Frage von heimkid, 261

Was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft los,wie wird jeder Mensch, der nicht so tickt, wie die Mehrheit direkt als krank angesehen..?

Ich kapiere da so einiges nicht. Es gibt heutzutage so viele Meschen, die irgendwie anders sind. Die Probleme in der Schule haben oder so, aber anstatt einfach einzusehen, dass sie es nicht drauf haben, betteln Eltern lieber tausendmal um irgendeine Diagnose. Ich denke nicht,dass es adhs, autismus und all diesen Quark nicht gibt, aber ich glaube nicht, dass all diese Kinder wirklich krank sind.

Wieso müssen einem Menschen direkt irgendwelche Tabletten verschieben werden. Wieso dürfen Menschen nicht anders sein und anders ticken.

Das ist es doch, was eigentlich krank ist. Menschen sind unterschiedlich. Mit unterschiedlichen Potentialen, Einstellungen, Meinungen, Verhaltensweisen,...

Das ist doch irgendwie normal.

Wieso vermittelt man schon Kindern und Jugendlichen , dass sie in irgendeiner Form gestört sind?

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Antwort
von einfachichseinn, 40

Deine Frage entspringt einem sehr interessanten Ansatz, nämlich der Quelle der Ahnungslosigkeit. Entschuldige, das meine ich gar nicht böse oder beleidigend. Aber anhand deiner Wort lässt sich schnell erkennen, dass du nicht wirklich viel über das Thema weißt.

Ich war schon ziemlich früh zum ersten mal in einem Lerninstitut. Grund war eine Legasthenie, die aber nie richtig diagnostiziert wurde, Grund dafür waren Fehler in der Diagnostik, das habe ich aber leider erst erfahren, als ich mich selber mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Naja als Kind war ich heilfroh, dass ich nicht gestört war. Allerdings hieß es schon da, dass meine Probleme einen Ursprung haben müssen und ich wurde weiter ans SPZ überwiesen. Wieder wurden eine Menge Tests durchgeführt, wieder hieß es es gäbe keine wirklichen Probleme. Ich hätte leichte Probleme mit der Konzentration, aber das wäre nicht dramatisch. Ich war heilfroh, dass ich nicht gestört war. Meine Eltern waren überzeugt alles in ihrer Macht stehende getan zu haben und ich lebte einige Jahre einfach mein trotziges Leben, als Idiotin. Ich war froh, dass ich es einfach nicht drauf hatte, um in deiner Sprache zu sprechen, aber irgendwann kamen Lehrer und auch einige andere Menschen, die mir immer wieder sagten, ich hätte eigentlich noch viel viel mehr drauf, wenn ich nur mehr lernen/besser zuhören/ mich mehr konzentrieren würde. ... Auch in meinem privat Leben nahmen meine Probleme immer mehr die Überhand. Ich war immer der lustige Schusselkop. Eine Rolle, die mir mehr und mehr behagte. 

In meinem Leben gab es ganz viele Ungereimtheiten, die dazu führten, dass ich ein langes Gespräch mit meinen Eltern führte. Schlussendlich habe ich sie gebeten noch mal mit mir zu einem Psychiater zu gehen. Dort waren wir und wie sich herausstellte waren meine "leichten Konzentrationsschwierigkeiten" eigentlich eine ADHS, die durch eine Hochbegabung ziemlich lange kompensiert werden konnte. Außerdem stellte sich heraus, dass das Testverfahren nicht ganz altersentsprechend war und sich demnach eine Menge Fehler eingeschlichen hatte. Naja das Lied von der Geschichte ist, dass ich dank Therapien endlich zeigen konnte, was ich wirklich drauf habe!

Und gedrängt oder ähnliches wurde ich auch niemals. 

Ich kenne auch einige Menschen, die noch als erwachsene eine Diagnostik durchführen lassen und Medikamente nehmen. Ganz freiwillig. 

Kommentar von heimkid ,

tja ich bin aber leider nicht ahnunslos!!!

Kommentar von Nicbur ,

Interessantes Thema!

Ja es könnte aus den Grund sein "mein Kind lernt nicht normal laufen"und schwupps kriegst Förderung....aus einer Angst der Eltern????Mein Kind ist anders ich kann es nicht anders beschützen....als anzugeben mein Kind hat zB.Autismus....

Bei Einigen wünsche ich mir jedoch das Sie besser hingucken!

Antwort
von wilees, 112

Du hast hier eine negative Seite unserer Gesellschaft sehr treffend dargestellt.

Speziell im Hinblick auf Dein Alter finde ich diese  Erkenntnisse bemerkenswert.

Antwort
von bikerin99, 68

Ziel ist die Einheitsgesellschaft und nicht die Vielfalt. Diese ist dann auch leichter führbar. Vielfalt ist störend, verlangt viel Aufmerksamkeit, ist schwieriger unter Kontrolle zu halten. Wer hat politisches Interesse daran?

An Krankheitsdiagnosen ist auch die Pharmaindustrie interessiert, für jedes Problem eine Pille, steigert den Umsatz. Dzt. wird diskutiert, ob man längere Trauer nicht als Krankheitsdiagnose einführt. Wer kann daran Interesse haben?
Störungen sind behandlungsbedürftig und damit lässt sich Geld machen. Der Wirtschaftsbereich Gesundheit boomt.
Als Einzelner darf man sich nicht dem Diktat der Gesellschaft und Politik unterwerfen, kostet leider sehr viel Aufmerksamkeit und Reflexion. Aber wenn man Stress in der Arbeit hat, die Belastungen wachsen, Erwartungen an das Freizeitverhalten, leicht verfügbare Vergnügungen (Brot und Spiele) verhindern, dass noch Energie für politische und Selbstreflexion bleiben.

Antwort
von halbsowichtig, 36

Leistungsgesellschaft. Wir haben uns eine Kultur geschaffen, in der jeder Einzelne daran bewertet wird, wie viel er beruflich leistet.

Um berufliche Höchstleistungen zu vollbringen, braucht man ganz bestimmte Talente. Andere Talente kann man fast nur noch nutzen, wenn man mindestens auch die arbeitsrelevanten hat.

Dass man optimal funktionieren muss, wird einem so früh eingetrichtert, dass es als zentraler Wert empfunden wird - wie Schönheit, Nettigkeit, Besitz und so weiter. Das heißt, wer nicht optimal funktioniert, wird von den Gleichaltrigen gemobbt. Wo früher die Hässlichen, Armen und Asozialen ausgegrenzt wurden, drischt man heute auf die für den Arbeitsmarkt Suboptimalen ein.

Weil Eltern "nur das Beste" für ihre Kinder wollen, tun sie natürlich alles, um sie an den zukünftigen Arbeitsmarkt anzupassen. Denn nur so können sie eines Tages "wertvolle" Mitglieder der Leistungsgesellschaft werden. Wer sich nicht perfekt anpassen kann, muss schließlich Arbeitslosigkeit, Armut, Ausgrenzung usw. befürchten.

Dazu kommt, dass die Reallöhne/Rentenerwartungen so tief gesunken sind, dass in den meisten Familien beide Elternteile 40+ Stunden/Woche arbeiten müssen. Das heißt, die Kinder müssen tagsüber alleine klarkommen. Abends kommen die Eltern gestresst und übermüdet nach Hause, die Kinder dürfen dann nicht noch mehr nerven. Ein Kind, das nicht reibungslos funktioniert, macht den Eltern das Leben zur Hölle.

Auf den Kindern lastet also doppelter Druck: Sie müssen heute funktionieren, damit die Eltern zurecht kommen. Sie müssen in Zukunft funktionieren, damit sie einen guten Arbeitsplatz bekommen.

Auf den Lehrern lastet der Druck, dass sie die Kinder entsprechend hinbiegen müssen, und trotzdem den Lehrplan durchziehen.

Wenn ein Kind irgendwie aus der Reihe tanzt, ist die Reaktion eigentlich klar:

Die Lehrer müssen ihre Klasse einheitlich halten, damit sie den engen Lehrplan durchziehen können. Abweichler müssen angepasst werden.

Die Eltern sehen die optimale Leistungsfähigkeit ihres Kindes, also deren gesamte Zukunft, in Gefahr.

Die Mitschüler sehen sich in ihrem Mobbing bestätigt: Der eine ist ja wirklich anders, es liegt an ihm selber!

Folglich ziehen alle an einem Strang, um den Abweichler irgendwie an den Durchschnitt anzupassen. Wenn dabei Diagnosen und "Therapien" helfen, immer her damit!

Antwort
von SPEZALIST, 105

Hi, vllt. weil manche nicht wahr haben wollen, dass ihr Kind anders tickt als alle anderen.

Und somit hoffen die Eltern, dass es irgendeine Krankheit ist, welche man dann früher oder später heilen kann.

LG

Kommentar von heimkid ,

tja und dann erfahren sie, dass ihr Kind krank ist, was ja irgendwie schon mist ist und die meisten dieser Krankheiten sind doch gar nicht mehr heilbar. 

Kommentar von SPEZALIST ,

Aber die meisten werden es leichter finden, wenn sie sagen können <<es liegt an der Krankheit>> als zu sagen, <<unser Kind tickt anders>>. Und wenn eine Krankheit diagnostiziert wurde, hofft man natürlich auch eine Heilung, und bei manchen Krankheiten gibt es ja auch eine Heilung, oder eine Therapie.

Oder etwas, was das Leben dann erleichtert, bzw. die Krankheit schwächt oder aufhält.

Antwort
von Matahleo, 103

Hallo heimkid,

ja, da kann ich mit dir fühlen. 

Auch ich bin der Meinung, dass heutzutage häufig zu schnelle eine Diagnose gestellt wird. Das liegt, denke ich daran, dass zum einen die Pharmaindustrie dran verdient, zum anderen Eltern halt auch immer eine Diagnose einfordern. 

Auch ein Arzt ist nur ein Mensch und es ist viel leichter den Eltern eine Diagnose zu unterbreiten, dem Kind Medikamente zu verschreiben und sie wieder los zu haben, als ihren Lebensstil zu hinterfragen. 

In unserer Konsumgesellschaft ist es leider so, dass alle nur noch auf Leistung getrimmt werden. 

Sobald einer aus dem Schema fällt ist er falsch. 

Ich denke, nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. 

Aber es ist sehr anstrengend gegen den Strom zu schwimmen. 

Wenn ein Kind laut ist, ein Schreikind ist, anstrengend ist, dann braucht es etwas. Wenn Eltern keine Zeit haben sich um die Bedürfnisse ihrer Kinder zu kümmern, eventuell ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht kennen, dann wird es natürlich auch schwierig, vernünftig mit der Situation umzugehen.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass die meisten Kinder Aufmerksamkeit brauchen. ADHS (Aufmerksamkeits - Defizit - und Hyperaktivitäts - Syndrom) oder ADS (Aufmerksamkeits - Defizit - Syndorm) sagen dies ja auch aus. 

Warum in so einem Fall überhaupt jemand auf die Idee kommt an Stelle von Aufmerksamkeit Pillen zu verschreiben werde ich wohl nie verstehen. 

Klar gibt es hin und wieder Kinder, bei denen die Rezeptoren im Gehirn nicht richtig andocken oder verarbeiten können, jedoch glaube ich, dass diesen Kindern in der Regel genau das fehlt was die Diagnose aussagt. 

Und jetzt darf man Aufmerksamkeit bitte nicht mit Bespaßung verwechseln. 

Ein Kind will nicht nur bespaßt werden, es will wahrgenommen werden. Es will respektiert werden, es will angeleitet werden. 

Das ist etwas völlig anderes. Kinder brauchen Regeln, Grenzen, Langeweile. Sie brauchen all das zu einer gesunden Entwicklung, aber auch Anerkennung, Wahrnehmung, Lob und Wertschätzung. 

Wenn dies alles in den Familien berücksichtigt werden würde, dann hätten wir viel weniger ADS und ADHS Kinder.

So, und jetzt muss ich mich bremsen, damit ich hier keinen Roman schreibe, was wolltest du noch mal wissen ;)

LG Mata

Kommentar von heimkid ,

adhs hat nichts damit zu tun, dass sie Kinder aufmerksamkeit einfordern. Sie sind nur nicht aufmerksam

Kommentar von Matahleo ,

Ja, das ist mir schon klar, aber nicht aufmerksam zu sein hat häufig etwas damit zu tun, dass nicht genügend Aufmerksamkeit auf die Kinder verwendet wird und auch das gewisse Maß an Konzentrationsfähigkeit nicht geübt wird. 

Meine Wahrnehmung und Erfahrung mit ADHS diagnostizierten Kindern und Jugendlichen ist, dass, wenn ich mich intensiv mit ihnen beschäftige, ihre Bedürfnisse erkenne und wahrnehme, wenn möglich auch bediene, dann entwickeln sie die Fähigkeit konzentrierter zu arbeiten, also selbst aufmerksamer zu sein. 

Hab ich mich wieder schlecht ausgedrückt, sorry.

Kommentar von rudelmoinmoin ,

dein Roman ist zu lang

Kommentar von Pensionisto ,

Hy,

Nun Matahleo, wir leben in einer Übergangszeit. Vor nicht allzu langer Zeit wurden die Kinder autoritär erzogen, das passt nicht mehr in eine Demokratie. Früher war den Eltern oft egal, was aus ihren Kindern wurde, heute wollen die Eltern das Beste für ihre Kinder. Das ist eigentlich schon einmal gut. Nur haben wir ein kleines Problem: Die Eltern kennen die alten Verhaltensweisen der autoritären Erziehung aus eigener Erfahrung am Vorbild der Eltern. Vieles was sie da erlebt haben, ist Heute von Gesetzes Wegen verboten. Also wenden sich die Eltern an Autoritäten, genau so wie sie das in ihrer Erziehung gelernt haben. Und das sind halt Heute unter anderem die Ärzte. Und die wissen halt ganz genau, dass die Eltern so verunsichert sind, dass viele gar nicht mehr erziehen. Und dann bekommen die Kinder eine Diagnose, den Eltern wird
gesagt, dass sie mit speziellen Methoden ihre Kinder unterstützen
können, und eigentlich kann alles gut werden.

Und dann kommen da die Leute, die hinter allem eine Verschwörung wittern: die Pharmaindustrie will nur den Reibach machen! Der Lebensstil wird ja hinterfragt, in dem den Eltern das neue Erziehungskonzept nahegelegt wird. Aber es hört sich ja so toll an, wenn man gegen die Eltern austeilen kann, oder? Und dann natürlich die böse Konsumgesellschaft. Klar! Wir haben zwar Meinungsfreiheit, aber genau die, die bemängeln dass andere nicht in das gewünschte Schema passen, die haben dann ihr eigenes alternatives Schema, das nicht einmal hinreichend geprüft und argumentativ abgesichert ist.

Und nein, Du verstehst das Aufmerksamkeitsdefizit in ADS und ADHS falsch. Diese Menschen (denn das gibt es ja durchaus ja auch im Erwachsenenalter) bedeutet, dass diese Menschen im Normalfalle ihre Aufmerksamkeit nicht auf eine bestimmte Sache richten können. Es hat rein gar nichts damit zu tun, dass diese Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Damit hast Du Dich als Ahnungslos geoutet. Was Heimid natürlich gefällt, weil Du in sein geklage einstimmst.

ASHS ist erblich bedingt u8nd betrifft etwa 10 Prozent der Kinder. Man weiß das seit über Hundert Jahren. So, und nun muss ich mich bremsen, bevor mein Post gelöscht wird

Kommentar von Matahleo ,

Hallo lieber Pensionisto,

hinter  deinen ersten beiden Absätzen kann ich einigermaßen stehen, vieles davon sehe ich genauso. Die letzten beiden Abschnitte kann ich nicht ganz  so stehen lassen. 

 Nein, ich verstehe ADS und ADHS nicht falsch. Man kann das ja auch ganz einfach nachlesen. Wenn ein Mensch seine Aufmerksamkeit nicht auf eine Sache richten kann, dann kann das zum Teil vererbt sein, ist aber in einem bedeutendem Maße auch seiner psychosozialen Umwelt geschuldet.

Siehe auch Definition bei Wiki:
"ADHS ist eine neurobiologisch bedingte Abweichung im Verhalten, die sowohl genetische Ursachen (Anfälligkeit) als auch psychosoziale Ursachen (Umweltbedingungen) hat. Die Forschung zur Klärung von Ursachen und Möglichkeiten der Behandlung sind seit Jahrzehnten überaus intensiv, und inzwischen (Stand 2016) sind die Nachteile einer verpassten oder fehlerhaften Behandlung weitgehend geklärt, ebenso wie die Vorteile einer guten, individuell angepassten Behandlung. Sogar die langfristige Erholung von beeinträchtigten Gehirnfunktionen durch angemessene Behandlung ist bereits vielfach mit modernen bildgebenden Verfahren nachgewiesen worden."

Deshalb bleib ich bei meiner Einstellung, dass viele Diagnosen nicht gestellt werden müssten, wenn das soziale Umfeld passen würde. Dass die heutigen Eltern in ihrer Reizüberflutung einer adäquaten Erziehung häufig nicht mehr gewachsen sind kann ich bestätigen. Dass Ärzte nun einmal Diagnosen stellen ist ihr Beruf. 

Trotzdem bin ich der Meinung, dass viele Diagnosen nicht notwendig wären, wenn mehr Zeit in die Kinder investiert werden würde.

Aber ich sehe schon, das Ganze würde einen längeren Diskurs erfordern, der hier vermutlich eher kontraproduktiv wäre.

In diesem Sinne weiterhin eine gute Zeit, 

LG Mata

Antwort
von psycho987, 54

Warum glaubst Du, dass ein Kind mit ADHS aggressiv wird? Warum wird es
Verhaltensauffällig? Glaubst Du, so ein Kind findet es toll, wenn es von
anderen so leicht zu ärgern ist und sich dann nicht anders zu helfen
weiß, als sein Gegenüber körperlich anzugreifen? Glaubst Du, Kinder, die
in der Schule nicht mithalten können freuen sich darüber, dass sie
keine Leistungen bringen können. Sicher gibt es die. Viele haben
sicherlich aufgegeben und finden sich in ihr Schicksal ein.

Bleiben wir beim Beispiel ADHS. Es ist bekannt, dass diese Kinder ihre
Gefühle und ihr Interesse nur sehr schwer steuern können. Die Mitschüler
finden das lustig, und ärgern diese Kinder, einfach nur um Spaß zu
haben. Wenn Du Dich einmal mit dem Thema beschäftigst, dann wirst Du
sehen, dass diese Kinder darunter leiden. Du kannst die Mitschüler und
anderen Kinder in der Schule nicht so einfach dazu bringen, dass sie
akzeptieren, dass diese ADHS Kinder anders sind und erst mühsam lernen
müssen, ihre Impulse zu kontrollieren. Du kannst also nur dem
betroffenen Kind helfen, dass es diese Steuerung leichter schafft, und
genau das machen die Medikamente, die bei ADHS verabreicht werden. Sie
reduzieren das Leiden des Kindes.

Natürlich gibt es da auch noch die andere Seite: Es gibt Eltern, die
definieren sich über ihre Kinder. Wenn die Kinder erfolgreich sind, und
sie mit ihnen prahlen können, dann ist für sie die Welt in Ordnung. Du
hast natürlich teilweise Recht. Es können nicht alle Kinder
Spitzenleistungen bringen, es gibt auch welche, die haben einfach nicht
das Zeug dazu. Da gibt es verschiedene Gründe, warum das so ist. Aber
auch da leidet doch das Kind, wenn es merkt, dass es die Erwartungen der
Eltern nicht erfüllen kann. Auch diese Kinder reagieren dann aggressiv
und sind nur schwer zu haben. Sie machen ganz einfach Probleme.
Natürlich wäre in diesem Fall die einfachste Lösung, dass die Eltern
einsehen, dass das Kind mit den übertriebenen Erwartungen der Eltern
überfordert ist, und die Eltern, das Kind doch einfach akzeptieren
müssen, dass das Kind halt ist, wie es ist. Natürlich dürfen alle Kinder
sein, wie sie sind. Ist doch klar. Das ist ja auch gar nicht das
Problem!

Das Problem ist doch, dass diese Kinder leiden. Und die können nichts
dafür. Deshalb brauchen diese Kinder jemanden, der ihnen hilft und sie
beschützt. Und wer bitteschön soll diese Aufgabe in unserer Gesellschaft
übernehmen, wenn nicht die Ärzte. Hast Du eine Vorstellung, was die
Eltern für einen Druck machen, und die Lehrer dafür verantwortlich
machen, dass die Kinder nicht die Leistungen bringen, die die Eltern von
ihrem Kind erwarten? Und wenn dann irgendjemand, in diesem Fall der
Arzt sagt, das Kind hat dieses und jenes Problem, wir können auf diese
und jene Weise helfen, dann nimmt das doch eine Menge Druck aus der
Situation. Natürlich wäre es einfacher, die Eltern würden nicht so einen
Druck machen und ihr Kind so akzeptieren, wie es nun einmal ist. Den
Eltern kann man das ja vielleicht noch verständlich machen, zumindest
manchmal. Aber was machst Du mit einem ADHS-Kind, das der ganzen
Schulmeute, die mit vernünftigen Argumenten  halt nicht davon abzuhalten
ist, das ADHS-Kind zu ärgern? Willst Du so ein Kind weiter leiden
lassen?

Und was passiert, mit einem Kind, das so etwas erlebt? Schau die mal die
Statistik an, was aus ADHS-Kindern wird, wenn man ihnen nicht beizeiten
hilft! Drogenabhängig, kriminell und und und. Glaubst Du nicht auch,
dass es da einfacher und billiger ist, den Kindern rechtzeitig zu
helfen?

Es geht also nicht darum, dass unterschiedliche Einstellungen und
Meinungen und all das das Problem darstellen. Es geht darum, dass wir es
langfristig schaffen, anders miteinander umzugehen! Und normal ist
einfach, dass wenn die Umgebung sieht, dass da jemand ist, der ein ganz
spezielles Problem hat, dann nehmen viele schon einmal mehr Rücksicht.
Und auch das hilft den Betroffenen weiter! Es trägt also im Gegensatz zu
Deinen Folgerungen bei den Meisten dazu bei, dass sie mehr Rücksicht
und Verständnis aufbringen. Zumindest Normalerweise.

Es gibt natürlich auch noch die Destruktive Art mit so etwas umzugehen:
Man redet einem auffälligen Kind ein, mit ihm ist alles in Ordnung, aber
alle anderen sind Schuld und böse. Dann wird dem Kind nicht geholfen,
mit ihm ist ja alles in Ordnung. Es ist überhaupt kein Problem, einem
ADHS-Kind zu erklären, dass es in manchen Situationen einfach anders
reagiert, und manche Sachen einfach schwerer lernen muss als andere
Kinder. Im Gegenzug kann man ihnen aber auch erklären, dass sie
Fähigkeiten und Potentiale haben, die halt die Anderen Kinder genau
nicht haben! Bei einem ADHS-Kind gehören dazu unter anderem, da gibt es
natürlich wieder individuelle Unterschiede, mehr Risikobereitschaft,
größere Kreativität und ähnliches. Damit lässt es sich doch leben.
Deshalb muss ich ein ADHS-Kind doch nicht fertigmachen. Und auch die
Eltern können ihr Kind leichter akzeptieren. Und wenn man weiß, dass das
Kind spezielle Probleme hat, kann man den Eltern auch erklären, wie sie
ihrem Kind helfen können, die Schwierigkeiten besser zu lösen und so so
ganz nebenbei den Eltern einen vernünftigen Erziehungsstil
näherbringen. Wobei der Witz ist, dieser spezielle Erziehungsstil ist
für alle Kinder besser! Denn das funktioniert bei allen Kindern! Wo also
ist das Problem? Ich sehe darin nur positives.

Natürlich kann man das Ganze auch dramatisieren und so darstellen wie
Du. Aber dann bleiben die Probleme halt ungelöst. Ich kann mir nicht
vorstellen dass das besser ist.

Du siehst, man muss Kindern und Jugendlichen nicht vermitteln, dass sie
gestört sind. Es genügt, ihnen die Realität zu zeigen: In diesen und
jenen Punkten hast Du Deine Schwächen, da must Du härter über als Deine
Schulkollegen, aber dafür hast du an jenen Punkten Deine Stärken. Wo ist
da das Problem?

Das Problem sind doch die, die das anders sehen und dann dramatisieren
und mit dieser Realität halt nicht leben können. Das Problem ist doch,
dass unsere Gesellschaft das als gestört bezeichnet, weil das von der
Norm abweicht. Diese Kinder werden stigmatisiert, sowohl von der
Gesellschaft, als auch von genau diesen Eltern, die nicht wahrhaben
wollen, dass ihr Kind halt genau so individuell ist, wie sie fordern,
dass es doch sein darf. Sie übersehen dabei nur so nebenbei, dass die
Kinder in der Regrel darunter leiden und halt oft ein Verhalten
entwickeln, das dann letzten Endes doch Problematisch ist und diese
Probleme dann im späteren Leben auftreten, wo es halt bedeutend
schwieriger ist, diesen Menschen zu helfen.

Kommentar von heimkid ,

Lesen kann manchmal ganz schön hilfreich sein.

Antwort
von landregen, 101

Typische Probleme einer Wohlstandsgesellschaft.

Müssten wir uns mehr um Ernährung und warmes Zimmer und andere existentielle Fragen bemühen, würden wir uns nicht mit selbstgemachten Problemen selbst aufblasen.

Natürlich sind viele Kinder in gewisser Weise "krank", weil sie zu wenig Zuwendung und Anregungen erhalten, fast nur vor Bildschirmen und Konsolen sitzen und weder Bewegung noch frische Luft noch ausreichende Sozialkontakte schon innerhalb der Familie haben.

Mit dem Gerenne zu Ärzten und dem Ringen um Diagnosen wird unter anderem auch von den eigentlichen Problemfeldern abgelenkt und auch von dem, was man selbst als Eltern eventuell versäumt hat.

Eine Zeiterscheinung, die ich auch beobachte ist - wie du offenbar auch siehst - dass die Toleranz gegenüber der Verschiedenheit der Menschen und ihrer Individualität abnimmt.

Antwort
von 1997Bella, 100

ich weiß es nicht :/
ich find auch, dass man sich nicht anpassen muss und soll.
das individum ist doch gerade das was spannend ist.
wenn die bevölkerung rinfach nur eine graue masse ist, die nur funktioniert um ja nicht anders zu sein oder aufzufallen ist das schrecklich langweilig!!!
eltern die das befürworten sind in meinen augen auch total krank!!!

Antwort
von mychrissie, 17

Jede Gesellschaft steht Individuen, die "anders" sind, erstmal kritisch gegenüber. Das war früher noch stärker so als heute. Früher ahndete die Kirche abweichendes und sehr ungewöhnliches Verhalten (Hexenverbrennung) viel stärker als es in unserer pluralistischen Gesellschaft der Fall ist, in der Abweichungen oft als eher tolerable Marotten eingestuft werden.

Allerdings gibt es Lobby-Interessen, z.B. die der Pharma-Industrie. Die hat es mittlerweile geschafft, fast alle kleinen Abweichungen (nachzulesen im Struwwelpeter) als Krankheiten einzustufen, um entsprechende Therapien vermarkten zu können.

Der Hans-guck-in-die-Luft hat heute ADHS und braucht Ritalin, der Zappelphilip ebenfalls, Friederich, der Wüterich, benötigt heute eine Anti-Aggressionstherapie, die drei Buben, die den Mohren auslachen, sind heute bei der AfD, und der Suppenkaspar ist wegen einer Bulimie in psychotherapeutischer Behandlung.

Aber ansonsten steht im Westen
so ziemlich alles nur zum besten.
Töten bringt uns keinen Ruhm,
Hauptsach' wir fördern den Konsum.

Antwort
von CamelWolf, 21

Ich kenne Eltern, die waren schon beinahe erleichtert, eine ADS Diagnose für ihre Kinder zu bekommen. Da war man dann fein raus, das unerträgliche Verhalten der Kinder war nicht auf elterliches "Erziehungsversagen" zurückzuführen sondern auf eine heimtückische Krankheit, der man hilflos ausgeliefert war.

Das trifft sicherlich nicht auf alle Fälle zu, aber man ist heute schon sehr schnell mit der Medikamentenflasche zur Stelle, wenn mit den Kindern irgendwas nicht nach Plan läuft. Und (fast)  alle machen mit........

Antwort
von TailorDurden, 69

Genau zu diesem Thema hat Manfred Lütz das Buch "Wir therapieren die Falschen: Unser Problem sind die Normalen." geschrieben. Der Titel ist dabei etwas spaßhaft und provokativ gemeint. Letztendlich wird Deine These dort oben vertreten.

Lesenswert, witzig und informativ. Sehe das genauso wie Du.

Antwort
von PicaPica, 70

Das ist das große Schubladendenken in diesem Land und wer da nicht hineinpasst..... .

Antwort
von Seanna, 36

Nach DSM-V erfüllen grade mal 2% der Menschheit KEINE Diagnose.

Krank sein IST also 'normal'.

Kommentar von heimkid ,

ist klar. Mir geht es aber um langanhaltende Krankheiten. Das jeder in seinem Leben krank war, ist wohl normal. Was ist DSM v

Kommentar von Seanna ,

Diagnostisch Statistisches Manual in der 5. Version. Und ich rede auch nicht von Kleinkram wie Schnupfen.

Kommentar von heimkid ,

Als ob nur 2% aller Menschen gesund wären 😂😂😂

Kommentar von Seanna ,

So ist es. Im klinischen Sinne. Nicht jede Störung muss ja behindernd sein oder auffallen.

Kommentar von heimkid ,

ist klar, wieso wird etwas dann als Krank bzw als Störung angesehen, wenn es nicht behindert oder auffällt, das was du sagst ist doch totaler Blödsinn.

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