Frage von Liliana32, 78

Was ist nur los mit mir, hab ich Autismus oder so?

Hallo,

Ich hoffe, dass ihr irgendwie Rat wisst, also: Ich wurde erst drauf angesprochen, dass ich anscheinend komisch wäre. Diese Person meinte, dass ich oft wegen unnötigen Sachen wütend werde und dass ich mich oft unmöglich benehmen würde.

Seitdem überlege ich die ganze Zeit, was mit mir los sein könnte. Ich weiß zwar schon, dass ich hochbegabt bin (Nachgewiesener IQ von 146 +), aber ich glaube nicht, dass das erklärt, dass ich oft andere Leute nicht verstehe und sie mich nicht verstehen.

Ich hab ja nichts dagegen, wenn man mit mir nicht spricht, schließlich bin ich wirklich ein bisschen unnormal, wenn man das so sagen kann. Ich lebe in meiner eigenen Welt und lese zurzeit nur noch Sachbücher, die um das Universum gehen.

Doch ich merke gar nicht, wenn mich jemand nicht mag, oft muss man mir sagen, dass ich gerade komisch reagiert habe. Ich bin aber auch ziemlich oft abwesend und kann mit spontanen Ereignissen schlecht umgehen. Außerdem lebe ich nach einem strikten Zeitplan, z.B. drehe ich wieder ziemlich durch, wenn ich meine Stunde Sudoku am Tag nicht machen kann oder nicht um punkt sieben bei unserem Bäcker vorbei gehe, wenn ich zur Bushaltestelle laufe.

Ich interessiere mich aber auch nicht wirklich für meine Mitmenschen, ich finde Fakten und Zahlen viel interessanter. Oft versuche ich Wörter in Zahlen zu fassen und denke mir komplizierte Zahlenreihen aus, die ich dann liebend gerne verändere und es versuche, immer zu begründen. Ich weiß, das klingt wirklich ziemlich absurd.

Oft weiß ich aber auch nicht, wie ich etwas richtig ausdrücken soll und benutze dann oft Fremdwörter, wobei ich das dann alles wieder erklären muss. Meistens habe ich aber auch Angst, meine Meinung zu sagen, weil es ja gegen Regeln verstößen könnte - das ist aber auch wieder etwas, was mich verrückt macht, Regeln. Oft verstehe ich es nicht, wenn andere Leute überlegen, ob sie etwas machen, wo es doch offensichtlich gegen Regeln verstößt! Ich lasse mich aber auch schnell reizen und verstehe Witze und Redewendungen oft nicht.

Das einzige, was mich unsicher macht, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich Autismus oder sowas habe, ist, dass ich Sarkasmus bei anderen verstehe, ihn aber selber sehr gerne benutze.Das machen Leute mit Autismus eigentlich nicht, oder?

Und selten bemerke ich auch an verschiedenen Fakten, dass sich jemand unwohl fühlt, weiß dann aber nicht, was ich tun soll und lass es einfach, zumal es mich ja eigentlich nichts angeht. Ich hab langsam das Gefühl, dass andere das auch nicht toll finden.

Mein Problem ist jetzt aber auch , dass ich nicht verstehe, was jemanden verletzt und was nicht? Ich sag es meistens einfach und erst, wenn mich wer drauf hinweist, merke ich, dass das nicht so toll war. Eigentlich würde ich darüber ganz gerne mit meinen Eltern reden, aber ich trau mich nicht wirklich. Habt ihr vielleicht eine Idee, was ich jetzt tun könnte?

Liliana32

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Antwort
von Pramidenzelle, 30

Hallo Liliana,

ich melde mich auch Mal als Autistin zum Thema.

Ich fange Mal hinten an - bei der Idee, was du jetzt tun könntest. Du könntest dir einen Termin beim Psychiater geben lassen, um eine Diagnose zu bekommen, dann weißt du was Sache ist. Selbstdiagnosen sind nämlich keine so gute Idee, egal ob es um Autismus oder irgendetwas anderes geht.
Mit der Diagnose könntst du dann eventuell auch Hilfe bekommen - z.B. solche Sachen wie Sozialkompetenztraining.
Ich bin ebenfalls sehr schlecht darin, selbst zu erkennen, was andere Menschen vielleicht verletzen könnte, aber das kann man zumindest zu einem Teil durchaus lernen.

Die Frage, ob du Autismus hast, oder nicht, kann dir niemand einfach so im Internet beantworten, dafür braucht es schon einen Fachmann und ein ordentliches Diagnosegespräch - wenn du ein Grenzfall bist, oder schon "zu erwachsen" für die normalen Tests, dann kann es auch mehr als nur ein Gespräch werden.

Einerseits erkenne ich mich in einigen Dingen, die du schreibst durchaus selbst wieder, aber andererseits berichtest du zum Beispiel nichts darüber, dass du ein Problem bei der Filterung von Reizen hast - damit meine ich solche Sachen wie, dass man Leuten nicht richtig zuhören kann, wenn gleichzeitig Musik läuft oder das Gefühl von der Kleidung auf der Haut die ganze Zeit wahrnimmt, und es nicht ausblenden kann... Für mich ist das eigentlich der Teilaspekt des Autismus, den ich im Alltag am meisten bemerke. Denn dass ich sozial inkompetent bin, das merken ja meine Mitmenschen, ich aber eher weniger.

Liebe Grüße
Pramidenzelle

Antwort
von Aleqasina, 21

Mach doch mal einen Online-Selbsttest. Der ersetzt zwar keine fachliche Diagnose, aber wenn das Ergebnis eine Tendez in Richtung Asperger-Syndrom bzw. Autismus ergibt, dann solltest du eine professionelle Diagnose durchführen lassen.

https://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_asperger.phtml

Wenn herauskommt, dass du Autistin bist, dann weißt du zumindest, warum du so anders bist. Du weißt dann mehr über dich selbst und du kannst dich darauf einstellen.

Und wenn nicht, dann kann gezielt nach einer anderen Ursache gesucht werden.

Aber alles, was du oben erzählt hast, deutet auf Asperger-Autismus hin.

Antwort
von halbsowichtig, 14

Im Prinzip passt das alles zum Asperger-Syndrom. Aber genauso gut kann es davon kommen, dass dir Sozialkontakte auf Augenhöhe fehlen. Bei deinem Verstand und deinen Interessen verstehen dich Gleichaltrige ja nicht. Dadurch fehlt dir die tägliche Erfahrung, du bleibst also entsprechend unsicher.

Vielleicht bist du auch einfach schlau genug, um den Unsinn und die Irrationalität um dich herum wahrzunehmen. Deshalb suchst du unbewusst nach starren Regeln, die die in dem ganzen Chaos einen Halt geben.

Was würde eine Asperger-Diagnose an deinem Leben ändern? Du könntest Nachteilsausgleiche in der Schule bekommen. Brauchst du die? Dann lohnt sich eine Untersuchung. Sonst eher nicht.

Antwort
von Frodo4434, 33

Also ich kann keine diagnose stellen, bin allerdings selbst autist, weshalb ich dir vielleicht helfen könnte.

Du klingst mir ehrlich gesagt ziemlich ähnlich. Ich erkenne mich in vielen Dingen die du beschreibst wieder. Die geregelten abläufe, die eigene Welt, die faszination für Zahlen anstatt für Menschen, die Fremdwörter. Du klingst für mich wie ein Autist.

Sarkasmus zu verstehen zu können bzw. ihn zu benutzen ist keine seltenheit bei Autisten. Meistens verstehe ich ihn auch und benutze ihn auch desöfteren.

An Autismus ist absolut nichts schlimm. Ich sehe keinen Grund, dass du Angst haben solltest, deine vermutung mit deinen Eltern zu teilen. Autismus ist auch vererblich, also ist es möglich (aber nicht zwingend der Fall), dass du es vererbt bekommen hast. Mein Vater hat seine Diagnose jetzt (kurz nach mir) mit 62 bekommen.

Die Frage ist natürlich ob du in die Diagnose gehen willst. Wenn nicht, brauchst du es im Prinzip nichtmal deinen Eltern sagen. Die Frage die du dir stellen solltest ist: Was erhoffst du dir von der Diagnose?

Brauchst/Willst du hilfe von außen? Brauchst du die Gewissheit? Willst du es deinem Umfeld (Feunde, Familie) etc. sagen?

Wie bereits gesagt, klingst du für mich wie ein Autist, aber ich kann mich genauso gut irren. Du musst dir überlegen ob du es wissen willst. Wenn ja dann geh zu deinen Eltern und mach mit denen einen Termin bei einem Psychiater und lass eine Diagnose machen. Und wenn nicht, kannst du dir immernoch überlegen ob du es deinen Eltern sagen willst. Ich habe da allerdings keine Bedenken

Ich wünsch dir in jedem Fall viel Glück :)

Antwort
von Revic, 33

Wärst du denn gerne Autistin? Ich frage deshalb, weil Menschen mit dieser Wunschdiagnose oft dazu tendieren, sich in den Autismus hineinzusteigern und sich manche Symptome quasi einzubilden oder mehr zu überspitzen, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Du wirst mir in meiner Annahme jetzt wahrscheinlich wiedersprechen und das ist auch in Ordnung. Ich wollte dir damit nur ein bisschen Stoff zum Nachdenken geben. Horch einmal ganz tief in dich hinein. Sind die Dinge, die du beschreibst, wirklich ein Teil deiner Persönlichkeit oder verhälst du dich (eventuell unbewusst) extra so, um als autistisch angesehen zu werden?

Egal zu welchem Ergebnis du gelangst, ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für deinen weiteren Lebensweg, ob mit oder ohne Autismus. Und ich betone noch einmal: Ich halte dich nicht für eine Lügnerin oder Aufschneiderin. Diese Phänomen ist nur menschlich und kann im Grunde jeden (be-)treffen.

Kommentar von Aleqasina ,

Widerspruch!

Autismus ist keine "Wunschdiagnose", die man sich, einer Mode folgend, gerne zu legt.

Es ist umgekehrt. Viele Autisten sind nicht diagnostiziert und wissen deshalb nicht, was mit ihnen los ist. Manche suchen die Ursache des Nicht-Zurechtkommens unter neurotypischen Menschen bei sich und haben deshalb Schuldgefühle und Versagensängste.

Wenn Autismus diagnostiziert wird, können gezielte Verhaltensstrategien ("Überlebenstechniken") erlernt werden, die zwar nichts am Autismus selbst ändern, aber das Zurechtkommen im Alltag für den Autisten erleichtern.

Kommentar von halbsowichtig ,

Wer auf dieser Welt will bitte Autist sein? Die Mehrheit aller diagnostizierten Autisten ist arbeitslos. Niemand will arbeitslos sein.

Kommentar von Revic ,

Autismus, speziell Asperger, ist absolut eine Wunsch- und inzwischen leider auch eine Modediagnose. Und ich kann euch auch genau sagen, warum: Der Mensch neigt dazu, sich als etwas besonderes fühlen zu wollen und von anderen beachtet zu werden. Autismus ist dafür bestens geeignet.

Ich habe schon Menschen kennengelernt, die quasi mit ihrer Autismus-Diagnose geprahlt bzw. steif und fest davon überzeugt waren, autistisch zu sein, auch wenn Umfeld und Ärzte etwas anderes sagten. Die gehen dann eben zu so vielen Ärzten, bis einer dabei ist, der die gewünschte Diagnose stellt. Anderen mir bekannten Autisten und auch einigen Fachleuten ist dieses Phänomen ebenfalls nicht unbekannt.

Ein weiterer Grund für Autsimus als Wunschdiagnose ist die oft jahrelange "Wanderung" von Experte zu Experte, welche ganz verschiedene Diagnosen aufstellen. Der Wunsch, zu wissen was mit einem los ist, führt schnell zum "passend machen" von Symptomen, welche in Wirklichkeit aber gar nicht in dieser Intensität und Ausprägung vorliegen. Man könnte es als andere Form der Hypochondrie sehen. Diese tritt übrigens nicht nur bei Autismus, sondern bei einer ganzen Reihe von psychischen und physischen Erkrankungen auf.

Antwort
von CocoKiki2, 38

solange du glücklich bist ist es doch egal.

Kommentar von Aleqasina ,

Nein, egal ist das nicht.

Es geht z. B. darum, ob Liliana für die Schule einen Nachteilsausgleich bekommen kann (z. B. Befreiung vom Sportunterricht, Möglichkeit, Arbeiten in einem separaten störungsfreien Raum zu schreiben, andere Bewertung von Gruppenarbeit oder Literaturinterpretationen usw.).

Eine Diagnose ist für ganz praktische Fragen notwendig.

Kommentar von CocoKiki2 ,

und wozu? das grenzt sie doch nur noch weiter ab von der normalität, von ihren mitschülern die keine extra wurst bekommen. solange sie glücklich ist sehe ich keinen sinn darin.

Antwort
von Hodenjunker, 37

Mit deinen Eltern reden ! trau dich einfach !!! :D

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