Frage von Dhalwim, 153

Was ist eigentlich der Buddhismus, und wie was lehrt dieser?

Also, habe hier auf GuteFrage.net festgestellt, dass es viele Buddhisten gibt. Diese Frage widmet sich daher WIRKLICH nur Buddhisten,

Langsam aber sicher machen die mich neugierig, und deshalb wollte Ich mal fragen, was lehrt uns der Buddhismus und vorallem was ist eigentlich Buddhismus.

Viele sagen es sei eine Religion, andere sagen es sei eine Lebensart.

Was sagt ihr?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dukkhanirodha, 21

Lieber Dhalwim,
eine gute Frage, die ich als Anhänger des Buddha (also als Buddhist) gerne versuche zu beantworten. Um deine Frage (n) zu beantworten möchte ich zu Anfang versuchen zu klären, mit welcher Bezeichnung man den Buddhismus korrekt bezeichnen kann - also ob er besipielsweise eher als Religion oder Philosophie bezeichnet werden sollte. Als Grundlage möchte ich dazu ein etymologisches Wörterbuch zu Hilfe ziehen, also ein Wörterbuch, welches in ausgeprägtem Maße die Wortherkunft versucht herzuleiten. Nach dieser Definition möchte ich etwas genauer auf den Inhalt der buddhistischen Lehre eingehen, wobei ich auch die verschiedenen modernen Ausprägungen des Buddhismus, sowie deren historischen Hintergrund aufgreifen und behandeln möchte. Dies, weil ich es als essentiell ansehe, zu wissen, was authentischer Buddhismus ist - die Kenntnis eines authentischen Buddhismus ermöglicht eine korrekte praktische Herangehensweise oder gibt zumindest Hilfestellung um ein korrektes Weltbild zu gestalten. Anhand gegebener Definitionen und der Beschreibung der Merkmale des Buddhismus wird es auch einfacher, die von mir gegebene Bezeichnung nachzuvollziehen. Die von mir zitierten Textstellen sind zur besseren Unterscheidung kursiv. Die Antwort wird etwas länger ausfallen, da ich hoffe mit einer ausführlichen Antwort besser auf deine Frage eingehen zu können.

Definitionen

Religion:


"Es handelt sich wahrscheinlich um eine Bildung (so bereits Cicero) zu lat. relegere ‘von neuem in Gedanken durchgehen’, eigentl. ‘wieder zusammennehmen, zurücknehmen, wieder, von neuem lesen’ (vgl. lat. legere
‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, lesen’). Eine andere,
ebenfalls antike, jedoch bereits christlich geprägte Auffassung (bei
Lactantius, um 300) stellt lat. religio zu lat. religāre ‘zurück-, auf-, anbinden, befestigen’ (vgl. lat. ligāre ‘binden, an-, festbinden, verbinden, vereinigen’); sie wird von Augustin aufgenommen, der religio als ‘Bindung des Menschen an Gott’ begreift, und dadurch Bestandteil der älteren Kirchensprache.
" (Aus: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache)

Philosophie

"Wissenschaft von den allgemeinen Entwicklungsgesetzen der Natur, der
Gesellschaft und des Denkens und von der Stellung des Menschen in der
Welt, Weltanschauung, mhd. philosophīe, aus lat. philosophia, griech. philosophía (φιλοσοφία) ‘Lebensweisheit, Liebe zur Gelehrsamkeit, zu den Wissenschaften’, vgl. griech. sophía (σοφία) ‘Weisheit, Wissenschaft’.
" (Aus: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache)

In beiden Definitionen finden sich Attribute die auch auf Charakteristika des Buddhismus zutreffen. Ein intelligentes "Auswählen" zwischen verschiedenen Lehren und Praktiken nach objektiven Maßstäben wurde vom Buddha gelehrt (nicht nur durch Hörensagen oder durch eine Autorität veranlasst, sondern durch eigenes unterscheidendes Überprüfen und Erkennen soll man einen Lehrer und dessen Lehre auswählen), durch dieses Auswählen findet ein gewisses "Anbinden" statt (im Falle eines Buddhisten eine Auswahl und Bindung der bzw. an die Lehre des Buddha in einer aufrichtigen Zufluchtnahme zu ihm, seiner Lehre und seiner Jünger als die maßgeblichen Dinge als Hilfe und Wegweiser zu einem leidfreien Leben - dies ist der Moment in dem man sich "offiziell" als Buddhist bezeichnen kann).

Vor diesem Hintergrund kann der Buddhismus als eine Religion bezeichnet werden. Ein "Binden", welches ja als eine Definitionsmöglichkeit des Wortes "Religion" gegeben wurde, findet dabei auch an eine Wissenschaft statt (buddhistisch geprägt), also an ein Lehrgebäude, welches u.a. die allgemeinen Entwicklungsgesetze der Natur (das Leiden und dessen Ursprung etwa) und der Gesellschaft, sowie die kosmische Position des Menschen in unserem Universum, erklärt (Karma, Wiedergeburt, verschiedenen Existenzebenen von Göttern, Tieren etc.). Sofern man von einer praktisch angewandten Philosophie spricht, kann der Buddhismus demnach auch gut als eine Philosophie bezeichnet werden - eine praktisch angewandte Philosophie in der auch eine starke wissenschaftliche Ausprägung (mit Klassifikationen etc.) sichtbar wird.

Da dieser praktische Bezug zu einem Lehrgebäude meiner Meinung nach etwa unter der Definition "Bindung" des Wortes "Religion" ohne Weiteres mit einbezogen werden kann, aber die Definition von Philosophie als eine Wissenschaft einen Zusatz braucht (es muss eine praktisch angewandte Philosophie sein - nennt man Wissenschaft alleine, spricht man der Lehre des Buddha einen entscheidenden Aspekt ab) würde ich meinen, der Buddhismus wäre korrekt benannt, würde man ihn als "Religion" bezeichnen. Auch die Ausrichtung auf den Buddha und seine Jünger wäre dann problemlos mit einbezogen. Da die Philosophien die mir bekannt sind, auch einen praktischen Bezug aufwiesen, würde der Buddhismus im allgemeinen Sprachgebrauch wohl aber auch als Philosophie korrekt bezeichnet werden können.

Der Buddhismus

Traditionsübergreifend finden sich Gemeinsamkeiten. Die Gemeinsamkeiten beziehen sich u.a. auf die direkte und persönliche Erfahrung der Befreiung, in der Verwirklichung des Nirvana, dem endgültigen und perfekten Überwindung allen Leidens: Dies ist Ziel aller buddhistischen Schulen und Richtungen - soweit mir bekannt - nur der Weg ist ein ander (dazu mehr weiter unten). Die vier edlen Wahrheiten umfassen diese Lehre des Leidens und der Aufhebung davon, innerhalb dieser Wahrheiten (als vierte Wahrheit) findet sich, als praktischer Übungsweg, der sogenannte "edle achtfache Pfad".
Dieser Weg umfasst - kurz gesagt - die Übung in tiefer geistiger Ruhe, bedingt, gestützt und durchdrungen von einem sittlichen Verhalten (Enthalten vom Töten, Stehlen etc.) und einem sittlichen Geisteszustand (Freiheit von Geiz, Neid etc.), durch die eine Einsicht in die wahren Merkmale des
Dasein (Vergänglichkeit etc.) hin zu dieser Befreiung im Nirvana ermöglicht wird.

Historischer Hintergrund

Es gibt drei unterschiedliche Hauptrichtungen im modernen Buddhismus,
den Theravada-Buddhismus (auch Hinayana genannt), den Mahayana-Buddhismus und den Vajrayana-Buddhismus. Es finden sich auch Beschreibungen des Vajrayana-Buddhismus als Teil des Mahayana-Buddhismus, dies, weil es sich scheinbar nur um bestimmte tantrische Praktiken handelt, die eine Unterscheidung ermöglichen - Unterschiede in der grundsätzlichen Lehrmeinung scheinen nur gering. Die gegebene Reihenfolge entspricht dabei den historischen Entstehungszeiten der verschiedenen Richtungen (1. Theravada Buddhismus etc.). Diese Aussage entspricht gängiger wissenschaftlicher, textkritischer Auslegungen neuzeitlicher/heutiger Indologen und/oder Buddhologen. Sie gehen z.B. den Entstehungsgründen der verschiedenen Richtungen des Buddhismus mit wissenschaftlicher Objektivität nach, sind also in der Regel weitaus weniger durch eventuelle Schulzugehörigkeit in ihrer Auslegung und Recherche
beeinflusst, verneinen auf der anderen Seite aber häufig unter diesen
streng modern wissenschaftlichen Gegebenheiten die Existenz von
jeglichem Übermenschlichen, sind also wiederum von unserer Kultur in
gewisser Hinsicht gefärbt. Alle genannten Schulen beanspruchen aber (scheinbar auch die späteren) eine direkte Verbindung mit dem historischen Buddha Gautama, dabei gelten nur die Lehren der frühbuddhistischen Schulen (also auch die des Theravada-Buddhismus) als historisch fundiert.

Entstehung des Mahayana-Buddhismus

Zwei Entstehungsversionen der frühen Mahaya-Lehren sind mir bekannt: die ursprünglichen Texte des Mahayana selbst erklären angeblich, dass ihre Lehren zu Anfang nur für einen bestimmten Kreis von Hörern bestimmt war (aber direkt vom Buddha gelehrt) und erst später in großem Maße verkündet wurden, zu einer Zeit in der kompetente Lehrer und aufnahmefähige Menschen vorhanden waren. Als Erklärung eventuell möglich ist auch ein zwischenzeitliches Aufbewahren, bis zu einem geeigneten Zeitpunkt, dieser Lehren in einer nicht-menschlichen Welt, nachdem sie der Buddha ursprünglich verkündete. Anerkannte Indologen sagen dazu etwa, dass die Beweislast dahingehend sich neigt, dass diese Texte im 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung entstanden.

Die Unterschiede

Es werden in jeder Ausprägung (ob Mahayana oder Theravada) zwei Wege gelehrt, jedoch mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: der Weg der Jünger (Schwerpunkt im Theravada-Buddhismus) und der Weg eines angehenden Buddha (Schwerpunkt im Mahayana-Buddhismus), eines universalen Meisters, der in großem Umfang die Menschheit lehrt (so war es der historische Buddha Gautama) - der Weg von geringerem Wert, ist der des Jüngers, der von größerem Wert, der des Buddha. Denn: Ein Buddha hilft weitaus mehr Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung als ein Jünger, ein Jünger ist hauptsächlich um eigene Befreiung bemüht, obwohl auch er vielen Hilfestellung geben kann, lediglich weitaus weniger stark als ein Buddha dazu in der Lage ist. Ein Jünger hat die selbe Befreiung des Geistes, Freiheit von Gier, Hass und Verblendung wie ein Buddha, hat traditionsgemäß aber einen kürzeren Weg in der Übung der für die Erleuchtung nötigen Perfektionen (i.e. Grozügigkeit, Tugend, Weisheit etc.) zurückzulegen als der Buddha (dies in Bezug auf Wiedergeburten durch Äonen hindurch). Dies resultiert in der Befähigung des Buddha als ein Universal-Lehrer für die Menschheit zu dienen. Der direkte edle achtfache Pfad wird aufgeschoben und ein spezieller Weg für Erleuchtungswesen eingesetzt. Der Mahayana-Buddhismus damit also den großen Weg (Sanskrit: maha=groß; yana=Fahrzeug oder Weg), den Weg zur Erleuchtung als Buddha und wird demnach auch als Bodhisattvayana bezeichnet, der Weg als Wesen, welches zur Erleuchtung als Buddha bestimmt ist (Sanskrit:  bodhisattva=Erleuchtungswesen; yana=s.o.) - ob begründet oder nicht siehe weiter unten.

Auf diesem Unterschied begründet, werden die frühen Schulen des Buddhismus (darunter ist die Theravada-Schule eine) auch als Hinayana bezeichnet (Sanskrit: Hina=klein oder gering; yana= s.o.). Die Theravada-Buddhisten, auch "Schule der Älteren" genannt (Pali: thera= Ältere; vada=Schule), meinen, dass der Buddha hauptsächlich den direkten Weg zur Befreiung in diesem Leben lehrte und das, wenn ein Wesen den Wunsch hat ein Buddha zu werden - dessen Realisierung auch tatsächlich möglich ist - es spezieller Bedingungen bedarf (etwa der persönlichen Prophezeiung eines bereits verwirklichten Buddha) um mit Sicherheit sagen zu können, dass jemand sich wirklich auf dem Weg befindet (könnte auch aus der Kommentar-Literatur stammen). In Einklang mit der gängigen, mir geläufigen, Meinung der akademischen Buddhismusforscher, erklären die Theravada-Buddhisten die Texte, worauf sich die Lehren des Mahayana gründen - mit ihren verstärkten Ansatz des "großen Weges" des Erleuchtungswesen - als unauthentisch.


Schluss

Es besteht, meines Erachtens, also durchaus eine Gefahr, die fundierten
Lehren des frühen Buddhismus, mit seiner Ausrichtung auf unmittelbare
Befreiung in diesem Leben, für eine nicht eindeutig authentisierte Lehre eines Weges der Erleuchtungswesen abzutun. Der mit größtmöglicher Sicherheit zu bestimmende Weg zur Erleuchtung ist ein Weg, der in seiner Essenz von allen Schulen akzeptiert wird und in seiner Authentizität des Weiteren auf die Ergebnisse moderner Forschung basieren - dies sind die Lehren des frühen Buddhismus, wie sie im Theravada-Buddhismus am umfangreichsten zu finden sind.

Ich hoffe die Antwort konnte dir etwas, wenn auch nur ein wenig, Aufschluss über die in unserer Moderne anzutreffenden Richtungen des Buddhismus geben und dir eine sinnvolle Definition des Begriffes "Buddhismus" geben.
Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Herzlichst
Dukkhanirodha

Kommentar von Dhalwim ,

*Schluck*, diese Antwort ist sehr sehr sehr lang.

Es ist sogar die längste die Ich bisher auf GF.net gesehen habe, deshalb mal ein DH! (habe es noch nicht durchgelesen, schreib dir dann, wenn Ich's habe),

Kommentar von Dukkhanirodha ,

Ja, ich bevorzuge ausführliche Antworten :-) Hoffentlich dann zum Vorteil für dich. Liebe Grüße!

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 48

Ich bin Buddhist und äußere mich mal dazu

Es gibt verschiedene Strömungen im Buddhismus, deren Lehre und Praxis sich voneinander deutlich unterscheiden.

Gemeinsam sind die Grundlagen - die vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad.

Dabei geht es, vereinfacht gesagt darum, dass wir aufgrund unserer Anhaftungen ständig leiden.

  • Wir wollen erfolgreich sein...sind es nicht...wird leiden
  • Wir lieben eine Person...keine Gegenliebe...wir leiden
  • Wir wollen Anerkennung...erhalten sie nicht...wir leiden
  • Wir wollen einen Sinn...finden ihn nicht...wir leiden

Ursache des Leidens ist, das wir uns praktisch absolut mit unserem "Ego" identifizieren und die Erfüllung aller Wünsche dieses "Ich" als Voraussetzung ansehen, um glücklich zu sein.

Der Buddhismus lehrt, dass durch die buddhistische Lehre und Praxis diese Anhaftung überwunden werden kann.

Es gibt im Buddhismus die Vorstellung des "Karma", die besagt, dass alle Handlungen die man begeht, auch eine Auswirkung auf uns selbst haben.

Die Lehre der Wiedergeburt wird im Buddhismus unterschiedlich bewertet. Es ist keine "Seelenwanderung" da der Buddhismus das Konzept einer ewigen Seele, die den Tod überdauert, nicht kennt.

Für einige Buddhisten ist "Wiedergeburt" dennoch etwas, das mit dem körperlichen Tod in Zusammenhang steht. Für andere Buddhisten ist die Wiedergeburt nur ein psychologisches Modell und keine "Jenseitsvorstellung"

Im Buddhismus gibt es keinen Gott und keine göttlichen Gebote, keine Sünden und keine Vergebung durch irgendeine Erlösergestalt.

Der Mensch ist alleine selbst in der Verantwortung.

Das Ziel des Buddhismus unterscheidet sich je nach Tradition.

Für die Anhänger des so genannten Theravada-Buddhismus ist das Ziel das Nirvana - die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.

In den verschiedenen Traditionen des Mahayana-Buddhismus stellt man die eigene Befreiung als Ziel zurück und widmet sich der Aufgabe, anderen Menschen auf ihrem Weg zu helfen.

Das ist jetzt natürlich eine extreme Zusammenfassung. Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ergänzung.

Buddhistische Meditation und Achtsamkeitsübungen können meiner Ansicht nach auch von Christen geübt werden, da es nicht um die Verehrung einer Gottheit geht. Ich kenne sogar christliche Geistliche, die buddhistische Meditation lehren.

Die buddhistische Lehre hat dagegen durchaus Widersprüche zum Christentum.

So ist laut dem Buddhismus alles der Veränderung unterworfen und es gibt kein Wesen oder Ding, dass ewig und unveränderlich ist. Der Widerspruch zur Ewigkeit und Allmacht Gottes im Christentum dürfte deutlich sein.

Kommentar von Dhalwim ,

Ich selbst trage Neugier in meinem Herzen, was den Buddhismus betrifft.

Kannst du mir die "RICHTIGEN" Motive für Buddhismus sagen?

(Habe nämlich gehört, es soll falsche Motive geben, ähnlich dem Zölibat, es gibt Menschen die aus rein sexueller Frustration sich für den Schritt des Zölibat's entscheiden, das ist falsch und deshalb möchte Ich das von dir Wissen.)

Und außerdem, da Buddhishi mir bereit's sagte, kannst du mir genauer erläutern wie es mit den Bewusstseinsverändernden Substanzen aussieht? (Unsere Körper sind Tempel, es gilt sie zu hegen und zu pflegen, und nicht zu entweihen [Alkohol, Nikotin, Koffein])

Kommentar von Enzylexikon ,

"Falsche Motivationen" sich mit dem Buddhismus zu beschäftigen gibt es einige.

Exotik

Das Christentum und seine Rituale "kennt' man, sie bieten keinen besonderen Erlebniswert. Der Buddhismus scheint dagegen fremdartig und neu.

Sich nur aus Bedürfnis nach etwas exotischem mit dem Buddhismus zu befassen, ist keine gute Motivation, weil es zur Oberflächlichkeit verleitet.

Man spricht dann auch von "Räucherstäbchen-Buddhismus" weil stärker auf die äußere Form geachtet wird, als auf die Inhalte.

Weltflucht

Manche hoffen, durch den Buddhismus dem "bösen" materiellen Leben entfliehen zu können und sich in eine "reine" Welt des Geistes fliehen zu können.

Das ist aber der buddhistischen Lehre vom "mittleren Weg" entgegengesetzt, die weder materiellen Überfluss, noch Abkehr vom  Materiellen lehrt.

Drogen

Der Buddhismus kennt fünf Sittlichkeitsgelübde. Das sind keine "göttlichen Gebote" sondern Empfehlungen zum richtigen Verhalten, so dass man sich und anderen Wesen möglichst wenig schadet.

Sie sind in der Regel als Gelübde verfasst, was die Freiwilligkeit betont - "ich gelobe, mich der Übungsregel XY anzunehmen"

Es gibt verschiedene Übertragungen bzw. Übersetzungen und Formulierungen dieser Sittlichkeitsgelübde. Diest ist meine favorisierte Version

"Ich gelobe..."

  • kein Leben zu nehmen
  • nicht gegebenes, nicht zu nehmen
  • die Rede nicht zu missbrauchen
  • die Sexualität nicht zu missbrauchen
  • den Geist nicht zu betäuben/berauschen

Heutzutage betäubt bzw. berauscht man sich den Geist nicht mehr nur durch Drogen, sondern auch durch ständigen Medienkonsum und ähnliches.

Hintergrund der Ablehnung von Drogen ist auch, dass die gemachte Erfahrung nicht aus der eigenen Erfahrung und Erkenntnis kommt, sondern durch eine chemische Veränderung von außen aufgezwungen wurde.

Möglicherweise ist der jeweilige Mensch gar nicht auf solch eine Erfahrung vorbereitet und mit den Produkten seines Geistes überfordert.

Also empfiehlt der Buddhismus, die Finger von Drogen zu lassen,

Ständiger Medienkonsum kann abstumpfen, dadurch die Achtsamkeit behindern, oder aber die Emotionen künstlich aufrühren und dadurch geistige Sammlung stören.

Daher kann diese Regel auch als Empfehlung zum maßvollen Medienkonsum verstanden werden.

Von Theorien wie dem "Körpertempel" halte ich nichts, da es so klingt, als würde im Körper eine Seele wohnen, was laut buddhistischer Lehre nicht der Fall ist.

Ich halte den Buddhismus in solchen Dingen für sehr rational, so dass man nichts mystifizieren muss.

Ich selbst trinke zB Grünen Tee, der Koffein enthält, einfach weil er die Konzentration fördert und wach hält (angeblich sollen buddhistische Mönche in China ja sogar aus diesem Grund Tee angebaut haben.

Meiner Meinung nach ist Konsum eine Frage der Bewusstheit und nicht von "Verboten".

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielleicht noch etwas zum Körperverhältnis

Der Körper ist das "Werkzeug zur Erleuchtung" und wir haben nur diesen einen Körper, also sollte man ihn nicht vernachlässigen, aber auch keinen "Körperkult" betreiben.

Was Vegetarismus angeht, habe ich hier schon einige Beiträge zum Thema geschrieben - schau in der Suchfunktion zB "Buddhismus Vegetarier Enzylexikon", da sollten sich ein paar Beiträge finden.i

Daher hier nur eine Kurzfassung:

Ursprünglich bestand die Schülerschaft des Buddha nur aus Mönchen, die ihn bei seinen Reisen begleiteten. Dabei lebten sie ausschließlich von Almosen, die sind von Laien erhielten.

Ausdrücklich verboten war Fleisch von Tieren, die extra für den Mönch geschlachtet wurden, da er so eine Mitverantwortung am Tod des Tieres hätte.

Erst im Mahayana-Buddhismus tauchten Schriften aus, die sogar sehr militant Vegetarismus fordern. Diese entstanden aber erst in China, oder wurden dort verändert, stammen also nicht aus dem Palikanon, der ursprünglichen Schriftensammlung.

Grundsätzlich ist bei religiösen Texten immer der Kontext und die Textkritik wichtig. Wann und wo entstand der Text? Welche Kultur, welche Rohstoffe und welches Klima gab es dort?

Oft lassen sich scheinbar diskriminerende Passagen dadurch erklären, dass sie sich an ein bestimmtes Publikum richteten und nicht 1:1 auf moderne Verhältnisse übertragen lassen, was nach Ansicht des Buddha im Kalama-Sutta auch gar nicht sinnvoll wäre.

Dort fordert er dazu auf, alle Autoritäten zu hinterfragen, egal wie altehrwürdig sie sein mögen und sogar seine Lehre auf Herz und Nieren zu prüfen.

Antwort
von Buddhishi, 50

Halihalo,

ich mal wieder. Der Buddhismus ist beides, also sowohl Religion als auch Lehre, sagt sogar der Dalai Lama. Daraus folgt: Man kann den Buddhismus als Buddhist/in religiös leben mit einer Verehrung von Buddha. Oder man lebt ihn als Lehre (=Dharma) ohne Religion oder zugleich mit einer anderen  Religion, wie z. B. dem Christentum.

Der Buddhismus lehrt je nach Weg (kleines oder großes Fahrzeug, Diamantweg etc.) z. B. Liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut sowie u. a. spirituelle Weiterentwicklung und Weisheit.

Der Buddhismus geht zurück auf Buddha, der übrigens tatsächlich erwiesernermaßen gelebt hat (vor über 2000 Jahren u. vor Jesus Christus) im Gegensatz zu unbestätigten Theorien anderer Religionsstifter/-führer. Die Geschichte von Buddha wird in vielen Büchern schön beschrieben. Ob allerdings alle Legenden, die sich um seine Gestalt ranken, so stimmen, sollte etwas kritisch betrachtet werden.

Noch Fragen?

LG

Buddhishi

Kommentar von Dhalwim ,

Ja, was ist Gleichmut und was ist "eigentlich" Weisheit.

Jeder spricht von Weisheit, aber niemand hat es in meiner Gegenwart wirklich definiert.

Außerdem bitte, auch wenn das mit Jesus Christus vielleicht unbestätigt sein sollte, Ich glaube trzd. an ihn.

Und als letztes, was ist eigentlich das "Dharma"?

Kommentar von Buddhishi ,

Gleichmut kannst Du mit Gelassenheit übersetzen.

Weisheit z. B.  "Gott gebe mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, an etwas zu glauben, was nicht bewiesen ist, denn es gibt so vieles zwischen Himmel und Erde, was wir Menschen (noch) nicht beweisen können. Viele Forschungen und Entdeckungen wurden zunächst belächelt und später dann doch bewiesen. Außerdem heißt es ja auch 'Glauben' und das ist automatisch 'nicht wissen'.

Dharma bezeichnet die Lehre, die Buddha hinterlassen hat. Meist übrigens mündlich mit vielen Wiederholungen und Vergleichen, denn so prägte sie sich den Menschen, denen er seine Lehre in Vorträgen weitergab, alles gut ein.

Sehr fundierte Auskünfte, häufige Fragen und ihre Antworten sowie ein Glossar zu buddhistischen Ausdrücken und vieles mehr findest Du hier:

http://www.buddhismus-deutschland.de/

Kommentar von Dhalwim ,

Faszinierend,

Aber es steht etwas im Widerspruch, wie sieht es mit Gewalt bzw. Aggression im Buddhismus aus und das Fleisch essen?

Denn dann, müsste Ich ein paar meiner Grundeinstellungen ändern, oder kann man teilweise Buddhist sein?

Kommentar von Buddhishi ,

Antwort teiweise s. o. Der B. ist absolut gewaltfrei, im Grunde die friedlichste Religion. Als es jedoch Mönchen an ihr Leben ging, haben sie sich verteidigt. Ein Buddhist würde aber nie von sich aus, einen Menschen (oder ein Tier) angreifen oder töten. Dazu ist die Achtung vor jedem Lebewesen viel zu groß.

Sehe ich z. B. eine Spinne in meiner Wohnung, nehme ich sie behutsam auf und setze sie in die Freiheit. Das ist nicht immer ganz einfach - huhuuh - aber man/frau lernt es :-)

Kommentar von Buddhishi ,

Zu den Wegen des B. hatte ich noch vergessen zu erwähnen, dass der Diamantweg sehr umstritten ist, vor allem sein Anführer Olé ...

Kommentar von Chaoist ,

Das deutsche Pronomen "man" verweist auf einen oder mehrere nicht weiter definierte Menschen. Man spricht "man" auch anders aus als "Mann" ( , der ). Letzteres ist zusätzlich mittels Großschreibung als Substantiv gekennzeichnet.

Daraus folgt, dass man  hinter "man" nicht "/ frau" schreiben muss.

Übrigens ist auch Frau groß zu schreiben.

Klugsch* Ende. :)

Kommentar von Buddhishi ,

in Mitgefühl - Ende :)

Kommentar von Dhalwim ,

Alles klar,

Vielen dant!

(im übrigen, sind sie vielleicht Deutschlehrer? Ich habe nämlich in ihrem Text keinen einzigen Fehler entdeckt. Und das will was heißen hohoho!)

LG Dhalwim

Antwort
von Chaoist, 71

Scheint als wären die BuddhistInnen grade nicht online.

Es ist eine Alte Diskussion ob der Buddhismus nun eine Religion oder eine Philosophie ist. Dabei ist diese Diskussion nur dann relevant, wenn man voraussetzt, dass der eine Status den anderen ausschließt. In gewisser Weise steckt aber in jeder Religion auch eine Philosophie.

Was macht also eine Religion aus?
Religionen scheinen immer einen Weg zu einem spirituellen Ziel zu bieten. Meistens handelt es sich dabei um ein Paradies / die maximale Nähe des jeweiligen Gottes.

Der Buddha lehrt u.A. von "Samsara", "Nirvana" und dem "mittleren Weg". Das aktuelle Leben ist dabei Teil von Samsara; Nirvana ist das ( transzentente ) Ziel; Und der Mittlere Weg ist der richtige um dort hin zu gelangen.
Daher steht für mich fest: Buddhismus ist eine Religion.

Sehr gut kann man den "Buddhismus kennen lernen", mit einer gleichnahmigen Vortragsreihe auf Youtube; zu finden auf diesem Kanal:
https://www.youtube.com/channel/UC_eF87lVrJZiMxFJ5OpUcKg

Viel Spaß beim kennen lernen.

Kommentar von crashy2002 ,

Religion lehrt sich den Himmel zu verdienen und durch gute taten zu erarbeiten.
Ich kann auch Jesus nachfolgen, ohne Religiös zu sein.

Kommentar von Chaoist ,

Verstehe ich nicht.
Es klingt wie ein Einspruch gegen meine Aussage.

Was mich besonders verwirrt ist dies:
Wenn Sie "Jesus nachfolgen", dann verdienen Sie sich doch sicherlich "den Himmel" damit, gute Daten im Sinne Jesu zu tun.

Die Nachfolge Jesu ist eine religiöse Handlung. Nicht religiöse Menschen würden niemals auf die Idee kommen dies zu tun.

Zurück zum Thema:
Was für ChristInnen "der Himmel", ist für BuddhistInnen "Nirvana". Diese Vergleich hinkt zwar sehr stark, weil Nirvana mehr ein Zustand als ein Ort ist, aber er ist ebenso das Ziel der Bestrebungen.

Wenn Jemand nicht an Samsara glaubt, braucht er Buddha nicht.
Wenn jemand nicht an Gott glaubt, braucht er Jesus nicht.

Kommentar von Dhalwim ,

Ich bin Katholischer Christ, gib mir Kraft, Ich will's Wissen.

Es sollte angeblich kein Problem sein, Christ und Buddhist zu sein!

Deshalb, erläutere mir bitte mehr.

Kommentar von Chaoist ,

Man kann durchaus im Paradies sein und den Zustand des Nirvana erreicht haben.

Nirvana bedeutet "nicht brennen". ( Rodrigo erklärt das auf dem bereits verlinkten Kanal sehr schön. ) Damit ist gemeint, dass man von dem Verlangen befreit ist, etwas haben zu müssen, weil man glaubt erst dann wirklich glücklich zu sein. Dieses "brennen" nach etwas ist es was BuddhistInnen meinen, wenn sie sagen, dass das Leben Leid bedeute. Egal was wir tun, es wird uns nicht auf ewig glücklich machen.

Der Buddha lehrt auch den "edlen achtfachen Pfad". Jesus hätte sicherlich nichts dagegen einzuwenden gehabt. ( Ich wüsste nicht was. ) Es ist eine Anleitung für moralisches Handeln. "Liebe deinen Nächsten" ist auch im Buddhismus zentrales Element.

Kommentar von Dhalwim ,

Sehr schön und sehr gut,

Wenn dem so ist, so ist auch mein Interesse in dem Buddhismus groß.

Aber wie kann man das offiziell sein,

Ich hörte auch sie essen kein Fleisch, stimmt das?

Kommentar von Buddhishi ,

Man kann nicht 'offiziell' Buddhist werden, also wie im Christentum z. B. dieser Religion beitreten, weil der Buddhismus nicht offiziell als Religion (in Deutschland) anerkannt ist.

Buddha hatte nichts gegen den Verzehr von Fleisch, er hat es erlaubt, dafür ausnahmsweise ein Tier zu töten, aber nur um den aktuellen Hunger zu stillen. Das kann man in etwas vergleichen mit den Aborigines, die auch nur dann ein Tier töteten, um es zu verspeisen, also keine materielle Ausbeutung, Vorratshaltung oder Nichtachtung der Naturgesetzte.

Was wir heute mit Tieren anstellen sowie die Massentierhaltung hätte er verpönt. Das gilt übrigens auch für bewußtseinsverändernde Drogen, wie z. B. Alkohol. Der Buddhist sollte stets bewußt und achtsam leben.

Kommentar von Chaoist ,

Es gibt kein Speißegebot in dem Sinne. Die Tatsache dass die meisten BudhistInnen kein Fleisch essen, ergibt sich eher aus kulturell-geographischen Gründen. Es gibt aber einige Punkte im Buddhismus die, wenn man sie konsequent zu Ende denkt, zum Veganismus als logischen Schluss führen.

Wenn Sie die Geschichte des Buddha kennen lernen ( wie er zu seinen Einsichten kam ) werden sie aber auch verstehen, dass das ein extremer Weg ist. Der Buddha lehrt aber den "mittleren Weg". Es ist gut und wichtig Mitgefühl auch mit den Tieren zu haben. Es ist aber auch in Ordnung mal ein Huhn zu essen.

Übrigens gibt es auch buddhistische Mönche, die nichts weiter besitzen als ihre Kleidung ein Handtuch und eine Schüssel. Sie essen nur was sie gespendet bekommen, und wenn gerade nur Fleisch da ist, dann eben das. Die Spende abzulehnen käme einer schweren Sünde gleich.

Offiziell Buddhist wird man am besten, indem man sich bei der buddhistischen Religionsgemeinschaft anmeldet. Als christlicher Buddhist ist aber der Schritt in ein Kloster zu viel des Guten :)

Antwort
von nowka20, 15

seit beginn dieser online-enyklopädie.

das fällt natürlich nur auf, wenn an einem text etwas zu bemängeln ist

Kommentar von Dhalwim ,

Alles klar, dante!

Kommentar von nowka20 ,

gerne doch (auch für das dante=lach)

Antwort
von Grashopperchen, 72

Der buddhismus ist eine sehr offene Religion das heißt du kannst Christ und buddhist sein.
Schau dir dazu n video auf youtube an. Am besten von Mrwissen2go

Kommentar von Dhalwim ,

Ok, aber willst du wirklich nicht meine Frage genauer beantworten?

Antwort
von Eselspur, 34

Als Nicht-Buddhist wundert es mich, was manche alles als buddhistisch bezeichnen.

http://www.buddhismus-austria.at/die-lehre-des-buddha/

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