Frage von Kohaerenz, 48

Was ist Glaube in einem psychologischen Topos?

Antwort
von Andrastor, 28

Der Glaube ist der Durst nach etwas Besonderem. Studien haben gezeigt dass beim Glauben an einen Gott und eine Religion dieselben Gehirnareale aktiv werden wie beim Glauben an Magie, Geister, Fabelwesen und Märchen.

Das zeigt dass der Mensch eine Neigung für das Unglaubliche, das Übernatürliche hat, was auf seine natürliche Neugier zurückzuführen ist.

Der Glaube ist eine Art diesen Durst zu stillen.

Weiters wird heutzutage hauptäschlich aufgrund der Indoktrination geglaubt. Kinder werden meist schon in die Religion indoktriniert, bevor sie sprechen oder laufen können (Taufe).

Ihr ganzes Leben ist geprägt von Geschichten, Bräuchen, Festen, Traditionen aus diesem Glauben und von kleinauf verbinden sie positive Erlebnisse damit. Hinzu kommt dass in solchen Familien die Eltern selbst diesem Glauben angehören und ihre Kinder mit dem Glauben zumüllen.

Und welches Kind stellt schon seine Eltern in Frage? Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist oft das gesamte Umfeld, Nachbarn, Schulfreunde, Verwandte etc. derselben Religion und verbreiten dieselben Geschichten.

Deshalb beginnt der Mensch zu glauben das sei so richtig und alles was anderer Meinung ist wirkt Fremd, lächerlich oder sogar Furchterregend, da es den Status Quo in Frage stellt.

Kommentar von Kohaerenz ,

Wäre dann die (neuronale und daraus supervenient "übersetzte" psychische) Formation eine illusorische oder imaginäre Konstruktion (i.S. Watzlawicks einer "erfundenen Wirklichkeit), die sich als (vielleicht) evolutionsbiologischer Spandrel viabel in der Korrelation zwischen Umwelt und Bewusstseinsformung erwiesen hat (analog zu Religiosität z.B.?

Kommentar von Andrastor ,

Ich würde sagen eine illusorische.

Der Mensch hat das Bedürfnis seine Neugier zu befriedigen. Fantastische Geschichten befriedigen dieses Bedürfnis, egal ob sie wahr oder unwahr sind.

Das bedeutet der Mensch erfährt das Gefühl befriedigter Neugier, auch wenn die Geschichte unwahr ist, was einer Illusion gleichkommt.

Antwort
von authumbla, 27

Also allgemeine Gesichtspunkte im Fach Psychologie, aus denen man Argumente für den Glauben schöpfen kann?

Dass der Mensch an etwas Größeres, Übernatürliches glauben will, weil er sich alleine in schwierigen Situationen als zu schwach empfindet.

Dass es eine Instanz geben möge, die weiß, was richtig und falsch ist und einen von der Verantwortung selbst nachzudenken und auch die Konsequenz eigener, aber falscher Entscheidungen enthebt.

U.s.w.... ich bin kein Psychologe, aber es gibt sicherlich diverse psychische Probleme, die durch einen Glauben gemildert werden.

Und wieder andere, die wiederum erst durch ihn hervorgerufen werden, aber das ist ein anderes Thema.

Kommentar von Kohaerenz ,

Mit dem autoepistemologischen Zugang zum  „.....Un-sinn“ durch den Tod brauchte es ein Sinn-Angebot um die Welt und sich selbst wieder als „Sinnvolles zu verstehen“. (Eckensberger, Psychologie, S.64).

Kommentar von authumbla ,

Nach Heidegger ist der Tod nicht unsinnig, sondern kann sich erschließen als in der Überwindung oder Akzeptanz der Befindlichkeit der Angst bewusst angenommener Tod und auf die Existenz des Daseins zurückstrahlen. Die Endlichkeit des Daseins bestimmt die Sinnhaftigkeit während des Lebensvollzugs. Das ist, was Heidegger "Sein zum Tode" nennt.

Kommentar von Kohaerenz ,

Das klingt schon nach ZEN, nützt aber nur dem etwas der den Tod in das Leben gleichsam vermag hineinzustellen oder wie es ein ZEN- Kōan formuliert: "Nur wer die Nichtigkeit der Welt und seiner selbst erkannt hat, sieht gleichgültig in ihr auch die Schönheit und ewiges Geheimnis." (Bi Yän Lu)

Antwort
von vonGizycki, 21

Grüß Dich Kohaerenz!

Glauben heißt vertrauen können. Ich glaube ja etwas, wenn ich mir verspreche, das es auch stimmt, was ich glaube. Und will danach handeln.

Aus diesem Grunde darf der Glaube dieses Vertrauen nicht enttäuschen. Glaube ist aber nur dann wahrhaftig, wenn ich etwas glaube, was meiner Erlebniswelt in der Wirklichkeit entspricht. Nur dann kann ich mich vor Enttäuschungen in der Art wappnen, das sie mich nicht aus der Bahn werfen. Denn Enttäuschungen gehören auch zur Wirklichkeit, die wir aushalten lernen müssen. 

Aus diesem Grunde ist die Enttäuschung, das Irren und auch die Verzweiflung ein ausdruck des Lebens. Nur so kann Dich dann Dein Glaube und somit Dein Vertrauen in das Leben nicht umwerfen. Aber im Namen des Lebens wirst Du, wenn Du so glaubst, Dein Vertrauen und Deinen Glauben an Dich selbst stärken.

Wer nicht  an sich selbst glaubt, hat das Vertrauen verloren, denn wenn er sich nicht selbst vertraut, kann er auch nicht anderen vertrauen.

Glauben hat mit herkömmlichen Religionen nichts zu tun. 

Erich Fromm (ein berühmter Humanist und Psychiater) hat darüber etwas geschrieben, was wegweisend ist:

https://db.tt/XHz8zjor

Da geht es um dieses Thema.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von Kohaerenz ,

Du schreibst "Glauben hat mit herkömmlichen Religionen nichts zu tun." An dieser Stelle erlaube ich zu widersprechen: Religionen bauen auf drei grundlegenden "Säulen" auf: dem Glauben, dem Ritual und der Gemeinschaft (Vergl.: Christoph Deutschmann „Soziologie kapitalistischer Dynamik”; In: MPIfG Working Paper 09/5, Max- Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln, 2009, 69 S.)

Kommentar von vonGizycki ,

Also gut, ich hätte es anders schreiben sollen: etwas glauben, hat nicht unbedingt etwas mit herkömmlicher Religion zu tun. Man kann eben nicht nur an Gott glauben. Es viele andere Dinge, an die man glauben kann. Vielleicht ist es so besser verständlich.

Kommentar von Kohaerenz ,

Richtig, allein der Glaube an sich Selbst ist einer der zentralen entwicklungspsychologischen Faktoren. Danke für Deine Gedanken.

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