Frage von ginasimple, 56

Was ist gemeint mit "gescheiterte säkulare Befreiungsideologien im 19. Jh im vorderen und mittleren Orient"?

Der Auszug ist aus einem Text zum Thema Geschichte der Islamfindlichkeit. Hat jmd Ideen welche Ereignisse sich dahinter verbergen könnten?

Antwort
von zehnvorzwei, 30

Hei, ginasimple, es sollte wohl heißen, dass versucht wurde, Religion und Staat ( = Regierung) voneinander zu trennen, und dies gescheitert ist. Oder: Es gab einmal eine panarabische Bewegung, die von der großen gemeinsamen Sache der Araber ausging (nicht vom Islam) und gescheitert ist - am Osmanischen Reich, an den Mandatsmächten nach dem ersten Weltkrieg, am partikularistischen arabischen Nationalismus. Oder so. Grüße!

Antwort
von Dummie42, 30

Der Islamismus, dem wir heute so viel Unglück verdanken, ist eine ziemlich junge Ideologie, die auf Menschen wie Said Qutb zurück geht. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert gab es sehr fortschrittliche Gelehrte im Islam, die gern Säkularismus durchgesetzt hätten. Sie scheiterten nicht zuletzt durch den westlichen Kolonialismus. Freiheitliche Gedanken wurden mit westlicher Unterdrückung und westlicher "Verderbtheit" (zügellosen Sitten etc) gleichgesetzt. Die Behauptung von Fanatikern wie Qutb und seinen Vorgängern lautete: es gehe islamischen Ländern so schlecht, weil sie ihre Religion vernachlässigten, sich von Allah abgewendet hätten und vom Westen auf einen sündigen Pfad geführt worden seien. Das Heilmittel dagegen sollte sehr strenge Religionsausübung und eine Verteufelung aller westlicher Sitten und Anschauungen sein.

Die Fanatiker haben momentan gewonnen.


Kommentar von schnoerpfel ,

Dann erkläre, warum es eine junge Ideologie ist, wenn es solche Fanatiker doch bereits im Mittelalter gab.

Kommentar von Dummie42 ,

Fanatiker gibt es immer und zu jeder Zeit und in jeder Religion. Aber die Gedanken der Aufklärung sind auch an islamischen Gelehrten im 19. Jh nicht spurlos vorüber gegangen. Dazu gehört natürlich auch immer ein Zusammenspiel mit den Politischen Herrschern. Die Blütezeit des Islam mit allen wissenschaftlichen, architektonischen und sonstigen Errungenschaften war natürlich immer auch getragen durch Herrscher, die es geschafft haben, fanatischen Auswüchse im Zaum zu halten. Aber selbst so großartige Gelehrte, wie Ibn Sina mussten sich immer auch mit religiösen Fanatikern rumschlagen. Das ist im Christentum auch nicht anders (gewesen).

Kommentar von Dummie42 ,

Und das Wahhabitentum, zu dem der Salsfismus gehört, ist ungefähr 200 Jahre alt.
Ein unbedeutender unsympatischer Fanatiker auf der saudischen Halbinsel, der gegen alles und jeden wetterte und für alles, was ihm nicht passte, die Todesstrafe forderte, hat diese Ideologie entwickelt und wurde damals von allen anderen Gelehrten für völlig übergeschnappt gehalten. Ohne Petrodollars, wäre
das immer noch eine unbedeutende Sekte... oder nicht mehr existent.

Antwort
von kazon500, 35

Es bedeutet, dass weltliche Herrscher Ideologien entwickelten, welche die Einwohner von irgendetwas (dem Westen?, religiösem Fanatismus?), befreien sollten und schließlich scheiterten.

MFG

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