Frage von xXSnowWhiteXx, 166

Was ist eine psychische Erkrankung? / Transsexualität?

Hey ihr,

seit Tagen diskutiere ich unter Videos über das Thema Transsexualität/Transgender mit Leuten die behaupten, dass das eine psychische Erkrankung (mental disorder) ist.

Da ich das selbst als Transfrau nicht auf mich sitzen lassen will, wollte ich fragen, was genau eine psychische Erkrankung ist und ob ihr der Meinung seid, ob Transsexualismus ebenfalls eine psychische Erkrankung ist, mit einer klaren Begründung.

Ich selbst bin sehr standhaft gegenüber solchen Hasskommentaren, aber irgendwann habe auch ich nachgegeben und mich gefragt, ob ich nicht vielleicht wirklich nur "krank" bin. Wegen Videos von z.B. Hunter Averllone ("The truth about transgenders") fühle ich mich zur Zeit sehr gekränkt. Ich meine, ich fühle mich gut so wie ich bin und jeder akzeptiert mich, aber irgendwie bin ich an den Punkt gelangt mich selbst zu hinterfragen.

Die meisten kommen immer mit diesem "XX stays XX, XY stays XY."-Zeug und das Gefühle keinen Wert gegenüber Fakten haben. Dann gibt es diese Hirnies die Transsexualität mit Pädophilie gleichstellen und so weiter.

Es ist klar, dass der genaue Ursprung von Transsexualität noch nicht ermittelt wurde, aber das könnte der der Homosexualität "herbeiführt" ja auch nicht zu 100%.

Deshalb die Fragen:

1.) Was ist genau eine psychische Erkrankung? 2.) In wie fern kann Transsexualität als psychische Erkrankung angesehen werden? 3.) Was denkt ihr, und warum Transsexualität k/eine psychische Erkrankung ist?

Ich hoffe auf einige Meinungen.

Lg♡

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo xXSnowWhiteXx,

Schau mal bitte hier:
Sex Psychologie

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von transeltern, 19

Hier eine geballte Sammlung zum Thema:

trans-eltern.de/?TS_im_Hirn

Transsexualität ist keine psychische Krankheit. Beweis: Alle psychischen Krankheiten sind mit Gesprächstherapie heilbar, Transsexualität ist es nicht. Sogenannte "Umpolungstherapien" (reparative Therapien) sind regelmäßig gescheitert.

Problem ist, daß die Medizin selbst die Indizien nicht anerkennen will, sie wollen den genetischen Auslöser dessen wissen, aber den haben sie bis heute nicht gefunden, denn auch die Gehirnentwicklung ist lediglich eine Folge genetischer Befehlsinduktion. Und Medizin tut sich schwer mit Neuerungen und neuen Erkenntnissen.

Bei Transgendern, die lauthals nach Akzeptanz schreien und wegen jedem Pups sofort beleidigt sind, kann ich mir schon eher eine psychische Krankheit vorstellen, nicht aber bei Transsexualität.

Die Diskussion ist müßig, im Endeffekt wird sie nur geführt, um Akzeptanz zu bekommen und Stigma beseitigt zu bekommen, denn wäre ein genetischer Ursprung endlich gefunden, wären wir damit sofort aus der F-Ecke raus und damit auch aus der Psychotherapieschiene raus. Und damit verschwindet auch jegliches Stigma. Nur, was nützt es. Ich kann keinen dazu zwingen mich zu akzeptieren. Der Tag an dem keiner was dagegen hat und es ins Konzept aller im Umfeld lebenden passt, den wird es nie geben. Es wird immer Menschen geben, die etwas gegen uns haben, selbst dann, wenn ein genetischer Auslöser gefunden wäre.

Also was solls.

Und es ist auch keine Geschlechtsidentitätsstörung. Die Identität entwickelt sich noch im Mutterleib und sie kommt ohne traumatische Erfahrungen auf die Welt, heißt die Geschlechtsidentität ist völlig gesund und keine Störung.

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Bedeutet das, dass z.B. Schizophrenie auch keine Störung ist? Weil das ist ja auch nicht 100% heilbar. Klingt komisch, aber ich versuch noch den Unterschied zu verstehen.

Kommentar von transeltern ,

Du willst doch jetzt nicht ernsthaft Transsexualität mit Schizophrenie vergleichen?! Schizophrenie ist eine angeborene Störung, die den Betroffenen selbst behindert, sie kann nicht aufgelöst werden. Die Geschlechtsidentität eine Transsexuellen ist nicht gestört. Sobald der Transsexuelle seine Transition hinter sich hat, lebt er genau so normal wie jeder andere auch und ist nicht mehr eingeschränkt. So einfach ist Bergbau.

Antwort
von Chichibi, 36

Wenn ich das mal ganz emotionslos betrachte, finde ich das eigentlich eine ziemlich gute Frage. Mal abgesehen davon, dass es wenn dann eine Störung ist. Krankheiten kann man heilen, bei einer Störung kann man nur lernen, damit umzugehen.

Am Ende komm ich aber eher zu der Frage, ob bei Transsexualität denn Behandlungsbedarf besteht. De facto kann man es nicht "heilen" und man schadet weder sich selbst noch anderen Menschen. Also definitiv kein Behandlungsbedarf.

Was ist also das sinnvollste, was man machen kann? Exakt, die eigene Identität annehmen, seinen Körper angleichen lassen und damit glücklich werden.

Wenn es also eine Störung wäre, würde das am Ende auch keinen Unterschied machen. Außer, dass sich Menschen wie du schlechter fühlen, als sie müssten.

Nur weil etwas von der "Norm" abweicht, ist es noch nichts Schlimmes. Und das Geschlecht lässt sich eben nicht nur an den Genen fest machen, da spielen auch Hormone eine wichtige Rolle, die im Mutterleib freigesezt wurden, und sicher noch viele andere Faktoren. Niemand ist 100% Frau oder 100% Mann. Auf genetischer Ebene vielleicht - aber das hat mit der sexuellen Identität wenig zu tun.

P.S. Ich sehe Transsexualität definitiv nicht als Krankheit an. Genauso wenig Homosexualität, Fetischismus, BDSM-Neigungen, noch sonst was in der Art!

Antwort
von Alex9Q1, 52

Transsexualität ist keine psychische Krankheit. An sich ist das eine Geschlechtsidentitätsstörung.

Seid nicht allzu langer Zeit wird es auch nicht mehr als Krankheit angesehen, sondern als Krankheitswert, etwas das andere Krankheiten auslösen kann, bspw Depressionen, wie man sie in diesen Fällen leider viel zu häufig antrifft

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Oh echt? Hast du zufällig Quellen dazu?:)

Kommentar von Alex9Q1 ,

Im Neuentwurf der Klassifizierung ICD-11, der 2015 offiziell vorgestellt wurde, ist Transsexualismus hingegen als medizinischer Zustand enthalten (Klasse 06 Condition related to sexual health), der als „gender incongruence“, d. h. geschlechtliche Nichtübereinstimmung, bezeichnet wird.[3] Damit wird nach dieser zukünftigen Klassifikation Transsexualität nicht mehr als Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung bzw. psychische Störung angesehen. Das Inkrafttreten der ICD-11 ist für 2017 vorgesehen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t)

Kommentar von Alex9Q1 ,

Kann ich dir nachher mal raussuchen, bin noch unterwegs. Zumindest erwähnte meine Therapeutin und mehrere Leute die in diesem Gebiet arbeiten, dass sich das entweder im ICD schon offiziell geändert hat, oder jetzt geändert wird

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Vielen Dank :)

Antwort
von piamarieo, 26

Nein es ist keine Psychische Erkrankung. Es gibt noch keine 100% Erklärung. Allerdings geht die Wissenschaft heute mitunter davon aus das es eher eine Endokrinologische Ursache hat. Sprich das es einen hormonellen Auslöser im Mutterleib gibt welcher "Gehirn" und "Restkörper" sich unterschiedlich entwickeln lässt.

Warum geht man von einer Psychischen Erkrankung aus? Ich denke weil die Menschen es nicht verstehen konnten. Man konnte es nicht aufschneiden, sehen, anfassen oder aus dem Körper rausholen. Also war es "Psychisch". Ebenso wie Homosexualität. Dazu kommt die Gesellschaftliche und auch Religiöse Entwicklung der Menschen. In der Antike zum Beispiel war vieles "normal" (Wie es auch heute noch in einigen Kulturen ist).

Oder um es anders zu verbildlichen: "Die Erde ist eine Scheibe! Und wer etwas anderes behauptet ist eine Hexe oder Ketzer und gehört verbrannt!"

Antwort
von schloh80, 21

Eine psychische Erkrankung ist eine psychische oder Verhaltensstörung mit Krankheitswert. Diese wird über Syndrome, also das gleichzeitige Auftreten mehrerer spezifischer Symptome innerhalb eines Zeitfensters und mit einem charakteristischen Verlauf, klassifiziert.

Neben Forschungsfragen, sind Diagnosen (gerade auch in Deutschland) notwendig, damit leidende Menschen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können / dürfen.

In Deutschland gilt das ICD-10, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erarbeitet und herausgegeben wird. Hier sind im Kapitel F die Psychischen und Verhaltensstörungen definiert.

Im ICD-10 wird Trassexualität als Teil der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (60-69), hier der Störungen der Geschlechtsidentität (F64) definiert (ICD-10: F64.0).

Kommentar von Alex9Q1 ,

Zukünftig wird Transsexualität im ICD nicht mehr als Persönlichkeits- und Verhaltensstörung definiert. Dies soll 2017 in Kraft treten

Kommentar von schloh80 ,

Kann nicht sein, da sie im ICD-11 enthalten sein wird (zumindest im heute gültigen Draft der WHO).

http://apps.who.int/classifications/icd11/browse/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int...

Antwort
von MindFlower, 47

Psychisch Krank bist du erst, wenn du unter deiner Psyche leidest. Ansonsten ist es wie alles andere auch nur ein Zustand. 

Man kann vielleicht noch ergänzen auch Psychen als Krank zu bezichtigen, die mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben nicht harmonieren. Dann leiden andere. 

.

Zu aller letzt möchte ich noch erwähnen, das Mensch sehr einfallsreiche Wesen sind und ihre Welt gerne definieren. Sie sind geradezu süchtig danach. 

Es geht schon so weit, das wenn sie nichts zum definieren haben, sich gern Definitionen von anderen ausborgen. Aber im Großen und Ganzen kannst du nur selbst für dich bestimmen, was du aus deinen Leben machst. 

Auch wenn es heißt, dass du für dich bestimmst bestimmt zu werden. 

Antwort
von marla80, 9

Wem ich schon lese, dass Homosexualität mit Pädophilie gleich gesetzt wird, werde ich richtig böse... Und auch, dass man Transgender als psychisch krank bezeichnet... ich sehr das so, dass es bei der Entstehung des menschlichen Körpers einen Fehler gab, der dazu führt, dass die Seele in einem Körper des falschen Geschlechts geboren wurde. Meiner Meinung nach ist es -ebenso wie die Homosexualität- von Geburt an schon so gewesen... Man wird ja nicht einfach homosexuell, das ist keine bewusste Entscheidung...

Ich habe mich mit dem Thema auch schon intensiver auseinander gesetzt, denn (wie man in meinen alten Fragen lesen kann- bin ich davon unmittelbar betroffen, da mein Patenkind als Mädchen geboren wurde, aber schon seit den Kleinkindalter ein Junge sein möchte... Das ist bei ihm auch nix vorüber gehendes, denn er war 3 Jahre alt, als er das so äußerte, dass Jungssachen cooler und schöner sind und er sich weigerte ein Kleid anzuziehen. Mittlerweile ist er 11 und es hat sich nichts geändert... zu der Einstellung bzw dem Gefühl im falschen Körper zu sein.... Ich möchte da jetzt auch nicht du tief drauf eingehen.

Es sind Menschen wie du und ich... Ich empfinde es NICHT als Krankheit, höchstens können aus den resultierenden Problemen welche entstehen... ich liebe mein Patenkind über alles und ich möchte nur dass er glücklich ist... Wenn er sein Glück darin findet, als Junge/Mann zu leben, dann bekommt er jede Unterstützung von mit, die ich möglich machen kann

Antwort
von SiroOne, 47

Transsexualiät ist genau wie Schwulsein eine Laune der Natur, aus verschiedenen Identitäten können auch verschiedenartige sexuelle Identitäten entstehen.
Als Krankheit würde ich es nicht bezeichnen, weil niemand kann eine Krankheit feststellen.
Warum das die Natur macht sicher nicht mit Absicht, aber aufgrund der hochentwickelten Intelligenz des Menschen sind diese Fehler sicher unvermeidbar.
ich sag immer sowas wie wenn die Menschen mit Fehlern nicht wären, dann wären die so genannten Normalen auch nicht.
Menschen sind nunmal nicht perfekt die Natur ist es auch nicht, aber damit kann man leben, die Frage ob Transsexualität eine Krankheit ist führt ins Leere und man ist nicht wirklich zufrieden egal welcher Antwort man zu finden hofft.

Kommentar von bekind ,

oh mein gott transexualität ist kein fehler und es gibt übrigens auch homosexualität unter tieren soweit ich weiß

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Ich kann SiroOne wohl verstehen. Es ist irgendwie ein Fehler. Aber dennoch einer den man akzeptieren muss. Klar sollte es denke ich von der Natur her nicht so sein, aber Sachen passieren halt. Genau wie bei Menschen mit Down Syndrom. Sachen die man nicht "weg machen" kann. Aber ich denke Fehler sind normal. Das passiert der Natur, und selbst uns. Gut, Minderheiten sollte man gerade deswegen tolerieren, weil sie eine Minderheit sind, aber letztendlich bleibt das ja auch nur seiner eigenen Menschlichkeit überlassen.

Antwort
von bekind, 60

oh mein gott natürlich ist das keine krankheit tut mir leid für dich ich weiß wie anstrengend solche diskussionen sein können

Kommentar von xXSnowWhiteXx ,

Oh ja das stimmt :/ Danke!

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