Frage von charismaticus, 101

Was ist an verstaatlichungen schlecht?

Der überschuss wird doch im kollektiv erzeugt.. da ist es dann doch nur gerecht und gut, wenn ein unabhängiges organ (staat) den gemeinsam erzeugten reichtum auch gleichmäßig und gemeinnützig verteilt... Das ist doch allemal besser, als wenn einzelne privatpersonen ein unermeßliches vermögen bunkern, das sie eigentlich gar nicht benötigen und für luxus-unsinn verprassen. Genau so wie in einem indianerstamm das erlegte fleisch oder gesammelte früchte gerecht verteilt werden, auch wenn vielleicht der eine jäger besser ist als der andere und ein tier mehr erlegt hat. An diesem prinzip gibt es doch eigentlich nichts zu rütteln oder auszusetzen, oder? Es sei denn, man ist zum aktuellen zeitpunkt einer der reichen und ist nicht gewillt, auf seinen luxus zu verzichten (aber selbst dann würde man es doch grundsätzlich anders sehen, wenn man eben nicht wüsste, dass man reich wäre).

Natürlich gibt es die gegenargumente der korruption und der mangelnden produktivität.. aber diese beiden aspekte sind doch nicht zwangsläufig mit verstaatlichungen verbunden. Wenn die verschiedenen organe sich gegenseitig kontrollieren und transparent gestaltet sind, dann fliegt korruption sofort auf und kann gemaßregelt werden. Und wenn man das geld nicht nur in zB sozialprogramme, sondern ebenso weiter in die produktion steckt, in welchem verhältnis auch immer, dann wird auch dem risiko, das land "herunterzuwirtschaften", ebenso vorgebeugt.

Habe ich einen denkfehler in meiner sichtweise oder würdet ihr mir hier zustimmen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von randomhuman, 42

Ich habe mir auch schon oft die Frage gestellt ob man nicht einige Dinge verstaatlichen sollte. 

Die Krankenkassen sind z.B. privat aber das Gesundheitswesen sollte doch vom Staat geregelt werden und nicht bei irgendwelchen MIliardenkonzernen liegen, die damit kuriose Geschäfte machen. 

Des weiteren sollte z.B. die Energiewirtschaft dem Staat unterliegen, damit man keine Problem hat, wie jetzt. Den Atommüll endzulagern bezahlt ja sowieso nicht der Konzern, sondern der Steuerzahler also kann die Energiewirtschaft auch gleich vom Volk finanziert werden.

Das wären nur zwei kleine Beispiele. Aber alles verstaatlichen würde ich nicht, da sonst der Wettbewerb flöten geht. Und ein bisschen Konkurrenz belebt zum einen das Geschäft und ist nie verkehrt. ;)

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 40

A priori gut oder schlecht ist Verstaatlichung auch nur in jeweiligen Ideologien, also in sozialistisch/kommunistische Vorstellungen oder dem universitären BWL/VWL-Lehrstandard.

Verstaatlichug bzw. staatliche Betriebe wären aber immer anfällig dafür, betriebswirtschaftlich notwendige Lösungen aus politischen Opportunitätsgründen nicht umzusetzen, also z.B. i einer temporären Absatzkrise auch mal namhaft Beschäftigte zu entlassen. Oder auf die Einführung produktiver neuer Technologien zu verzichten, weil auch damit ein Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen würde...

Insofern wohnen der Verstaatlichung durchaus immanente Faktoren inne, die langfristig die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigen können. Adererseits könnte man aber auch dafür mögliche Regularien ersinnen, die solchen Tendenzen begegen...

Praktisch ist das aber bis heute noch nirgendwo geschehen


Antwort
von Marc8chick, 24

Nein, du hast keinen Denkfehler aber viele sehen dass als Ansatz von Sozialismus mit dem hier in Deutschland sofort DDR und so assoziiert werden. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Ich denke es wäre besser wenn der Staat die Möglichkeit , (und nutzen würde) zumindest den meisten Unternehmen Handlungen zu verbieten, wenn diese aus einem beliebigen Grund aus staatssicht/bürgersicht problematisch sind, zum Beispiel das  mit mieterhöhung verbundene renovieren von Wohnungen obwohl die Mieter kein Interesse daran haben. Außerdem wäre es hilfreich wen die Energiewirtschaft dem Staat unterliegen würde. Des weiteren ist ein ganz großes Problem und der Hauptgrund für armut der abnormale Reichtum mancher, den man unterbinden sollte. Du brauchst in deinem gesamten leben auf keinen Fall mehr als 10 Millionen Euro. Deshalb reichensteuer usw.

Antwort
von voayager, 29

Verstaatlichungen sind so gut oder schlecht wie ihre jeweiligen Akteure, die jeweilige Partei, sowie die Rolle der Fachkräfte in deren Anwendung.

Antwort
von Vanelle, 36
einen denkfehler in meiner sichtweise

Was bringt Dich auf den Gedanken, Politik würde unabhängig/neutral agieren?

Abgesehen davon, dass es um die Erhaltung der Stimmen der Wähler geht, greift z. B. die Wirtschaft massiv in die Entscheidungen ein.

Alle Versuche einer staatlichen Lenkung haben bisher zu Misswirtschaft, Korruption etc. geführt.

Selbst guten Willen vorausgesetzt: Es ist praktisch unmöglich langfristig einen Bedarf vorherzusagen. Reaktionen erfolgen viel zu langsam und sind häufig längst "Schnee von Gestern", wenn man sich durchgerungen hat.

Deine Wünsche würde "ideale" Menschen voraussetzen, und die gibt es nicht!

Antwort
von archibaldesel, 45

Es hat sich gezeigt, dass privatwirtschaftliche Eigeninteressen zu einer deutlich höheren Effizienz führen, als Staatslenkung. Dass es nicht klappt kannst du an den ehemaligen Staatsbetrieben im Ostblock sehen.

Es ist auch kein Zufall, dass staatlich initiierte Bauprojekte, wie BER im Gegensatz zu privaten Projekten teurer, schlechter und verzögert abgewickelt werden. Den verantwortlichen Beamten liegt das Projekt deutlich ferner, als demjenigen der auch die Rechnung bezahlen muss.

Kommentar von atzef ,

Sicher nicht falsch, was du da schreibst, aber auch sehr scheuklappig ud problemignorant.

Nehmen wir mal den weltgrößten Automobilkonzern. Der zeichnet sich jetzt nicht wirklich durch besondere Ineffizienz aus, obwohl der Staat an ihm mit 20 % (?) beteiligt ist.

Die daraus resultierenden Dividendenanteile streicht sich aber niemand privat in die Tasche, sondern wandern zurück in den Landeshaushalt Niedersachsens, wo sie allen zugute kommen...

Kommentar von wfwbinder ,

   obwohl der Staat an ihm mit 20 % (?) beteiligt ist.

20 % bedeutet aber eben nicht, dass der Staat allein das Sagen hat. Die sitzen im Aufsichtsrat und fertig.

Das Problem sind Unternehmen mit 75 - 100 % Staatsanteil.

Kommentar von archibaldesel ,

Doch, im Vergleich zu anderen Automobilkonzernen ist VW tatsächlich ineffizient. Die Umsatzrendite 2014 lag mit knapp 5% deutlich unter dem Schnitt.

Ähnlich sieht es bei dem Gewinn je Fahrzeug 2014, also vor der Dieselaffäre aus. VW verdiente pro Fahrzeug gerade einmal durchschnittlich EUR 540,00, bei Toyota waren es EUR 1.746,00.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/martin-winterkorns-probl...

Und VW ist kein staatsgelenktes Unternehmen. Das Land Niedersachsen sitzt im Aussichtsrat, nicht im Vorstand.

Antwort
von martinzuhause, 47

"Genau so wie in einem indianerstamm das erlegte fleisch oder gesammelte
früchte gerecht verteilt werden, auch wenn vielleicht der eine jäger
besser ist als der andere und ein tier mehr erlegt hat."

das funktioniert nur solange auch alle der gesellschaft sich an der arbeit beteiligen. viele wollen aber von allem was bekommen ohne dafür etwas zu machen

Antwort
von greenhorn7890, 35

Ganz einfach und schnell erklärt ist es so, dass wenn jeder vom Staat genau das gleiche bekommt, irgendjemand ungerecht behandelt wird. Ein Arbeitsloser bekommt somit genauso viel wie jemand der körperlich schwer Arbeitet und evtl. durch diese Arbeit sogar krank wird. Das ist einfach ungerecht und das merken die Menschen auch. Irgendwann wird niemand mehr Arbeiten gehen, da er sowieso  Geld vom Staat bekommt. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen.

Kommentar von Marc8chick ,

Es steht dort überhaupt nicht dass jeder das gleiche bekommen soll...

Kommentar von greenhorn7890 ,

Steht da eben doch. 

"den gemeinsam erzeugten reichtum auch gleichmäßig und gemeinnützig verteilt."

Kommentar von charismaticus ,

So habe ich es aber nicht gemeint. Ich finde nicht, dass alle exakt den gleichen lohn erhalten sollen, egal was sie tun. Und das von dir aufgeführte zitat beinhaltet doch gerade die passage "...den gemeinsam erzeugten reichtum" - damit sind doch automatisch die "schmarotzer" ausgeschlossen. Wenn wir allerdings auf dieser ebene argumentieren, dann ist es ebenso ungerecht, dass menschen, die weniger intelligent sind als andere oder schlichtweg schlechtere startchancen haben, bei gleicher oder sogar größerer mühe weitaus weniger geld (und somit einen schlechteren lebensstandart, von gesundheit bis ernährung bis wohnort) bekommen. Vor allem finde ich die relationen, die ausmaße, die die reichtumsverteilung in deutschland annimmt, problematisch. Ich finde es menschenverachtend, dass einer milliardär im seidenpyjama sein kann und sein nächster ein armer schlucker ohne warme mahlzeit (vor allem in der konstellation, dass erstere eine handvoll ausmachen und letztere eine zunehmende menge). So viel mehr leisten als sein nächster kann ein mensch doch gar nicht, dass solche differenzen gerechtfertigt wären. Wenn wir eine gemeinsame gesellschaft sind und uns gemeinsame spielregeln überlegen wollen, dann darf es solche ausmaße nicht geben, finde ich.

Wie auch immer - ich wollte ursprünglich darauf hinaus, dass verstaatlichungen beim volksmund sehr negativ assoziiert sind. Da ich zwar politik- und wirtschaftsinteressiert bin, jedoch kein fachmann auf diesem gebiet, wollte ich meine gedanken dazu mit euch teilen und mir eure meinung dazu anhören. Partielle verstaatlichungen halte ich zB für sinnvoll.

Antwort
von berkersheim, 36

Den von Dir zitierten idealisierten Indianerstamm hat es nie gegeben. Nach Verstaatlichung schreien immer die, die sich gern hinter einem teuren Beamtenpulk verstecken und nach gleicher Verteilung schreien, sich aber abducken, wenn es um gleiche Anstrengung in der Produktion geht. Insoweit ist Dein idealisierter Indianerstamm verräterisch. Alle bekommen das Gleiche, auch die guten Jäger. Das ist der zentrale Punkt: Selbstbedienung ohne Mitmachen. Der ganze Rest ist moralisches Scheingeschwafel, um die Schmarotzereinstellung zu kaschieren. Die einen arbeiten und die anderen liegen genüsslich auf der Liege und verspeisen. Das hatten wir doch schon mal! Z.B. in der Sklavenhaltergesellschaft im alten Rom. Dein Fehlschluss ist nur: Dort lagen die Sieger auf der Liege und ließen sich bedienen, nicht die Looser. Und Nietzsche hat das schon vor 150 Jahren als christliche Sklavenmoral durchschaut.

In der ehemaligen Sowjetunion hat es ganze 70 Jahre gedauert, bis sich die Realität durchgesetzt hat: Das angebliche Volkseigentum, für das sich alle nicht allzusehr ins Zeug gelegt haben, weil es für die Mühe nur Blechplaketten gab, haben sich letztendlich die unter den Nagel gerissen, die sich unter dem Deckmantel des Sozialismus mit starken Solidaritätsbekundungen in Wirklichkeit in die vorderste Linie geschafft haben, um dann bei der Verteilung der Beute die dünne Schicht der neuen Reichen zu bilden. Millionäre in Moskau: Alles ehemaligen Funktionäre der kommunistischen Partei. In gemilderter Form ist es doch hier auch so. Ich habe ein ganzes Arbeitsleben hinter mir. Ich habe die großen sozialen Versprechungen der Möchte-Gern-Sozialisten im Ohr. Und wem haben sie die Penunzen abgeknöpft, wenn es ums Bezahlen ihrer großen Versprechungen ging: Immer den Arbeitnehmern und dem Mittelstand. Gegen die ganz großen haben sie öffentlich gemault und sich hintenherum mit ihnen gemein gemacht.

Wenn jetzt einige Großkonzerne am Pranger stehen, wer hat denn per Gesetz zugelassen, dass deren Mangaer Millionenboni kassieren, auch wenn sie die Karre in den Dreck gefahren haben? Wer hat denn mit seiner Schuldenpolitik die großen halbstaatlichen Banken fett gemacht, dass sie die Bürger erpressen können? Wo haben die Gewerkschaften mehr mitzureden als bei VW und wo ducken sie sich jetzt aus der Verantwortung? Waren es nicht gerade die politisch besetzten, staatlichen Landesbanken, die übergierig in die Finanzkrise geschlittert sind und mit Steuergeldern gerettet werden mussten oder abgewickelt werden? Wer betreibt denn die EZB, die mit ihrer politischen Geldpolitik die Bürger in Deutschland enteignet, nicht nur die Sparer, die sind der linken Meschpoke ja sowieso zu bürgerlich und nur für Sklavenarbeit gut, nein auch die Vorsorgeanlagen für künftige Renten und Sozialleistungen. Und wie sieht es aus in Frankreich, wo die Verstaatlichung schon weiter vorgedrungen ist als in Deutschland?

Antwort
von Sowjet2016, 35

es funktioniert aber nur solange alle mitmachen und ihre Wünsche den der anderen gleichstellen

an diesem prinzip in etwa scheitert(e) der Kommunismus

der Egoismus der Menschen

Kommentar von atzef ,

Das ist Unsinn, weil es das Individuum der bürgerlichen Gesellschaft mit seinen charakteristischen,an die bürgerliche Gesellschaft angepasste Verhaltensweisen biologisiert und den "Egoismus" als soziale Verhaltensweise behandelt wie ein körperliches Organ...:-)

Kommentar von Sowjet2016 ,

nun das stimmt auch, da hab ich irgendwie die frage nicht aufmerksam gelesen.

dachte die wollte auf was anderes raus.....

deshalb daneben noch es gibt eben faktoren die die produktion oder leistung(bereitschaft ) und die konkurenzfähigkeit beeinträchtigen können.


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