Frage von mycatmissy, 30

Was ist der Unterschied zwischen Intensitätstereografie und Laufzeitster. im Bezug auf die Stellung der Mikrofone,Ich finde auch keine eindeutigen bilder?

Antwort
von TheStone, 30

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit denen wir Menschen eine Schallquelle Orten können:

Einmal den Lautstärkeunterschied zwischen dem, was das linke, und dem, was das rechte Ohr hört (je weiter links eine Geräuschquelle ist, desto lauter ist sie mit dem linken Ohr und desto leiser mit dem rechten Ohr zu hören und umgekehrt), und dem Laufzeitunterschied zwischen dem, was am linken und dem, was am rechten Ohr ankommt. (Wenn das linke und das rechte Ohr identische Signale bekommen, jedoch das rechte Ohr das Signal etwas verzögert bekommt, klingt die Schallquelle von rechts, wenn es sich umgekehrt verhält, von links.) 

Um den Aspekt mit den Unterschiedlichen Pegeln rechts und links auf einer Aufnahme einfangen zu können, gibts die sog. Intensitätsstereofonie:

Hierfür brauchen wir zwei Mikrofonmembranen, die optimalerweise beide auf dem selben Punkt sein sollten, damit alle Signale gleichzeitig auf beiden Membranen auftreffen und es keine Laufzeitunterschiede gibt. 

Da das nicht möglich ist, ordnet man sie übereinander an, und richtet die beiden Mikrofonmembranen so auf die Schallquelle aus, die man aufnehmen möchte, dass eine davon auf die linke Seite zeigt und eine davon auf die rechte Seite. (üblicherweise benutzt man einen Winkel von 90°) Wichtig ist, dafür gerichtete Mikrofone zu verwenden, denn wenn man zwei Mikrofone mit Kugelcharakteristik, die ja aus allen Richtungen gleich aufnehmen, übereinander platziert, erhält man lediglich ein Monosignal, da ja dann beide Mikrofone das Selbe aufnehmen. 

Da es hier keinen Laufzeitunterschied zwischen den Mikrofonkapseln gibt, sondern, aufgrund der Ausrichtung jedes Mikrofon die Seite ein wenig lauter aufnimmt, auf die es ausgerichtet ist, als die andere Seite, ist das eine Reine Intensitätsstereophonie. 

(Ich hab hier nur die übliche XY-Intensitätsstereophonie beschrieben. Es gäbe noch die Möglichkeit einer sog. MS-Stereophonie, der Aufbau ist hierbei allerdings etwas komplexer, obwohl es sich auch um eine reine Intensitätsstereophonie handelt.)

Um Laufzeitunterschiede und keine Intensität auf deiner Aufnahme zu haben, musst du anders vorgehen:

Du brauchst zwei Mikrofone mit Kugelcharakteristik. Diese richtest du geradeaus auf deine Schallquelle, allerdings mit einem gewissen Abstand zu einander. DA die Mikrofone geräusche aus allen Richtungen gleich laut aufnehmen (wegen der Kugelcharakteristik) sind hierbei Pegelunterschiede vernachlässigbar. Hierbei entsteht der Stereoeffekt ausschließlich dadurch, dass Signale von links eher beim linken als beim rechten Mikrofon sind und Signale von rechts eher beim Rechten als beim Linken. 

Diese Mikrofonanordnung nennt man AB. Bei einem Mikrofonabstand bis c.a. 35cm spricht man von klein AB, bei einem größeren von groß AB.

Ein Abstand größer als c.a. 80cm erlaubt allerdings keine reine Laufzeitstereophonie mehr. Hier kommt dann doch auch der Pegeluntersied zum tragen.

Kommentar von TheStone ,

Hier ein Bild von einer XY-Anordnung:

http://area-sound.de/images/xy-mikrofon-neumaenner_480.jpg

Kommentar von TheStone ,
Kommentar von TheStone ,

Und dann gibts noch Mischformen. Sog. Äquivalenzstereophonien. 

Hier weisen die (gerichteten) Mikrofone sowohl einen Winkel auf, da sie jeweils auf eine Seite ausgerichtet sind, wegen den Pegelunterschieden, als auch einen Abstand, wegen der Laufzeitunterschiede.

Der ANteil zwischen Intensitäts- und Laufzeitstereofonie wird durch den Winkel und den Abstand zwischen den Mikrofonen bestimmt.

Beliebte Anordnungen sind beispielsweise:

ORTF ( 110° und 17cm Abstand zwischen den Mikrofonkapseln)

NOS  ( 90° und 30cm ABstand)

und

EBS (90° und 25cm Abstand)

Hier ein Foto einer  ORTF-Anordnung:

http://im3.woodbrass.com/images/woodbrass/MICROTECHGEFELL+MGM300+ORTF.JPG

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