Frage von veronicapaco, 113

Was ist Vorwärts abwärts reiten?

Ich habe schon viele Westernreit Jahre auf dem Buckel doch ich habe leider wenig Fachbegriffe gelernt. Ich bin mir sicher ich kenne das aber würde mich über einen Erklärung freuen..

Antwort
von lovelifee6899, 74

Das Pferd soll Kopf und Hals fallen lassen und sich ans Gebiss herantasten, die Nase sollte es dabei Richtung Boden strecken und den Hals relativ lang machen, aber nicht ganz durchstrecken. Außerdem sollte die Hinterhand aktiv vorwärts gehen, denn durch das Fallenlassen vorne und die aktive Hinterhand kommt der Rücken ins Schwingen und die Muskulatur baut sich auf, was für die Versammlung später sehr wichtig ist.

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 17

Ich kann eigentlich nur sagen, was Vorwärts/Abwärts nicht ist.

Es ist nicht einfach. Oft wird in Ratgeberforen bei Problemen mit dem Pferd geschrieben: "Reite es doch mal vorwärts/abwärts." Als ob man das einfach mal so machen könnte. Vorwärts/Abwärts hat nichts mit am langen Zügel mit tiefem Kopf dahinlaufen zu tun.

Meine RL sagt immer, dass das korrekte V/A das Schwierigste der gesamten Reiterei sei. Und sie bildet immerhin bis S aus.

Zum korrekten V/A gehört der aufgewölbte Rücken, die aktive Hinterhand, die positive Körperspannung. Es kann nicht Teil der Anfangsreiterei sein, denn ein Pferd muss schon ganz gut geritten und bemuskelt sein, um das korrekte V/A hinzukriegen. A fertig auf jeden Fall.

Als ich meine Araberin bekam, nahezu ungeritten, bin ich regelmäßig bei einer RL geritten. Klar! Sie ließ die Pferde in den ersten 10 Minuten  am langen Zügel dahintraben. Und freute sich, wenn die Tiere den Kopf fallen ließen, gerne bis  zum Boden.  Wir dachten, das sei Vorwärts/Abwärts.

Dann eines Tages lief meine Stute so dahin, die Nase fast im Staub, da rief sie ganz entnervt: "Jetzt läuft das Pferd schon mit der Nase ganz weit unten und schwingt immer noch nicht im (kurzen) Rücken."  Man merkte ihr deutlich an, dass sie dachte: "Scheißaraber halt."  Sie mag die Rasse nicht.

Da entschloss ich mich, mein Pferd bereiten zu lassen. Da meine Freundin sich gerade von ihrem Mann getrennt hatte, hatte sie Zeit. Ich traute ihr, da sie ein komplettes Arabergestüt ausgebildet hatte.

Sie ritt dann meine Stute und ich wunderte ich -  und machte mir auch Sorgen - weil sie das Pferd mitnichten am hingegebenen Schlackerzüge dahintraben ließ. Sie stellte das Pferd durchs Genick und ließ es dann langsam nach vorne/abwärts. Ich fragte sie, warum und sie antwortete mir (etwas unwillig, ob der dummen Frage):

"Du kannst das Pferd von Weihnachten bis Weihnachten reiten, durch das Laufen am langen Zügel passiert bei dem Pferd gar nichts, außer dass es auf der Vorhand latscht."

Ich habe von ihr dann das korrekte V/A gelernt, auf das ich im Gelände auch großen Wert lege. Aber dazu stelle ich das Pferd erst an den Zügel, um es dann durch Nachgeben in das Vorwärts/Abwärts, in die Dehnung zu entlassen. Ein gutes V/A geht ein Pferd nur dann, wenn es viel Vertrauen in die Hand hat und weiß, dass der Reiter fühlig ist und nachgibt, wenn es sich dehnen will.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 35

Das Pferd sucht sich den Weg mit der Nase vorwärts abwarts, wobei es den Hals vom widerist aus leicht fallen läßt und sich vermehrt an die nachgebende  Hand herandehn, die die Verbindung nicht aufgibt.

Wichtige Kriterien einer richtigen Ausführung:

- Nase bleibt immer vorn

- Genick bleibt immer sichtbar

- maul kommt ungefähr auf Höhe des Buggelenks, nicht tiefer.

Der Hals darf nicht eingerollt sein! Wenn das Maul Richtung Brust, und der 3. /4. Halswirbel nach oben kommt, ist das falsch und ungesund.

Kommentar von Dahika ,

es gibt noch mehr und wichtigere Kriterien: der schwingende Rücken, die pos. Körperspannung, die aktive Hinterhand.
Wenn man sich auf deine Kriterien beschränt, dann haben wir wieder das Latschen am langen Zügel.

Kommentar von Urlewas ,

Dahika, da hast du natürlich recht. Ist ja auch in einigen Antworten genauer umschrieben.

Mir kam es jeztz darauf an, jemandem, der sich überhaupt nicht auskennt, zumindest mal einen Ansatz zu geben, denn ich fürchte, wer so fragt, fur den sind Begriffe wie schwingender Rücken und Körperspannung bömische Dörfer...

Ich habe grade das grauslige Bild vor Augen von einer Bekannten, die so stolz ihr pferd " vorwärtsabwärts" reitet - wobei sich das Tier beinahe zwichen den Vordebeinen in die Brust beisst. Wenn ihre RB versucht, den Hals des Pferdes länger   zu bekommen, moniert die Besitzerin, dass das Pferd doch ( so wie sie es meint😁) va geritten werden  müsse, um Rückenmusklen aufzubauen...🙄 

Daher denke ich, das wichtigste, was man zu Anfang im Blick haben sollte, ist das Motto: " mein pfeed hat die Nase vorn".

Antwort
von beglo1705, 48

Vorwärts/abwärts (kurz v/a) läuft ein Pferd wenn: 

•das Pferd durchs Genick geht

•wenn der Rücken des Pferdes frei mitschwingt und sich leicht wölbt

•wenn das Pferd in leichter Zügelanlehnung geht, also freiwillig an den Zügel tritt 

•wenn die Hinterhand unter den Mittelpunkt tritt (man spricht dann von untertreten)

•wenn die Hinterhand trägt, also aktiviert ist

•wenn Pferd und Reiter in der Balance sind. 

Es gibt keinen Vergleich oder etwas ähnliches, was sich mit einem rittigen, durchlässigen Pferd vergleichen ließe, wenn es denn richtig v/a geht. 

Um das zu erreichen und auch umsetzen sowie fühlen zu können benötigt es jahrelangen und vor allem qualitativ hochwertigen Unterricht. 

Kommentar von lovelifee6899 ,

Aber bei v/a geht das Pferd nicht richtig durch das Genick, denn v/a dient auch der Aufwärmung und durch das Genick gehen, bedeutet schon versammelt zu sein. Klar sollte das Pferd auch beim v/a nicht den Kopf in einer Linie mit dem Haus tragen sondern leicht abknicken, aber das Genick ist beim v/a anders als beim durchs Genick reiten nicht der höchste Punkt des Pferdes.

Kommentar von lovelifee6899 ,

*Hals meine ich natürlich aso und wenn das Pferd den Kopf nichg nach unten Strecken kann, kann auch der Rücken nicht gescheit Schwingen, wie es beim v/a sein sollte.

Kommentar von beglo1705 ,

Du erreichst korrektes v/a nur, wenn du das komplette Pferd von vorn bis hinten an den Zügel stellst und somit muss das Pferd durchs Genick gehen. Anders geht's nicht, sonst ist das Pferd definitiv nicht durchlässig. 

Das Genick ist Dreh- u. Angelpunkt um Durchlässigkeit zu erreichen. 

Kommentar von dap123 ,

Der Ausdruck "durchs Genick gehen" ist an sich ja schon ein bisschen schräg. Das Pferd steht an den Hilfen und tritt entsprechend des Spannungsbogens mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt und damit an den Zügel heran - egal ob es vorwärts-abwärts, in einer dressurmäßigen Anlehnung oder in Aufrichtung geritten wird.

Kommentar von dap123 ,

Ausgezeichnete Erklärung!!!
Nach dem "Wie" wurde ja nicht gefragt - das wird aber die größere Hürde sein als sich die korrekte v/a-Bewegung vorzustellen.

Antwort
von sarahcarma, 42

Beim vorwärts abwärts reiten soll das Pferd den weg in die Tiefe finden und den Rücken ,,auf" bzw. ,,Rund" machen durch einen runden Rücken, federt das Pferd im Rücken und somit auch den Reiter.
Dafür sind auch Ausbinder wie zb. Der Dreieckszügel gut wenn man einen Reiter hat der das Pferd nicht ,,Rund" bekommt, benutzt man Ausbindezügel um den Rücken des Pferdes zu schonen und dem Reiter die Arbeit am Maul abzunehmen damit sich ( vorallem Anfänger ) auf beispielsweise ihren Sitz konzentrieren können. Auch wenn man ein Pferd hat was sehr ,,fest" im Maul ist oder noch sehr jung benutzt man (weite) Ausbinder zum longieren und reiten um dem Pferd den weg in die Tiefe zu zeigen und ihm zeigt, dass es für Reiter und Pferd angenehmer wird wenn das Pferd den Kopf nach unten nimmt.
Wenn ein Pferd vorwärts abwärts läuft, läuft es locker und durch den Rücken schwingend

Kommentar von FelixFoxx ,

Mit Hilfszügeln jeglicher Art kann das Pferd nicht über den Rücken laufen, es wird lediglich der Kopf in die vermeintlich richtige Position gezwungen. Folgen: Verspannungen und auf Dauer Halswirbelarthrose...

Kommentar von Heklamari ,

Grundsätzlich hast du natürlich völlig recht,

Aber trotzdem kann man manchmal einem pferd auf den richtigen Weg für ca 10~15 Minuten helfen., zb wenn es sich verwirft und manuelle Therapie allein nicht hilft.

Ich reite am liebsten mit möglichst wenig Leder am kopf, habe mit drei kleinen Lektionen aber wieder ein entspanntes durchlässiges Pferd bekommen.

Danach war es nie mehr nötig..

Kommentar von sarahcarma ,

Natürlich sind Ausbilder für 10 Minuten kein wunder Heilmittel aber bei vielen Pferden hilft es sehr und ich bin absolut der Meinung ( um auf felixfoxx zu antworten ) , dass es tausendmal besser ist mit beispielsweise dreieckszügeln zu reiten , was sehr woll ein lockeres über den Rücken laufendes Pferd ermöglicht (!) als das das Pferd mit hocherhoben Kopf (was oft auch zu riegelnden Reitern führt) such die Gegenstand der Reiter durch die Gegend stachst und der reiter im Pferderücken plumps

Kommentar von Viowow ,

das was du da oben beschreibst ist KEIN korrektes VA

Kommentar von sarahcarma ,

@Viowow hast du eigentlich nichts besseres zu tun als leute auf ihre Rechtschreibung einzuweisen

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 29

Es ist ein meines Erachtens unglücklich gewählter Begriff für die gesunde, korrekte Dehnungshaltung des gerittenen Pferdes.

Unglücklich finde ich ihn deshalb, weil vorwärts + abwärts nach laufen auf der Vorhand klingt, obwohl die gute Dehnungshaltung schon definitiv die korrekte Längebalance anstrebt.

Kommentar von lovelifee6899 ,

findest du wirklich, dass vorwärts abwärts nach laufen auf der vorhandenen klingt? Ich finde, dass es eigentlich ja nur heißt, dass das Pferd gut vorwärts laufen soll, was ja eigentlich auch bedeutet, dass die Hinterhand aktiv sein muss🙈 (das soll kein Angriff sein, bitte nichz falsch verstehen, ich hab mir nur Gedanken darüber gemcht :))

Kommentar von Baroque ,

Abwärts zum vorwärts dazu klingt halt so ähnlich wie das aufwärts beim guten Aufwärtsgalopp, wo die Rückenlinie wirklich nach vorne ansteigend sein soll. Also sieht der Reiter im Umkehrschluss es so, dass beim v/a die Rückenlinie nach vorwärts abfällt - was tatsächlich grob falsch wäre ... von manchen Reitern auch fälschlicherweise praktiziert wird, übigens reitweisenunabhängig, nur für den Fall, dass jemandem jetzt ein Westernpferd in den Kopf kommt. Der Fehler wird in allen Reitweisen gemacht, wenn der Teil "abwärts" eben als "bergab" verstanden wird.

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