Was ist der Unterschied zwischen Wahhabiten und Salafisten?

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5 Antworten

Vereinfacht ausgedrückt: der Salafismus ist der Wahhabismus für "einfache" Leute.

Die beiden Strömungen stehen sich in Glaubensdingen sehr nahe, in der Rückkehr zu einer recht einfachen, direkten Lesart der religiösen Vorschriften. Folglich sind beide auch besonders fortschritts-  und vernunftfeindlich, da für beide der ideale Zustand, den es zu erreichen gilt, bereits da war - in der Frühzeit der Muslime, wo all die Heiligen des Islam (und nichts anderes sind zum Beispiel die mythisch überhöhten rechtgeleiteten Kalifen oder Aischa) aktiv waren. 

Ein Zustand, der nur durch die radikale Abkehr von allen nicht-mohammedanischen Einflüssen und Konsens wieder zu erreichen sei. Der unterschied zeigt sich eher in Ihrer Positionierung in der  und zur Gemeinde bzw. Gesellschaft als Ganzes.

Die Salafisten verstehen sich als erleuchtete Gegenkultur, deren Aufgabe es ist, die Menschen wieder auf den rechten Pfad zu bringen und dadurch zu erretten. Sie fühlen sich dabei besonders hingezogen zu erleuchteten aus dem Volke, was zum Beispiel die Prominenz ihrer Wortführer und Wanderprediger, mit eher unkonventionellem Werdegang, erklärt. 

Die beschränkte Gelehrtheit der Glaubensvorsteher (was keine Aussage über deren intelligenz sein soll) ermöglicht es ihnen wiederum, ihre Botschaft sehr volksnah und verständlich zu Verbreiten. Sie sind daher auch besonders attraktiv für die Verlierer und Unzufriedenen. Ähnliches ist übrigens beim IS zu beobachten.

Die modernen Wahhabisten sind als Alliierte des Hauses Saud in Saudi-Arabien entstanden und stellen in Ihrem Einflussbereich quasi die Klerikerkaste. Sie sind damit von vornherein Teilhaber an der Macht, ihr Ziel ist demnach monarchistisch und antidemokratisch, um den Erhalt des Status Quo zu sichern.

Vielleicht hilft Dir das weiter.

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Kommentar von Len98
15.11.2015, 12:33

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, du hast mir sehr weiter geholfen!

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während Salafisten das Ziel eines islamischen Staates ohne Monarchie haben

klingt niedlich, ist es aber nicht.

 Die Salafisten wollen ein Kalifat anstelle der Monarchie. Dahinter steckt eine Botschaft an die Welt: Der Wahabismus ist den Salafisten nicht radikal genug. Der Islam versteht sich als Gottesreich, indem ein geistlicher Herrscher in der direkten Nachfolge Mohammeds über die Menschen gebietet, nämlich der "Kalif". Und deshalb führt al Baghadi seine Herkunft bis auf Mohammed zurück.

Die Salafisten sind die Ausgeburt des Wahabismus (von Wahab, einem Wanderprediger in Arabien mit Verbindungen zu der Familie Saud, daher ist seine Interpretation des Islams jetzt Staatsreligion in "Saudi"-Arabien); denn wo es einen Radikalen gibt, gibt es immer jemand, der noch radikaler ist. Und die Saudis selbst haben mit ihren Öldollar die Welt regelrecht mit ihrer islamischen Propaganda überschwemmt, so dass jetzt ihre Sicht des Islams die vorherrschende ist bzw. jeder glaubt, dass Islam so aussehen muss wie in Saudi-Arabien. Das ist sehr sehr schade. Ich habe als Christ viele muslimische Freunde, die mich immer wieder mit ihrer einfachen Frömmigkeit ("ja", "nein", "heilig", "unheilig") tief bewegen.

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Kommentar von Len98
15.11.2015, 12:37

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

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Hallo,

die Salafiyya ist alles andere als eine homogene Bewegung. Es gibt grob gesagt eine puritanische und eine politisch aktive Strömung - und dann noch die Extremisten und die Terroristen, die sich aber zur Salafiyya so verhalten wie der Ku-Klux-Klan zum Christentum.

Die Wahhabiyya ist eine Strömung innerhalb der puritanischen Salafiyya, die mit anderen Strömungen Gemeinsamkeiten hat, aber auch Unterschiede aufweist.

Alle Salafi orientieren sich an den ersten drei Generationen des Islam, den "as-Salaf as-Salih", den "ehrwürdigen rechtschaffenen Vorfahren". Die sunnitischen Rechtsschulen werden verworfen, akzeptiert werden nur der Koran, die Sunna des Propheten und der Idschma, der Konsens der as-Salaf as-Salih.

Auf dieser Basis versuchen die Salafi, den Islam mit der Moderne zu verbinden.

Die puritanischen Salafi streben nicht zuerst einen islamischen Staat an, das tun dann eher die politischen Salafi (die aber einen Umsturz ablehnen und einen islamischen Staat durch politische Arbeit erreichen wollen).

Manche Salafi lehnen es ab, einen islamischen Staat anzustreben, weil sie die Voraussetzungen nicht für erfüllt halten.

Grüße

Michael

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Das Wort Salafismus kommt aus Saleh also der dem Propheten folgt und genau nach den letzten Propheten leben will, normalerweise ist da nichts radikales aber dank denn so tolleb medien wird das Wort als Radikalismus und Extremismus dargestellt.
Die Wahas sind soweit ich weiß die Saudis da wo Tradition zur Religion geworden ist...

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Kommentar von Agentpony
13.11.2015, 20:13

...der dem Propheten folgt und genau nach den letzten Propheten leben will, normalerweise ist da nichts radikales 

Da hast Du doch schon die radikale Einstellung. Der Salafist lehnt die heutige Lebenswirklichkeit ab, um einem nicht zu erfüllenden Ideal zu folgen. Ergo, eine radikale Abkehr von der herrschenden Konsenskultur.

Und das haben sich keine Medien ausgedacht.

Radikalität bedeutet nicht subversive-  und Gewalttätigkeit, falls Du das so interpretiert hast.

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was sagt Wikipedia denn dazu ?

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Kommentar von Len98
13.11.2015, 17:19

Wikipedia hab ich gelesen, aber das ist alles sehr ausführlich. Für mich als "Anfänger" sehr unverständlich. Ich weiß gerade so welche Rolle Mohammed spielt und wie der Koran entstand, alles andere wurde uns nicht beigebracht, weshalb ich da auch nicht so ganz durchsteige.

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