Frage von Deyan, 23

Was ist der Unterschied zwischen Dialekten und Fremdsprachen; Sind auch die Urbanisierung und der demografische Wandel am Verschwinden der Dialekte schuld?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RudolfFischer, 15

Dialekte sind jeweils eine Variante einer bestimmten Sprache, Fremdsprachen weisen wesentlich größere Unterschiede auf, so dass sich in der Regel Dialektsprecher derselben Sprache untereinander verständigen können, Sprecher zweier Fremdsprachen jedoch nicht.

In Einzelfällen kann die Unterscheidung mühsam sein, man muss dann den Umfang der Abweichungen als Maßstab nehmen.

Beispiel: In Spanien sind alle Dialekte untereinander verständlich, auch Katalanisch, aber nicht Baskisch, welches einwandfrei eine eigene Sprache ist: Wortschatz und Grammatik sind im Baskischen trotz Entlehnungen weit von allen spanischen Dialekten entfernt, kein spanischer Dialektsprecher versteht einen Basken und umgekehrt.

Etwas komplizierter ist es mit Portugiesisch und Spanisch. Sprecher beider Sprachen können sich wohl untereinander verständigen, wenn sie sich Mühe geben. Es ist deshalb wohl eher eine Anerkennung der politischen Verhältnisse, wenn man Portugiesisch nicht als Dialekt des Spanischen bezeichnet, Katalanisch aber wohl.

Ein Problem ist festzulegen, was man denn mit "Sprache" meint, wenn man von ihren Dialekten spricht. Die deutschen Dialekte als Varianten der hochdeutschen Norm anzusehen, ist historisch falsch, weil Hochdeutsch aus den Dialekten entwickelt wurde und nicht umgekehrt. Wenn man also in diesem Zusammenhang von "Deutsch" redet, ist nicht die hochdeutsche Norm gemeint, sondern einfach die Familie aller deutschen Dialekte.

Auch "Plattdeutsch" und "Flämisch" gibt es nicht als eine definierte Normversion, sondern auch diese Bezeichungen sind Sammelnamen für die Familie der entsprechenden Dialekte.

Mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert vergrößerte sich die Mobilität der Bürger, und es kam zu explositionsartig mehr Begegnungen zwischen Sprechern verschiedener Dialekte. Inzwischen war es aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen zu der Festlegung einer hochsprachigen Norm ("Hochdeutsch") gekommen, die dann auch außerhalb des Bildungssystems zur Verständigungssprache unter den Sprechern verschiedener Dialekte wurde, verstärkt durch den Zuzug ausländischer Arbeiter.

Logischerweise kam es dann zu einem Rückzug der Dialekte in die ländlichen Gebiete, in denen weniger Mobilität stattfand. Doch auch dort setzte das Bildungssystem nach und nach die Hochsprache durch. Während im süddeutschen Raum die Deutschen eher zweisprachig (Hochsprache und Dialekt) geblieben sind, ist im norddeutschen Raum das Plattdeutsche weit zurückgedrängt und ist zum Beispiel im Münsterland dabei auszusterben.

Zu den Indizien des Sprachentods gehört auch, dass neue Begriffe nicht mehr spontan neu geformt werden (etwa "Kiekschapp" für "Fernseher"), sondern  aus der umgebenden Prestigesprache übernommen werden.

Ähnlich bedenklich ist deshalb die gedankenlose _unangepasste_ Übernahme von Neuwörtern aus dem Englischen ins Hochdeutsche und noch mehr die Verdrängung üblicher deutscher Begriffe durch englische (etwa  wenn man statt "Entschuldigung" nur noch "sorry" sagt). Aber das ist ein anderes Thema.

Kommentar von Deyan ,

Ich wollte mich einfach bei ihnen bedanken, dass sie sich so viel Zeit zum Antworten meiner Frage genommen haben. :)

Kommentar von RudolfFischer ,

Danke für den Dank. Ich freue mich, wenn meine Zeilen gelesen und gewürdigt werden. Meine Antworten sind oft länger, weil in mir dann der ehemalige Uni-Dozent zum Durchbruch kommt :-))

Antwort
von Resozial, 23

Ich erkläre es dir mal an Hand von einem Beispiel. Du hast eine Fremdsprache in der Schule gelernte zbsp spanisch. Wenn du nach Spanien gehst wird dich jeder einheimische verstehen, womöglich wird es dir aber sehr schwer fallen sie zu verstehen, da sie mit einem Dialekt reden. Untereinander verstehen sich die einheimischen auch dann nich gut wenn sie einen unterschiedlichen Dialekt sprechen, da es sich bei einem Dialekt nur um bestimmte Wörter handelt die anders sind oder anders betont werden. Der demografische Wandel könnte das womöglich einschränken weil eine einheitliche Sprache die Kommunikation erleichtert, vor allem in Städten mit vielen Immigranten

Antwort
von atzef, 19

Meine These wäre, dass die moderne Sprachentwicklung sich über die jeweilige Hochsprache vollzieht und 1 : 1 dann so in den Dialekten übernommen wird.

Bsp.: Niemand "erfindet" Dialektausdrücke für Computer oder Handy oder ADS...

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