Frage von RagnarRoeg2, 70

Was ist mit persönlichen Dingen eines Verstorbenen, wenn das Sozilamt die Beerdingung zahlt?

Hallo zusammen.

Der Bruder meiner Freundin ist verstorben. Ihre Mutter kann die Beerdigung nicht zahlen, meine freundin ist noch in einer Ausbildung und einen Vater gibt es nicht mehr. So, wenn das Sozialamt die Beerdingungskosten trägt, was ist dann mit persönlichen Gegenständen aus der Wohnung des verstorbenen? Z.B. Fotoalben Dürfte sich meine Freundin diese aus der Wohnung holen oder nicht? Ihre Mutter ist der festen Meinung, dass dann das Amt nicht mehr Zahlen würde.

Weis jemand wie es wirklich ist?

Antwort
von dandy100, 48

Unfug, natürlich können sämtliche persönlichen Gegenstände mitgenommen werden - das Sozialamt überprüft die Einkommensverhältnisse des Verstorbenen, Rentenbezüge usw bevor es die Beerdigungskosten übernimmt - diese Kostenübernahme ist aber keine Pfändung bei ein Gerichtsvollzieher  kommt und die Gegenstände aus der Wohnung beschlagnahmt - so weit sind wir in Deutschland Gott sei Dank noch nicht.

Sollte der Verstorbene echte Wertgegenstände hinterlassen haben, müssten diese natürlich angegeben werden - dazu gehören aber ganz sicher nicht Fotoalben und persönliche Dinge, sondern nur verkäuflicher wertvoller Besitz.

Schau mal hier:

https://www.bestattungen.de/ratgeber/bestattungskosten/sozialbestattung.html#soz...

Kommentar von EstherNele ,

Das ist komplett richtig, wenn von persönlichen und nicht verwertbaren Dingen mit geringerem  Wert die Rede ist. 

Wenn es um Briefe, Fotos, Alben, persönliche Dinge wie ein Kleidungsstück oder so etwas geht - kein Problem.
Das sind ja Dinge, die kaum  verwertbar sind im Sinne von Verkauf.
Dinge von Wert (ein echtes Wandbild, wertvolle Bücher usw.) dürfen allerdings durch das Gericht veräußert werden, um den Erlös mit für die Bestattungskosten aufzurechnen..

Kommentar von nachdenklich30 ,

Noch mal: Die Sache ist komplexer.
Wird das Erbe angenommen, dann sind dem Sozialamt die Alben egal.

Bevor aber jemand das Erbe annimmt (und dazu gehören selbstverständlich alle persönlichen Gegenstände), sollte er prüfen, ob und ggf. wie hohe Schulden geerbt werden und ob deswegen das Erbe ausgeschlagen werden muss.

Wer das Erbe ausschlagen will, darf auch kein Album nehmen.

Umgekehrt: Wer das Album nimmt, hat damit auch der Erbe angenommen (vereinfacht ausgedrückt, da auch die Erbfolge usw. beachtet werden muss) - und kann es nicht mehr ausschlagen und haftet damit auch für die ggf. vorhandenen Schulden.

Wenn aber klar ist, dass es keine Schulden zu erben gibt: Nur Mut. Es wäre schade, wenn die persönlichen Dinge an den Staat / den Müll fielen.

Egal, ob Erbe oder nicht Erbe:
Auch wenn jemand das Erbe ausschlägt, kann er bestattungspflichtig sein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bestattungspflicht

Das heißt: Es kann auch dann jemand bestattungspflichtig sein, wenn er nicht Erbe ist. Und vielleicht kann jemand ganz anderes verpflichtet sein, die Beerdiung zu zahlen als der, der bestattungspflichtig war.

Von daher wundere ich mich über all die vielen schnellen Antworten, denen offenbar in keiner Weise klar ist, wie komplex die ganze Angelegenheit ist, und was alles noch dran hängen kann, wenn man sich auch eine zu einfach Antwort verlässt.

Ich kenne Leute, die sind wegen eines irrtümlich nicht ausgeschlagenen Erbes mit zigtausenden Euro verschuldet. Das ist ein Mehrfaches der Bestattungskosten, die das Sozialamt ggf. übernimmt.

Kommentar von dandy100 ,

Alles was Du da sagst, ist richtig, bis auf den entscheidenden Punkt, um den es dem Fragesteller ja ging: Ein Fotoalbum gehört nicht zu Erbe.

"Wer das Erbe ausschlagen will, darf auch kein Album nehmen"

Kein Gericht, kein Sozialamt  - kein Mensch auf diesem Planeten wird jemanden einen Strick daraus drehen bzw. ein Erbe als angenommen gelten lassen, weil jemand ein persönliches Fotoalbum mitnimmt seines Onkels mitnimmt.

Du kannst ja gerne mal einem Rechtsanwalt diese Frage stellen, der wird Dir einen Vogel zeigen - ist mir tatsächlich passiert, als ich mal wissen wollte, was alles zu einer Erbmasse gehört, wobei einem das wirklich auch der gesunde Menschenverstand sagt.

Wir mögen hier ja noch von unserer strengen preußischen Vergangenheit geprägt sein, aber eine derartige Erbsenzählerei gibts nicht einmal in Deutschland.

Antwort
von nachdenklich30, 29

Erst mal wünsche ich Euch viel Kraft für Eure Trauer und dass Ihr beim Bestatter, bei dem oder der Geistlichen und Eurem Bekanntenkreis auf nette und kompetente Menschen trefft, die Euch in dieser Situation hilfreich zur Seite stehen.

Die konkrete Frage ist im Zweifelsfall eine Angelegenheit für einen Fachanwalt für Erbrecht (s.u.). Und das bin ich leider nicht. Insofern übernehme ich für die Angaben keine Gewähr.

Grundsätzlich ist es so, dass die Bestattungspflicht und das Erbrecht unterschiedliche Dinge sind.

Es ist auch so, dass die Bestattung aus dem Erbe bezahlt werden muss. Wenn nichts an Werten gibt, müssen die Angehörigen zahlen. Wenn die dazu nicht in der Lage sind, können sie einen Antrag beim Sozialamt stellen.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass nun das Sozialamt erbt.

Etwas anderes liegt vor, wenn das Erbe überschuldet ist und deswegen die Erbschaft ausgeschlagen werden muss.

Das hat jetzt mit der Bestattungspflicht nichts zu tun. Das Erbe kann man meines Wissens nur ganz oder gar nicht ausschlagen, und dazu sind wichtige Fristen zu beachten. Wenn man allerdings das Erbe ausschlägt, erbt man nicht nur die Schulden nicht, sondern auch die Alben nicht.

Aber: Wenn es keinen Grund gibt das Erbe auszuschlagen, dann müsste aufgrund der gesetzlichen Erbfolge zunächst die Mutter erben. Dann dürfen die auch die Alben haben - die kommen, wenn sonst niemand erben würde, auf den Müll, das würde auch dem Sozialamt nicht helfen. Und wenn die Mutter das Geld für die Bestattung nicht hat, hilft das Sozialamt.

Wer kein Geld für den Rechsanwalt hat, der hat Anspruch auf eine entsprechende Beihilfe. Da kann man sich beim Amtsgericht erkundigen, wann es Sprechstunden der örtlichen Anwälte gibt, die helfen auch beim Antrag auf Beratungsbeihilfe oder wie das heißen mag. Oder man ruft gleich bei einem Fachanwalt für Erbrecht an mit dem Hinweis auf die Beratungshilfe und fragt, wie man an die Beratung kommt. Und die können dann auch genau sagen, wie das Ganze rechtlich aussieht.

Ich habe mal nach "amtsgericht beratungshilfe" gegooglet und einer der ersten Links war der folgende:

http://www.ag-koeln.nrw.de/aufgaben/abteilungen/360\_Beratungshilfe/index.php

Einfach mal selber googlen.

Viel Erfolg!

Kommentar von dandy100 ,

Ein Fotoalbum, Brillenetui, Kalender, Geldbörse oder irgendein persönlicher Gegenstand eines Verstorbenen gehört nicht zum Erbe. Es ist völliger Unsinn und absurd, darüber zu diskutieren ob ein Anghöriger diese Dinge an sich nehmen darf - selbstverständlich darf er das.

Auch wenn ein Erbe ausgeschlagen wird, sind diese Dinge natürlich nicht davon betroffen, denn sie haben nicht geringsten Verkaufswert und interessieren weder das Sozialamt noch das Nachlassgericht - soweit, dass man einen Antrag einreichen müßte, um das Taschentuch oder Foto eines Onkels mitzunehmen, sind wir Gott-sei-Dank noch nicht; das ist  lächerlich, und es würde bedeuten, dass ein Mitarbeiter des Sozialamt die persönlichen Habseligkeiten eines Verstorbenen auf den Müll wirft - oder was sollte wohl sonst damit geschehen? Natürlich passiert das nicht.

Antwort
von JTKirk2000, 33

Ich denke doch, dass man das mit dem Sozialamt klären kann. Gerade Dinge, die hauptsächlich einen ideellen, aber kaum oder keinen materiellen Wert haben können Verwandte, insbesondere Eltern, Geschwister oder eventuell Kinder sicherlich auch dann bekommen, wenn die Bestattung vom Sozialamt getragen werden muss. Fotos beispielsweise, Fotoalben oder auch Dokumente haben keinen materiellen Wert, oft aber ideellen Wert. Von daher sind sie sicher für das Sozialamt irrelevant. Am besten also einfach zum Sozialamt hingehen und mit dem zuständigen Sachbearbeiter sprechen.

Antwort
von isomatte, 16

Es wird dann vom Sozialamt ein Außendienstmitarbeiter zur Wohnungsbesichtigung geschickt und der sucht dann nach verwertbaren Sachen bzw. Vermögen und darunter zählt mit Sicherheit kein persönliches Fotoalbum,dass könntest du dann mit Absprache auf jeden Fall mitnehmen,denn sonst würde es eh entsorgt !

Antwort
von derhandkuss, 25

Deine Freundin dürfte sich die persönlichen Gegenstände nicht holen.

Entweder tritt Deine Freundin (als gesetzliche Erbin) das Erbe an - oder sie schlägt es eben aus. Wenn sie das Erbe antritt, dann mit allen Rechten und Pflichten. Sie kann dann den Hausstand (also auch die persönlichen Gegen-stände) verwerten, übernimmt dann aber auch alle Verbindlichkeiten wie die Kosten für die Beerdigung.

Oder sie schlägt das Erbe aus - und verzichtet damit auf die persönlichen Gegenstände!

Kommentar von dandy100 ,

Das stimmt nicht - persönliche Gegenstände wie z.B Fotoalben gehören nicht zum Erbe - selbstverständlich kann man diese mitnehmen - das wär ja auch völlig unmenschlich, das zu verbieten - kein Sozialmat und kein Gerichtsvollzieher der Welt würde das bestimmen, es sei den es handelt sich um wertvollen Schmuck oder so was in der Art, aber doch kein Fotoalbum.

Ich bitte Dich, das ist ja lächerlich - habe einen Gerichtsvollzieher als Nachbarn....

Was soll denn das auch Sozialamt damit machen? Die sind nur an verkäuflichen Wertgegenständen interessiert, alles andere macht doch gar keinen Sinn

Kommentar von nachdenklich30 ,

Dann frag doch mal deinen Nachbarn und lass Dich über den Begriff "Unterschlagung" informieren - und frag mal nach, wie oft sich die Gerichte damit auseinander setzen müssen, wenn Erben sich gerade um die Alben zanken.

Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Wenn die Alben weg sind und sich niemand deswegen beschwert: Passiert nichts - und das Sozialamt interessiert es nicht. Wenn der Verstorbene aber Schulden hinterlässt (was ja bis jetzt nicht ausgeschlossen werden kann), dann gibt es jemanden, der diese Schulden eintreiben will. Und der wird sich sehr genau dafür interessieren, wer das Erbe angetreten hat, um vielleicht doch irgendwann ein paar Euro wieder zu bekommen. Ich weiß aus dem Bekanntenkreis, das Banken da sehr hartnäckig sein können und viel Geduld haben.

Also: Genau lesen, worum es eigentlich geht. Geht es nur um das Sozialamt:
Da sind Alben wahrscheinlich kein Problem.

Aber im schlimmsten Falle geht es darum wer ggf. die Schulden erbt. Und dann können die Alben ein großes Problem werden.

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