Frage von DerFlummi, 72

Was ist falsch in meinem Kopf und warum?

Hallo Freunde und Bekannte der Psychologie,

ich weiß, dass es keinen großen Sinn macht Leute aus dem Internet zu fragen, mich würde aber trotzdem interessieren was ihr zu folgender Verhaltensweise denkt:

Ich habe extreme Probleme, damit romantische Gefühle zuzulassen. Ich kann mich kaum mit dem Gedanken abfinden Kontrolle über mich selbst und meine Gefühle zu verlieren und loszulassen, weil ich dann verletzt werden könnte. Das finde ich aber nicht schlimm wegen dem verletzt werden und der Trauer, sondern, weil ich ein sehr starkes Bedürfnis habe immer die Person zu sein die die Macht hat und in der stärkeren Position steht. Der Gedanke jemand hat mich in irgendeiner Weise in der Hand würde bei mir zu großen Unwohlsein führen.

Ich will immer die emotional unabhängige Person sein, die stärkere. Ich kann mich kaum mit der Rolle einer verliebten (also einer verletzlichen) Person identifizieren, deswegen gebe ich gegenüber anderen in dem Fall meist vor die Gefühle seien schwächer als sie sind, weil es mir sonst fast peinlich ist das ICH schwach geworden bin.

Zudem habe ich, immer wenn ich merke, dass eine Person Gefühle für mich entwickelt, also sich in irgendeiner Weise emotional abhängig von mir macht, das Bedürfnis dieser Person absichtlich wehzutun. Also deren Gefühle brutal zu verletzen, das Herz zu brechen. Weil ich noch gesunden Menschenverstand besitze und weiß, dass das falsch ist, kommt es schlussendlich nie so weit. Das Bedürfnis ist aber immer da.

Ich habe eine starke mentale Sperre gegen tiefe Gefühle entwickelt und war noch nie in meinem Leben wirklich richtig verliebt.

Angefangen hat das so richtig als ich etwa 14/15 war.

Antwort
von Dxmklvw, 33

Macht bedeutet zum erheblichen Teil, auch über die emotionale Welt anderer zu herrschen. Ohne dem wäre Macht nicht verwirklichungsfähig.

Andere Menschen haben aber andere emotionale Konstellationen als man selbst. Sie sind quasi zu den eigenen Emotionen mehr oder weniger inkompatibel, so daß beides zugleich (das Eigene berücksichtigen und das der anderen) nicht möglich ist, wo es sich gegenseitig ausschließt.

Erfolgreiches Machtstreben führt deshalb dazu, daß eigene "Ich" außen vor zu lassen und so nicht mehr sich selbst zu leben sondern das Leben anderer - dummerweise, ohne zu bemerken, daß es so ist und daß man sich eigentlich nur der emotionalen Lage anderer unterordnet, um sich dann innerlich als höhergestellt fühlen zu können, ohne es zu sein.

Wer über solche Wege nicht mehr sich selbst lebt, wird deshalb auch seine eigenen inneren Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen (er hält viele der Bedürfnisse der anderen für seine eigenen). Das schafft dauerhaft Unzufriedenheit, und diese verstärkt das Festhalten am falschen Weg.

Der richtige Weg wäre, auf Macht zu verzichten, wo immer es möglich ist, und sich stattdessen selbst den Umständen so zu anzupassen, daß das eigene Ich verwirklicht werden kann.

Oder anders ausgedrückt: Macht hat eigentlich nur der, der Macht über sich selbst hat, weil er erst dadurch die Macht erlangt, die eigenen Emotionen sinnvoll zu nutzen.

Antwort
von Sonja66, 24

Hallo!

ich weiß, dass es keinen großen Sinn macht Leute aus dem Internet zu fragen

So schlecht sind wir hier gar nicht. Mal schaun, ob du da überhaupt mithalten kannst  ;-)))  und unsere Anregungen verstehen und umsetzen kannst!
Aber gut, dass du dich hinterfragst, dass du dich mit dieser Thematik auseinandersetzt, das könnte dir angenehme Freiheit bringen.

weil ich dann verletzt werden könnte.

Genau! Liebe, Offenheit, Schwäche und Hingabe machen verletzlich. Oftmals können wir nicht optimal damit umgehen, so vermeiden wir es lieber, was aber dann doch nicht wirklich möglich ist, oder zu einer sehr unbefriedigenden Situation des Alleinseins und der Abkapselung führt. Das schmeckt einem dann oft auch nicht so recht.

Ich denke mal, dass du dich in so einem Konflikt befindest.
Einerseits hast du gelernt, warum auch immer, deine Gefühle stark unter Kontrolle zu halten und andererseits merkst du, dass du so weder Liebe geben noch nehmen kannst.
Deine Mauer lässt nichts mehr rein und raus.
Aber der Mensch sucht die Liebe, will und braucht sie.
Abgesehen von partnerschaftlicher oder freundschaftlicher Liebe sind unsere Gefühle für uns Menschen ja ein wichtiger Wegweiser, der dir mit deinem Verhalten ja fehlt. Das macht das Leben schwierig und den eigenen Lebensweg steinig und führt schon mal des Öfteren zu Fehlentscheidungen und Misserfolg.

Ich habe eine starke mentale Sperre gegen tiefe Gefühle entwickelt und war noch nie in meinem Leben wirklich richtig verliebt.

Das wird wohl seine Gründe haben! Aber welche?
Was hat dich so gemacht?
Kennst du die wahre und tiefe Ursache dafür, liegt die Lösung und somit Befreiung nahe!

Angefangen hat das so richtig als ich etwa 14/15 war.

Ok. Und warum? Was war denn in dieser Zeit und schon länger so belastend und beängstigend für dich, dass du zu diesem starken und harten Mittel greifen musstest?

Wem oder was konntest du nicht mehr vertrauen?
Warum konntest du dir ab dieser Zeit keine weiteren romantischen Gefühle mehr erlauben? Wer oder was trieb dich so in die Enge?

Der Gedanke jemand hat mich in irgendeiner Weise in der Hand würde bei mir zu großen Unwohlsein führen.

Durch welches Erlebnis? Durch welche Gedanken? Durch welche inneren Bilder?

Und stimmt das alles wirklich? Entsprechen deine Überzeugungen darüber wirklich der Wirklichkeit? Oder kam es auch schon mal besser als erwartet?
Kann es wirklich nur noch so grausam kommen, wie du derzeit noch darüber denkst? Oder ist die Realität eine andere mit mehr Möglichkeiten?

Ging es wirklich immer nur mies und schlecht für dich aus, wenn du dich jemandem oder generell hingegeben hast, oder war dies nur eine Ausnahme mal oder nur eine Person oder nur ein sehr prägendes Erlebnis?

Zudem habe ich, immer wenn ich merke, dass eine Person Gefühle für mich entwickelt, also sich in irgendeiner Weise emotional abhängig von mir
macht, das Bedürfnis dieser Person absichtlich wehzutun.

Ja, ist halt vermeintlicher Selbstschutz, auch Hilflosigkeit, weil du nicht weißt, wie du mit allem umgehen sollst. Du willst es halt vermeiden, weil du sehr viel Angst davor hast, weil du sehr eingeschränkt und eng über das alles denkst.

Kommentar von DerFlummi ,

Hallo und danke für die Antwort :)

also ich bin mir auch bewusst, dass dieses Verhalten auf schlechte Erfahrungen zurückzuführen ist. Allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass die Dinge die passiert sind nicht in dem Maße schlimm sind als, dass sie so etwas auslösen müssten.

Wo das angefangen hat ist grob das Alter in dem sich meine Eltern scheiden ließen, allerdings war ich froh über die Scheidung, weil sich die beiden nur noch gestritten haben :) Außerdem lassen sich viele Eltern scheiden, das ist ja kein großes Ding mehr. 

Vielleicht ist es noch wichtig anzumerken, dass mein Vater bei mir immer alles durchgehen lassen hat und seine Erziehung unlogisch, unfair und inkonsequent war. Ich habe das als Kind ausgenutzt und ihn erfolgreich relativ manipulativ behandelt. Er hat eigentlich immer alles getan was ich wollte. Trotzdem hatte ich eine große innere Wut gegen ihn, die soweit ging, dass ich ihn nur sehen musste und ihn gerne verprügelt hätte.

Hab ich natürlich nie gemacht, aber vielleicht hat das damit irgendwas zu tun. Ich kann mir keinen genauen Reim aus der Sache machen

Kommentar von Sonja66 ,

Bitte!  :-)

also ich bin mir auch bewusst, dass dieses Verhalten auf schlechte Erfahrungen zurückzuführen ist. 

Genau!
Und irgendwann musst du dir das Bild, wenn du vertraust / gut sein lässt / alles auf dich zu kommen lässt / loslässt...., dann verletzt wirst, gemacht haben.

Allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass die Dinge die passiert sind nicht in dem Maße schlimm sind als, dass sie so etwas auslösen müssten.

Das ist zum einen ein vorteilhafter Ansatz, aber es könnte auch sein, dass dies heißt, dass du die genaue Ursache für dein Problem noch nicht benennen kannst.

Wo das angefangen hat ist grob das Alter in dem sich meine Eltern scheiden ließen, allerdings war ich froh über die Scheidung, weil sich die beiden nur noch gestritten haben :)

Ok. Vielleicht konntest du in dieser Phase, die ja viele Jahre andauern kann, nicht mehr entspannen, hast irgendwann hier dein Vertrauen verloren.
Kann mir schon vorstellen, dass diese Zeit sehr anstrengend für dich war und du nie wirklich wusstest, was wohl als nächstes so passiert.

Außerdem lassen sich viele Eltern scheiden, das ist ja kein großes Ding mehr. 

Auch wenn es heutzutage häufig zu Scheidungen kommt, heißt dies meiner Ansicht nach noch lange nicht, dass es minder schmerzvoll ist. Alle Kinder wollen starke Eltern haben, suchen bei ihnen ihre Grenzen, um sich sicher und geborgen zu fühlen.

Könnte mir durchaus vorstellen, dass du durch all diese Erlebnisse früher als sonst sehr erwachsen und selbständig sein musstest und dich nicht mehr sooo auf deine Eltern verlassen konntest, weil sie z.B. viel zu sehr mit sich beschäftigt waren.
Du konntest dich nicht mehr "zurücklehnen" und dir sicher sein, dass deine Eltern dir dein warmes Nest gestalten. Ständig musstest du mit vielem rechnen, vielleicht sogar auf der Hut sein und selbst darauf achten, wo du bei allem bleibst.

Vielleicht ist es noch wichtig anzumerken, dass mein Vater bei mir immer alles durchgehen lassen hat und seine Erziehung unlogisch, unfair und inkonsequent war.

Ja, das wollen Kinder auch nicht. Das stimmt. Kinder suchen ihre Grenzen und gehen wenn nötig auch bis zur Kriminalität, suchen ihre Grenzen da dann also immer noch, bis endlich jemand reagiert, weil es ihnen so wichtig ist, weil sie diese brauchen, weil sie sie sich selbst noch nicht geben können.
Das machen Kinder natürlich nicht aus Böswilligkeit, sondern vielmehr aus einem starken Bedürfnis nach Grenzen heraus.

Hierbei könntest du dir folgendes Bild bzw. folgenden Glaubenssatz gebildet haben:
Wenn ich gut bin, wohlwollende Gefühle habe, romantische Gefühle habe, liebevoll bin, einfühlsam bin, anderen und mir keine Grenzen setze......., dann werden andere und ich wütend auf mich und wollen mir Schmerz zufügen.
Du selbst hast ja so empfunden.
Das projizierst du nun auf andere Menschen. Glaubst also, dass auch sie so wie du reagieren werden und hast Angst vor deren Aggressionen und auch vor deinen eigenen dabei dann.

Dann bist du also ins das andere Extrem (wie z.B. dein Vater) gegangen, um damit umzugehen.
Dein Vater und auch sonst keiner gab dir nötige Grenzen. Dann hast du dies übernommen und das hat dich etwas überfordert, aber du hast es hinbekommen. Aber du hast die Grenzen zu intensiv gesteckt, zu extrem. Du musst sie wieder etwas lockern. Deine Eltern können das Grenzensetzen nun nicht mehr für dich  übernehmen, diese Aufgabe bleibt dir natürlich. Nur solltest du sie in bestimmten Bereichen lockern und in bestimmten Lebensbereichen von dir etwas strenger machen. Du bist im Ungleichgewicht mit Grenzen. Das macht weiter nichts und du bekommst das über Zeit sicherlich gebacken.
Beobachte einfach immer wieder dich und dein Umfeld. Finde heraus, wann und wo Grenzen von dir auf welche Art und Weise auch immer falsch gezogen wurden und berichtige das. Fertig.
Du lebst heute in Sachen Grenzen setzen das Gegenteil von deinem Vater und merkst nun, dass dies auch nicht besser ist, weil es sich in keinem Extrem wirklich gut lebt.

Die Lösung läge in der goldenen Mitte davon.
Weder zu viel, noch zu wenig Grenzen. Diese goldene Mitte muss sich der Mensch jedoch erarbeiten. Du kennst mittlerweile beide Extreme und kannst nun ausfindig machen, wo die Mitte davon liegt. Dies sollte dein Ziel sein. Wann und wo du welche Grenzen setzen sollst, solltest du immer wieder beobachten und lernen.

Das ist weiter nicht schlimm und wir alle haben so unsere Lebensaufgaben.  :-) Der eine da, ein anderer da....

Wenn Eltern keine nötigen Grenzen setzen, kann man als Kind nicht vertrauen und auch nicht entspannen.
Dann hast du es selbst übernommen, jedoch noch nicht das Gleichgewicht damit gefunden.

Jetzt stehst du zu oft unter Anspannung, weil du Grenzen an falscher Stelle zu intensiv oder zu lasch setzt und kannst wieder bzw. immer noch nicht vertrauen und entspannen, geschweige dich an den Fluß des Lebens hingeben.

Aber du kennst dich selbst schon sehr gut und kannst alles sehr schnell und richtig verstehen! Du schaffst das sicherlich!
Alles gut!

Antwort
von JasonSchmid2000, 13

Okay, wurdest du schonmal emotional verletzt?

Wenn ja, dann ist das eine Art Trauma und du wehrst dich dagegen, weil du dieses schlechte Gefühl nicht haben willst.

Überleg mal, woher diese Angst, verletzt zu werden, kommt.

Eltern, Kindheit, Freunde... irgendwann hat mal jemand etwas gesagt oder getan, das in dir diese Angst ausgelöst hat. Versuche, die Angst vollkommen zu verstehen und dadurch zu lösen.

Solche Traumas haben viele Menschen und sind der Grund für z.B. Eifersucht, Schüchternheit etc.

Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit wirst du das Gefühl besser verstehen und damit umgehen können.

Viel Glück ;)

Antwort
von 007Alkl, 19

Hallo,

welches Ereignis hast Du mit 14 / 15 erlebt, dass Du Dir so eine eigene Sperre aufsetzt. Scheidung? Geschwister? Verletzte oder unerfühlte Liebe?

 

Antwort
von Lapushish, 16

Wow. Könnte ich geschrieben haben.

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