Frage von tripple7, 35

Was ist der Unterschied zwischen klassischem Hedonismus nach Aristipp und quantitativem Hedonismus nach Jeremy Bentham?

Hey kann mir jmd diese Frage beantworten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 20

Dass man dem Begriff "Hädonä" - Lebensfreude - im Laufe von 1000 Jahren christlicher Körperfeindlichkeit einen üblen Gestank angehängt hat, dafür kann Aristipp nichts, der hat vor diesen 1000 Jahren gelebt. Er war Schüler des Sokrates, der erste Philosoph, dessen Tochter evtl. als die erste Philosophin bezeichnet werden kann, was in der damals verbreiteten Männerdominanz eigentlich kein schlechtes Licht auf den Vater wirft. Seine Feinde haben dafür gesorgt, dass wir nichts Schriftliches von ihm haben. Bei Diogenes Laertius wird allerdings erwähnt, dass er in seiner Zeit angesehen und geachtet war. D. Laertius überliefert von Aristipp die Haltung: "Ich besitze die Hetäre Lais, bin aber nicht von ihr besessen ... Denn die Begierden zu beherrschen und ihnen nicht zu unterliegen, ist am besten, nicht der völlige Besitz auf sie." Sprich: Man soll die schönen Dinge der Welt haben können ohne sie haben zu müssen. Was ist daran verwerflich, wenn man nicht gerade ein geborener Büßer und Sauertopf ist. Tatsache scheint zu sein, dass Aristipps hohe Einschätzung der Lebensfreude stark auf das Individuum bezogen ist.

Das aber kann man nicht von J. Bentham sagen. Ihm geht es wie allen angelsächsischen Aufklärern immer auch um das Wohl der Allgemeinheit. Dieser große Sozialreformer, der bereits in der Wende 18./19. JH für Frauen- und Tierrechte eingetreten ist usw., war wie alle Aufklärer interessiert an einem Ausgleich zwischen der individuellen Entfaltung und den Notwendigkeiten einer gelingenden gesellschaftlichen Organisation. Bentham lebte in einer Zeit großen Umbruchs vom Feudalismus zur Demokratie, ein Umbruch, der in Deutschland trotzt Kant nie aus eigener Kraft stattgefunden hat. Im Feudalismus haben Adel und Kirche die Werte (als vom Himmel gegeben) diktiert. Für die junge Demokratie stand die Aufgabe, Gesetze, Moral und Werte neu zu bestimmen als möglichst gemeinsame Überzeugung freier Bürger. Diese Diskussion hat der Utilitarismus (nicht an Gottesgesetzen sondern an der Brauchbarkeit für die Menschen orientiert) geführt und Bentham hat zur Frage, wie man als freie Bürgerschaft zu neuen Werten und Urteilsmaßstäben kommt, Erhebliches beigetragen.

Antwort
von tripple7, 3

Danke dir!

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