Frage von Blacky0707, 125

Was hilft gegen stottern in der Schule?

Seit ich 9 bin stottere ich. Ich war auch schon 3 mal beim Logopäden für immer je 3 Monate. Während dieser Zeit ging es sehr viel besser und ich habe fast flüssig gerdet. Aber jetzt ist es wieder viel schlimmer geworden und ich habe Angst mich zu melden oder Vorträge zu halten. Meine Mutter und meine Lehrer sagen immer, dass ich mich melden soll, es geht einfach nicht. Mir ist das sehr peinlich... :(

Antwort
von BVSS - Stottern & Selbsthilfe, Business Partner, 113

Das Schlimmste am Stottern ist die Angst davor, sagt man und so ähnlich geht es gerade auch dir. Es ist dir total peinlich und es belastet dich daher natürlich sehr. ... Was kannst du also tun, zumindest in der Schule?

Nun, weißt du, dass stotternde Schüler Anspruch auf einen so genannten Nachteilsausgleich haben, weil Stottern als Sprechbehinderung gilt? Der Ausgleich soll dafür sorgen, dass du trotz des Stotterns deine mündlichen Leistungen angemessen erbringen kannst und die Lehrer dich fair benoten können. 

Deine Mutter und dein Lehrermeinen es bestimmt nur gut, liegen aber(instinktiv) daneben, wenn sie darauf beharren, dass du dich melden sollst, statt mit dir zu besprechen, welche Maßnahmen dir wirklich helfen könnten.

Sprich mit deinen Eltern und dem Lehrer offen darüber, wie du dich mit dem Stottern fühlst und was dir Probleme bereitet. Erkläre deinen Lehrern, wann und wie das Stottern bei dir auftritt und welche Situationen im Unterricht für dich besonders schwierig sind. Überlegt gemeinsam, was dir helfen könnte. Versuche das Stottern nicht zu verstecken, denn dadurch wird es nur immer schlimmer!

Im Rahmen des Nachteilsausgleichs, den ihr mit den Lehrern vereinbart, gibt es viele Lösungsmöglichkeiten für den Unterricht, z.B:

- Der Lehrer kann das Wissen ohne Beisein der Klasse abfragen.

- Mündliche Leistungen können durch zusätzliche schriftliche Arbeiten ersetzt oder ergänzt werden.

- Mündliche Beiträge (z.B. Vokabeln) können vom Schüler an die Tafel geschrieben werden.

- Handschriftlich angefertigte Beiträge können vom Sitznachbarn vorgelesen werden.

- Referate kann der Schüler zu Hause als Bild- oder Tonformat aufnehmen (Video, MP3 ...) und diese in der Schule präsentieren.

- .. undnoch viel mehr!

Auf unserer Homepage findest du unter www.bvss.de/schule viele hilfreiche Infos dafür. Sieh dir vor allem das PDF „Umgang mit Stottern in der Schule“ mal an und die Infos "Nachtteilsausgleich" sowie die Broschüre "Meine Rechte als stotternder Schüler". Gib das alles auch deiner Mutter und deinen Lehrern.

Oft wissen nämlich auch Lehrkräfte leider nicht genug über Stottern und wie sie mitstotternden Schülern umgehen sollen. Da hast du jetzt quasi eine „Bringschuld“: Liefere ihnen Infos, damit sie dir angemessen helfen können.

Viel Glück und nur Mut! 

PS: "Wir", das ist übrigens die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS), ein gemeinnütziger Verein, gegründet von stotternden Menschen, um über Stottern und die Selbsthilfe- und Therapiemöglichkeiten aufzuklären. Und wenn du noch Fragen hast, kannst du auch gerne mal bei uns anrufen 0221 139 1106 (Mo-Fr von 10-12Uhr, Di+Do zusätzlich von 16-18 Uhr). 

Expertenantwort
von Andreas Starke, Experte für Stottern, 76

Die BVSS anwortet ja immer sehr schnell. Und alles, was Du in deren Antwort findest, ist wichtig für Dich. Lass Dir das Leben in der Schule nicht versauern! Es darf einfach nicht sein, dass Du in der Schule Nachteile hast, weil Du stotterst. Und "Angst haben" ist Nachteil genug. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe in meiner ganzen Schulzeit bis zum Abitur schwer gestottert. Nicht jeder Schultag war eine Qual, weil ich meist "in Ruhe gelassen" wurde. Wirklich quälend war, dass ich mich auf darauf nicht verlassen konnte. Mit manchen Lehrern hatte ich feste Vereinbarungen (z.B. in Mathe etwas mit Tafel und Kreide, ohne viel zu sprechen, etwas erklären), aber bei den meisten Lehrern war die Lage völlig ungeklärt. Sie haben sich nur darüber gefreut, wenn ich mal das Gefühl hatte, ich könne etwas sagen, und das dann auch getan habe. Aus heutiger Sicht ist klar, was hätte geschehen sollen: Ich hätte mit allen Lehrern Ersatzleistungen vereinbaren sollen. Besonders für die mündlichen Prüfungen im Abitur. Das war die Hölle!

Der zweite wichtige Punkt ist natürlich die Therapie. Ich habe, bis ich 29 war, nichts gemacht, weil ich nicht (und niemand anders in meiner Umgebung) daran geglaubt habe, dass es eine Therapie geben könne, die mir helfen würde. Ich dachte immer, ich wäre "verrückt", was das auch immer heißen mag, und zwar ohne Hoffnung darauf, dass das mal weggehen könnte. Aus heutiger Sicht ist auch wieder klar, was hätte geschehen sollen: Ich hätte mit spätestens 14 so einen Therapeuten treffen sollen, wie ich heute einer bin. Dann wäre mein Leben, jedenfalls in den Jahren 14 bis 29, anders verlaufen. Da bist Du schon besser dran. Du hast schon gute Therapieerfahrungen gemacht. Allerdings hat Dein Logopäde offenbar übersehen, dass es wichtig ist, auch die Schule in die Behandlung einzubeziehen. Ein Teil der Therapie hätte in der Schule stattfinden müssen. Das machen die meisten Kollegen nicht, weil sie hoffen, dass es auch ohne die Schule geht. Damit liegen sie oft falsch.

Was tun? Entweder zum alten Logopäden zurückgehen und ihm das erzählen, was Du hier in Deiner Frage geschrieben hast. Oder, wenn er sich nicht zutraut, das mit Dir zu bearbeiten, einen neuen Logopäden suchen. Die BVSS berät dabei, ich auch.

Expertenantwort
von Isabel Wagner, Expertin für Stottern, 60

Hallo Blacky0707,

ich bin Isabel und arbeite seit 3 Jahren für die Kasseler Stottertherapie. Das was Du beschreibst, berichten uns viele Betroffene. Die Angst vor dem Stottern ist manchmal einfach so groß, das gar nix mehr geht.

Die BVSS hat Dir ja schon sehr viele gute Informationen gegeben, die Dir sicher weiterhelfen können.

Ich möchte Dir den Vorschlag machen, Dir vielleicht nochmal therapeutische Hilfe zu suchen. Wenn es Dir damals sehr geholfen hat, kann es das ja auch jetzt wieder tun. Da gibt es viele Möglichkeiten. Du könntest einmal die Woche zu einem Logopäden in deiner Nähe, oder Du machst eine Intensivtherapie.

Wir zum Beispiel bieten Intensivkurse an, bei denen Du ein weiches, gebundenes Sprechen lernst, wodurch Du dein Sprechen kontrollieren kannst und flüssiger wirst. Das ganze findet in einer Gruppe statt, sodass Du dich auch mit anderen austauschen könntest.

Wenn Dich das ganze interessiert, schau doch mal auf unserer Homepage vorbei. Dort findest Du auch noch mehr Informationen rund ums Stottern und kannst Dich auch gerne telefonisch beraten lassen.

Alles Gute,Isabel

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