Was ist so schlimm am Zeichnen im Unterricht?

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8 Antworten

Es könnte sein, dass Deine Deutschlehrerin anders lernt als Du. Es gibt Menschen, die nur aufmerksam zuhören können, wenn sie nichts anderes machen; fangen sie etwas anderes an, wissen sie bald nicht mehr, was gesagt wird.

Andere, wie Du, können auch oder sogar besser zuhören, wenn sie sich nebenbei mit etwas anderem beschäftigen, das nicht so viel Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Früher lag oft neben jedem Telefon ein Notizblock, um Nummern aufzuschreiben, und fast jeder hatte dort diverse Kritzeleien drauf, die er beim Telefonieren gemacht hatte. Trotz Zuhören.

Es gibt natürlich auch Lehrer, die teilweise berechtigt, besorgt sind, dass der Schüler in ihrem Unterricht z.B. schon mal Hausaufgaben der letzten Stunde macht oder private Texte schreibt. Die werden dann manchmal sauer, bevor sie genau wissen, was man da schreibt. 

Ich würde mal mit der Lehrerin reden, das Zeichnen erklären und folgendes anbieten: Für die nächsten 4 Stunden oder so darfst Du zeichnen, und sie kann Dich jederzeit aufrufen. Wenn Du dann kurz erklären kannst, worum es im Unterricht gerade geht oder etwas Konstruktives über den Unterricht sagen kannst (Frage beantworten, Idee einbringen), kannst Du weiter zeichnen, weil Du bewiesen hast, dass es Dich nicht vom Unterricht ablenkt.

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Kommentar von Holger1002
11.05.2016, 08:30

Das ist ein sehr guter Tip!

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Ich verstehe das sehr gut.

Ich arbeite ehrenamtlich mit Kindergruppen, und mir wurde in der Jugendleiter-Ausbildung gesagt, dass es gut sein kann, dass vor allem kleinere Kinder (die noch nicht auf den Boden reichen) beim Zuhören mit den Beinen baumeln. Das sei aber kein Zeichen von Langeweile, und man solle sich dadurch nicht stören lassen.

Ich habe das erlebt, aber es ist mir sehr schwer gefallen, den Mund zu halten, da mich so etwas fürchterlich ablenkt. Ich habe es auch manchmal verboten, aber dann war die ganze Gruppe abgelenkt.

Bei meiner Mutter war es ganz lustig. Wenn ich aus der Schule kam, merkte ich sofort, Muttern hat wieder telefoniert, wenn im Kalender Kringel und Gesichter waren. Sie hat dann zum besseren Zuhören mit der Hand Bewegungen gemacht. Dem Gesprächspartner war das egal, er sah das ja nicht.

In meiner Klasse gab es ein ähnliches Phänomen, nämlich wenn die Mädchen in den "Laberfächern" gestrickt haben. Anscheinend konnten sie die Gedanken besser beim Thema halten, wenn sie mit den Händen in Bewegung waren.

Ich selbst schreibe beim Zuhören gerne mit, weil ich mich sonst nicht gut konzentrieren kann. Ich könnte auch zeichnen, wie Du.

Nun zu Deiner Lehrerin. Wenn sie sieht, dass Du sie nicht anschaust (wie vielleicht andere Mitschüler), dann hat sie das Gefühl, Du bist nicht dabei. Wenn Du dazu noch Bilder malst, die nichts mit ihrem Unterricht zu tun haben, dann hat sie das Gefühl, der Unterricht ist umsonst zelebriert worden. Ich denke, sie hätte ein ähnliches Gefühl, wenn Du mitschreiben würdest bei einer Sache, die sie mündlich zu erklären gedenkt (also nicht erwartet, dass Ihr mitschreibt). Dann würde sie sich aber in ihrem Inneren zusammenreißen, weil sie sich sagt, Du schreibst ja mit. Wenn das aber nun Bildchen sind, dann ist ja sozusagen am Thema vorbei.

Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass Du einfach so etwas malst, wie meine Mutter damals beim Telefonieren, vergleichbar mit dem Beinebaumeln bei kleinen Kindern. Etwas Bewegung beim Zuhören. Das ist m.E. okay.

Anders verhält es sich, wenn Du richtig bei der Sache dabei bist beim Malen, also Mitschüler zeichnest oder Cartoons, über die die andern lachen sollen oder so etwas. Verstehst Du den Unterschied? Das wäre dann nicht mehr "Beinebaumeln" sondern Füßestampfen oder Herumlaufen - Absicht, die dahintersteckt.

Solange das Zeichnen eher ein müßiges Kritzeln ist, um die Gedanken beim Lehrer besser bündeln zu können, ist dagegen nichts einzuwenden, im Gegenteil: es hilft Menschen, die keine Hörtypen sind, ihre Gedanken zu sammeln.

Wenn letzteres bei Dir zutrifft, dann wäre es sehr meiner Ansicht nach sehr hilfreich, wenn Du Deiner Lehrerin erklären würdest, dass diese Kritzeleien Dir helfen, mit den Gedanken beim Zuhören nicht zu sehr umherzuschweifen. Dabei solltest Du sehr respektvoll mit ihr reden, denn das hilft ihr, grundsätzlich zu verstehen, dass es bei Dir nicht an Respektlosigkeit liegt, wenn Du zeichnest.

Überlege Dir, wann Du das am besten sagst, denn wenn sie gerade in Rage ist (Du musst bedenken, dass sie ja erst eine ganze Weile zuschaut und schluckt, bis sie endlich etwas laut sagt, und dann steht der Kessel schon ganz schön unter Dampf), ist der Zeitpunkt denkbar schlecht. Das müsstest Du ihr in einer Pause oder nach der Schule erklären, vielleicht mit einem anderen Lehrer Deines Vertrauens dabei. Der könnte das evtl. auch verdolmetschen.

Wenn Deine Lehrerin fair und fachlich ist, wird sie zugeben müssen, dass unterschiedliche Lerntypen unterschiedliche Behandlungen brauchen. Frederic Vester hat dazu ein gutes Buch geschrieben (denken. lernen, vergessen o.ä.), da findest Du sicher auch im Internet dazu etwas. Ich meine, bei netschool.

Was Du noch tun kannst: Ihr beim Zeichnen immer wieder einmal direkt ins Gesicht sehen, damit sie sieht: Du bist noch da. Oder melde Dich mit einem Fachbeitrag oder auch einer Frage. Dann sieht sie, Du denkst mit. Oft bringen Fragen auch das Unterrichtsgeschehen weiter, so dass die meisten Lehrer sehr dankbar sind für Fragen. Und viele Mitschüler trauen sich nicht zu fragen, also tust Du anderen auch noch etwas Gutes damit :-)

Alles Gute für Dich!


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Naja... sie erwartet, dass man sich in deinem Alter für einen gewissen Zeitraum auf eine Sache konzentrieren kann.
Unterricht bedeutet nicht nur Zuhören, sondern auch Mitmachen... :)
Das ist leider ne Tatsache (auch wenn ich es persönlich nicht so schlimm finde ein bisschen zu zeichnen im Unterricht :) )

Geh doch mal nach der nächsten Stunde auf sie zu und sage ihr, dass Zeichnen nunmal deine Begabung und Leidenschaft ist... du jedoch dem Unterricht folgen kannst.
Bau deine mündl. Leistung aus :) dann sieht sie, dass du dich bemühst.

Zur Not lass dich auf ein Gespräch mit dem Rektor ein :) - die sind zum Teil lockerer drauf

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Ich glaube, diese Frage musst Du ihr stellen. Vielleicht hatte sie einfach nur einen schlechten Tag. Wenn Du früher auch schon in ihrem Unterricht gezeichnet hast und es von ihr keine hysterische Reaktion gab, wäre das eine Erklärung.

Sollte sie das nächste Mal wieder schreien, sagst Du ihr, wenn sie nicht sofort mit der Brüllerei aufhört, wärest Du derjenige, der zum Direktor geht.

Die Lehrerin hat die anmaßende Aufgabe, euch ungefragt zu unterrichten. Sie muss - möglicherweise will sie sogar - einen Leerplan umsetzen. Sie hält das sicher für eine nützliche Tätigkeit; sonst hätte sie vermutlich nicht mehrere Jahre dafür studiert. Wenn sie es nicht (mehr) für nützlich hält, so verdient sie doch ihr täglich Brot mit dieser Absurdität.

Die zu Schülern degradierten Menschen sind für die Lehrer ein Utensil; so wie die Tafel und die Kreide, das Klingelzeichen, das Klassenbuch und die Noten. Sie basteln sich ihre Utensile so, wie sie ihnen am besten nutzen. So wie  viele Schüler beispielsweise einen Lieblingsstift haben.

Ohne all das, würde die Schule nicht funktionieren, denn zum Lernen ist sie mit ihren ganzen Merkwürdigkeiten nicht erforderlich. Lernen funktioniert auch ohne all diesen Plumperquatsch. Im Gegenteil. Es funktionierte ohne sie sogar weit besser.

Was sie genau an Deiner Zeichnerei stört, oder speziell in dem Moment genervt hat, kann ein Außenstehender nicht beurteilen. Vielleicht ist schon vorher etwas passiert und Du warst zufällig der, an dem sie ihren Frust abgelassen hat. Schwer zu sagen.

Fakt ist, dass Du Dir keine Vorwürfe machen musst. Die Grenzüberschreitung kam vonseiten der Lehrerin.

Gruß Matti

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Kommentar von Gwennydoline
11.05.2016, 11:43

Ohmann... dein ernst? Ich hab ja schon  einige Bildungssystem-Kritiker gehört, aber so etwas undifferenziertes schon lange nicht mehr.

Schüler haben die Pflicht am Unterricht aktiv teilzunehmen.

Mich würde mal interessieren auf welcher Basis du all diese Behauptungen triffst. 

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Wenn sowas bei uns vorkommt reden die Lehrer von Arbeitsverweigerung

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Tja, viele Lehrer sind einfach dumm im Kopf. Damit muss man leider leben.

Den Lehrern ist alles scheißegal, solange sie ihren streng vorgegebenen Unterricht geradlinig und beschiissen langweilig abarbeiten können, wie Fließbandarbeiter...

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Wenn du weiterhin am Unterricht teilnimmst und andere nicht störst, hat es keinen Grund dich zur Rektorin zu schicken. Mach einfach so weiter wie zuvor, und wenn sie dir erneut einen Roman erzählt, sag zu ihr, dass du weder störst noch nicht am Unterricht teilnimmst, weshalb es keinen Grund gäbe, dich zur Rektorin zu schicken.

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Vielleicht hatte sie eine andere Erziehung und muss das jetzt auch bei IHREN schülern umsetzen. Das kenne ich auch von meinen Eltern, die eine sehr strenge Erziehung hatten als Kinder, und das selbe mit mir gemacht haben, obwohl sie es nicht gutheißen (eigentlich).
Aber ich kann auch nichts schlimmes an deinem Verhalten finden.

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