Frage von riiiiiiike, 212

Was ist ein Beispiel für einen moralistischen Fehlschluss?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EUWdoingmybest, 153

Ja, die bisherige Antwort macht schon Sinn. Ich antworte mal auf die Frage

https://www.gutefrage.net/frage/was-ist-der-unterschied-zwischen-einem-naturalis...

mit.

Ein naturalistischer Fehlschluss, wie er von G.E. Moore definiert wurde, am Beispiel der Verwendung von dem Wort "gut".

Wenn man das Gutsein eines Dinges mit irgendwelchen empirischen (oder auch metaphysischen) Eigenschaften des betreffenden Dinges identifiziert.

"Der Kreis ist gut, weil er rund ist." ; "Der Tisch ist gut, weil er aus Holz ist."

Das wären naturalistische Fehlschlüsse.

Moralistische Fehlschlüsse:

"Man soll nicht stehlen." Das soll, weil es moralisch falsch ist, auch auf empirischer Basis falsch sein.

Oder "Du sollst nicht töten." Weil man das als moralisch gegeben animmt, wenn nicht sogar als Tatsache, behaupt man dann auch, es entspreche den Gesetzen der Natur, bzw. es sein empirisch beweisbar. (Das mag bei diesem Beispiel eventuell beweisbar sein, aber sicher bin ich mir da nicht.) Doch es ist ein Fehlschluss, wenn es das eben nicht ist.

Wie bei Wikipedia schon steht: Man schliest von dem "Soll" auf den "Ist" Zustand. Bei dem naturalistischen Fehlschluss ist es genau anders rum. Du schließt von "Ist" auf "Sein/Soll" Zustand.

"Du sollst nicht töten.
-> Kein Mensch ist ein Mörder. (Aus sollen wird demnach sein, also das Gegenteil vom naturalistischen Fehlschluss)"

Dies hier von dir trifft da nicht ganz zu. Nur weil man sagt, man solle nicht töten, wird nicht jeder Mensch kein Mörder. Es geht nur um die Tatsache, ob es ein empirische Tatsache ist, oder nicht. Nicht, dass die Moral nie empirisch sein kann, aber bei den Fehlschlüssen, ist sie es eben nicht.

Kommentar von riiiiiiike ,

Leider kann ich dir nicht ganz folgen. Wie kann ein einziger Satz ein moralistischer Fehlschluss sein? Könntest du es vielleicht nochmal an einem anderen Beispiel für mich erläutern?

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Mist, ja kann ich verstehen. Nicht ganz deutlich geworden. Ich verwende hier deshalb auch "darf" anstatt von "soll", damit der Universalanspruch deutlich wird. "Soll" ist eher eine persönliche Empfehlung, "darf" schon eher tatsachenbasiert

Wenn jemand sagt "Du darfst nicht töten.", und damit nicht nur meint, es sei moralisch schlecht, sondern auch, dass dies die einzige Entscheidung ist, die man bei der Frage "Sollte ich einen Menschen töten?" treffen kann/die einzige Antwort darauf sein kann. (Ich gehe dabei von einem Menschen aus, der der Vernunft zugänglich ist)

Also kann ich jeden venünftigen Menschen, mit Beobachtungen/Argumenten oder sonstigem absolut zweifelsfrei beweisen, dass "Du darfst nicht töten." die einzige Wahl ist.

Doch das geht schließlich nicht, da es ein Urteil ist, dass auf moralischer Basis gefällt wird, und wesentlich mehr/andere Aspekte aufgreift, als wissentschaftliche Erkenntnisse. Bei Moral spielen auch die Emotionen/Gefühle/Erziehung der Personen eine Rolle, auf die man keinen Einfluss hat. Deshalb kann man sich bei moralischen Fragen auch schnell mal uneinig sein, während es in der Wissenschaft größtenteils immer eine vertretene Theorie gibt.

Deshalb sagt man auch "Du sollst nicht töten.".

Kommentar von riiiiiiike ,

Das klingt schonmal logisch. Aber mein Problem ist, dass, wenn ich entscheiden/erkennen muss, ob etwas ein moralistischer oder naturalistischer Fehlschluss ist, ich dies nicht könnte. Auch, wenn ich dies an einem selbst gewählten Beispiel erklären sollte, wüsste ich nicht, welches ich wählen soll. Kannst du mir vielleicht noch in dieser Hinsicht helfen?

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Es gibt auch sicher einige Schlüsse, bei denen man das garnicht so einfach entscheiden kann. Wenn sie länger ausfallen, muss man eventuell erst seine Struktur entschlüsseln. Bei komplexen Argumenten/Schlüssen, wird man wohl genauere Untersuchungen anstellen müssen und auf die Prämissen und die Folgerung achten. Aber das hilft jz ja gerade auch nicht.

Wenn jemand moralisch argumentiert, dann kann er nicht auf Tatsachen schließen. (Tasachen in der Form wie im obigen Kommentar, 3. Absatz).

Einfach gesagt, wenn jemand aufgrund der Natur eines Dinges ein moralisches Urteil fällt, wie Geometrie oder Gewicht, ist es ein naturalistischer Fehlschluss.

Fällt er ein Urteil, und stüzt sich dabei auf moralische Vorstellungen, ist es ein moralistischer Fehlschluss.

"Weil dieser Mensch gut ist, ist er groß gewachsen." Kannst man schlecht behaupten. Es ist vielleicht möglich, aber das folgt daraus nicht.

"Weil man Menschen nicht verletzen darf, darfst du diese Person jetzt nicht töten." Hört sich an/Fühlt sich logisch an, ist es aber nicht. Der erste Teil ist "moralisch" (auch wenn da "darf" steht) und lässt nicht auf die Konklusion schließen.

Ich hab versucht zu helfen.

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Den letzen Absatz bitte so lesen:

Der erste Teil ist "moralisch" (auch wenn da "darf" steht), beschreibt
also den "Soll" Zustand, und lässt nicht auf die Konklusion schließen,
welche wiederum den "Ist" Zustand beschreiben soll.

Kommentar von riiiiiiike ,

Danke!!

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Gerne :-)

Kommentar von riiiiiiike ,

Ich hab noch eine letzte Frage (: und zwar warum deiner Meinung nach mein Beispiel, dass du im ersten Kommentar selber zitierst, falsch ist. Ich dachte wirklich, es wäre richtig, weil aus "sollen" "sein" wird und das ja bei einem moralistischen Fehlschluss so ist.

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Du sprichst zuerst von einer Handlungsmaxime "Du sollst nicht töten." Daraus schließt du dann eine Eigenschaft für jeden Menschen. (keine adjektivistische Eigenschaft, sondern die Eigenschaft "Mörder zu sein"). Ob man Mörder ist oder nicht, hat ja wenig mit "Du sollst nicht töten." zu tun. Man kann ja auch Mörder sein, und gleichzeitig das akzeptieren.

Besser wäre dann: Kein Mensch sollte ein Mörder sein. Deshalb ist kein Mensch ein Mörder.

Kommentar von riiiiiiike ,

Also wäre dieses Beispiel ein moralistischer Fehlschluss? Dann habe ich es nämlich endlich verstanden.

Kommentar von EUWdoingmybest ,

Gestern war ich etwas müde. Deshalb ist das letze Beispiel etwas ungünstig gewählt. Man kann natürlich trotzdem Mörder werden/sein. Nur ist es dann für denjenigen, der den Fehlschluss fasst, wissenschaftlich und objektiv nicht vertretbar (obwohl es eigentlich nur moralisch nicht vertretbar ist).

Noch besser: Kein Mensch sollte ein Mörder sein. Und ich kann jeden venünftigen Menschen, mit Beobachtungen/Argumenten
oder sonstigem absolut zweifelsfrei beweisen, dass es keine vernünftige Möglichkeit gibt, zu einem Mörder zu werden.

Wenn diese Argumentation auf moralischer Basis läuft, dann ist es ein moralistischer Fehlschluss. Denn dann erhebt er Anspruch auf den "Ist" Zustand, den es aber nicht gibt.

Ist diese aber nicht auf moralischer Basis, sondern auf Grundlage von bspw. der Physik oder Mathematik, also einer objektiven Wissenschaft, dann ist es kein Fehlschluss.

Ich hoffe jetzt verstehst es :-)  Sonst frage gerne wieder. Auch gerne per privater Nachricht. Nicht dass der Support diese Frage entfernt, weil sie dies hier als "Chat" sehen. 

Kommentar von riiiiiiike ,

Wenn du mir sagst, wie ich dir privat schreiben kann, würde ich dich gerne noch etwas fragen (:

Kommentar von riiiiiiike ,

Wahrscheinlich stehe ich einfach auf dem Schlauch oder du formulierst zu komplizierte Sätze für mein Gehirn :D könntest du mir bitte noch zwei einfache Beispiele und eine Erklärung zu beidem zusammenfassend geben? (Morgen ist dann auch endlich die mündliche Prüfung und ich nerve dich nicht länger (: )

Kommentar von EUWdoingmybest ,

naturalistischer Fehlschluss:

"Ich finde diesen Tisch gut, weil er die Farbe Rot hat."

moralistischer Fehlschluss:

"Dieser Tisch sollte nicht die Farbe Rot haben, deshalb kann es nicht sein, dass er rot ist."

Es ist schwerer als man denkt, simple Beispiele zu geben, und alles kurz und knapp zu erklären. Die beiden hier drüber passen wohl.

Hier zwei Definitionen aus dem Internet, die es auch treffen:

Der naturalistische Fehlschluss liegt vor, wenn von der Natürlichkeit
der Prämissen auf die Richtigkeit der Folgerung geschlossen wird. Im
sozialen Bereich werden so Normen postuliert, die alleine durch die
natürliche Ausprägung der Prämissen bedingt sind.


Beispiel:

Männer sind von Natur aus stärker als Frauen, deshalb sollten sie auch ein größeres oder das alleinige Stimmrecht besitzen.



Hier wird vom natürlichen Sein unmittelbar das gesellschaftliche Soll abgeleitet. Dieser Schluss ist unzulässig.

https://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-14-naturalistischer-fehlschluss

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Moralistischer Trugschluß, Schluß vom Soll-Zustand auf den biopsychischen Ist-Zustand, etwa wenn aufgrund von Einstellungen und Weltanschauungen – und entgegen empirische Erfahrungen – auf die menschliche Natur geschlossen wird, beziehungsweise, wie man in der Alltagssprache seit Christian Morgensterns Gedicht (1910): ›Die unmögliche Tatsache‹ zu
sagen pflegt, "nicht sein kann, was nicht sein darf"

http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/moralistischer-trugschluss/9959

-

Achja, private Nachricht geht per Kompliment oder nach einer Freundschaftsanfrage. Aber bis morgen wird das wohl nicht mehr klappen :-) Kannst natürlich trotzdem fragen.

Und Viel Erfolg!

Kommentar von riiiiiiike ,

Vielen lieben Dank (:

Antwort
von kloogshizer, 120

Laut Wikipedia:

Der moralistische Fehlschluss ist ein Fehlschluss, bei dem auf der Basis der moralischen Unerwünschtheit eines Zustands oder Verhaltens dessen Naturwidrigkeit behauptet wird.

So wie ich das verstehe also z.B. "Töten ist unnatürlich(wider die Natur), weil es moralisch falsch ist."

Kommentar von riiiiiiike ,

Mir ist jetzt dieses Beispiel eingefallen: Du sollst nicht töten.
-> Kein Mensch ist ein Mörder. (Aus sollen wird demnach sein, also das Gegenteil vom naturalistischen Fehlschluss) meinst du das stimmt auch?

Kommentar von kloogshizer ,

Aus sollen wird sein, gebongt. Das Problem liegt finde ich bei der Naturwidrigkeit, du meinst "Kein Mensch ist ein Mörder" Macht eine Aussage über die Natur des Menschen, was immer Natur in diesem Zusammenhang bedeutet. (Eine art innewohnende Menge feststehender Eigenschaften?) Bei Tieren finde ich Natur einfach, bei Menschen eher nicht.

Ich hab aber kein Grundwissen auf diesem Gebiet.

Kommentar von riiiiiiike ,

Ich bin mir auch leider total unsicher.

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