Was ist Genossenschaftseigentum und wem gehören die Rücklagen und Werte der Genossenschaft, wenn die Genossenschaft aufgelöst wird?

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2 Antworten

Also bei meiner Raiffeisenbank wurde den Mitgliedern erzählt, dass die Fusion ein Zusammenschluss auf gleicher Ebene sei. Das Vermögen der Bank gehe gemeinsam mit dem Vermögen der übernehmenden Bank in die neue, durch die Fusion entstandene Bank auf.

In Wahrheit ist es dann so gelaufen:
Zuerst haben die Mitglieder meiner Raiffeisenbank die Übergabe sämtlicher Bankgeschäfte und sämltiches bis dahin erwirtschaftetes eigenes Bankvermögen an die übernehmende Raiffeisenbank genehmigt. Mit diesem Beschluss wurde das gesamte eigene Vermögen unserer Genossenschaft an die übernehmende Raiffeisenbank unwiderruflich verschenkt. Das waren so um die 9 Millionen Euro.
Die Mitglieder meiner Raiffeisenbank wurden mit ihren Geschäftsguthaben von ca. 1,4 Millionen Euro Mitglieder der anderen Raiffeisenbank.

14 Tage später stimmten die Mitglieder der übernehmenden Raiffeisenbank mit großer Mehrheit dafür, dass sie das Vermögen unserer Bank, deren Bankgeschäft und deren Mitglieder gerne als Geschenk annehmen.

Anschließend beschlossen (noch immer nur die Mitglieder der anderen Bank) die Änderung des Namens in einen unverfänglichen Namen aus dem man nicht mehr schließen kann, dass eigentlich die übernehmende Bank jetzt diejenige ist, die alleine das Sagen hat und meine bisherige Raiffeisenbank zur Zweigstelle dieser Bank verkommen ist.

Also, aus der Fusion ist keine neue Bank enstanden, lediglich die Bank die alles erhalten hat, hat den Namen geändert um es nicht ganz so offensichtlich aussehen zu lassen.

Pro einzelnen Geschäftsanteil von 100 Euro haben die Mitglieder ca. 700 Euro an die übernehmende Bank verschenkt. 
Den Betrag hätten unsere Mitglieder selbst einstecken können, aber da sag ich nur: selbst schuld.

Denn wer so dumm ist,

a) bei einem Unternehmen Eigentümer zu werden und
b) dem Unternehmen Geld zu geben, mit dem dieses viel viel Geld verdient
c) von dem aber der Eigentümer vom Riesengewinn außer einer minimalen Dividende nichts erhält und wo aber als Gegenleistung für die Nichtbeteiligung am Vermögen des Unternehmens

d) jeder Eigentümer  (Mitglied) auf der Beitrittserklärung unterschreiben hat dürfen, dass er für die Geschäfte des Unternehmens mit einer zusätzlichen Nachschusspflicht pro einzelnen Geschäftsanteil persönlich mit seinem eigenen Vermögen haftet (bei meiner Raiffeisenbank sind es jetzt 500 Euro pro Anteil, bei 10 Anteilen eben 5.000 Euro; zusätzlich zum Betrag der Geschäftsanteile)

dem ist nicht mehr zu helfen, wenn er über den Tisch gezogen wird und nicht mal den Versuch unternimmt dies alles zu hinterfragen. Vor allem , wenn davon nur einige wenige enorm profitieren.

Aber dem Vorstand meiner Raiffeisenbank kann ich es nicht einmal verübeln, dass er sich nach dem Fusionsbeschluss riesig gefreut hat.

Wahrscheinlich hauptsächlich darüber, dass er der Einzige war, der durch die Fusion Sondervorteile erhalten hat.
Er kann sich nun, von den zusätzlichen zigtausenden Euro mehr zu seinem bereits sechsstelligen Jahresgehalt, einmal wöchentlich zum Schnitzel wenigstens auch noch ein kleines Bier leisten, naja vielleicht auch zwei.   Von der lukrativen, eventuell sogar fünfstelligen monatlichen späteren Pension gar nicht zu reden.

Aber wie schon gesagt:  Wer sich nicht informiert ist selbst schuld und braucht hinterher nicht zu jammern. 

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Kommentar von DeinBetriebsrat
14.08.2016, 00:12

ja, da hast du vollkommen Recht. Genau davor haben aber auch die Mitarbeiter der Genossenschaft Angst. Die Mitarbeiter unserer Bank sind auch Mitglieder der Genossenschaft. Unser Bank soll auch fusionieren, wir sollen einen zusätzlichen  Vorstand bekommen - einen Prüfer vom Genossenschaftsverband und die übernehmende Bank hat keinen Betriebsrat und die Kollegen sind mehr oder weniger Versicherungsvertreter  der R+V. Laut Verschmelzungsvertrag hat unser Vorstand einen "Sondervorteil", d.h. ehr bekommt eine Verdopplung eines Gehalts weil sich auch die Bilanzsumme verdoppelt und großzügige Pensionszusagen..

Wie soll ich das meinen Kollegen erklären? 

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Bei einer Fusion wird eine Genossenschaft nicht aufgelöst. Sie verschmilzt lediglich mit einer anderen. Anteile, Rücklagen, etc. gehen dann auf die aus der Fusion enstehende Genossenschaft über.

Zur einer Auflösung der Genossenschaft würde es lediglich kommen, wenn die Mitgliederversammlung das beschließt oder die Genossenschaft bankrott wäre. 

Im ersten Fall würde das Vermögen höchstwahrscheinlich auf die Mitglieder aufgeteilt werden. In letzterem Fall würde aus dem Genossenschaftsvermögen die Schulden beglichen werden.

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Kommentar von nittwitt
15.07.2016, 21:45

nach meinem Informationsstand - siehe hierzu www.igenos.de wird im Rahmen einer Fusion die übergebende Genossenschaft aufgelöst, das heißt beim Registergericht gelöscht  und das komplette Genossenschaftsvermögen - ohne Gegenleistung für die Mitglieder / Eigentümer an die "übernehmende Genossenschaft" übertragen.  Das nennt man " genossenschaftliche Umlagerung". Die Mitglieder der aufgelösten Genossenschaft werden dann automatisch Mitglieder der übernehmenden Genossenschaft. Wenn die Mitglieder  aber nicht ordnungsgemäß über die "verschenkten" Vermögenswerte  aufgeklärt werden,  ist das ein Verschulden des Vorstands und des Aufsichtsrats. 

Die Mitglieder  der aufgelösten Genossenschaft können dann ihren Ex Vorstand verklagen. 

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