Was ist nach Abmeldung eines Kindes vom Religionsunterricht in der Grundschule als Ersatzangebot der Schule hinzunehmen?

... komplette Frage anzeigen

12 Antworten

Das klingt ja, als ob nachsitzen als Alternative angeboten würde. 
Tatsächlich hat die Schule die Aufsichtspflicht, auch wenn das Kind nicht am Religionsunterricht teilnimmt. Wie das auszusehen hat, ist eines Wissens nicht geregelt.

Dieses wiederkehrende Problem gäbe es nicht, wenn es einen allgemeinen Religionsunterricht gäbe, in dem neutral die Glaubensvorstellungen vieler Religionen und auch deren Widersprüche gelehrt werden. Das wäre echte Bildung, statt staatlich organisierter Indoktrinierung. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Also vorab, wenn Du Dein Kind auf der katholischen Grundschule in Bremen angemeldet hast, dann kannst Du gar nichts unterenehmen. Eine Schule eines kirchlichen Trägers beansprucht neben den regulären Bildungs- und Lehrplänen zusätzliche Unterrichte im religösen Bereich.

In einer staatlichen, bzw. komunalen Grundschule sieht es dann etwas anders aus, da dort ein Lehrplan ohne religösen Schwerpunkte verabschiedet wird.

Problem bei der Sache ist aber:

  1. Der Lehrplan wird unter Mitsprache einer Elternvertretung verabschiedet. Sollte die Elternvertretung biligend hingenommen haben, dass keine Alternative für einen vergleichbaren Unterricht, wie zum Beispiel Ethik, geschaffen wurde, dann hast Du da auch ein Problem, da mit Verweis auf die Elternvertretung ein kollektives Einverständnis der Elternschaft unterstellt ist.
  2. Sollte der Lehrplan Alternativen vorsehen, diese aber dann aufgrund eines bestehenden Lehrermangels nicht durchgeführt werden, entsteht eine Patt-Situation, da zwar beide (Lehrer- und Elternschaft) gewollte Alternativen haben, diese aber anhand der Möglichkeiten scheitern.
  3. Ein Alternativunterricht, wie in dem Fall Ethik, beansprucht eine gewisse Klassenstärke. Unterstellen wir den Idealfall von zwei Klassen pro Jahrgangsstufe, haben wir 8 Unterrichtsstunden in der Woche für Ethik. Diese 8 Unterrichtsstunden bedürfen aber mindestens 10 Schüler pro Stunde. Wird dieser Menge an Schülern nicht erreicht, wird der Unterricht mangels ausreichender Teilnahme nicht erteilt.

Diese Problematik muss von Dir erst ergründet werden, bevor Du überhaupt rechtliche Schritte in Erwägung ziehen möchtest. Sind die von mir aufgeführten Punkte gegeben, dann kannst Du Dir den Weg zum Anwalt sparen. Das geht allenfalls wie das "Hornberger Schießen" aus.

Hinsichtlich des disziplinarischen Hintergrunds bei einer stundenweisen Versetzung in eine Parallelklasse, sowie dem Einwand der Diskreminierung, sehe ich auch wenig Anlass einer Gewichtung, da die Platzierung des jeweiligen Schülers durch eine entsprechende Ankündigung des Lehrers vor den Schüler der Klasse relativiert werden wird/kann.

Deine Chancen zur Situationsbereinigung sehen unter Umständen folglich nicht gut aus.

Was bleibt....die von Dir verneinte Diskussion zur Teilnahme am Religionsunterricht.

Hierzu empfehle ich einfach, wenn Du absolut negativ zur Religion stehst, dann besorge Dir den Lehrplan mit den Lehrinhalten, und spreche mit Deinem Kind in Deinem Sinne über den Unterrichtsbestandteil.

Ansonsten musst Du einen Schulwechsel ins Auge fassen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Siehe Hamburgisches Schulgesetz §7 Absatz 4:

(4) Soweit in der Stundentafel vorgesehen,
wird den Schülerinnen und Schülern eine Wahlpflicht-Alternative zum
Religionsunterricht in den Bereichen Ethik und Philosophie angeboten.

Vom Besuch des Fachunterrichtes in einer anderen Klasse steht da nichts. Wie die Schule das Organisiert ist nicht dein Problem.

Du kannst natürlich auch vorschlagen das dein Sohn zur Beaufsichtigung in die Parallelklasse geht, dort aber sich anders beschäftigt, etwa Hausaufgaben erledigt oder auf seinem Musikinstrument übt oder Gesangsübungen durchführt



Ich sehe gerade Bremen und nicht Hamburg
hier gilt :

Artikel 32 [Gemeinschaftsschulen, Religionsunterricht]

(2) 1Unterricht in Biblischer Geschichte wird nur von Lehrern erteilt, die sich dazu bereit erklärt haben. 2Über die Teilnahme der Kinder an diesem Unterricht entscheiden die Erziehungsberechtigten.

Ansonsten der gleiche Vorschlag.
.



Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Also ich wurde Freigestellt vom Unterricht, da der Religionsunterricht immer in der 1. oder letzten Stunde statt gefunden hat.

Wenn das mal nicht der fall war mussten wir zum Kunst oder Technik Unterricht in einer anderen Klasse, was eher sehr selten der Fall war!


Aber das ist auch schon fast 25 Jahre her ! ( scheiße bin ich alt ) ( wird gerade Bewusst wenn man 25 Jahre her schreibt )

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Eine Schule kann leider nicht auf jede Situation individuell reagieren und auf Vorlieben Rücksicht nehmen.

Wenn euer Kind nicht in den RU gehen kann/darf/will, dann muss er an einem anderen Unterricht teilnehmen, das gilt auch bei Randstunden. Dass zwischen Nichtteilnahme am RU und disziplinarischen Maßnahmen bei Fehlverhalten Ähnlichkeiten bestehen, bedeutet keine Diskriminierung.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Der Lehrplan für Grundschulen in Norddeutschland sind mir nicht bekannt. In NRW war es bisher so, dass ev. und kath. Religionsunterricht zu den benoteten Pflichtfächern gehörte und je nach angegebener Konfessionszugehörigkeit erteilt wurde.

Für Kinder ohne Bekenntnis sowie Kinder, deren Eltern keinen Religionsunterricht wünschten bzw. Muslime gab es drei Möglichkeiten:

Wenn der Religionsunterricht zufällig eine Eckstunde war, durften sie zur zweiten Stunde kommen bzw. mittags früher gehen, aber man konnte nicht verlangen, dass für diese Kinder im Stundenplan eigens eine Eckstunde eingerichtet wurde

Gab es keine Eckstunden, musste die Aufsichtspflicht gewährleistet sein. Es bestand deshalb die Möglichkeit, trotzdem am Religionsunterricht teilzunehmen und in dieser Zeit Hausaufgaben zu erledigen

oder aber am Fachunterricht einer anderen Klasse teilzunehmen.

Eine Benotung im Fach Religion gab es dann im Zeugnis nicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wieso wird er diskriminiert? Wenn er am Unterricht nicht teilnimmt, obwohl es Pflicht ist, dann ist das ein Fehlverhalten das entsprechend disziplinarisch geahndet wird.

Ist doch eine ganz einfach Sache, wer sich nicht falsch verhält, wird auch nicht bestraft.

Ihr solltet eurem Sohn vielleicht einfach mal die Möglichkeit geben den Religionsunterricht zu besuchen und die Gelegenheit bieten sich eine eigene Meinung zum Thema Religion zu bilden.

Ob ihr Religion gut findet oder nicht ist vollkommen egal. Kinder sind keine Abziehbilder. Sie müssen nicht die Überzeugungen und Einstellungen der Eltern übernehmen, sie sind auch Individuen und haben das Recht auf die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit.

Was wollt ihr denn machen, wenn er sich später einmal taufen lässt und ein frommer Kirchgänger wird? Verleugnet ihr ihn dann und enterbt ihn?

Anstatt Extrawürste zu braten, sollte ihr vielleicht eurem Kind vermitteln, das es auch Dinge im Leben gibt, die man einfach machen und aushalten muss. Man kann sich nicht immer die Rosinen rauspicken.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von nnblm1
11.08.2016, 08:26

Entschuldigung, eine Abmeldung vom Religionsunterricht ist doch nicht der Nichtteilnahme am Unterricht gleichzusetzen.

Der Religionsunterricht EINER Religion ist sicherlich nicht die geeignetste Basis um sich selbst eine Meinung zum Thema Religion allgemein zu bilden.

1
Kommentar von Wilkinson
11.08.2016, 09:25

Was wollt ihr denn machen, wenn er sich später einmal taufen lässt und ein frommer Kirchgänger wird? Verleugnet ihr ihn dann und enterbt ihn?

Anstatt Extrawürste zu braten, sollte ihr vielleicht eurem Kind vermitteln, das es auch Dinge im Leben gibt, die man einfach machen und aushalten muss. Man kann sich nicht immer die Rosinen rauspicken.

Das hast Du wunderbar geschrieben. Ein Kommentar, der des Lesens mehr als wert ist. Sehr gut geschrieben.

Wilkinson

3
Kommentar von Katsa1
11.08.2016, 12:15

wenn es sich um einen interreligiösen Religionsunterricht handelt entspricht dieser Unterricht in etwa dem Fach Ethik. Der größte Unterschied ist wohl der Name. Bei mir an der Realschule wurde ab Klasse 7 Ethik angeboten. Dort haben sich die Schüler mit verschiedenen Religionen auseinandergesetzt. Wer vorher schon nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollte musste in eine andere Klasse sitzen und Aufgaben, die derjenige vom Klassenlehrer bekommen hat, bearbeiten.

1
Kommentar von Zicke52
12.08.2016, 00:16

@grossbauer: Es ist doch kein Fehlverhalten, nicht am Religionsunterricht teilzunehmen, weil dieses eben NICHT Pflicht ist! Es ist ausdrücklich vorgesehen, dass man sich vom Religionsunterricht abmelden kann.

Ist ja auch logisch, wo bliebe denn die Religionsfreiheit, wenn man gezwungen würde, sein Kind indoktrinieren zu lassen.

0

Ich habe mich in der Grundschule auch vom Fach Religion abmelden lassen und dann wurde ich in einen Deutsch Förderkurs gebracht (Obwohl ich in Deutsch einigermaßen gut War).Da konnte ich dann Hausaufgaben machen oder im Buch arbeiten. Dein Sohn könnte ja dann vieleicht auch in sowas wie einen LRS Kurs gehen .Dann hat er ein Fach was seine "Pflichtstunden"  füllt. (Er muss ja nicht unbedingt  im Unterricht mitarbeiten) .Hauptsache er hat eine Aufsicht und eine Aufgabe zum bearbeiten. Vieleicht gibt es ja an der Schule deines Sohnes genug Kinder die auch nicht mehr zum Religionsunterricht gehen . Man könnte vielleicht den Direktor fragen , ob ein Raum frei ist, in dem die Schüler wenn Religionsunterricht ist hingehen können und dann für Teste lernen würden oder Hausaufgaben machen können. Vieleicht habe ich schon was geschrieben was jemand anderes geschrieben hat oder irgendwas falsches , aber ich hoffe ich konnte dir und deinem Sohn (einigermaßen) Helfen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Entweder Unterricht in der Klassengemeinschaft oder in der Parallelklasse - was anderes geht nicht. Es gibt neben der allgemeinen Schulpflicht auch Vorgaben bzgl.  der Stundenanzahl. Wenn du jetzt nicht willst, dass dein Kind an bestimmten Stunden teilnimmt, muss er doch aber trotzdem auf seine "Pflichtstunden" kommen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ErsterSchnee
11.08.2016, 08:28

Trotz allem würde mich interessieren, was daran so schlimm ist, wenn er am Religionsunterricht teilnimmt.

2
Kommentar von flunra39
12.08.2016, 13:46

so ein Quark !- das Absitzen von Zeit/Stunden soll "bilden" ?!

Auf die Inhalte/Unterrichtsstoffe kommt es wohl an---!

0

Was ist jetzt so schlimm daran, dass er am Religionsunterricht teilnimmt ? Ich bin 9. Klasse und als wir in der 5./6. alle in der ersten Stunde Reli hatten Bestand die Gruppe immer aus mindestens 1/3 Muslime / Atheisten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Maxieu
11.08.2016, 09:11

Du kannst doch lesen:
(Die Diskussion, was denn daran so schlimm wäre, wenn mein Sohn im weltoffenen und toleranten HB am RU teilnähme, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich nicht eröffnen.)

Meine generelle Antwort darauf:

Was wäre denn so schlimm daran, wenn es das Fach Religion nicht gäbe oder wenn eine Fach nicht auf "allgemein christlicher Grundlage" stattfände?

0

Frage: Was ist HB?

Jede Tat die du für deinen Sohn tust hat manchmal Konzequnzen, wenn er gemobbt wird weil er während des Religions Unterricht in eine andere Klasse muss. Muss ER damit leben. Da viele andere hier auch nicht den Religionsunterricht besucht hatten und nichts davon schrieben, dass sie es bereuen. Ist es eher unwahrscheinlich, dass er deswegen gemobbt wird.

Ja, dein Sohn muss in der Zeit einen anderen Unterricht besuchen, schließlich kann er in dieser Zeit nicht unbeaufsichtigt bleiben.

Hast du schon mal deinen Sohn gefragt, ob er das auch will? Klar wird in erster Hand die eigene Religion Unterricht. Das in in anderen Kulturen nichts anders.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bis es kein Ethik gibt, werden nicht-religiöse Schüler vom Unterricht freigestellt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von andreasolar
11.08.2016, 09:06

"Schülerinnen und Schüler der Grundschule nehmen dann am Unterricht in einer Parallelgruppe teil. Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I erhalten alternativen Unterricht im Fach Philosophie." 

(Elternbrief der Senatorin für Bildung und Wissenschaft vom 30. 6. 2015)

3

Was möchtest Du wissen?