Frage von cloudbreak, 39

Was ist an Meditation besonders?

Wenn ich meditiere, fühle ich mich anschließend entspannter. Aber platt gesagt sitze ich dabei nur rum und atme...Das gleiche mache ich auch wenn ich im Bus oder Auto sitze. Was macht Meditation so besonders?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, 16

Ich habe ein paar Jahre Meditationserfahrung und werde versuchen, dir die Frage zu beantworten.

Meditation ist keine bestimmte Technik, sondern ein Zustand entspannter Achtsamkeit, weder schläfrige Trance, noch angespannte Konzentration.

Diese Achtsamkeit, das bewusst im Augenblick sein, ist der entscheidende Unterschied zum "rumgammeln", "abhängen" und "relaxen".

Jemand der sich entspannt irgendwo hinsetzt und tagträumt mag sich dabei wohlfühlen, aber das ist keine Meditation, da es an Achtsamkeit mangelt.

Auch eine Entspannungsübung, bei der man sich einen blauen Himmel vorstellen soll ist vielleicht sehr angenehm - aber eben keine Meditation, weil der Geist mit Dingen beschäftigt wird.

Alles was wenig Anstrengung von uns verlangt, oder worin wir sehr geübt sind, wird leicht zu einem Automatismus, bei dem wir nicht mehr bewusst handeln, sondern die Arbeit wird mechanisch, ohne nachzudenken gemacht.

Wir geraten mehrmals täglich in Alltags-Trance, oft ohne es zu
merken. Wir sitzen zB im Zug, sehen die Landschaft vorbeiziehen, der Zug rattert....und fast hätten wir unseren Bahnhof verpasst - wir waren geistig weggetreten.

Dieses geistige Schlafen ist eines der Gegenteile von Meditation.

Bei der Meditation ist die Aufmerksamkeit auf ein "Meditationsobjekt" gerichtet, man beobachtet also zB den Atem, wie er kommt und geht, die Einatmung und die Ausatmung.

Man atmet nicht besonders tief, oder betont, sondern beobachtet einfach den Atemfluss aus Einatmen und Ausatmen.

Wann immer der Geist zu anderen Gedanken und Tagträumen wandern will, führt man ihn entspannter zum Meditationsobjekt zurück.

Dabei verdrängt man die Gedanken nicht - denn bereits "Verschwinde du Sex-Gedanke!" ist ja schon wieder ein Gedanke - sondern man kehrt mit der Aufmerksamkeit wieder zum Atem zurück.

Auch andere Tätigkeiten können somit meditativ geübt werden - als Übung für die Achtsamkeit bleibt man ganz auf das Putzen konzentriert.

Wir tendieren dazu, ein Lied zu pfeifen, das Radio anzumachen, oder ähnliches, um uns bei der "langweiligen Arbeit" des Putzens abzulenken.

Meditativ putzen bedeutet dagegen achtsam zu sein und tatsächlich mit dem Geist im Moment - und nicht schon beim erwarteten Besuch der Freundin, wegen der man sich zum Putzen überwunden hat. ;-)

Andererseits ist Meditation natürlich auch keine übertriebene geistige Fixierung auf etwas, keine verkrampfte Anspannung, sondern ein natürlicher Zustand, in dem man seinen Geist gewissermaßen beobachten kann.

Ich hoffe, diese Erklärung war hilfreich. :-)

Wenn du noch weitere Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

Kommentar von cloudbreak ,

wow! danke, DAS war vielleicht ausführlich! ♡ eine frage hätte ich noch: erlangt man durch das meditieren mehr energie und kreativität? wenn ja, warum?

Kommentar von Enzylexikon ,

Das können Nebeneffekte der Meditation sein, die auftreten können, aber man sollte sich nicht darauf versteifen, da man sich so blockiert.

Ich versuche es, anhand der Haltung beim Zazen (Sitzmeditation des Zen) zu erklären.

Durch eine gute Haltung kommen wir zur Ruhe und selbst wenn unsere Gedanken zu toben scheinen, findet ein innerer Ausgleich statt.

"Das Nervensystem normalisiert sich und kehrt zum ursprünglichen Zustand zurück", so beschrieb es ein Zenmeister.


Bei einer guten Haltung streckt man nicht krampfhaft den Rücken, als hätte man einen Stock im Allerwertesten stecken. ;-)

Stattdessen wählt man auf seinem Meditationskissen eine Position, bei der das Gewicht über die Sitzhöcker in den Boden abgeleitet wird. Dann türmt der Körper sich ganz natürlich übereinander auf.

Man sitzt wie ein Berg, bei dem der Schwerpunkt nicht an der Spitze, sondern an der Basis liegt. Auch der Geist ist nicht im Kopf, sondern das Bewusstsein "ruht in den Händen".

Mit dieser Haltung kämpfen wir nicht gegen die Schwerkraft, indem wir uns hoch strecken, sondern die Schwerkraft sorgt dafür, das unsere Haltung ganz natürlich stabil ist.

"In einer guten Haltung unterstützen alle Kräfte des Universums unsere Praxis". Das bedeutet konkret, das wir nichts unserer natürlichen Haltung, unseren Schwerpunkt, entgegensetzen.

Der Kopf stößt gegen den Himmel, der Nacken  sanft gestreckt, das Kinn leicht zurückgezogen. Der Körperschwerpunkt liegt unten.

In dieser Haltung regulieren sich Körper und Geist von selbst und wenn wir nicht durch Gedanken in diese Haltung eingreifen, dann entwickeln wir eine natürliche Kraft im Bauchraum (Hara).

Dieses Gefühl, durch den tiefen Schwerpunkt an Stabilität zu gewinnen, hilft dabei, den Geist ruhig und friedlich zu halten. Dadurch kann man offener in alle Richtungen werden, statt selbstbezogen zu sein.

Auf diese Weise kann Meditation subjektiv zu mehr Energie führen und in einen "klaren Kopf" passen auch wieder viele neue Eindrücke, nachdem man bislang mit alten Gedanken vollgestopft war. So fällt es leichter, kreativ zu sein.

Für mich sind das also keine "übernatürlichen Gaben" durch die Meditation, oder irgendetwas "esoterisches" sondern einfach etwas, dass durch die richtige Praxis von selbst kommen kann.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von nowka20, 7

Durch die Meditationsübungen, die zur imaginativen Erkenntnis führen sollen, wird das gesamte seelische Innenleben des Menschen verwandelt. Ebenso werden verwandelt die Beziehungen der Menschenseele zur umliegenden Welt. Es handelt sich ja darum, daß Meditieren in dem Sinne, wie es in den letzten Vorträgen hier gemeint war, besteht in einem Konzentrieren aller Seelenkräfte auf einen bestimmten, leicht überschaulichen Vorstellungskomplex. Es ist wichtig, daß man dies ins Auge faßt: ein leicht überschaulicher Vorstellungskomplex, ein solcher, auf den das Geistig-Seelische des Menschen in der unmittelbaren Gegenwart alle Aufmerksamkeit verwenden kann, so daß während des Ruhens der Seele auf diesem Vorstellungskomplex nichts in sie einfließt von irgendwie unterbewußten oder unbewußten oder irgendwie aus der Erinnerung heraufspielenden Seeleneindrücken.
Man muß, wenn die imaginative Erkenntnis in der richtigen Weise herbeigeführt werden soll, beim Meditieren den ganzen Vorstellungskomplex, dem man sich mit allen Seelenkräften hingibt, so vor sich haben wie etwa ein mathematisches Problem, so daß in das Meditieren nichts hineinspielt von gefühlsbetonten Vorstellungen oder von willensdurchzogenen Vorstellungen. Wenn man sich einem mathematischen Problem hingibt, weiß man in jedem Augenblick, daß man mit der Seelentätigkeit in dem verharrt, was man unmittelbar vor dem Seelenauge hat. Man weiß, daß nichts Emotionelles, nichts Gefühlsmäßiges, keine Reminiszenzen aus dem verflossenen Leben in das hineinkommen dürfen, was man sich vorstellt und was zur Urteilsfällung in dem betreffenden Problem führt. In einer solchen Seelenverfassung muß man auch sein bei dem richtigen Meditieren.
(GA215, Seite 45 von R. Steiner)

Antwort
von annacristina, 8

Hallo, vielleicht probierst du einmal eine Meditation aus. Am besten ist es dabei, dass du zu Hause an einem Platz sitzt, an dem du dich am wohlsten fühlst.

Weil ich die Adresse nicht kopieren kann, kann ich dir aber angeben, was du im Google eingeben kannst:

"Sahaja-Yoga Lektion 1" Und auf dieser Seite ist an dritter Stelle "Geführte Meditation" aufgelistet.

Ich würde mich für dich freuen, wenn du in einen angenehmen und gedankenfreien Zustand kommst.

Alles Gute!

Antwort
von gottesanbeterin, 10

Meditation ist keine Handlung, es ist ein besonderer Zustand. Ein Zustand jenseits von Gedanken, ein Zustand, der Selbstwahrnehmung, Selbstannahme und damit auch Selbsterkenntnis möglich macht

Antwort
von Kamihe, 10

Das Ziel von Meditation ist ,sich zu Erden, du sollst dir deiner selbst bewusst sein und erkennen wer du bist.

Meditation ist das Reinigen des Geistes und Herzens von Egoismus; durch diese Reinigung entsteht das richtige Denken, dass den Menschen vom Leid befreien kann.

Krishnamurti , ind. Philosoph

Antwort
von NewKemroy, 20

Sie nimmt Dir das Besondere.

Kommentar von cloudbreak ,

wat

Kommentar von NewKemroy ,

Besonderheit ist Zweiheit. Da fängt Leiden an. Während der Meditation lässt Du die Dinge los und bewegst Dich sozusagen Richtung Einheit.

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