Frage von OriginaI, 109

Was ist ein ehrenhafter Tot?

Stellt dir vor, du wärst im Krieg und nur noch der einzige in der Gruppe, und die Gegner sind in der Überzahl.

Würde man jetzt eher bis zum Tode kämpfen oder dem Tod ins Auge schauen und ihnen in's Gesicht sagen: Töte mich jetzt.

?

Antwort
von MissMarplesGown, 27

1) "Ich bin toT", mit t, wenns eine Eigenschaft, ein Adjektiv ist. Aber: "Mein ehrenhafter ToD", mit d, wenn es ein Hauptwort, ein Nomen ist.

Es gibt "Ehre" auch jenseits und lange VOR der persönlichen "Endzeit-Situation" (wie immer sich diese auch gestalten mag), z.B. am persönlichen Verhältnis zur eigenen Sprache. Zumindest eine der vielen Sprachen dieses Planeten sollte man korrekt nutzen und anwenden können - der Ehre halber, wenn man sich denn insbesondere als Ehrenträger wahrnehmen möchte. Das macht sich dann bei Gelegenheit auch in heroischen Szenen sehr gut, aber dies nur nebenbei. ;-)

2) In einer oben beschriebenen Situation würde man Dich eventuell GAR NICHT fragen, was Du gerne möchtest, wie man mit Dir verfahren soll, was Dir recht wäre oder was Dein Ehrgefühl füttern würde. Nicht Du würdest darüber bestimmen, was weiter geschieht und wie. Wenn man es für sinnvoll hält, Dich sofort oder etwas später zu töten, wird man dies tun. Wenn man meint, Du seist in irgend einer Form nützlich oder man wolle an dieser Situation seine EIGENE empfundene Ehre unbeschadet halten, wird man Dich mitnehmen - wohin und wozu, darauf hättest Du keinen Einfluss. Auf Deinen Zuruf wird man Dich weder töten noch leben lassen, wenn man anderes mit Dir vorhat bzw. aus eigenen Gründen anders mit Dir verfahren möchte, soll oder "muß". Die Beweggründe der anderen werden gelten, nicht Deine eigenen. Ob beides dann kompatibel ist, würde sich zeigen.

"TÖTE MICH JETZT!" ist Hollywood. Tod und Sterben kann unter Umständen irrsinnig anders sein, als kleine-Jungs-Fantasien sich dies für sich selbst als Hauptdarsteller im eigenen Lebensfilm so vorstellen. Da wundert mann sich manchmal.

Die Frage ist nicht eine Frage danach, wie man mit dem Thema "Ehre" in einer lebensbedrohlichen und von der Willkür anderer Menschen abhängigen Situation umgehen sollte oder könnte, sondern: Ob speziell diese Vorstellung von "Ehre" nicht eine furchtbar künstliche Konstruktion ist. Hier wird Ehre verwendet, als sei es völlig klar, dass es einen Begriff "ehrenvolles Sterben" im Krieg überhaupt gibt. Das möchte ich in Frage stellen. Woran knüpft sich denn hier "Ehre"? Soldatenehre? Also Berufsehre? Männliche, menschliche "Ehre"?

Ich selbst hätte in einer solchen Situation vollständig andere Gedanken und Anliegen. Beim (gewaltvollen) Sterben geht es nicht um Ehre, sondern um Menschlichkeit, Würde, psychische Angstbewältigungsstrategien, Gedanken an Vermeidung von Leiden und ein Abwägen zwischen Tod und Leiden, soweit überhaupt möglich -  und um den in solchen Situationen absolut schwierigen Faktor "Zeit" - die man nicht hat für die Dinge, die jetzt als letzte Aktion womöglich wesentlich sein könnten: Nachrichten übermitteln zu können, Verhältnisse zu klären, sich zu verabschieden, Gewissheit über das Geschehen, die Vorgänge zu vermitteln, für die Sicherheit und das Wohl anderer Menschen, Angehöriger, Kameraden, Freunde zu sorgen. Das sind wesentliche menschliche Aspekte, aber keine Fragen nach "Ehre".

Meiner Meinung nach versteckt sich hinter diesem Ehr-Getue insbesondere in Kriegssituationen eine immense persönliche Angst, sich in entscheidenden Momenten des Lebens als privater Mensch wahrnehmen zu müssen - als ein Mensch, der NICHT grundsätzlich die Situation und Lage (und dazu sämtliche emotionalen Ebenen!!!) in jedem Moment seines Lebens beherrscht, auch wenn mancher Mann an eine derartige Kontrolle glauben möchte.

Der Ehrfaktor hilft EMOTIONALE KONTROLLE zu erlangen und sich vor der Erfahrung zu schützen, dass wie alle, wenn es darauf ankommt, immer nur als privater Mensch mit unseren nackten Emotionen dastehen. In Männerbereichen fällt auf; Je gefährlicher und risikoreicher das Ambiente, desto mehr wird mit "Ehre" hantiert. Diese Form von "Ehre im Krieg" ist Selbstschutz, ein psychischer Abwehrmechanismus - und genauso oft auch eine Rechtfertigung für fragwürdiges Handeln, aber keine allgemeingültige "Wahrheit". Wenn es "Ehre" gäbe, dann gehörte Kriege zu führen und für rationale Ziele Massen unbekannter Menschen zu töten zu den ehrlosesten Dingen, die Menschen sich überhaupt einfallen lassen können. ausgerechnet innerhalb solcher Szenarien Ehre zu vermuten und leben zu wollen halte ich für widersprüchlich. Ich glaube nicht an "Ehre" in Kriegssituationen.

Antwort
von Eselspur, 13

Das will ich mir nicht vorstellen und ich empfehle dir, eher ehrenvoll zu leben als ehrenvoll zu sterben!

Antwort
von Johannisbeergel, 37

Je nachdem wer da gegenüber steht, könnte man zumindest über Kriegsgefangenschaft nachdenken. Mein Uropa kam wenn auch traumatisiert immerhin wieder heim. 

Antwort
von mrlilienweg, 34

Bevor man überhaupt in die Nähe von feindlichen Soldaten kommt um ihnen zu sagen "töte mich jetzt", ist man bereits umgelegt worden. Derjenige der als Erster schießt, überlebt. Wenn du in so einer Situation rechtzeitig die Hände hebst, hast du vielleicht die Chance, zu überleben. Im Nahkampf wird nicht diskutiert, jeder kämpft um zu überleben.   

  

Antwort
von Janosch15K, 47

Im echten Leben ist man nicht Rambo oder Amerikanischer Superheld. Man würde rennen.  

Kommentar von Misterx15 ,

ist so😂

Kommentar von Eselspur ,

ein Soldat, der in Stalingrad gekämpft hat, hat mir gesagt: "Helden gibt es nur in der Mythologie!"

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