat, hab ich nicht mehr viele Möglichkeiten in erreichbarer Umgebung.

Kathi

Antwort
von FeeGoToCof, 49

Allererster Gedanke: der Hund ist körperlich NULL ausgelastet. Versuche Folgendes: Powere ihn aus. Anschließend versuchst Du eine ruhige Runde Spaziergang.

Kommentar von Biologiekathi ,

Also ich bin im Durchschnitt 2h pro Tag pro Hund draußen unterwegs. Darüber hinaus steht ihnen der Garten zur Verfügung, wo die beiden echt viel spielen.

Ein auspowern im Sinne von lange Frisbeespielen oder so bringt für etwa eine Stunde etwas. Danach ist das Problem wieder genau so da. Ich kann ja nicht immer 40min mit ihm Frisbee spielen, bevor ich spazieren gehe...

Allgemein denke ich nicht, dass er körperlich zu wenig ausgelastet ist. Wir machen auch zur geistigen Auslastung Zielobjektsuche und andere Intelligenzspiele. Da ist er echt gut drinnen. Aber eben nur Zuhause. Sobald ich sowas draußen mache, ignoriert er mich und die Aufgabe(n).

Und ja, mehr Auslastung wäre immer gut, aber 2 Stunden pro Hund pro Tag und dazu der Ggarten für die beiden. Reicht das nicht? (Ich hab ja nebenbei auch noch Arbeit usw.)

Kathi

Kommentar von FeeGoToCof ,

Gut, zweiter Gedanke. Wie sah es denn mit der Sozialisation im Welpenalter aus? Was hat er ganz früh bereits kennengelernt? Vielleicht ist die Umwelt für ihn so reizüberflutend und stressig, dass er sich diesen Eindrücken einfach nicht entziehen kann, weil sie für ihn eben ihre "Schrecken" nie verloren haben?

Kommentar von Biologiekathi ,

Das wäre ein guter Ansatz - wenn dann wohl eher zu viel ...

Ich habe ihn leider erst mit einem halben Jahr bekommen. Davor wurde er, soweit ich weiß (in guter Absicht), überall hin mitgenommen. 2 verschiedene Welpenstunden, sehr oft auf Freilaufflächen mit möglichst vielen anderen Hunden usw. (Aussage: "Damit er ja auch alles früh kennen lernt")

Die Frage ist jetzt: Was kann ich da jetzt noch tun um ihm den Schrecken und die Unsicherheit zu nehmen?

Ich hatte ja gehofft, dass er sich vielleicht etwas am zweiten ruhigen Rüden (er ist 5, der jüngere ist 3) orientiert. Bisher leider nicht.

Kathi

Kommentar von FeeGoToCof ,

Hm, da hast Du wohl noch Glück, im Unglück, dass die Energie des Unruhigen nicht auf den Ruhigen überschwappt - das wäre doppelt schlimm.

Leider bin ich auch kein Trainer, versuche halt immer, zu dem Punkt zurückzukehren, der noch funktionierte. War denn das Verhalten schon immer so, also von Anfang an?

Kommentar von Biologiekathi ,

Hab ihn im Alter von 1/2 Jahr bekommen.
Unruhig war er tendenziell schon immer, aber ich habe das Gefühl, dass es schleichend schlechter wird.
Ev. seit der zweite Hund da ist, auch wenn sich die beiden sehr gut verstehen. (Keine Raufereien, schlafen oft neben- bis aufeinander, usw.)

Er tut mir einfach leid, denn der jüngere ist so unkompliziert, kann dadurch viel ohne Leine überall mitlaufen usw.
Und er offensichtlich so viel Stress bzw. Unruhe und ich weiß nicht mehr, wie ich ihm helfen kann.

Uns sicher wäre es bei einem leichteren Hund weniger problematisch, dass er draußen nicht anständig an der Leine geht.
Aber bei seinem Gewicht und seiner Kraft hab ich einfach Angst, dass ich irgendwann bleibende Schäden in Arm, Schulter oder Rücken zurückbehalte. (Die Tage mit schmerzender Schulter sind bei mir mittlerweile mehr als die ohne Schmerzen.)
Aber ich kann ihn ja nicht auf den Garten beschränken!

Eine etwas ratlose
Kathi

Kommentar von FeeGoToCof ,

So hart es vielleicht ist, aber noch ist der Hund relativ jung und hätte noch gute Chancen auf eine Weitervermittlung. Manchmal entwickeln sich unsere Wünsche nicht so, wie wir es gerne hätten. Wir kämpfen zwar, doch irgendwann wird aus dem Kampf für das Gute, der Kampf gegen etwas, was wir nicht mehr benennen können und es mangelt an der Kraft, die Motivation aufzubringen, wenn keine Perspektive in Sicht ist. Vielleicht solltest Du Dich mit diesem Gedanken auseinandersetzen? Es ist kein Scheitern, sich eine Situation ehrlich einzugestehen. Und wie auch bei menschlichen Freunden/Partnern, so kann es auch zwischen Hund/Mensch zu Situationen kommen, die alleine über Zuneigung nicht mehr händelbar sind.

Möglicherweise wäre eine ländliche Gegend, ferner der Stadt mit einer Aufgabe, die einem Hovawart gerechter würde eine Perspektive für Euch drei? Ich meine damit, dass sich Eure Wege evtl. an dieser Stelle trennen sollten, um jedem eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Kommentar von Biologiekathi ,

Selbst wenn du vielleicht recht hättest (ländlich wohn ich ja eh - mitten in den Alpen in Österreich), ich könnte ihn nie und nimmer hergeben! Somit keine Option für mich - da lass ich mir lieber die Schulter ruinieren!

Kathi

Kommentar von FeeGoToCof ,

Auch, wenn Du wüsstest, dass Dein Hund bei Dir nicht glücklich werden kann?

Kommentar von Biologiekathi ,

Ja, denn ich glaub einfach nicht, dass er wo anders glücklicher wäre!

Immerhin ist er Zuhause, im Garten und am Hundeplatz total toll, entspannt, voll Begeisterung dabei usw.

Und meine beiden Hunde lieben sich heiß und innig, spielen viel, schlafen dauernd aufeinander, usw. Ich würde sie nie auseinanderreißen!

Kommentar von FeeGoToCof ,

Ich würde anders handeln. Viel Glück.

Antwort
von NoradieHexe, 49

Die Antwort der Trainerin ist Quatsch, der Hund ist nicht "zu doof".

Offenbar hattest du bei den "Trainern" extremes Pech. Auf was hast du bei der Auswahl der Trainer geachtet!? Hatten sie irgendeine zertifizierte Ausbildung? Wurde eine gründliche Verhaltensanalyse gemacht, einschließlich Abklärung medizinischer Ursachen? Wenn nein, dann versuche es bitte nochmal mit einer qualifizierten Person. Über diesen Weg wirst du nicht weiterkommen, da dir hier keiner eine ordentliche Verhaltensanalyse umsonst machen wird.

Offenbar wurde das Halti auch nicht richtig trainiert! Sorry, aber ich könnte mich schon wieder sowas von aufregen, welche Trainer auf die Menschheit losgelassen werden, es ist zum Heulen!

Alles Gute für dich!

Kommentar von FeeGoToCof ,

Leider lassen die Trainer sich selbst los @NoradieHexe...jeder HinziundKunzi trainiert heutzutage Hunde

Kommentar von NoradieHexe ,

Dummerweise hat da ja der 11er auch nicht gehelft ....:'-)

Kommentar von Biologiekathi ,

Hallo!

Leider wohne ich sehr ländlich (Österreich, kleines Dorf mitten in den Alpen) und somit gibt es nur sehr wenige Hundeschulen bzw. Trainer, die erreichbar sind.

Bisher waren es zwei "normale" Hundeschulen ÖKV und zwei private (einmal AnimalLearn und einmal eine Tierschutzgeprüfte Hundetrainerin). Alles andere ist mehr als eine Autostunde weg und damit schon sehr schwer für mich, um regelmäßig dort zu sein.

Verhaltensanalyse - nicht wirklich, fürchte ich. Tierklinik hat das medizinische inkl. viele Blutwerte usw. gemacht und nichts gefunden.

Somit: Wenn ich noch jemanden "qualifizierten" wüsste, der für mich regelmäßig erreichbar ist, dann wäre ich sofort dort!

Grüße, Kathi

Kommentar von NoradieHexe ,

Bist ein bisserl weit weg :-(

Kauf dir mal das Buch der hyperaktive Hund von Maria Hense, vielleicht stehen da noch Tipps drin, die dir helfen.

Antwort
von Moeckchen, 48

Gehst du zusammen mit beiden Hunden oder einzeln ?

Kommentar von Biologiekathi ,

Mal so mal so.

In letzter Zeit aber meist einzeln, da der problematische (das ist der ältere Hund - 5 Jahre. Der jüngere ist 3) meine ganze Aufmerksamkeit braucht.

Denn leider lässt sich der jüngere, unproblematische, eher vom älteren anstecken als umgekehrt.

Allgemein habe ich in seiner Nervosität und Unaufmerksamkeit aber keine Unterschiede bemerkt, egal ob ich mit einem oder mit zwei gehe.

Kathi

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten