Frage von Katifram, 65

Was ist Meditation bzw. Wie kann man sie "erlernen" oder vollziehen?

Ist es tatsächlich so wie es in einigen filmen publiziert wird, dass man in "höhere geistige ebenen" eintaucht, oder ist es etwas vollkommen anderes?

Schonmal danke fürs antworten ^^

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 25

Ich habe bereits ein paar Jahre Erfahrung mit buddhistischer Meditation, daher werde ich versuchen auf deine Frage hilfreich zu antworten.

Was ist Meditation?

Meditation ist aus meiner Sicht der Zustand entspannter Achtsamkeit. Weder schläfrige Trance, noch angespannte Konzentration.

Meditation bedeutet, sich von den üblichen gedanklichen Bewertungen zu lösen und einfach bewusst in diesem Moment zu sein.

Normalerweise sind wir mit unseren Gedanken entweder in der Vergangenheit, planen in die Zukunft, oder betäuben unsere Achtsamkeit.

Meditation ist einfach die bewusste Erfahrung der Gegenwart, ohne etwas zu verdrängen, wegzuträumen, oder zu bewerten.

Es gibt kein Leistungsdenken, man muss nichts "erreichen", sondern es geht nur darum, ganz präsent zu sein.

Warum meditiert man?

Wie du siehst, ist "meditieren" als Tätigkeit sogar ein bisschen irreführend, dann schließlich macht man ja nichts, außer achtsam zu sein.

Viele Menschen meditieren nicht aus religiösen Gründen, sondern sehen es als Entspannungsmethode, wollen dadurch Stress abbauen u.ä. Dabei könnten sie eigentlich auch Autogenes Training zu diesem Zweck üben.

Andere meditieren, weil sie mehr innere Klarheit wollen, sich von geistigem Ballast befreien und mehr Selbsterkenntnis wünschen. Sie suchen teilweise nach einem tieferen Sinn für ihr Leben

Leider gibt es auch Menschen, die meinen, positive Nebeneffekte der Meditation, wie innere Ruhe und Konzentrationsfähigkeit als Mittel zur "Optimierung" ihrer Leistungsfähigkeit zu nutzen - eine Art mentales Doping.

Technik der Meditation

Die verschiedenen Techniken der Meditation stammen aus unterschiedlichen Lehren und haben unterschiedliche Ziele.

Praktisch immer gibt es ein "Meditationsobjekt", also irgendetwas, worauf die Achtsamkeit gelenkt wird und auf das man seine Aufmerksamkeit richtet

Das kann etwas Äußeres, wie eine Kerzenflamme, oder etwas Inneres, wie etwa die Atmung sein. Auch ein Gebet kann meditativ geübt werden.

Manche Praktiken der Meditation sehe ich auch kritisch. So kann beispielsweise die Mantra-Meditation, also die ständige Wiederholung heiliger Formeln, auch rein automatisch werden und man hat dann eher eine Trance, geistige Mattscheibe, statt Achtsamkeit

Letztlich kann jede Handlung, die achtsam und ohne Bewertung ausgeführt wird, eine Technik der Meditation sein - Kampfkunst, Putzen, Zaun streichen und sogar einfach Sitzen, Gehen und Stehen.

Hier ist beispielsweise eine 15 Minuten dauernde Achtsamkeitsmeditation, die man entweder auf einem Kissen auf dem Boden, oder einem Stuhl üben kann, wobei man den Rücken entspannt aufrecht hält.

Was gibt es sonst noch zu sagen?

Risiken der Meditation

Zum Einen sind positive Effekte, wie etwa Leistungssteigerung oder sogar übernatürliche Fähigkeiten ein beliebtes Lockmittel von destruktiven, quasi-religiösen Gruppierungen ("Sekten").

Daher sollte man sich sehr genau über den Anbieter der Meditation informieren und bei der Internetrecherche neben der Name des Vereins, Lehrers und Veranstalters auch ruhig mal die Begriffe "Sekte", "Kritik" oder "Kult" benutzen.

Zum Anderen ist Meditation wie gesagt ein Zustand der Achtsamkeit, bei dem man Gedanken einfach kommen und gehen lässt, ohne sie festzuhalten, zu verdrängen, oder zu bewerten.

Dabei können allerdings auch alte Erinnerungen, verdrängte Erlebnisse und alte Traumata wieder bewusst werden, die man längst vergessen, oder sogar verarbeitet glaubte.

Deshalb rate ich Menschen mit psychischen Erkrankungen dazu, nicht ohne Absprache mit dem Arzt bzw Therapeuten zu meditieren.

Ich hoffe, diese Erklärungen waren hilfreich. :-)

Kommentar von BertRollmops ,

Sehr gut!

Kommentar von Katifram ,

vielen dank, dass sie dich so viel Zeit zum antworten genommen haben:) Wie lang sollte ihrer Meinung nach eine Meditation ca. dauern? Braucht man dafür eine gewisse geistige reife oder kann man Meditation in jedem Alter praktizieren? (in meinem Fall 16)

Kommentar von Enzylexikon ,

Also da wir ja hier im Internet sind und ich auch noch kein steinalter Methusalem bin, würde ich vorschlagen, wir bleiben beim "Du".

Alter

Meiner Meinung nach kann man in jedem Alter meditieren - wobei ich kleine Kinder lieber weiter spielen lassen würde. Das ist eben ihre Achtsamkeitsübung.

Mit 16 zu meditieren ist absolut in Ordnung, ich sehe nichts, was dagegen sprechen würde. Ich habe schon mit Gruppen von Jugendlichen meditiert.

Zeit

Ich bin der Ansicht, dass man sich langsam an die Praxis heran tasten sollte, weil man sonst doch leicht falschen Ehrgeiz entwickelt, oder demotiviert wird, wenn es zu lange dauert.

Ich schlage für den Anfang 15 Minuten vor. Ich weiß, das klingt erst einmal lange - allerdings sollte man nicht vergessen, dass man erst einmal zur Ruhe kommen muss.

Ich rechne das augenzwinkernd mal vor:

  • Fünf Minuten braucht man zum Ruhe finden
  • Fünf Minuten wird man von Gedanken gestört
  • Fünf Minuten lang ist man achtsam

Also machen 15 Minuten durchaus Sinn.

In Wirklichkeit ist das natürlich Unsinn, denn wir sind schließlich keine Roboter mit Zeitschaltuhr, die pünktlich von Phase zu Phase wechseln. ;-)

Wenn du wirklich keine 15 Minuten sitzen kannst, dann versuche es halt erst einmal mit zehn Minuten. Am besten stellt man sich einen Wecker, damit man nicht ständig auf die Uhr guckt.

In der Meditation gibt es kein Ziel, also auch keinen Fortschritt, an den man sich klammert. Dadurch gibt es auch keine "missglückte" oder "schlechte" Meditation, egal wie unkonzentriert man sich vielleicht fühlte.

Wie gesagt, Leistungsdenken ist der Meditation fremd. :-)

Kommentar von Katifram ,

ehrlich gesagt finde ich 15 minutrn nicht wirklich lang, ich bin bereits mehrere Stunden in trockenen Besprechungen über Jugendarbeit auf Diözesan ebene gesessen , daher wird eine viertel Stunde wohl kaum ein Problem darstellen :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Nunja, da kann man sich ja entweder auf das gesprochene Wort konzentrieren, oder möglicherweise sogar mal wegträumen.

In der Meditation ist man dagegen nur mit dem Moment der Gegenwart in Kontakt - da dehnt sich eine Minute schon mal auf gefühlte auf drei Minuten aus. ;-)

Achte auch auf andere Antworten, etwa die von NewKemroy, da ich sie lesenswert finde. Ich hab die Weisheit schließlich auch nicht mit Löffeln gefressen und es ist immer gut, sich umfassend zu informieren.

Antwort
von NewKemroy, 18

Meditation könnte man übersetzen mit Beobachten zum Zweck auf Seiten des Beobachers eine positive Veränderung zu bewirken. Also im Gegensatz zum normalen Beobachten, wo ganz und gar der Gegenstand der Beobachtung im Mittelpunkt steht.

Grundsätzlich kann man bei der Meditation zwei Aspekte unterscheiden: Achtsamkeit und Konzentration. Folglich unterscheiden sich auch die Meditations-Methoden in zwei verschiedene Bereiche. Nämlich Methoden oder Techniken bei denen die Konzentration im Vordergrund steht und Methoden, bei denen die Achtsamkeit im Vordergrund steht.

Methoden bei denen Konzentration im Vordergrund steht erkennt man daran, dass der Meditierende sich nur auf ein einziges Ding ( = Meditations-Objekt) konzentriert. Das kann z.B. eine Kerzenflamme, ein Wort, ein emotionales Konzept wie Mitgefühl, eine Farbscheibe, ein runder Haufen zusammengebröselter Erde, usw. sein. Das meist verwendedste Objekt ist jedoch der Atem. Zur reinen Erzeugung von Konzentration richtet man dabei die Aufmerksamkeit auf die Bereiche der Nasenlöcher, an denen man beim Aus- und Einatmen deutlich den Luftstrom vorbeistreichen spürt. Man übt das so lange (Tage, Wochen) bis die Aufmerksamkeit fest auf dem Meditationsobjekt angedockt hat und quasi daran klebt. Man nennt dies die sogenannte "angrenzende Sammlung" Das ergibt schon einen sehr friedlichen Zustand, ist aber erst die Vorstufe zu 8 Versenkungsstufen, den sogenannten Vertiefungen oder Jhana. - Eben Beschriebenes ist die reinste Form der Konzentrations basierten Methoden, auch Samatha Meditation genannt.

Zur Erlangung tieferer Konzentrationszuständen ist vor allem tägliche Übung angesagt. Meines Erachtens ist das hier ähnlich wie beim Fahrradfahrenlernen. Es geht nicht von heute auf morgen, sondern scheinbar müssen hier durch stetiges Wiederholen der Übung neue Verschaltungen im Gehirn angelegt werden. Also lieber täglich üben und kürzer, anstatt sich einmal pro Woche 2 Stunden abzuquälen.

Bei der Achtsamkeitsmeditation dagegen ist das Meditations-Objekt alles was passiert. Oder um präziser zu sein: Betrachtung des Körpers, der Gefühle, des Geistes und der Geistobjekte. Aber im Prinzip fällt hierunter alles was so vor sich geht. Ausführlicher gehe ich jetzt hierauf nicht ein, da diese Methtations-Art meines Wissens nach weniger mit Kampfsport zu tun hat.

Eine kurze Übersicht über Samatha und auch andere Meditations-Techniken findest Du hier:

http://ich-will-meditieren.de/meditationstechniken/samatha/

Antwort
von KatharinaBram, 21

Zum Praktischen: Meditieren lernen kannst du in Kursen, etwa an der VHS oder ASG. Daneben gibt es in vielen Städten noch Meditationsgruppen; am besten mal googeln (etwa Meditation, Zen, Achtsamkeit). Dort wird auch oft eine Anleitung gegeben. Außerdem werden viele MBSR-Kurse angeboten, die in der Regel 2 Monate dauern.

Mein Tipp: Schnupper mal in verschiedene Angebote rein und finde dadurch heraus, was dir gefällt und anspricht. Meditation ist nicht Meditation, es gibt viele verschiedene Richtungen.

Zum Inhalt von Meditation: Für jeden wirkt sich Meditation unterschiedlich aus; vermutlich werden manche Meditierende sagen, dass die in höhere geistige Ebenen eintauchen (ich persönlich habe es so noch nie gesehen und auch andere noch nicht davon berichten hören).

Was ich von mir selbst kenne und anderen erfahren habe: Meditation hilft, um zu mehr Gelassenheit, Klarheit und Konzentration zu kommen. Viele berichten davon, wie sie dadurch sich selbst besser kennenlernen und einen besseren Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Angst oder Traurigkeit lernen. Andere berichten, wie sie über Meditation lernen, sich selbst mehr zu akzeptieren und zu lieben - und gegenüber anderen offener und akzeptierender zu werden. Was mir besonders wichtig ist: Die meisten von uns laufen mit tausend - oft völlig falschen, da verzerrten und einseitigen - Vorstellungen über andere Menschen, uns selbst und die Welt herum. Das führt oft zu Konflikten. Meditation kann helfen, den Blick zu weiten.

Fandest du die Antwort hilfreich?

Viele Grüße, Katharina

Kommentar von KatharinaBram ,

Ein Zusatz: Letztlich geht es aus meiner Sicht darum, GLÜCKLICHER zu werden.

Antwort
von derMannohnePlan, 22

Das ist wahre Meditation:

http://kunst-heilen.de/meditation-krishnamurti/

Antwort
von ily15, 23

Probiers doch mal mit dem:

Liebe Grüsse :-)

Antwort
von billowe, 24

Wenn es wirklich so ist, dann erst nach jahrelanger Übung.
Es geht eher darum dich von der Außenwelt abzuschotten und in dich zu gehen und dabei zu entspannen. Man geht in seinen Körper rein und spürt wie das Herz schlägt, wie man atmet. Man kann auch tiefer in die Psyche eingehen und schauen, wo die Mauern im Kopf sind ect.

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