Frage von 3rjcfb, 79

Was ist eigentlich die Philosophie vorstellung vom leben nach dem tod?

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Antwort
von Suboptimierer, 48

Philosophen legen sich ungern fest. Sie spielen lieber alle Möglichkeiten durch. Das bedeutet, dass jede Annahme zur weiteren Betrachtung herangezogen darf, für die es gute / vernünftige Gründe gibt.

Dann vergleicht man, welche Annahme dafür sorgt, dass die Welt besser beschrieben ist mit möglichst wenigen Konflikten zu bestehenden Erkenntnissen.

Sobald sich bei einer Frage eine konkrete Lösung heraus kristallisieren würde, würde die Frage für einen Philosophen ruck zuck uninteressant werden. Der Philosoph würde sofort nach ähnlichen Fragen oder Folgefragen suchen. Im Moment der Erkenntnis geht eine philosophische Frage zu einer nicht-philosophischen Frage über.

Stell dir vor, du stirbst und trittst vor den Gott, wie ihn sich die Christen vorstellen. Was nach dem Tod passieren würde, wäre in diesem Moment keine philosophische Frage mehr, weil du die Antwort kanntest.

Antwort
von Rosenblad, 25

Hierzu lasse ich gern die Philosophen selbst "sprechen":


"Wenn, was uns den Tod so schrecklich erscheinen läßt, der Gedanke des Nichtseins wäre, so müßten wir mit dem gleichen Schauder der Zeit gedenken, da wir noch nicht da waren." "Wir schaudern vor dem Tode vielleicht hauptsächlich, weil er dasteht als die Finsternis, aus der wir einst hervorgetreten und in die wir nun zurück sollen. Aber ich glaube, daß, wenn der Tod unsere Augen schleißt, wir in einem Licht stehen, von welcher unser Sonnenlicht nur ein Schatten ist."
(Arthur Schopenhauer)

"Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen, das heißt ihr ewiges Fortleben auch nach dem Tode, ist nicht nur auf keine Weise verbürgt, sondern vor allem leistet diese Annahme gar nicht das, was man immer mit ihr erreichen wollte. Wird denn dadurch ein Rätsel gelöst, daß ich ewig fortlebe? Ist denn dieses ewige Leben dann nicht ebenso rätselhaft wie das Gegenwärtige? Die Lösung des Rätsels Leben in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit." (Ludwig Wittgenstein)

"Der Mensch ist nur ganz, wenn er sein Ende einbegreift, in Freiheit antizipiert als eine Weise zu sein, vorlaufend auf dieses Ende. Der Tod ist die eigenste Möglichkeit des Menschen, der auf sich selbst verwiesen wird, da Mitwelt und Gebrauchswelt versinken. Gewißheit und Unbestimmtheit des Todes erzeugen Angst, die den Menschen seine Verlorenheit an das Man, an Oberflächlichkeit, Geschäftlichkeit und illusionäre Behaglichkeit, an Alltäglichkeit und flucht aufdeckt." (Martin Heidegger)

Und:


"Ist die Welt ein Traum?
Ist sie wesenhaft? Sage!
Weder wesenhaft,
noch auch ein Traum, daß ich wüßte:
ein Etwas, ein Nichts in einem.
"   (Bìyán lù)


Kommentar von suziesext07 ,

hi Rosenblad - hier spricht noch einer, Sokrates, über den Tod:

Laßt uns aber auch so erwägen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wennman tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn.

Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, dass er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wieviel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, dass diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte.

Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht länger auf diese Art als eine Nacht.

Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, dass dort alle
Verstorbenen sind, was für ein größeres Gut könnte es wohl geben als dieses, ihr Richter? Denn wenn einer, in der Unterwelt angelangt, nun dieser sich so nennenden Richter entledigt,
dort die wahren Richter antrifft, von denen auch gesagt wird, dass sie dort Recht sprechen, den Minos und Rhadamanthys und Aiakos und Triptolemos, und welche Halbgötter sonst gerecht gewesen sind in ihrem Leben, wäre das wohl eine schlechte Umwanderung

Oder auch mit dem Orpheus umzugehen und mit Musaios und Hesiodos und Homeros, wie teuer möchtet ihr das wohl erkaufen?

Ich wenigstens will gern oftmals sterben, wenn dies wahr ist.

Ja, mir zumal wäre es ein herrliches Leben, wenn ich dort den Palamedes und Aias, des Telamon Sohn, anträfe, und wer sonst noch unter den Alten eines ungerechten Gerichtes wegen gestorben ist: mit dessen Geschick das meinige zu vergleichen, das müßte, glaube ich, gar nicht unerfreulich sein.

Ja, was das Größte ist, die dort eben so ausfragend und
ausforschend zu leben, wer unter ihnen weise ist, und wer es zwar
glaubt, es aber nicht ist. Für wieviel, ihr Richter, möchte das einer
wohl annehmen, den, welcher das große Heer nach Troia führte,
auszufragen, oder den Odysseus oder Sisyphos, und viele andere könnte einer nennen, Männer und Frauen:

mit welchen dort zu sprechen und umzugehen und sie auszuforschen auf alle Weise eine unbeschreibliche Glückseligkeit wäre! Gewiß werden sie einen dort um deswillen doch wohl nicht hinrichten. Denn nicht nur sonst ist man dort glückseliger als hier, sondern auch die übrige Zeit unsterblich, wenn das wahr ist, was gesagt wird.

(Apologie des Sokrates vor dem Areopag zu Athen)

Kommentar von Rosenblad ,

Danke für die "berauschenden" Sätze!

Antwort
von Enzylexikon, 23

Anders als Religionen, die sich trotz unterschiedlicher Interpretationen und Aufspaltungen unter einem Begriff wie "Christentum" oder "Islam" zusammenfassen lassen, ist das hier nicht möglich.

Es gibt "die Philosophie" nicht, sondern viele unterschiedliche Denkmodelle und Konzepte, die sich völlig voneinander unterscheiden.

Im Gegensatz zur Religion stellen Philosophien praktisch keine absoluten Wahrheiten auf, sondern betrachten eine bestimmte Annahme oder Idee eher als Grundkonzept für weitere Überlegungen.

  • Ein gläubiger Mensch sagt: "Ich glaube fest daran, dass..."
  • Ein rational denkender Mensch sagt "Ich weiß, dass..."
  • Ein evidenzzentrierter Mensch sagt "ich kann beweisen, dass..."
  • Ein Philosoph sagt "Nehmen wir mal an, dass..."

Der Philosoph ist somit etwas wie ein theoretischer Wissenschaftler - er sucht nach schlüssigen Erklärungsmodellen, die jedoch abstrakt bleiben und nicht von der Beweisbarkeit des Denkmodells abhängen.

Antwort
von Minabella, 48

Das kann jede Mögliche Vorstellung sein!

Antwort
von Kunfilum, 42

In der Philosophie gibt es keine eindeutige Antwort.

Antwort
von user6363, 43

Welchen Philosoph meinst du denn? 

Kommentar von 3rjcfb ,

Irgend einen

Kommentar von user6363 ,

Du weißt, dass jeder Philosoph eine andere Vorstellung hat?

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