Was hilft gegen sehr starke Übelkeit?

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4 Antworten

Moin,

um die pharmakologische Seite etwas zu beleuchten: Medikamente, die gezielt Übelkeit lindern und dadurch Erbrechen verhindern sollen, nennen sich Antiemetika. Darunter fallen viele Wirkstoffe unterschiedlicher Substanzklassen.

Serotonin-Antagonisten: Serotonin ist ein vielerorts nachweisbares Gewebshormon und Neurotransmitter. Serotonin steuert u.a. höhere kognitive Funktionen wie z.B. Lernprozesse. Dabei wirkt Serotonin u.a. auch an Serotoninrezeptoren des Subtyps 3 (5-HT3), welche u.a. in dem Hirnnervenkern "Nucleus tractus solitarii", einem Teil des Brechzentrums im Hirnstamm zu finden sind. Die Aktivierung dieser Rezeptoren ist an Übelkeit und Erbrechen beteiligt. Antagonisten, also Blocker dieses Rezeptors sind z.B. die Wirkstoffe Granisetron (z.B. Kevatril) und Ondansetron (z.B. Zofran). Diese werden häufig zur Behandlung der auftretenden Übelkeit bei Chemo- bzw. Strahlentherapie eines Krebsleidens eingesetzt. Auch im Rahmen einer PONV-Prophylaxe, also der Vorbeugung durch bestimmte Narkosemedikamente wie Sevofluran hervorgerufene/s Übelkeit und Erbrechen werden diese Substanzen gern genutzt. Durch Effekte an anderen 5-HT-Rezeptoren können jedoch auch diverse Nebenwirkungen auftreten, darunter Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Störungen der Magen-Darm-Tätigkeit und so weiter.

Dopamin-Antagonisten: Etwas eher aus der Mode gekommen sind Rezeptorantagonisten des Neurotransmitters Dopamin. Bekannt ist Dopamin u.a. als "Glückshormon", da es maßgeblich an Belohnungsprozessen in Hirnstrukturen wie der Amygdala beteiligt ist. Auch peripher hat Dopamin einige Einflüsse, so verändert es z.B. den Gefäßtonus und die Nierendurchblutung. Es ist dabei u.a. auch für den Brechreiz zuständig. Im Hirnstamm findet sich eine Region namens "Area postrema", welche ebenfalls Teil des Brechzentrums im Hirnstamm ist. Diese wird u.a. durch Dopamin aktiviert. Dopaminantagonisten wie Metoclopramid, Domperidon und Droperidol blockieren diese Rezeptoren und verhindern so die Aktivierung des Brechzentrums. Nachteilig ist jedoch die Wirkung durch Blockade anderer Dopaminrezeptoren. Dopamin ist u.a. auch an der Bewegungssteuerung beteiligt und dessen Blockade kann, je nach verwendeter Substanz, sogenannte "extrapyramidale Störungen", das sind Störungen der willkürlichen Bewegung, hervorrufen.

Histamin-Antagonisten: Histamin ist ein Hormon, welches in erster Linie (zu Recht) mit allergischen Reaktionen verbunden wird. Dabei findet sich Histamin u.a. in Mastzellen (gemeinsam mit weiteren Stoffen wie Heparin, Interleukinen, Prostaglandin D2 etc.) und wird freigesetzt, sobald zwei sich auf der Oberfläche der Mastzelle befindliche IgE-Rezeptoren durch ein Antigen überbrückt werden, was dann die allergische Reaktion verursacht. Histamin ist jedoch auch im Gehirn zu finden, hier reguliert es u.a. auch den Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch an der Entstehung des Brechreflexes ist Histamin dabei beteiligt. Dessen Blockade durch Histaminantagonisten wie Dimenhydrinat (besser bekannt unter dem Handelsnamen Vomex) führt zur Unterdrückung des Brechreizes sowie der Übelkeit. Da es gleichzeitig auch Einfluss auf die Histaminwirkung im Schlaf-Wach-Rhythmus nimmt, führt es nicht selten zu ausgeprägter Müdigkeit und Benommenheit (wie viele Allergiemedikamente/Histaminantagonisten wie Cetirizin auch). Dimenhydrinat ist dabei ein weitestgehend schonendes Medikament, auch wenn es in Einzelfällen zu dramatischen Nebenwirkungen führen kann. Dimenhydrinat ist einer der vielen Wirkstoffe, welche die sogenannte QT-Zeit, ein Intervall der Herzaktion, verlängert. Insbesondere bei Vorbestehen einer Herzerkrankung wie dem Long-QT-Syndrom kann es bei unbedarfter Einnahme dieser Substanz(en) zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen.

Dies sind die gängigen Substanzklassen, welche von ärztlicher Seite gegen starke Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden. Zumindest meiner Meinung nach sollte dabei jedoch soweit es erträglich ist auf derartige Substanzen verzichtet werden, da (wie ich beabsichtigt auch dargestellt habe) immer irgendwelche Nebenwirkungen bestehen. Bei moderater Übelkeit sollten also nach Möglichkeit zunächst andere Strategien wie (Bett)Ruhe, Trinken milder Getränke wie Tee etc. verfolgt werden.

Ich hoffe, dass ich deine Frage(n) soweit beantworten konnte. Falls noch etwas offen ist, frag gern nochmal nach.

Lieben Gruß ;)

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Wen mir übel ist trinke ich Ingwer Tee , Kamilen Tee oder ich schlucle die übelkeit mit Wasser runter ;)
Gute Besserung !

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Tee trinken, am besten Ingwer oder Kamillentee, leichte Kost und sich hinlegen und schlafen. In der Apotheke gibt es auch noch Arzneimittel gegen Übelkeit.

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Tabletten, schlafen, ingwer

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