Frage von sotrue1999, 81

Was ist mit den "Erwartungen" gemeint, welche Asperger-Autisten nicht einhalten können?

Ich hab nämlich immer darüber gelesen, weiss aber nicht wirklich was damit gemeint ist

Danke :-))

Antwort
von Grautvornix16, 33

Hi,- setze voraus, dass schon klar ist, dass ich hier nur meine Meinung zu dem Thema "Asperger-Syndrom" widergebe. Ich halte den ganzen Begriff für problematisch. Er gehört in die Reihe von angeblichen Abweichungen bei denen selbst die sog. "Fachwelt" sich nicht einig ist ob es "nur" eine (entwicklungsbedingt erworbene) Besonderheit oder eine (psychologisch-psychiatrische "Krankheit") ist. - Aber selbst wenn Letzteres zutreffen würde: das Ganze paßt in die Beobachtung, dass die Psychologie und in deren Fahrwasser auch meistens die Pharmakologie in beschleunigter Weise dazu tendieren, Normabweichungen zu Krankheiten zu erklären. - Das wiederum hat auch mit einem ökonomisch organisierten System und nachfolgendem Gesamtdenken zu tun welches aus Sicht von Bayer, Pfizer, Glaxo, La Roche und Co. einerseits Märkte schaffen muß und andererseits aus Sicht einer solchen grundlegend ökonomisierten Denke als Paradigma einer Gesellschaft Normen als solche in besonderer Weise braucht, um entsprechend dieser ökonomischen Vorstellung von Effizienz steuern, kontrollieren, kategorisieren prognostizieren und bewerten zu können.

Das Asperger-Syndrom besagt nach Abzug aller "Beschreibungsschnörkel" aus meiner Sicht eigentlich nur, dass ein Mensch die, für eine ideale soziale Interaktion erforderliche / erwünschte Fähigkeit, Rolle, Situation und Anliegen seines Alter Ego auf empatische Weise zu erfassen, zu übersetzen und entsprechend in sein Verhalten zu integrieren nicht oder nur sehr eingeschränkt besitzt ohne dabei jedoch wirklich als a- oder antisozial aufzutreten.

Es scheint eher so, dass die fehlende Fähigkeit zu einer "intrinsischen sozialen Intelligenz" durch Lernen, also durch "kognitiv basiertes Erkennen" ersetzt wird.

Ob hier aber die Erwartung nach einer Fähigkeit zum "Mitfühlen" oder zur "Anteilnahme" oder zu einer "Spiegelfähigkeit" der "Alter Ego-Position" in einer Gesellschaft, die schon grundsätzlich ihre Basis in einer "krankhaften" Überhöhung des Individualistischen zu haben scheint überhaupt noch sauber zu beschreiben ist oder ohnehin nur aus Gründen einer politisch gewollten "Sozialhygiene" als eine idealisiert propagierte Vorstellung offiziell bemüht wird - wer will das eigentlich noch differenzieren.

Und nebenbei: Ist es nicht oft auch wirklich besser, sich nicht auf die sozialen Fakes von emotional organisierten Interessen / Strategien netter Mitmenschen einzulassen - ob am Arbeitsplatz oder im Netz - und einfach bei sich und beim Faktischen zu bleiben?

Gruß

Antwort
von daCypher, 30

In erster Linie gesellschaftlich erwünschte Floskeln, die keinen Informationsgehalt haben ("Hallo", "Auf Wiedersehen", "Bitte", "Danke", "darf ich was zu trinken anbieten?", "Gut gemacht" etc.)

Außerdem sind sie oft "zu" ehrlich. Du solltest keine Fragen stellen, bei denen du mit einer falschen Antwort gekränkt sein könntest. Wenn du z.B. ein hautenges Kleid anziehst und fragst "seh ich darin dick aus", dann kriegst du halt eine ehrliche Antwort zurück, die auch "ja" oder "ist noch ok" sein könnte. Andere würden halt eher versuchen, das mehr durch die Blume zu sagen oder schönzureden. Wenn du auf die Frage gar keine Antwort kriegst, hast du vielleicht einen Gewissenskonflikt ausgelöst, also die Antwortmöglichkeit "eigentlich 'ja', aber das darf ich nicht sagen"

Dann kann man vielleicht noch sagen, dass Aspies manchmal Interessen haben, bei denen sie von anderen Menschen schief angeschaut werden. Also anstatt abends fern zu sehen werden vielleicht irgendwelche Anleitungen von Geräten rausgekramt, weil die im Augenblick interessanter sind. Oder man hört sich ein Hörbuch an, was komplett in Morse-Code verfasst ist.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Krankheit & Psychologie, 32

Hallo Sotrue1999,

vorweg gesagt: Es gibt nicht DEN Autisten oder DEN Asperger, sondern viele verschiedene Abstufungen, nur so zur Info. Man kann also nichts pauschal sagen.

Allgemein ist damit gemeint, dass einige Betroffene die aus ihrem Umfeld gestellten Erwartungen an sie nicht erfüllen können. Hier noch ein Link dazu:

https://schreinerma111.wordpress.com/2015/08/04/erwartungen-ein-basis-problem-zw...

LG

Antwort
von halbsowichtig, 14

Gemeint sind die Erwartungen darüber, wie ein Mensch des eigenen Kulturkreises sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat.

Im Gespräch werden nicht nur klare Aussagen erwartet, sondern viel Schmeichelei und Heuchelei, damit der Gesprächspartner sich akzeptiert fühlt. Man soll in bestimmten Zeitabständen auf die Augenpartie schauen und selbst eine bestimmte Mimik und Körperhaltung abspielen.

Autisten konzentrieren sich mehr auf den Inhalt, als auf Schleimerei. Das ist unerwartet, fällt also negativ auf.

In der Freizeit machen Nicht-Autisten meistens Quatsch. Sie starren auf TV-Geräte, hopsen durch Turnhallen, konsumieren Alkohol, tauschen Gerüchte.

Autisten haben meistens ein spannendes Hobby. Damit beschäftigen sie sich stundenlang, lernen dabei viel und oft ist es sogar in irgendeiner Weise sinnvoll. Nicht-Autisten verstehen nicht, dass man sich auch so entspannen kann; es passt nicht in ihren Erwartungshorizont.

Die Kleidung suchen Nicht-Autisten nach der aktuellen Mode aus. Ob sie zweckmäßig ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Autisten hingegen achten mehr auf bequeme, praktische Kleider - was Nicht-Autisten dann unerwartet hässlich finden.

Die Talente sind bei Nicht-Autisten eher gleichmäßig verteilt, sie können alles "so halbwegs". Man ist entweder pauschal begabt oder pauschal minderbemittelt. Daher kommt auch die Einteilung in 100% Realschule oder 100% Gymnasium.

Autisten können manche Sachen super, andere dagegen fast gar nicht. Das beginnt in der Schule, wo viele in ihren Lieblingsfächern spitze sind, in Sport aber versagen. Später werden sie gern Fachkräfte, haben also ein paar Gebiete auf denen sie Experte sind, während sie alle anderen Fachgebiete ignorieren können.

Damit haben Nicht-Autisten ein echtes Problem. Wenn sie sehen, dass du eine Sache super kannst, gehen sie sofort davon aus, dass du überall super talentiert bist. Sehen sie aber zuerst, dass du eine Sache nicht kannst, gehen sie gleich davon aus, dass du generell nichts könntest. Ein unausgeglichenes Begabungsprofil erwarten sie leider nicht.

Antwort
von einfachichseinn, 19

Geh einfach zum Arzt und lässt es endlich abklären.

Hier wirst du nie eine endgültige Antwort finden!

Wovor hast du Angst? Wieso gehst du nicht endlich zu einer entsprechenden Stelle für die Diagnostik?

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