dupappawarum am 22.03.2009 um 19:56 Uhr
Das Frankfurter Sicherheitspersonal ist von oberster Stelle angewiesen worden, Freundlichkeit zu "heucheln". Ist das ein weiterer Beitrag zur Steigerung der Verlogenheit in der Gesellschaft? Wie steht ihr zu "falschem" Lächeln?
Auszug aus einem heute erschienenen Spiegel-Online-Artikel: "Frankfurter Flughafen: Sicherheitspersonal soll mehr lächeln Bitte recht freundlich: Die Aktion "Mit Sicherheit ein Lächeln" soll Flughafenangestellte in Frankfurt zu einem netteren Umgang mit Passagieren motivieren. Die Sicherheitskontrollen seien die Visitenkarte des Airports, sagte der neue Fraport-Chef Schulte... etc, pepe, blabla,... und weiter sagte er: "Ich tue meinen Job, ohne nachzudenken. Business as usual halt". Und quasselte noch den üblichen "Wir sind um unser Image besorgt, aber in erster Linie sind wir ein profitorientiertes Unternehmen-Quatsch" (By the way: Wie kann eine stupide Marketing-Aktion zum netteren Umgang miteinander motivieren?)

Wenn man erst einmal lächelt -egal ob man sich zunächst danach fühlt- kommt man erwiesenermassen automatisch in eine positive Stimmung. Somit wird nach einer Weile das Lächeln "wirklich" "ehrlich"....Und jemand, der lächelt wird auch von den "Kunden" viel weniger "angemotzt" - und so haben beide Seiten etwas davon.
Weiterhin wird eine Stimme und die Stimmung, in der man sich ausdrückt auch durch ein Lächeln positiver - es gab bei der Telecom-Auskunft vor Jahren dien Slogan: "Mein Lächeln kann man hören..." und das stimmt auch - jeder Spracherzieher kann das bestätigen...

Da ich die lächelnden Leute nicht kenne, weiß ich auch nicht, dass sie es nur vorspielen . Meine Stimmung verbessert es deshalb trotzdem.

Fertig.

fühlst Du Dich nicht auch besser, wenn Dich jemand anlächelt oder vermutest Du dahinter immer eine Verlogenheit? Oder ist es Dir lieber ständig einem mürrischen Gesicht zu begegnen? Natürlich, Vorschriften bringen nicht immer das Gewünschte, wenn es von oben befohlen wird, aber auch ich merke immer wieder,wenn ich mit wohltuender, nicht aufgesetzer Laune meine Arbeit verrichte, geht diese leichter und erhalte Resonanz. (Insofern ist es mir egal ob das befohlen wird oder nicht. (Ich tue es von mir aus, weil ich dadurch nur gewinnen kann.)
dupappawarum am 22. März 2009 20:35 Mensch, ich lebe in Berlin, da wird nicht gelächelt. ;-) Stell Dir mal vor, Du könntest Gedanken lesen: Du spazierst also durchs Leben, in U-Bahnen, in Cafes und Supermärkten, auf der Arbeit und unter Freunden. Die Masken fallen, das Geflüster in Deinem Kopf erzählt ständig die nackte Wahrheit. Würdest Du das wollen, oder würdest Du das lieber ausblenden? Worauf ich hinaus will: diese Realitäten existieren. Würde ein gesellschaftliches Abkommen diese verändern können? Was wäre es wert?
Siam1 am 22. März 2009 22:16 Also ich stell mir das nicht vor. Ich möchte auch kein Mäuschen spielen und mir Gedanken machen wollen, was andere über mich und alles Mögliche denken. Für mich habe ich eben raus gefunden, dass Freundlichkeit, Rücksicht, Achtung vor den anderen zu erweisen, mich zufriedener stimmt. Natürlich gibt es auch welche, die ständig Dampf ablassen, was auch einen nach unten ziehen kann und ich sage zu mir: mir doch egal. Insofern, habe ich inzwischen die Einstellung: mir doch egal. Warum? Weil es mich dann nicht so belastet -Regeln müssen sein. Inzwischen fällt es mir leichter sie anzuerkennen, statt immer gegen sie ankämpfen zu wollen. Glaub mir ,ich laufe nicht grinsend durchs Leben, ich bin einfach nicht mehr so verspannt. Ich denke, Du weißt was ich meine. Das kommt wiederum auch den anderen zugute. Destruktivität nährt schlecht den Boden. So meinte ich das.
Siam1 am 22. März 2009 23:19 Es gibt ein chinesische Sprichwort, das sagt:"Das Leben meistert man lächelnd – oder gar nicht." Ich bin jetzt kein leidenschaftlicher Zitatensammler, aber das finde ich doch treffend.


Ich erkenne oft geheuchelte Freundlichkeit. Die Ausstrahlung des Menschen sagt mir etwas anderes als das aufgesetzte, manchmal sogar offensichtlich gequälte Lächeln. Solche Disharmonie finde ich für mich problematisch. Ich finde Wahrhaftigkeit, Authentizität viel besser!
Zum Würgen finde ich z.B. auch Telefonanrufe von Unternehmen, deren Mitarbeiter oder beauftragte Callcenter mit stereotypen Worten und Sätzen ihr "Gespräch" beginnen und ich höre GANZ DEUTLICH, daß es ein vorgeschriebener, auswenig gelernter doer abgelesener Text ist. Diese Unaufrichtigkeit verletzt mich tief!!
Ich glaube nicht, dass es Sinn und Zweck war, Freundlichkeit zu "heucheln", sondern eher eine Aufforderung zu mehr Selbstbeherrschung, um dann seinen Mitmenschen freundlicher zu begegnen. Was ist Dir lieber, angelächelt zu werden oder ein muffliges Gesicht???
...ist mittlerweile im Business, im Service und in der Verwaltung (un)verbindliche Verhaltensnorm.






Das ist inspirierend, RolfHoegernann. (Ich gebe zu: Ich musste nach Deiner Antwort lächeln. Es war ein ehrliches Lächeln.)
ich schließe mich RolfHoeqemann an