Frage von AriZona04, 79

Was ist der Sinn vom Dosenpfand?

Immer wieder sehe ich überall Müll rumliegen und ich frage mich: Warum wurde seinerzeit der sog. Dosenpfand eingeführt? Sobald es ihn gab, verschwanden die Dosen. Sie sind aber wieder da und die meisten OHNE Pfand! Dafür haben viele Plastikflaschen Pfand - ob mit oder ohne Blubber - aber eben nicht alle. Wo ist der Sinn im System und warum hat nicht jede Einwegverpackung (also auch Fleischverpackungen, alle Tüten, überhaupt JEDE Verpackung, die man danach wegschmeißt - auch aus Metall) keinen Pfand?? Jeder, den ich frage, hat darauf keine Antwort. Was haben sich die Politiker seinerzeit dabei gedacht? Geschäfte ankurbeln (wenn schon kaum Umsatz, dann wenigstens Verkauf von Verpackung), oder was? Und kann der Dosenpfand nicht wieder abgeschafft werden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Cokedose, 25

Hintergrund der Pfandeinführung war der stetige Fall der Mehrwegquote in Deutschland. Die grünen Helden hatten daraufhin die Idee auch Einweggetränkeverpackungen mit einem höheren Pfand zu belegen um es auf diese Weise für den Verbraucher unattraktiver erscheinen zu lassen und um damit die Mehrwegquote zu stärken.
Soweit die Theorie. In der Praxis hatten jedoch verschiedene unabhängige Experten schon lange vor der Einführung prognostiziert, dass das ein Einwegpfand nicht den erwünschten Nutzen erzielen wird. Davon ließen sich Trittin und sein Gefolge jedoch nicht abbringen den ganzen Quatsch dennoch umzusetzen. Nach einem katastrophalen Start im Jahre 2003 bestätigten sich immer mehr die Prognosen der Experten.
Das Ergebnis ist, dass heute ein Vielfaches mehr an Einweg verkauft wird als noch vor der Pfandeinführung und Mehrweg befindet sich weiterhin im Fall.
Denn was die Damen und Herren Politiker nicht bedacht haben ist, dass Ein Pfand auf Einweggetränke nicht die vielen Nachteile von Mehrweg aufhebt. Mehrweg ist heute noch genauso unattraktiv wie damals und wird es auch in Zukunft bleiben.
Hinzukommt, dass sich in den letzten 3 Jahrzehnten so viel weiterentwickelt hat und umweltfreundlicher geworden ist, dass die Aussage: "Mehrweg = gut, Einweg = schlecht" heute nicht mehr haltbar ist. Tatsächlich ist Mehrweg aus ökologischer Sicht nur noch auf kurzen Distanzen besser als Einweg, also wenn man regionale Produkte kauft. Auf großen Distanzen, wenn man also Bier aus dem Süden im Norden trinkt, dann ist die Dose die umweltfreundlichere Alternative.

Mit Müllvermeidung hat das Pfand übrigens überhaupt gar nichts zu tun wie von vielen Leuten irrtümlich immer wieder angenommen wird. Abgesehen davon, dass Flaschen und Dosen kein Müll sondern wertvolle Sekundärrohstoffe sind, geht es in den der Verpackungsverordnung zugrundeliegenden Ökobilanzen ganz allein um den ökologischen Fußabdruck der Verpackung. Also um den CO2-Ausstaß bei Rohstoffgewinnung, Produktion, Handling und Transport. Das Thema "Müll" findet in den Ökobilanzen keine Beachtung.

Ob ein Getränke Kohlensäure hat oder nicht spielt keine Rolle bei der Bepfandung. Es kommt auf das Getränk in Verbindung mit einer bestimmten Verpackung an. Energy Drinks auf Wasserbasis sind bepfandet, Energy Drinks auf Molkebasis sind pfandfrei. Capri-Sonne im Folienbeutel ist pfandfrei, Capri-Sonne in einer Dose oder in einer Flasche wäre pfandpflichtig.

Warum hat nicht jede Verpackung Pfand?

1. Das Einwegpfand wurde nur eingeführt um das Mehrwegpfand (bzw. die Mehrweg-Lobby) zu stärken. Bei den meisten anderen Produkten gibt es kein Mehrwegsystem, also kann man auch keinen Kunden mit einem Pfand dort hin lenken. Was ohnehin nicht klappen würde wie wir ja bei den Getränken schon gelernt haben.

2. Wie sollte die Rücknahme funktionieren? Automaten für alle möglichen Verpackungen? Wie sollen die die Packungen erkennen, wenn die Automaten schon Probleme bei der Erkennung von deformierten Dosen und Flaschen haben? Wer soll das Bezahlen? Das wären Kosten die ins Unermessliche steigen ohne einen erkennbaren Nutzen zu haben.

Allein das Einwegpfand auf Getränke hat schon einen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe (!!!) verursacht zzgl. laufender Kosten. Und der einzige Unterschied zu vorher ist, dass wir nicht mehr selber unsere Dosen und Flaschen in die gelbe Tonne werfen, sondern dass das jetzt der Händler für uns übernommen hat. Hinterher passiert mit den leeren Gebinden nichts anderes als vorher auch. Sie werden dem Recycling zugeführt.
Das wurden Milliarden verplempert obwohl wir mit dem Grünen Punkt schon ein wunderbar funktionierendes Recyclingsystem hatten.

Es wäre sinnvoller gewesen wenn man mit diesem Geld Müllsortierungsanlagen gebaut hätte die auch aus dem Hausmüll Recyclingfähiges Material heraussortiert hätten. Damit hätte man der Umwelt wirklich einen großen Gefallen getan.

Abschließend noch mal der Sinn der Einwegpfandes: Die Recyclingquote hat sich etwas erhöht - in einem Land wo diese ohnehin schon die Höchste auf der ganzen Welt war. Und selbst wenn Deutschland es schaffen würde 100% zu recyceln, es bringt überhaupt nichts wenn es in vielen anderen Ländern praktisch überhaupt kein Recycling gibt wie beispielsweise in Rumänien, Bulgarien oder der Türkei.

Kommentar von AriZona04 ,

Danke Danke Danke!! Endlich weiß ich Bescheid. Ja, ich schäme mich dafür, mich 2003 noch nicht so für Politik interessiert gehabt zu haben (das hat sich grundlegend seit Griechenland geändert). Und es bestätigt einmal wieder, wie viel Mist unsere Politiker verzapfen. Bleibt immer noch die Frage, ob der Dosenpfand wieder abgeschafft werden kann, aber diese Antwort liegt wohl nicht in unserer Macht. Toll, dass es aufmerksame Bürger gibt, die mir antworten können. Danke!

Kommentar von Cokedose ,

Bitte, gerne.

Von der Sache her kann das Einwegpfand problemlos wieder abgeschafft werden. Es müsste einfach nur die Verpackungsverordnung entsprechend geändert werden. Allerdings halte ich es (obwohl ich an sich Gegner bin) heute nicht mehr für sinnvoll es abzuschaffen, da es sich inzwischen zu einem einigermaßen funktionierenden Recyclingsystem entwickelt hat. Würde man es heute abschaffen, dann wären die bislang investierten Gelder umsonst gewesen, was die Sache zu einer doppelten sinnlosen Geldverschwendung machen würde. Zudem hängen da heute auch viele Arbeitsplätze dran. Das würde wieder zu einer Entlassungswelle führen wie damals bei der Pfandeinführung, als in viele einwegorientierten Betriebszweigen ganze Fabriken schließen mussten.

Kommentar von Cokedose ,

Trittin hatte damals die Gelegenheit es zu ändern als die (bereits alten) Diskussionen wieder aufflammten. Aber anstatt auf die Leute zu hören die wirklich Ahnung auf diesem Gebiet haben, zog er es vor sich lieber ein peinliches Denkmal zu setzen. Quasi ein Mahnmal für grenzenlose Dummheit.

Wenn man es ganz genau nimmt hätte auf Getränkedosen nie ein Pfand sein dürfen. Denn wie gesagt, Ziel des Einwegpfandes war es das Mehrwegsystem zu stärken in dem mit dem erhöhten Einwegpfand eine Lenkungswirkung erreichen wollte.

ABER: Ich weiß nicht wie es bei dir ist, aber ich habe noch nie Mehrwegdosen gesehen. Also wie soll hier ein Lenkungswirkung stattfinden wenn es gar kein Mehrweggegenstück gibt wie bei Glas und Plastik?

Kommentar von Cokedose ,

Ganz schlaue Füchse werden jetzt sagen, dass man ja dann Flaschen statt Dosen kaufen kann. Wäre da nur nicht das Problem, dass Flaschen keine Alternative für Dosen darstellen. Nicht nur, dass Mehrweg deutlich teurer ist, eine Flasche stellt auch immer eine qualitative Beeinträchtigung dar. Zudem haben Flaschen meist auch andere Größen als Dosen und nicht jeder Händler hat eine Auswahl verschiedener Packungsgrößen desselben Getränks. Aber das wohl größte Problem: Nicht jedes Produkt gibt es auch alternativ in Mehrweg. Also wie soll der Käufer einer Red Bull zu Red Bull in einer Mehrwegflasche gelenkt werden wenn diese gar nicht existieren? Allein an diesem Beispiel merkt man schon wie der ganze Grundsatz hinkt auf dem das Einwegpfand basiert. Genau deshalb war die Idee schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Übrigens hatte damals beispielsweise Coca-Cola seinen Energy Drink "burn" in Mehrweg-Glasflaschen angeboten, nachdem zahlreiche Einzelhändler die Getränkedosen komplett ausgelistet hatten. Das war das Todesurteil von burn in Deutschland. Es wurde vom Verbraucher nicht angenommen und die Produktion wurde komplett eingestellt.

Antwort
von Malavatica, 31

Sinn war wohl Abfall zu vermeiden und den Handel zu verpflichten, die Flaschen und Dosen zurückzunehmen. 

Bei 0,25 €pro Flasche überlegt man sich auch wirklich, die Dinge zurückzubringen, als sie wegzuwerfen. Ich weiß nicht, wie hoch der Dosenpfand ist, da ich die nicht kaufe, kann mir aber vorstellen, dass viele keine Lust haben, die auch noch zu sammeln. 

Ich würde nicht sagen, dass alles umsonst war. In Deutschland sind wir mit solchen Sachen noch vorne dabei. 

Antwort
von Dekkert, 16

Ein umständliches Verfahren mit einem guten Zweck, Müllreduzierung. Da ich keine bessere Idee habe, mecker ich nicht.

Antwort
von Januar07, 35

Bei den Getränkedosen muß ich Dir widersprechen. Es gibt nur wenige, die pfandfrei sind. Allerdings gibt es im Handel auch viele Dosen, welche aus dem Ausland importiert wurden, auf die wird kein Pfand erhoben.

Kommentar von AriZona04 ,

Schau mal auf die Cola/Fanta und Co - Dosen! Erstaunlich!

Kommentar von Januar07 ,

Das sind dann vemutlich Importe, vorwiegend aus den Niederlanden.

Antwort
von Ikonoklastisch, 15

Na ja,  das Pfand von einigen Flaschen sorgt wenigstens dafür, dass der Müll ein bisschen eingedämmt wird.

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