Frage von kuchenstylesGF, 128

Was ist der Unterschied zwischen Mönch und Laie?

Frage ist auf den Buddhismus bezogen.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 108

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf ab

Buddhistische Mönche

Mönche ziehen in die "Hauslosigkeit", verlassen also ihre Familien, um gemeinsam in klösterlichen Gemeinschaften zu leben. Dort folgt ihr Tagesablauf dann den Regeln des Klosters.

Im Theravada-Buddhismus müssen Mönche 227 und Nonnen 311 Regeln einhalten. Dazu gehört das Zölibat und die weitgehende Besitzlosigkeit bis auf wenige persönliche Dinge.

Äußerlich sind sie durch ihre Roben und die kahlgeschorenen Köpfe zu erkennen. Farben und Formen der Robe unterscheiden sich je nach buddhistischer Tradition.

Buddhistische Priester

In Japan wurde das Zölibat für Mönche abgeschafft, so dass man dort teilweise zwischen Mönchen und Priestern unterscheidet.

Während Mönche zölibatär in einem Kloster leben, können Priester auch heiraten und eine Familie gründen. Tatsächlich wird die Aufgabe des "Tempelpriesters" sogar oft innerhalb einer Familie weitervererbt.

Diese Priester haben dann praktisch die gleiche Funktion, wie etwa ein christlicher Gemeindepfarrer - er hält Zeremonien ab, betreibt Seelsorge, führt aber sonst ein normales Leben.

Auch wird der kahlgeschorene Kopf durchaus mal durch eine Kurzhaarfrisur ersetzt, so dass sich der Priester nur zu besonderen Anlässen den Schädel rasiert.


Buddhistische Laien


Als Laienanhänger bezeichnet man Menschen, die "Zuflucht genommen" haben, also Buddhisten geworden sind.

Sie sollen die fünf Sittlichkeitsgebote einhalten und sind sonst aber keinen besonderen Regeln im Bezug auf Kleidung, Frisur, oder Lebensstil haben.

Ein buddhistischer Laie ist also eben der "Mann von nebenan", dem man nicht ansieht, dass er Buddhist ist

Übrigens: Entgegen irgendwelcher Klischees sind wir Buddhisten nicht alle ständig mild lächelnde Grinsekatzen mit ruhiger Stimme. ;-)

Die Zufluchtnahme kann formell, im Rahmen einer Zeremonie erfolgen und ist dann auch mit der Verleihung eines buddhistischen "Dharma-Namens" verbunden, oder auch rein persönlich und informell.

Kommentar von Enzylexikon ,

Falls es von Interesse sein sollte:

Die fünf Sittlichkeitsregeln sind nicht in Form von Verboten formuliert, sondern sind eigentlich als Gelübde zu verstehen, zu deren Einhaltung man sich bekennt.

Es gibt verschiedene Übersetzungen und Interpretationen dieser Regeln. Das hier ist nur ein Beispiel von vielen möglichen:

  • Ich bekenne mich zu der Regel, kein Leben zu nehmen
  • Ich bekenne mich zu der Regel, nicht gegebenes nicht zu nehmen
  • Ich bekenne mich zu der Regel, die Rede nicht zu missbrauchen
  • Ich bekenne mich zu der Regel, die Sexualität nicht zu missbrauchen
  • Ich bekenne mich zu der Regel, mir nicht den Geist zu betäuben.

Ich mag diese Formulierungen, da sie sehr offen sind, und zum Nachdenken anregen. Hier mal Denkansätze.

"Kein Leben nehmen" heißt natürlich "nicht töten", aber es kann auch weiter gedacht werden,  nämlich die Frage nach der eigenen Ernährung, der Verwendung von tierischen Produkten usw.

"Nicht gegebenes nicht nehmen" ist zB mehr als nur "nicht stehlen", sondern kann auch so verstanden werden, dass man nicht sorglos mit dem Besitz anderer Menschen umgeht, etwa geliehenen Dingen.

"Die Rede nicht missbrauchen" bedeutet nicht nur, dass man nicht lügt, sondern auch, nicht schlecht über andere zu reden, sich selbst übertrieben zu loben, oder andere Menschen zu manipulieren.

"Die Sexualität nicht missbrauchen" bzw "keine unheilsamen Beziehungen zu pflegen" oder "sexuelles Fehlverhalten vermeiden", ist kein Verbot von Sex oder Selbstbefriedigung, sondern eine Aufforderung zum verantwortungsvollen Umgang.

Jemand der eine unkontrollierte Masturbationssucht entwickelt übt genau so "sexuelles Fehlverhalten", wie jemand, der seinen Partner betrügt, oder in einer Beziehung mit mehreren Menschen einen der Partner vernachlässigt.

"Den Geist nicht betäuben" bezieht sich natürlich auf verschiedene Drogen, allerdings kann man sich auch den Geist betäuben, wenn man sich immer mit dem gleichen Lied zudröhnt, oder stundenlang am Computer spielt und dadurch nicht mehr achtsam ist.

Kommentar von suziesext04 ,

hi enzylexikon - wir sind ooch Buddhisten, meine Mom und ich, aber Alt Buddhisten. Und senf geben wir ooch nicht zu :D :D Na ja, ist ooch wurscht. Die Gebote sind kein "du sollst", sondern Ratschläge. man soll sich zb der Unwahrheit enthalten, also nicht zuviel und auch nicht zu wenig reden. Und du sollst einem Lebewesen sein Leben nicht wegnehmen, aus eigensüchtige Gründe. Und du sollst ooch keine Sexbeziehung versuchen, die andern Lebewesen wehtut, und sollst kein Lebensunterhalt oder Gelderwerb machen, auf Kosten von Lebewesen, zu ihrem Schaden und zu deinem einzigen Nutzen. Buddhismus ist das Hilfreiche, das schwer zu machen ist :)

Kommentar von Enzylexikon ,

Hallo. :-)

Ich habe nicht behauptet, das es "Gebote" sind, die man auf biegen und brechen einhalten "soll" und sogar explizit darauf hingewiesen, das es keine Verbote sind, die einen Menschen zu einem bestimmten Verhalten zwingen sollen.

Die Pali-Version, mit dem Begriff "Sikkhapada" macht deutlich, dass es nicht nur um einen "Ratschlag" oder eine Handlungsempfehlung geht, sondern schon eine Form der Verpflichtung ist.

Je nach Übersetzung wird dort davon gesprochen "Ich nehme die Übungsregel....auf mich" oder "ich nehme die Tugendregel...auf mich" oder "Ich nehme mich der Übung...an"

Allerdings sind das natürlich keine göttlichen Gebote, so dass einen nicht gleich der Blitz trifft, wenn man eine Currywurst isst. ;-)

Wie sang Boy George im hinduistisch geprägten Lied "Bow down Mister" doch so passend:

"If you do not take the vow, you can eat the sacred cow. You'll get karma anyhow..."

Man fängt sich so oder so Karma ein...unsere Handlungen bestimmen aber, in welche Richtung es sich entwickelt.

Über die Bedeutung der Pancasila an sich sind wir uns ja einig, wie ich sehe. :-)

Kommentar von luggels ,

Ich glaub, ich gebe auf. Zu jedem Tehma, zu dem ich was schreiben möchte, hat Enzylexikon schon was geschrieben. Und es ist richtig.

Antwort
von suziesext04, 99

hi kuchenstylesGF - Mönche und Mönchsorden dürfen kein Eigentum behalten, müssen die Ordensregel einhalten (vor allem die sex-Nichtbetätigung). Die Hörer (Laien) unterstützen und versorgen den Orden, und die Mönche sind dafür so ne Art Seelsorger für die Laien (es heisst aber genauer Haushaber, Hörer, Beisitzende). Die Hörer sollen 5 Regeln beachten, so ne Art moralische Gebote, die einem gutes Karma verschafft, wenn man sie befolgt (zb sich der Nichtwahrheit enthalten, sich der Lebensberaubung enthalten, keine ungedeihlichen Sexbeziehungen haben)

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