Was ist der Unterschied zwischen Körper und Leib?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Der philosophisch hauptsächlich wichtige Unterschied liegt im festen Bezug von Leib auf ein Lebewesen, während Körper sich auch auf etwas beziehen kann, das unbelebt/leblos ist und auch niemals lebendig gewesen ist.

Leib hat urspünglich immer etwas Lebendiges bezeichnet. In der Kernbedeutung ist auch in der Gegenwart mit Leib ein lebendiger Körper gemeint. Sofern die Existenz einer Seele angenommen wird, ist der lebendige Körper auch ein beseelter Körper.

«Körper» und «Leib» sind synonyme (sinnverwandte) Begriffe.

«Körper» und «Leib» können gleichbedeutend sein.

Wenn ein Unterschied gemacht wird, besteht er nicht einfach darin, es mit zwei auf der Ebene der konkreten realen Einzeldinge getrennten, nebeneinander existierenden Gegenständen zu tun zu haben (zu sagen, einen Körper zu haben, und zugleich zu sagen, einen Leib zu haben, bedeutet nicht, zwei Organismen zu haben). Der Unterschied liegt darin, was mit Hilfe einer Unterscheidung unter Gesichtspunkten begrifflich erfaßt wird.

Etymologisch (hinsichtlich der Wortherkunft) ist «Körper» ein Lehnwort aus der lateinischen Sprache, von corpus (Körper; Leib; Masse; Gesamtheit; Körperschaft). «Leib» geht auf das althochdeutsche līb, līp(h) zurück, das aus einer germanischen Wurzel *leiba (‘Leben’) stammt.

«Körper» bezeichnet nicht nur das materielle Sein eines Lebewesens, sondern auch das unbelebter Gegenstände und hat außerdem einige weitere Bedeutungen, die mit «Leib» nicht gemeint sind.

Körper bedeutet:

1) materielle (stoffliche) Erscheinung und Gestalt eines Lebewesens

a) Gesamtheit der materiellen (stofflichen) Erscheinung und Gestalt eines Lebewesens, sein Organismus

b) (gelegentlich) Rumpf (als Hauptmasse/Hauptteil)

2) physikalisch: ein Ding/Objekt in einem festen/flüssigen oder gasförmigen Zustand, das einen begrenzten und abgeschlossenen (dreidimensionalen) Raumbereich einnimmt und Materie und Masse hat

3) mathematisch: Gebilde mit einer geometrischen Form (geometrischer Körper) oder eine bestimmte algebraische Menge (Zahlkörper)

a) Geometrie: von ebenen oder gekrümmten Flächen vollständig abgeschlossener Teil des Raumes, in der euklidischen Geometrie menschlicher Erscheiungswelt und Vorstellung ein dreidimensionales Gebilde (z. B. Würfel, Quader, Pyramide, Kugel, Kegel, Zylinder)

b) Algebra: Zahlkörper mit einer bestimmten algebraischen Struktur, die Menge solcher Zahlen, die durch die Rechenarten Addition, Subtraktion Multiplikation und Division auseinnder hervorgehen können

4) rechtlich/politisch/soziologisch: Körper(schaft), ein Zusammenschluß/eine Vereinigung/eine Gesamtheit von Einzelwesen (z. B. Lehrkörper [Gesamtheit der Lehrenden an einer Schule/Hochschule], Wahlkörper [Gesamtheit von Wahlberechtigten, die zusammen abstimmen])

Leib bedeutet:

1) Gesamtheit der materiellen (stofflichen) Erscheinung und Gestalt eines Lebewesens, sein Organismus, insbesondere der menschliche Organismus

2) Rumpf (der Körper ohne Kopf und Gliedmaßen [Arme, Beine])

3) Bauch oder Unterleib (darauf bezogen sind Leibschmerzen; als Organ besonders der Magen: etwas/nichts im Leib haben = etwas/nichts gegessen haben)

Sprachlich ist Leib seit dem 8. Jahrhundert belegt, als althochdeutsch līb, līp(h) und Ähnliches Mittelhochdeutsch wurde daraus līb, līp. Das Wort stammt aus einer germanischen Wurzel *leiba (‘Leben’). Altnordisch ist líf bezeugt, altenglisch līf. Leib ist Substantiv zu einem Verb ‘leben’ gewesen. Diese Verbindung tritt in paarigen Ausdrücken wie „Leib und Leben“ oder „wie er leibt und lebt“ noch stark hervor.

Körper ist sprachlich seit dem 13. Jahrhundert belegt, als mittelhochdeutsch korper, körper (von lateinisch corpus). Frühneuhochdeutsch gab es auch körpel. «Körper» hat althochdeutsch līh, mittelhochdeutsch līch verdrängt, von dem als selbständiges Wort in gebräuchlicher Sprache nur in einer Bedeutungsveränderung „Leiche“ geblieben ist.

Vgl. zu Etymologie/Wortherkunft:

Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebald. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Berlin ; New York : de Gruyter, 2011, S. 478 und S. 532

Duden - das Herkunftswörterbuch : Etymologie der deutschen Sprache. Herausgegeben von der Dudenredaktion. 5., neu bearbeitete Auflage. Redaktionelle Bearbeitung Jörg Riecke. Berlin : Mannheim ; Zürich : Dudenverlag, 2014 (Der Duden ; Band 7), S. 480 und S. 514

«Leib» war noch im 19. Jahrhundert eine auch im Alltagsleben oft verwendete Bezeichung. Als Schulfach erscheint auch im 20. Jahrhundert Sportunterricht offiziell meistens unter der Bezeichung „Leibesübungen“. In der Gegenwart ist es in der alltäglichen Sprache seltener und kann mit Ausnahme bestimmer gängiger fester Wortverbindungen und Wortzusamensetzungen einen altertümlichen Eindruck machen.

Das Nebeneinander der Begriffe «Leib» und «Körper» ist eine Eigentümlichkeit der deutschen Sprache. In einer Reihe anderer Sprachen gibt es diese Erscheinung nicht, vgl. altgriechisch σῶμα, lateinisch corpus, italienisch corpo, französisch corps, spanisch cuerpo, englisch body.

«Leib» bildet in Zusammenstellungen vor allem ein Begriffspaar mit «Seele» (z. B. Leib-Seele-Problem; die Redensart „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen."). Leib und Seele werden unterscheiden, aber oft in enger Verbindung gedacht. «Körper» ist in Zusammmenstellungen vor allem Gegenbegriff zu Geist.

Über «Leib» (und Leiblichkeit) wird philosophisch einerseits wie über Körper als Gegenstand einer Naturlehre bzw. Naturwissenschaft und von außen betrachtet nach einem Ursache-Wirkungsverhältnis nachgedacht, andererseits auch im Bereich einer Theorie über Bewußtsein und Subjektivität. Während bei «Körper» eher Abstand einer objekthaften Verdinglichung vorhanden ist, wird «Leib» in einer Eigenerfahrung/inneren Erfahrung erlebt, in einem Spüren von Betroffensein (Fühlen von Stimmungen, Befindlichkeiten, Regungen).

Informationen in Nachschlagewerken:

Tilman Borsche/Friedrich Kaulbach, Leib, Körper. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5: L – Mn. Basel ; Stuttgart : Schwabe, 1980, Spalte 173 – 185

Spalte 173: „Der Begriff ‹Leib› (L.) ist eine der deutschen Sprache eigentümliche Unterscheidung, die einen Körper (K.), insofern er als beseelt gedacht wird, durch ein besonderes Wort aus der Menge der übrigen K. heraushebt.“

Spalte 174: „Die Unterscheidung ergab sich aus der Verdeutschung von ‹corpus› in der weiten Bedeutung, die es im Lateinischen bereits hatte, demgegenüber das mittelhochdeutsche ‹lip›, zunächst undifferenziert ‹L. und Leben›, allmählich die bestimmte Bedeutung von lebendiger, beseelter, eine bestimmte Person darstellender K. gewann. So dient der Ausdruck ‹L.› eher zur Erörterung des L.-Seele-Verhältnisses, K. dagegen wird allgemein von Geist unterschieden, ohne daß damit eine Vereinigung beider angesprochen sein muß.“

Spalte 178: „Das Lehnwort ‹K.› kann für alle Bedeutungen von ‹c.› verwendet werden, auch für den menschlichen K., insofern dieser nur als Naturgegenstand betrachtet wird, wie etwa in der naturwissenschaftlichen Medizin. (in ‹Leibarzt› bezeichnet der Wortteil ‹L.› nicht ein dem Arzt anvertrautes Objkekt, sondern verweist auf die Zugehörigkeit des Dieners zu seinem Herrn, ähnlich wie ‹L.› in ‹Leibeigener›. Demgegenüber präzisiert sich die Bedeutung des bodenständigen ‹L.› zu ‹lebendiger K.›, besonders insofern dieser in seinem Verhältnis zu der ihm innewohnenden Seele, deren Ausdruck er ist, betrachtet wird. Schließlich steht das Fremwort ‹Corpus› für besondere, jeeils neu zu definierende verwendungen zur Verfügung.“

L. = Leib

K. = Körper

c. = corpus

Reiner Wimmer, Leib. In: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 4: Ins– Loc. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Ausgabe. Unter ständiger Mitwirkung von Gottfried Gabriel, Matthias Gatzemeier, Carl F. Gethmann, Peter Janich, Friedrich Kambartel, Kuno Lorenz, Kaus Mainzer, Peter Schroeder-Heister, Christian Thiel, Reiner Wimmer, Gereon Wolters in Verbindung mit Martin Carrier herausgegeben von Jürgen Mittelstraß. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2010, S. 499 – 503

S. 499: „Leib, ein der deutschen Sprache eigentümlicher Begriff, der in Abhebung vom entsprechenden Gebrauch der vom lateinischen ›corpus‹ abgeleiteten Wortes ›Körper‹ und seiner Äquivalente in anderen europäischen Sprachen (franz. ›corps‹, ital. ›corpo‹, span. ›cuerpo‹) über das Belebtsein hinaus die ›Beseeltheit‹ eines Lebewesens, vor allem des Menschen, zum Ausdruck bringt.“

franz. = französisch

ital. = italienisch

span. = spanisch

Andreas Preußner, Leib. In: Handwörterbuch Philosophie. Herausgegeben von Wulff D. Rehfus. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2003 (UTB : Philosophie ; 8208), S. 446 – 447:  

Leib Darunter versteht man einen Körper, der sich vor den bloß materiellen Dingen dadurch auszeichnet, dass er beseelt ist. Im engeren Sinne wird nur der menschliche, lebendige Körper Leib genannt. Das Besondere am Leib ist, dass er das ›absolute Hier‹ darstellt, von dem sich das wahrnehmende → Bewusstsein nie fortbewegen kann. Diese völlige Distanzlosigkeit macht die enge Verschlungenheit von Leib und seelischem Vermögen deutlich. Aber es zeigt sich auch eine gewisse Doppelwendigkeit: Zum einen ist der Leib als Körper ein Naturding, das den Gesetzen der Physik (und anderer Wissenschaften) genauso unterliegt wie alle andere → Materie auch. Das wohl sprechendste Beispiel dafür sind die Krankheiten, die den Körper in seinen Funktionen so beeinträchtigen, wie fehlende oder schadhafte Teile einer Maschine. Deshalb kann der radikale → Materialismus den menschlichen Körper auch als Maschine betrachten, die lediglich durch ihre besonderen Gehirnfunktionen von anderen unterschieden ist. Zum anderen ist der Leib aber immer an psychische Vorgänge gebunden, die es ihm ermöglichen, sich geordnet zu bewegen. Die Leiblichkeit des Menschen kann in zwei Richtungen bewertet werden. In der philosophischen Tradition gibt es – besonders geprägt durch Platon und das Christentum – eine starke Tendenz zur Leibfeindlichkeit. Diese resultiert aus der Fähigkeit des Leibes, empfänglich für die Reize der Sinnenwelt zu sein. Dadurch entsteht eine Beeinflussbarkeit von außen her, die für das Heil der → Seele insofern abträglich ist, als sie von der ihr eigentlich zukommenden Tätigkeit ablenkt und das körperliche Wohlergehen (Lust, Sinnenfreude) in den Vordergrund stellt. Auf der anderen Seite wird aber auch die lebensfördernde Kraft des Leibes akzentuiert (mens sana in corpore sano – ›ein gesunder Geist in einem gesunden Körper‹), was die untrennbare Einheit des stofflichen und des geistigen Wirkens hervorhebt.“

Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michaelsen. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2013 (Philosophische Bibliothek ; Band 500), S. 202 und S. 376 – 377

S. 202: „Körper, mhd. Korper, Lehnw. des 13. Jh aus lat. corpus, zunächst nur der menschliche und tierische Leib, dann auch gleichbedeutend mit ↑ Ding; in der Geometrie jedes begrenzte, dreidimensionale Gebilde; in der mehrdimensionalen Geometrie Ausschnitt aus einer mehrdimensionalen Mannigfaltigkeit, deren ›Punkte‹ durch je n Zeichen bestimmt sind (z. B. vierdimensionale Würfel); in der Aklgebra: Zahlkörper – Menge solcher Zahlen, die durch die vier rechnungsarten auseinander hervorgehen können. In der Physik ist K. die einen Raum von bestimmter Umgrenzung erfüllende feste, flüssige oder gasförmige ↑ Materie mit den Eigenschaften der ↑ Ausdehnung, Teilbarkeit, ↑ Trägheit und Schwere. In bezug auf die lebendige Natur wird K. meist gleichbedeutend mit ↑ Leib gebr.“

S. 376: „Leib […l] mhd. li̱p ›Leben‹, nur im Mhd. die Bedeutungsentwicklung zu ›Körper‹ (häufig in Verbindung zw. li̱p und leben), auch svw. ↑ Person (mi̱n, di̱n si̱n li̱p, wie lat. mea, tua, sua persona, ›ich‹, ›du‹›er‹) heißt 1. der beseelte ↑ Körper im Unterschied zur unbeseelten ›toten‹ Materie (↑ Ding), also svw. das organische Ganze eines Lebens (Mensch, Tier, Pflanze), 2. der jeweils eigene L., selten verw. i. Sinne von L. eines anderen Menschen, im Unterschied vom ›Körper‹ eines Tieres, 3. der menschl. Körper im Unterschied zu seiner ↑ Seele, auch die Seele, soweit sie in Erscheinung tritt (↑ Ausdruck).“

mhd. = mittelhochdeutsch

Mhd. = Mittelhochdeutschem

Lehnw. = Lehnwort

Jh. = Jahrhundert(s)

zw. = zwischen

svw. = soviel wie

lat. = lateinisch

L. = Leib

verw. = verwendet

i.= im

menschl. = menschliche

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Leib ist der menschliche Körper. ein Körper kann auch eine geometrische Figur sein.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Während es sich bei Körper auch um eine geometrische Figur handeln kann,
kann ein Leib auch zum Beispiel einen Leib Brot darstellen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Leib ist der Körper ohne Kopf, Arme und Beine, Körper umfasst komplett alles.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung