Frage von Jennaakajayp, 37

Was ist zu tun, wenn vom med.Dienst keine Arbeitsfähigkeit festgestellt wurde und dadurch die kpl.Leistungen sofort gestrichen werden?

Mein Sohn bezieht längere zeit schon alg2 statt Krankengeld und hat nun endlich einen Antrag auf med.Reha stellen können, natürlich auf Empfehlung der beh. Ärzte. War vorher krankheitsbedingt nicht möglich.jetzt wurde er zum med. Dienst geschickt vom Jobcenter, das müsste so sein und der hat vällig begründungsfrei entschieden, er ist garnicht arbeitsfähig für länger als noch 6 Monate. Nun ist mein Sohn sofort aus dem ALG 2 Bezug raus, kein essen, keine Miete. Wir wissen nicht, wo wir uns hin wenden sollen. Was können wir tun? Er ist sehr wohl in der Lage, am tagesgeschehen teilzunehmen, hat z. B. Drei Monate Tagesklinik erfolgreich hinter sich und will jetzt endlich weiter machen. Uns würde vorgeschlagen, nochmal mit der Ärztin vom med.dienst zu sprechen, das tuen wir auf keinen fall. Wir brauchen dringend Hilfe , Obdachlosigkeit droht.

Antwort
von Zappzappzapp, 11

Ihr müsst gegen den Bescheid vom Jobcenter der Streichung des ALG2 Widerspruch einlegen.

Wenn eine Reha von der Krankenversicherung bewilligt wurde, bedeutet das, dass Dein Sohn voraussichtlich wieder arbeitsfähig sein wird, sonst hätte ihn die Krankenversicherung aufgefordert, einen Rentenantrag zu stellen.

Das bedeutet, dass er nicht dauerhaft arbeitsunfähig (das hieße Rentenantrag), sondern lediglich längere Zeit krank ist und dann gibt es weiter ALG 2, auch während der Reha.

Das ist natürlich alles sehr schwierig zu verstehen, wenn man sich nicht auskennt.

Hier könnt Ihr Hilfe bekommen:

http://www.vdk.de/deutschland/

oder

https://www.sovd.de/

Suche die Vertretung, die bei Euch in der Nähe ist und lasse Dich dort beraten. Die helfen dann auch.

Lass Deinen Sohn aber schon vorher beim Jobcenter Widerspruch gegen den Bescheid einlegen, damit keine Fristen verstreichen, begründen kann man das später, die müssen auch dabei helfen.

Ausserdem muss auch das Jobcenter beraten, wo man weiter Hilfen bekommt, wenn sie selbst ihre Leistungen streichen.

Antwort
von soissesPDF, 9

Die Jobcenter sind nur für Arbeitsfähige zuständig (SGB II).
Für Deinen Sohn wäre das Sozailamt (SGB XII) zuständig (sind die gleichen Leistungen wie Hartz IV).

Antwort
von miboki, 31

Wenn er nicht arbeitsfähig ist, muss er den Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente stellen. Und für die Bearbeitungsdauer Grundsicherung beantragen.

Kommentar von Jennaakajayp ,

Aber lt.behandelnder Ärzte ist er arbeitsfähig, er soll ja jetzt zur med.reha, drei Monate und danach berufliche.reha. Rentenantrag ist nicht möglich, weil er nicht erwerbsunfähig ist und in absehbarer zeit voll erwerbsfähig sein wird. Grundsicherung bedeutet Sozialhilfe oder? 

Kommentar von miboki ,

Du hast doch geschrieben, dass er lt. Med. Dienst nicht arbeitsfähig ist. Mit diesem Gutachten kann er Rente beantragen. Während der Reha zahlt die Rentenversicherung Übergangsgeld. Und bis das soweit ist, muss er eben Grundsicherung beantragen. Das ist eine Form der Sozialhilfe. 

Kommentar von Zappzappzapp ,

Wenn er nicht lt. MdK nicht arbeitsfähig ist, heißt das nicht automatisch, dass er Rente beantragen kann. Der Med. Dienst beurteilt nur den momentanen Zustand und nicht die Zukunft, das macht gegebenenfalls die Rentenversicherung, wenn man einen Rentenantrag stellt.

Das würde aber überhaupt keinen Sinn machen, da er lt. behandelnder Ärzte in absehbarer Zeit wieder voll erwerbstätig sein wird.

Deshalb ist die Antwort von @soissesPDF und dieser Teil Deiner Antwort richtig: Grundsicherung beantragen, aber: bis er wieder arbeitsfähig ist.

Kommentar von miboki ,

Ich habe ja nicht behauptet, dass ein Rentenanspruch besteht. Vielmehr würde ja durch den Antrag eine erneute Prüfung durchgeführt werden. Mit dem Ergebnis kann man dann weitere Schritte überdenken. Ich wüsste keinen Grund, weshalb der Antrag nicht gestellt werden kann. Beantragen kann man die Rente immer. Ob sie bewilligt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentar von Zappzappzapp ,

Natürlich kann man jederzeit einen Rentenantrag stellen, ob es Sinn macht oder nicht, das ist richtig. Den Rentenantrag nur zu stellen, um eine weitere Begutachtung durch den Med. Dienst zu bekommen, wäre aber kontraproduktiv.

Das Jobcenter hat den Med. Dienst eingeschaltet, um den Betroffenen wegen dauerhafter Arbeitsunfähigkeit "loszuwerden". Falls also hier ein entsprechender Bescheid basierend auf der Begutachtung des Med. Dienstes vorläge, müsste dagegen Widersprüch eingelegt und über diesen Weg gegebenenfalls eine Korrektur bzw. falls erforderlich eine neue Begutachtung erreicht werden.

Würde ein Rentenantrag gestellt, wäre das ja im Grunde eine Zustimmung des Betroffenen zu der Einstellung des Jobcenters, dass dieser dauerhaft seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen will und kann und damit eine Bestätigung der ALG2-Zahlungseinstellung des Jobcenters.

Aber wir sollten uns nicht verzetteln, die Mutter und Sohn brauchen ohnehin externe fachliche Hilfe und Beratung, basierend auf den kompletten Unterlagen, die wir hier naturgemäß nicht kennen können. Wie man anhand der Fragestellung erkennen kann, nur mit (auch richtigen) Antworten aus der Community wird das Problem nicht zu lösen sein.

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