Frage von YK0802, 98

Was ist eine plurale Identität?

Antwort
von Grautvornix16, 56

Hi,- böse gesagt könnte es sich auch um eine "multiple Persönlichkeit" handeln. Ich trau mich aber mal etwas weit aus dem Fenster und behaupte: Für mich ist dieser Begriff neumodischer Schlauschwätz aus einer Pseudowissenschaft, in welcher jede "Koryphäe" glaubt etwas gaaanz Neues finden / erfinden zu müssen und wenn das nicht so richtig klappt über "Sprachdesign" zumindest den Eindruck erweckt und sich selbst damit überzeugt (in den Geisteswissenschaften klappt das leider zu oft). - Auch Wissenschaft ist mittlerweile nur noch ein Geschäft und war schon immer auch ein Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Aber "Back to the Roots". - Mit ein bischen rationalem Hirnschmalz und G. W. Leibnitz sollte es gehen: "Zwei Dinge sind identisch, wenn sie in allen ihren Eigenschaften ununterscheidbar sind".(ZE)  Ende der Durchsage.

Der Rest ist schlicht eine Frage der Logik der gebildeten Kategoriesysteme - analog zur Mengenlehre ( Element ...x, y, z einer Klasse A in Relation zu....).

Das ist am Ende ein begriffliches "Hütchenspiel" bei welchem wir die die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer wahren Aussage durch Festlegung der Begriffe zu sog. "Entitäten" und ihrer Aufbau- wie Ableitungssystematik im Rahmen von Metakategorien , also der vergleichenden Zuweisung bzw. dem Ausschluß von Eigenschaften und entsprechender Relationsbildung selbst bestimmen und damit auch die Trefferwahrscheinlichkeit einer Definitionsaussage.

Nehmen wir jetzt noch den Begriff Pluralismus dazu bedeutet dies nichts anderes als die gleichzeitige und gleichberechtigte Existenz von Identitäten im Leibnitz'schen Sinn. - Was für eine Erkenntnis!

Nehmen wir den Begriff "Wolf" und "Auto". Stellen wir fest, das ein Wolf kein Auto ist obwohl es deutlich verschiedenen Arten von Wölfen untereinander aber auch von Autos untereinander gibt. Im Ergebnis werde ich bei der Erkenntnis bleiben, dass ein Wolf kein Auto ist. (Der Wolf hat keine Räder :-D). Betrachte ich beide als Teil einer ökologischen Fragestellung werden sie - schwupps - zu verschiedenen Identitäten ein und desselben (Denk-) Systems.

Aber ich vermute mal, das sich das Ganze auf die Laberecke der Psychologie und der Soziologie bezieht - ok:

Wer schon mal in zwei Freunde / Freundinnen gleich doll verliebt war weiß was ein Rollenkonflikt ist. Wenn dieses Gleich-Verliebtsein ein Teil meiner Identität ist so habe ich, je nachdem wo ich gerade bin, ein Integrationsproblem von zwei Identitäten in eine - nämlich meine - aber keine "plurale Identität".

Wer sich mal der Anstrengung unterzieht, sich selbst sowohl als Autofahrer als auch als Fußgänger zu beobachten oder als "Individualtourist" feststellt, dass auch andere "Individualtouristen" die Gegend in die ich will toll finden wird feststellen, dass "plurale Identitäten" nichts anderes sind als ambivalente / widerstreitende Interessen, die in ein und derselben Erfahrung oder Person liegen.

Und wer mal genau hinschaut an wieviel verschiedene Rollenerwartungen und -anforderungen wir uns tagtäglich anpassen wird feststellen wieviel "plurale Identität" in uns allen selber steckt.

Der Punkt ist, dass man durch falsche Begriffswahl auch falsche Ableitungen "konstruieren" kann, die zu "Problemen" oder scheinbaren Sachverhalten führen, die gar keine sind.

Solange wir nicht von maschinellen Kausalsystemen ausgehen sondern von ihrem essentiellen Unterschied zu lebenden (sog. offenen Systemen) und uns selbst als solche begreifen können wir uns getrost zurücklehnen und genießen, dass die dynamische Produktion von Vielfalt die Grundlage für die jeweilige Identität dieser Systeme ausmacht und eine Aufhebung von Widersprüchlichkeiten (Ambivalenzen) dabei gar nicht notwendig und deshalb auch gar nicht zum "Systemprogramm" gehört sondern bereits Teil seiner Identität und Ausgangspunkt seiner Dynamik ist. Und jedes dieser Systeme und die fortlaufende Produktion dieser Vielfalt ebenso wie die "Systemarbeit" zu deren Integration in das System sind wir selbst. - Jeder von uns. - Solange wir (psychisch) gesund sind. -

Also mach dir darüber keinen Kopf - versuch einfach nur in diesem ganzen Irrsinn ein "Offenes System" zu bleiben und laß dich nicht von jedem "Copperfield des Wissenschaftsbetriebes" einschüchtern .

PS: Wenn dir etwas unklar ist oder dir das Ganze zu kompakt vorkommt dann recherchiere mal im WWW nach "Systemtheorie" oder "Offene Systeme vs. Kybernetik) - ehrlich,- das ist ein völlig seriöser Teilbereich der Wissenschaftstheorie. ;-)

Gruß

Antwort
von Camille007, 63

Also ich weiß es nicht also bitte keine Beschwerden wenn das was ich vermute komplett falsch ist.

Vielleicht ist damit gemeint, dass die meisten Menschen verschiedene Persönlichkeiten zeigen. Z.B. wenn sie etwas mit Freunden machen sind sie anders als wenn sie mit Fremden oder Erwachsenen sprechen.

Antwort
von Wilkinson, 48

Plural=Mehrzahl. Meine Interpretation: Zwei oder mehrere Charaktere in einer Person. Ungefähr so wie bei Dr. Jekill und Mr. Hyde

Antwort
von Eselspur, 49

ich nehme an, das ist das, was meist als "Patchwork Identität" vezeichnet wird: je nach Lebensabschnitt und Lebensbereich haben wir unterschiedliche Identitäten, die im Grunde nicht zusammenpassen.

Die patchwork identity ist ein Kennzeichen der Postmoderne und wird wertneutral so gesehen.

Kommentar von YK0802 ,

Daß hat mir sehr geholfen Danke sehr

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