Frage von Gassi93, 112

Was ist die Metamorphose bei Ovids Phaeton?

Hallo, ich bin gerade dabei ein Referat über Ovids Metamorphose "Phaeton" vorzubereiten. Da ich nie Latein hatte, weiß ich nur, dass eine Metamorphose eine Verwandlung ist. Ich verstehe aber nicht ganz, ob die Metamorphose hier jetzt ist, dass die Erde brennt und die Flüsse verdampfen oder dass seine Schwestern zu Pappeln werden und sein Geliebter zu einem Schwan? Eine Erklärung wäre sehr nett :-) Danke :)

Antwort
von Albrecht, 68

Eine Metamorphose ist eine Verwandlung, ein Gestaltwandel. Es geschieht eine Veränderung. Allerdings wird in der neuen Daseinsform in gewissem Ausmaß etwas von der vorherigen Daseinsform und ihren Eigenarten bewahrt.

Die Phaëthon-Sage ist bei Ovid, Metamorphosen 1, 750 – 2, 400 dargestellt.

Die Erde (Tellus) meint am Ende einer Rede an Juppiter, wenn Meere, Länder und Königsschloß des Himmels zugrundegehen, sei dies ein Zusammenmischen in das alte Chaos, und ruft dazu auf, aus den Flammen zu retten, was bis jetzt noch übrig ist (Ovid, Metamorphosen 2, 298 – 300).

Das Brennen der Erde und das Verdampfen von Gewässern wird also als Vernichtung und drohender Übergang in einen ungeformten Zustand ohne feste Gestalt gedeutet.

Die Verwandlung der Schwestern in Pappeln (sowie ihrer Tränen in Bernstein) und die Verwandlung des mütterlicherseits verwandten und um seinen geliebten Freund Phaëthon (griechisch: Φαέθων) trauernden Cycnus in einen Schwan sind Metamorphosen. Gestaltwandel in Pflanzen oder Tiere sind bei Ovid häufige Metamorphosen.

Phaëthons Schwestern, die Heliaden (Heliades; griechisch: Ἡλιάδες; Töchter des Sonnengottes Sol - griechisch: Helios [Ἥλιος] -  und der Clymene - griechisch: Klymene [Κλυμένη] - , einer Okeanide), trauern klagend um Phaëthon, nach 4 Monaten werden sie in Bäume (wie aus Ovid, Epistulae ex Ponto 1, 2, 31 – 32 hervorgeht, sind Pappeln gemeint) verwandelt, immer noch fließen Tränen heraus (was als Baumharz verstanden werden kann), erstarren herabtropfend am Sonnenstrahl zu Bernstein und werden vom Strom Eridanus (griechisch: Eridanos [Ἠριδανός]) aufgenommen (Ovid, Metamorphosen 2, 340 – 366). Namentlich genannt werden von den Schwestern Phaëtusa (griechisch: Φαέθουσα) und Lampetia (griechisch: Λαμπετία).

Cycnus (griechisch: Kyknos [Κύκνος]), König der Ligurer, der anwesend ist und ebenfalls klagt, wird in einen weißen Schwan verwandelt (Ovid, Metamorphosen 2, 367 – 380). Sein Name ist eine Vorwegnahme der Verwandlung (griechisch: κύκνος = Schwan; lateinisch: cycnus und cygnus = Schwan).

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