Frage von Balurot, 59

Was ist der Zusammenhang zwischen dem Erwachen und den verschiedenen Regeln der Lehre Buddhas?

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Gebot, das besagt, dass man keine fühlenden Wesen töten soll. Ich bin zwar kein großer Fleischesser, aber hin und wieder esse ich doch Fleisch, bewusst und absichtlich, weil darinnen Vitamine enthalten sind, die man durch andere Lebensmittel nicht bekommen kann.

Ich habe mit 17 während einer Meditation den Zustand des Erwachens erlebt und bin deshalb Buddhist geworden, aber als Buddhist sollte ich alle Regeln befolgen können. Mit dieser Ethikregel habe ich Schwierigkeiten. Ich verstehe auch den Zusammenhang nicht. Wie kam Buddha auf alle diese Regeln? Die haben mit dem Erwachen ja gar nichts zu tun.

http://www.buddhismus-austria.at/die-lehre-des-buddha/heilsame-handlungen/

Mit den anderen Regeln komme ich gut zurecht.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 21

Ich antworte darauf mal nicht rein akademisch, sondern quasi-religiös.

Sinn des achtfachen Pfads

Wer egoistisch ist, materialistisch, sich in Lügen verstrickt, dem fällt es schwerer, geistig klar zu werden, weil er immer innere und äußere Widersprüche erzeugt

Buddha lehrte deshalb ein Verhalten, dass das Leben vereinfacht und zu mehr Klarheit führt. Dadurch fällt es leichter, zur Befreiung zu gelangen.

Wer also wenig Leiden schafft, indem er sich richtig verhält, sieht sich also mit weniger innerem Chaos konfrontiert und entwickelt leichter positive Eigenschaften.

Man fördert also das eigene Potential zu Erwachen und handelt gleichzeitig zum Wohle anderer Wesen - Eigenverantwortung und sozialer Dienst.

Herkunft der Regeln

Der Legende nach entstanden die Regeln ganz konkret durch die damaligen Lebensumstände und die alltäglichen Situationen, in denen sich der Buddha und seine Schüler befanden.

Buddha lehrte sie, man solle sich im "rechten Handeln" üben - und irgendjemand fragte dann, wie das denn konkret aussehen soll.

Wie soll man als Schüler Buddhas mit Situation XY umgehen? Buddha gab daraufhin Handlungsempfehlungen und Regeln für seine Gemeinschaft.

Das Ergebnis sind 227 Mönchsregeln und 311 Regeln für Nonnen im Vinaya des Theravada, sowie Handlungsempfehlungen für Laien.

Fleischessen im Buddhismus

Ich habe hier ja schon mehrfach zu diesem Thema gepostet und muss deswegen vermutlich nicht das Rad neu erfinden, sondern nur zusammenfassen.

Buddhas Schüler lebten als Bettelmönche und mussten alle Almosen annehmen. Ausgenommen war aber Fleisch von Tieren, die extra für sie geschlachtet wurden, sowie Tieren die kulturell bedingt als besonders galten

Mit anderen Worten: Mönche durften laut den Ordensregeln konventionelle Fleischsorten essen und bis heute gab es da meines Wissens nach keine Änderung.

Da Buddhas direkte Schüler alle als Wandermönche mit ihm lebten, kann man sogar argumentieren, diese Einschränkungen seien gar nicht für Laien gedacht.

Die teilweise sehr drastischen Forderungen nach Vegetarismus kamen erst in chinesisch beeinflussten Schriften auf, die zum Teil sogar erst dort entstanden.

In China musste sich der Buddhismus aber auch anderen klimatischen und sozialen Bedingungen anpassen.

Dort war weder die Kleidung in eine Robe aus drei Tüchern klimagerecht, noch galt Betteln als sozial akzeptabel, so dass Klöster fast gänzlich Selbstversorger waren.

Unter diesen Umständen konnten sich dann auch andere Speiseregeln durchsetzen, die den Vegetarismus als moralisch überlegen darstellen.

Heutzutage können wir es uns auch als buddhistische Laien leisten, vegetarisch zu leben, auch wenn es ursprünglich keine Regel dafür gab.

Eine Verpflichtung sehe ich in den ursprünglichen Schriften allerdings nicht. Vegetarismus ist für mich eine individuelle Entscheidung.

Meine Meinung

Im Buddhismus geht es darum, Leiden zu verringern. Manchmal ist das vermeiden nicht möglich - dann sollte aber das Opfer nicht umsonst gewesen sein.

In Japan wird in den Klöstern vor dem Essen ein Text rezitiert, der die Mönche an zwei wesentliche Punkte erinnert;

Das Essen ist eine Medizin, sie dient der Gesunderhaltung, damit man den Weg Buddhas gehen kann.  Mit einer Mangelernährung ginge das nicht.

Das Essen ist das Ergebnis unendlicher Anstrengungen - Landwirte, Transporter, Bäcker, Köche, so dass wir unzähligen Wesen Dank schulden.

Wenn ich einen vegetarischen Döner achtlos herunterschlinge, missachte ich die Unterstützung, die mir gewährt wird, um Leben und üben zu können.

Bin ich aber für die Opfer für den Schweinebraten dankbar und mir meiner Verantwortung bewusst, habe ich eine ganz andere geistige Haltung.

Ich selbst von Ovo-Lacto-Vegetarier, aber nicht dogmatisch. Ich würde beispielsweise keinen Geburtstagskuchen ablehnen, nur weil Eier enthalten sind.

Stattdessen würde ich das Stück mit Respekt und Dankbarkeit entgegen nehmen. Ich weiß, das klingt womöglich furchtbar schwülstig, aber für mich macht es einen Unterschied.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich fasse das also nochmal zusammen:

Die Regeln sollen unseren Geist von Konflikten befreien, um das Erwachen zu erleichtern und positive Eigenschaften fördern, die auch der Gesellschaft nutzen.

Die Regel nicht zu töten muss kulturhistorisch gesehen werden. Unter ausschließlicher Berufung auf den Palikanon ist keine Vegetarismus-Vorschrift ableitbar.

Kommentar von Balurot ,

Jetzt bin ich beruhigt. Vielen Dank. Ich kann weiterhin Buddhist bleiben. :-)

Kommentar von Enzylexikon ,

Also am Vegetarismus sollte das echt nicht hängen.

Ich persönlich glaube, der westliche Buddhismus ist mitunter sehr anmaßend und meint, alles müsse jetzt gemäß westlichen Wertevorstellungen interpretiert werden.

Tiere töten ist "grausam" und Fleisch essen daher "böse" - das sind moralische Bewertungen, die in anderen Gesellschaften eher Kopfschütteln auslösen würden.

Natürlich ist es toll, wenn man durch Religion auch zu neuen, "universellen" Ansätzen findet, die über eine bestimmte Kultur hinaus gehen - aber man sollte keine Allgemeingültigkeit erheben.

Letztlich kann der Luxus des Vegetarismus auch negative Charaktereigenschaften fördern - beispielsweise Überheblichkeit, da man sich "moralisch überlegen" fühlt.

Dann hat man vielleicht Mitgefühl für das "unschuldige" Tier, aber eben nicht für den "bösen" Fleischesser und bleibt damit genau in dem Dualismus, den man doch zumeist überwinden will.

Ich glaube wirklich, da muss jeder nach seinem eigenen Bewusstsein handeln.

Wenn ich nur noch Fleischersatz aus Soja esse, bin ich verantwortlich für illegale Rodungen für den Soja-Anbau.

Wenn ich nur noch Öko-Bio-Regional kaufe, bin ich für die Armut von exportorientierten Mango-Bauern in anderen Ländern verantwortlich.

Wenn ich nur noch Bio-Textilien kaufe, bin ich dafür verantwortlich, dass die Frau in Bangladesch keine Arbeit in der Billig-Textilfabrik hat und sich prostituieren muss.

Nicht alles was uns moralisch so lupenrein erscheint ist es auch und so ist es sehr selbstgerecht zu behaupten "Du bist aber kein Buddhist weil...". Da sehe ich mangelnde Klarheit.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von CountDracula, 31

Hallo,

die Lehren stellen den spirituellen Weg Buddhas dar. Wer ihn beschreitet, kann wie Buddha zur vollkommenen Erkenntnis der Natur der Dinge gelangen.

Das Töten oder Verletzen von fühlenden Lebewesen ist eine unheilsame Tat, da sie zu Leiden führt. Unheilsame Taten führen zu Karma, und Karma hindert an der vollkommenen Erkenntnis.

Gebote gibt es im Buddhismus nicht. Die Silas, die Vier Edlen Wahrheiten und der Edle Achtfache Pfad sind mehr Hilfestellungen, die der Buddha uns gegeben hat, als Gebote. Der Buddha verglich seine Lehren mit einem Floß, mit dem man den Fluss des Lebens überqueren kann.

Darüber, wie das mit dem Fleischkonsum ist, sind sich die Buddhisten unterienander auch nicht ganz einig. Manche sind Vegetarier. Manche essen aber auch Fleisch, solange das Tier nicht explizit für sie getötet wurde.
Sprich: "Ich habe gerade nichts zu Essen, was ich Ihnen anbieten kann, aber ich kann Ihnen noch schnell ein Schaf schlachten" wäre eher ein Satz, bei dem sie kein Fleisch essen würden, aber wenn das Tier sowieso schon gestorben ist und sie jetzt ein Stück Fleisch abbekommen, wäre das für sie in Ordnung.

Wie das da mit dem Fleisch aus dem Supermarkt aussieht, ist noch einmal eine andere Frage. Manche argumentieren, dass die Tiere auch gestorben wären, wenn sie es nicht kaufen würden. Andere sagen, dass sie beim Kauf und Verzehr des Fleischs ja Fleischkonsumenten sind und das Tier für die Fleischkonsumenten geschlachtet wurde.

Dann gibt es noch Schulen, die nur bestimmte Fleischsorten meiden, zum Beispiel Pferdefleisch oder Fleisch, das Blut enthält (z. B. Blutwurst).

Antwort
von Draggyblackdots, 16

Die Meister essen doch fast alle Fleisch und auch fast alle asiatischen Buddhisten. Man darf nur nicht selbst Tiere töten. Die Logik verstehe ich zwar nicht, aber ich verstehe eben vieles nicht und das kann ich nicht so einfach ändern. Ich esse auch selten mal Fleisch, wenn ich mich schwach fühle körperlich.

Antwort
von OhNobody, 18

Deine Frage im Text war auch "Wie kam Buddha auf alle diese Regeln?"

"Was über Buddhas Leben bekannt ist, stammt größtenteils aus den kanonischen Texten, von denen die meisten in Pali, einer Sprache des alten Indien, geschrieben sind", heißt es in dem Buch "Die Religionen der Welt — Eine illustrierte Religionsgeschichte". 

Das bedeutet, daß aus der Zeit Buddhas kein Quellenmaterial vorhanden ist, das über Siddhartha Gautama, den Stifter der Religion — er lebte im 6. Jahrhundert v. u. Z. in Nordindien —, Aufschluß gibt. 

Sogar in buddhistischen Texten wird zugegeben, dass die authentische Lehre nicht schriftlich niedergelegt worden sei, sondern die Jünger Buddhas hätten sie sich eingeprägt. 

In dem Abingdon Dictionary of Living Religions heißt es daher: "Die 'Biographien' wurden erst spät geschrieben und sind voller Legenden und Mythen, und die ältesten kanonischen Texte sind das Ergebnis eines langen Prozesses der mündlichen Überlieferung; während dieser Zeit wurde vieles verbessert und hinzugefügt." 

Ein Gelehrter "behauptete [sogar], daß nicht ein einziges Wort der niedergeschriebenen Lehre mit absoluter Sicherheit Gautama zugeschrieben werden kann". Ist eine solche Kritik berechtigt?


Buddhas Empfängnis und Geburt

Es gibt über seine Geburt und Kindheit sehr ausführliche Erzählungen.

Z. B. die folgenden Auszüge aus Jatakam, einem Teil des Pali-Kanons und aus Buddhacarita, einem aus dem 2. Jahrhundert u. Z. stammenden Text in Sanskrit über das Leben Buddhas. Zuerst der Bericht, wie Buddhas Mutter, Königin Maya, ihn in einem Traum empfing.


"Die vier Großkönige hoben sie samt ihrem Bett auf und brachten sie nach dem Himalaya . . . Darauf kamen ihre Gattinnen und brachten Maya nach dem Anotatta-See; hier badeten sie sie, um sie von der menschlichen Unreinheit zu befreien . . . Nicht weit von dort ist der Silberberg, dessen Spitze ein goldenes Haus ist; da machten sie ein nach Osten gerichtetes Lager zurecht und legten Maya darauf nieder. Hierauf stieg der Bodhisattva . . . als ein herrlicher weißer Elefant . . . von da herab, stieg den Silberberg hinan . . ., umschritt dreimal von rechts das Lager seiner Mutter, berührte ihre rechte Seite und ging so gleichsam in ihren Leib ein. So nahm er am letzten Tage des Asalha-Nakkhatta seine Wiedergeburt."

Danach sollen sich 32 Wunder ereignet haben.

Dann nahte die ungewöhnliche Geburt Buddhas:

"Dieser ging, wie ein Prediger vom Lehrstuhl oder wie ein Mann von der Leiter herabsteigt, aus dem Mutterleibe hervor, indem er beide Hände und Füße ausstreckte und dastand, ohne infolge seines Aufenthaltes im Mutterleibe durch eine Unreinheit befleckt zu sein . . ."

"Sobald er [der zukünftige Buddha] geboren war, stellte er sich mit beiden Beinen fest auf die Erde, machte sieben Schritte nach Norden — dabei wurde über ihm ein weißer Baldachin getragen — und schaute nach allen Himmelsrichtungen; dabei rief er mit unvergleichlicher Stimme: In der ganzen Welt bin ich der Erste, der Beste und der Herausragendste; das war meine letzte Geburt; nie mehr werde ich wiedergeboren!"

Genauso ausführliche Erzählungen gibt es über seine Kindheit, seine Begegnungen mit jungen Verehrerinnen, sein Umherwandern, ja über fast jede Begebenheit seines Lebens. 

Es überrascht vielleicht nicht, daß die meisten Gelehrten alle diese Berichte als Legenden und Mythen abtun. Ein Beamter am Britischen Museum vertritt sogar den Standpunkt, daß es wegen "der vielen Legenden und Wundererzählungen unmöglich ist, . . . einen geschichtlichen Lebensbericht zusammenzustellen".

Dessenungeachtet ist ein traditioneller Bericht über Buddhas Leben weit verbreitet. Ein moderner, in Colombo (Sri Lanka) veröffentlichter Text, "A Manual of Buddhism", enthält folgende vereinfachte Fassung:


"An einem Vollmondtag im Mai des Jahres 623 v. Chr. wurde in Nepal ein indischer Schakja-Prinz namens Siddhattha Gotama geboren. Sein Vater war König Suddhodana und seine Mutter Königin Majadewi. Sie starb wenige Tage nach der Geburt des Kindes, und so wurde Mahapradschapati Gautami seine Pflegemutter.

Mit 16 Jahren heiratete er seine Kusine, die schöne Prinzessin Jaschodhara.

Nach seiner Heirat führte er fast 13 Jahre ein luxuriöses Leben in seliger Unwissenheit über die Schicksalsschläge, die die Menschen außerhalb der Palasttore zu erdulden hatten.

Im Laufe der Zeit wurde ihm die Realität immer mehr bewußt. In seinem 29. Lebensjahr, einem Wendepunkt in seiner Laufbahn, wurde sein Sohn Rahula geboren. Diesen betrachtete er als Hindernis, denn er erkannte, daß alle, die geboren werden, ohne Ausnahme der Krankheit und dem Tod preisgegeben sind. Es wurde ihm also klar, daß das Leid allgegenwärtig ist, und er entschloß sich, für die universelle Krankheit der Menschheit ein Allheilmittel zu finden.

Er gab die königlichen Freuden auf und verließ eines Nachts sein Zuhause, . . . schnitt sich das Haar ab, zog sich ein einfaches Gewand eines Asketen an und ging auf die Suche nach der Wahrheit."

Diese in seiner Biographie enthaltenen wenigen Einzelheiten stehen natürlich in krassem Gegensatz zu den auf Phantasie beruhenden Erzählungen in den "kanonischen Texten". Und mit Ausnahme seines Geburtsjahres werden sie allgemein anerkannt.

Die Erleuchtung — Wodurch kam sie?

Der Wendepunkt in seiner Laufbahn trat ein, als Siddhartha zum ersten Mal in seinem Leben einen Kranken, einen Greis und einen Toten sah. Diese Erfahrung ließ in ihm eine quälende Frage über den Sinn des Lebens aufsteigen: 

Wird der Mensch nur geboren, um zu leiden, alt zu werden und zu sterben? 

Dann soll Siddhartha einem heiligen Mann begegnet sein, der auf der Suche nach Wahrheit den Freuden der Welt entsagt hatte. Das gab ihm den Anstoß, seine Familie, seinen Besitz und seinen königlichen Namen aufzugeben. 

Die folgenden sechs Jahre brachte er bei Lehrern des Hinduismus und bei Gurus zu, von denen er sich eine Antwort erhoffte, jedoch ohne Erfolg. In den Erzählungen heißt es, daß er sich der Meditation hingab, fastete, Joga betrieb und sich in strengster Askese übte. Trotzdem fand er keinen inneren Frieden und erlangte keine Erleuchtung.

Schließlich kam er zu der Erkenntnis, daß strenge Askese ebenso nutzlos war wie das von ihm zuvor geführte Leben in Überfluß. 

Jetzt verfolgte er den "mittleren Weg", wie er ihn nannte, und mied sowohl die eine als auch die andere extreme Lebensweise. Er war überzeugt, daß es eine Antwort auf seine Frage gab, daß er sie aber nur durch Meditation finden konnte. 

Deshalb ließ er sich unter einem Pipalbaum, einem indischen Feigenbaum, nieder und gab sich der Meditation hin. Er widerstand allen Angriffen und Versuchungen des Teufels Mara und setzte seine Meditation vier Wochen (einige sagen sieben Wochen) beharrlich fort, bis er angeblich alle Erkenntnis und alles Verständnis überschritten hatte. Dann gelangte er zur Erleuchtung.

Auf diese Weise wurde Gautama gemäß buddhistischer Terminologie zum Buddha — zum Erwachten oder Erleuchteten. Er hatte das endgültige Ziel, das Nirwana, erreicht, einen Zustand vollkommenen Friedens und der Erleuchtung, frei von Begierde und Leiden. 

Er wurde auch als der Sakyamuni (der Weise der Sakya [des Schakja-Stammes]) bekannt, und oft redete er von sich als dem Tathagata (der so [zum Lehren] Gegangene). 

Die verschiedenen buddhistischen Sekten sind darüber jedoch unterschiedlicher Ansicht. Einige sehen in ihm nur einen Menschen, der für sich selbst den Weg zur Erleuchtung fand und ihn dann seine Nachfolger lehrte. 

Andere betrachten ihn als den letzten einer Reihe von Buddhas, die in die Welt gekommen seien, um dharma (Pali: dhamma), die Lehre oder den Weg Buddhas, zu verkünden oder wiederzubeleben. 

Wieder andere sehen ihn als einen Bodhisattwa an, einen, der Erleuchtung erlangt hatte, aber das Eingehen ins Nirwana hinausschob, um anderen bei ihrer Suche nach Erleuchtung zu helfen. 

Wie dem auch sei, dieses Ereignis, die Erleuchtung, nimmt in allen buddhistischen Schulen einen äußerst wichtigen Platz ein.

Die Erleuchtung — Was ist damit gemeint?

Nach seiner Erleuchtung begann Buddha nach anfänglichem Zögern, andere seine neugefundene Wahrheit, dharma, zu lehren. In einem Hirschpark bei Benares hielt er vor fünf Bhikkhus — Jüngern oder Mönchen — seine erste und wahrscheinlich auch seine bedeutendste Predigt. 

Darin lehrte er, daß man, um Erlösung zu finden, den Weg des sinnlichen Vergnügens sowie den Weg der Askese meiden und den "mittleren Weg" gehen müsse. 

Außerdem müsse man die "vier edlen Wahrheiten" verstehen und beachten, die auf folgende Weise kurz zusammengefaßt werden können:

1. Alle Existenz ist von Leiden gekennzeichnet.
2. Leiden entstehen aus einem Verlangen oder einer Gier.
3. Die Aufhebung der Gier hebt das Leiden auf.
4. Der Weg zur Aufhebung des Leidens ist der "achtfache Pfad", durch den das Verhalten, das Denken und das Glauben geregelt wird.

Diese Predigt über den "mittleren Weg" und über die "vier edlen Wahrheiten" stellt das Wesentliche der Erleuchtung Buddhas dar und bildet den Inhalt der gesamten Lehren Buddhas. 

Gautama behauptete nicht, daß er für seine Predigt von Gott inspiriert worden sei.

Mit den Worten "hat der Tathagata die Kenntnis . . . gewonnen" gibt er sich selbst die Ehre. Es heißt, daß Buddha auf seinem Sterbebett zu seinen Jüngern sagte, sie sollten "zur Wahrheit stehen . . . als zu . . . [ihrer] Richtschnur . . . und zu niemandem Zuflucht suchen . . . außer zu sich selbst". 

Nach den Worten Buddhas kommt also die Erleuchtung nicht von Gott, sondern dadurch, daß man sich persönlich bemüht, richtiges Denken zu entwickeln und gute Taten zu vollbringen.

Es ist leicht, zu erkennen, warum diese Lehre von der damaligen indischen Gesellschaft gern angenommen wurde. 

Durch diese Lehre wurden einerseits die Habgier und die korrupten religiösen Bräuche der Brahmanen oder der Priesterkaste des Hinduismus und andererseits die strenge Askese der Anhänger des Dschainismus sowie anderer mystischer Kulte verurteilt. 

Buddhas Lehre machte auch den Opfergaben und Riten, den Myriaden von Göttern und Göttinnen und dem bedrückenden Kastensystem, das jeden Lebensbereich des Volkes beherrschte und es versklavte, ein Ende. 

Kurz gesagt, diese Lehre verhieß Freiheit für alle, die dem Weg Buddhas folgten.

(Entnommen dem Buch "Die Suche der Menschheit nach Gott")

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