Was hilft am besten gegen Ungeduld. Es ist bei mir fast wie eine Krankheit. Gibt es Übungen oder Methoden?

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4 Antworten

Quelle: Scupoli "Der geistliche Kampf"

"Angenommen,
du wirst von Regungen der Ungeduld befallen. Wenn du dich innerlich
sammelst und wohl acht gibst, dann wirst du bemerken, wie diese den
höheren Willen ständig angehen, um ihn zur Einwilligung zu bewegen.

Durch
die erste Übung widersetze dich also mit entgegengesetzten
Willensakten jeder Regung und wirke nach besten Kräften dahin, daß
der Wille nicht zustimme. Du darfst dann von diesem Kampfe nicht
ablassen, bis du merkst, daß der Feind, gleichsam ermattet und
getötet, sich besiegt gibt.

Nun
aber vergiß nicht die Hinterlist des bösen Feindes! Sobald er
nämlich wahrnimmt, daß wir uns der Regungen einer Leidenschaft
energisch erwehren, sieht er nicht nur davon ab, sondern sucht sie
sogar, nachdem sie wach geworden sind, zu beschwichtigen, damit wir
uns durch diese Übung nur ja keine Fertigkeit in der jener
Leidenschaft widerstrebenden Tugend aneignen und damit wir überdies
in die Schlingen der Hoffart und Eitelkeit geraten, indem er uns
raffiniert die Meinung beizubringen sucht, wir hätten als tüchtige
Krieger unsere Feinde schnell überwunden.

Aus
diesem Grunde mußt du jetzt zum zweiten Kampfe übergehen.

Rufe
dir jene Gedanken, die dich zur Ungeduld reizten, wieder ins
Gedächtnis zurück und erwecke sie aufs neue, damit sich dein
sinnliches Begehrungsvermögen wieder erregt. Dann aber unterdrücke
durch wiederholte Willensakte und mit noch größerer Gewalt als das
erste Mal diese Regungen.

Freilich,
so sehr wir auch unsere Feinde abweisen und damit Gutes tun und Gott
gefallen, wir laufen dennoch Gefahr, bei einer anderen Gelegenheit
überwunden zu werden, wenn wir die Gegner nicht aus tiefster Seele
hassen. Deshalb rücke ihnen mit einem dritten Angriff zu Leibe und
vertreibe sie nicht allein mit Unwillen, sondern auch mit Abscheu von
dir, bis sie dir schließlich ganz verhaßt und verächtlich geworden
sind.

Endlich
mußt du, um deine Seele zu vervollkommnen und mit dem Kleid der
Tugend zu schmücken, innere Akte erwecken, die deinen ungeordneten
Neigungen gerade zuwiderlaufen.

Willst
du dir beispielsweise eine vollkommene Fertigkeit in der Geduld
erwerben und reizt dich jemand durch Verachtung zur Ungeduld, dann
ist es nicht genug, daß du dich durch den dreifachen Kampf
ertüchtigst, sondern du mußt auch die widerfahrene Geringschätzung
wollen und lieben, indem du danach verlangst, aufs neue auf dieselbe
Weise und von derselben Person beleidigt zu werden. Mach dich auch
auf noch Schlimmeres gefaßt und nimm dir vor, es zu erdulden.

Der
Grund, warum solche entgegengesetzten Akte notwendig sind, um uns in
der Tugend zu vervollkommnen, liegt darin, daß die anderen Übungen,
so zahlreich und wirksam sie auch sein mögen, gar nicht hinreichen,
um auch die Wurzel auszurotten, aus der die Laster hervorsprießen.

Willigen
wir bei der uns zugefügten Kränkung nicht in die Regungen der
Ungeduld ein und bekämpfen wir dieselben auf die im vorigen
angegebene dreifache Weise, so werden wir uns trotzdem niemals von
dem Fehler der Ungeduld, der in unserer Neigung zur eigenen
Hochschätzung und unserer Scheu vor Verachtung seine Wurzel hat,
freimachen, wenn wir uns nicht durch häufige und öfters wiederholte
Akte daran gewöhnen, die Geringschätzung selbst liebzugewinnen und
uns ihrer zu erfreuen.

Solange
noch die Wurzel des Fehlers lebt, wuchert sie beständig weiter, so
daß sie die Tugend zum Welken bringt und bisweilen sogar ganz
erstickt. Außerdem setzt sie uns der Gefahr aus, bei jeder sich
darbietenden Gelegenheit wieder zurückzufallen. Daraus folgt, daß
wir ohne entgegengesetzte Akte eine wahre Festigkeit in der Tugend
nie erlangen werden. Des weiteren mußt du beachten, daß diese Akte
so häufig und so zahlreich sein müssen, daß sie imstande sind, die
üble Gewohnheit vollständig zu zerstören. Denn gerade wie eine
solche durch viele sündhafte Akte von unserem Herzen Besitz genommen
hat, so muß sie auch durch viele entgegengesetzte Akte mit der
Wurzel herausgerissen werden, damit eine tugendhafte Gewohnheit
Eingang finden kann.

Ja,
ich behaupte noch mehr. Es sind viel mehr gute Akte erforderlich, um
eine tugendhafte Gewohnheit zu bilden, als sündhafte zu einer üblen,
weil jene nicht wie diese von einer durch die Sünde verdorbenen
Natur unterstützt wird.

Zu
dem Gesagten bemerke ich außerdem, daß bei einer Tugendübung auch
äußere, den inneren entsprechende Akte gesetzt werden müssen,
indem man sich (um bei dem angeführten Beispiel zu bleiben) zur
Übung der Geduld sanfter und liebevoller Worte bedient und sich dem
gehässigen Urheber des Verdrusses gegenüber möglichst
entgegenkommend und gefällig erweist.

Und
sollten diese inneren wie äußeren Akte tatsächlich oder scheinbar
mit einer derartigen Interesselosigkeit gesetzt werden, daß es dir
vorkommt, als ob du sie nur widerwillig ausführtest, so darfst du
sie trotzdem nicht unterlassen. Denn, so schwach sie auch sein mögen,
sie verleihen dir dennoch Kraft und Ausdauer im Kampfe und bahnen dir
den Weg zum Siege.

Aber
nicht bloß die großen und heftigen, sondern auch die geringfügigen
sündhaften Triebe sollst du mit innerer Aufmerksamkeit bekämpfen,
weil diese für jene die Bahn freimachen, woraus dann allmählich die
üblen Gewohnheiten entstehen.

Gar
manche ließen es sich zu wenig angelegen sein, auch die schwächeren
Triebe einer Leidenschaft mit der Wurzel aus ihrem Herzen zu reißen,
nachdem sie die stärkeren Gelüste derselben Leidenschaft bereits
überwunden hatten. Und so kam es, daß sie, als sie es am wenigsten
ahnten, von denselben Feinden heftiger und gefährlicher angegriffen
wurden als zuvor.

Des
weiteren gebe ich dir zu bedenken, daß du darauf achtest, bisweilen
dein Verlangen in erlaubten, aber nicht notwendigen Dingen zu
bezähmen und abzutöten, woraus viel Gutes erwächst. Denn dadurch
wirst du immer fähiger und bereitwilliger, dich auch in anderen
Dingen zu überwinden. Du machst dich stärker und erfahrener im
Kampfe gegen die Versuchungen und wirst vielen Nachstellungen des
bösen Feindes entgehen und dem Herrn einen überaus wohlgefälligen
Dienst erweisen.

Aufrichtig
sage ich es dir, christliche Seele: Fährst du in diesen guten und
heilsamen Übungen in der angegebenen Weise fort, um dich zu
vervollkommnen und deiner Herr zu werden, dann gebe ich dir die
Versicherung, daß du in kurzer Zeit große Fortschritte machst und
nicht nur dem Scheine nach, sondern in Wahrheit ein geistliches Leben
führen wirst.

Auf
andere Weise aber und bei anderen Übungen — mögen sie nach deinem
Dafürhalten noch so vorzüglich sein und deinem Geschmack noch so
stark zusagen, daß es dir scheint, als wärest du dabei in tiefster
Sammlung und in süßes Zwiegespräch mit dem Herrn versunken —
darfst du niemals erwarten, jemals eine Tugend und den wahren Geist
zu erlangen. Dieser besteht ja nicht, wie ich dir bereits im ersten
Kapitel darlegte, in Übungen, welche unseren Sinnen schmeicheln und
ihnen angenehm sind; auch wird er nicht aus ihnen geboren, sondern
aus solchen, welche unsere Sinne mit ihren Werken ans Kreuz heften,
wodurch der in den Tugenden des Evangeliums gefestigte und erneuerte
Mensch mit dem Gekreuzigten und seinem Schöpfer vereint wird.

Wie
sich alle sündhaften Gewohnheiten durch viele und wiederholte Akte
des höheren Willens, der den Trieben der Sinnlichkeit nachgibt,
bilden, so steht es anderseits außer Zweifel, daß umgekehrt auch
die Fertigkeit in den Tugenden des Evangeliums durch häufige Akte
erworben wird, die mit dem göttlichen Willen übereinstimmen und von
ihm bald zu der einen und bald wieder zu einer anderen Tugendübung
angeregt werden.

Mag
unser Wille auch noch so heftig von den niederen Trieben und der
Sünde angefallen werden, er wird niemals sünd- und erdhaft, solange
er weder nachgibt noch sich selbst ihnen frei zuwendet. Ebenso wird
er auch nie tugendhaft und eins mit Gott, wie sehr er von göttlichen
Einsprechungen und Gnadenerweisen aufgefordert und bestürmt wird,
wenn er sich nicht durch innere und äußere Akte mit dem göttlichen
Willen gleichförmig macht."

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Ich teile die Möglichkeit, die Ungeduld loszuwerden, mal in zwei Abschnitte:

Kurzfristige Beruhigung: Es gibt alle Möglichen Arten an Beruhigungsmitteln. Von Tabletten, hin zu Tee, Atemübungen und Muskelentspannungen. Auch kann man sich ein dickes "NEIN" in den Kopf setzen und damit versuchen, sich mit der eigenen Disziplin im Zaum zu halten. Mache dich ruhig im Internet schlau, wie man sich damit beruhigen kann: Es gibt sehr viele Möglichkeiten! All die Methoden klingen schon super, nur leider lässt die Wirkung irgendwann nach. Und das, in den meisten Fällen, schon nach relativ kurzer Zeit.

Langfristige Beruhigung: Da helfen vor allem Therapien. Damit meine ich nicht, dass ich gleich zum nächsten Therapeut sausen müsst, sondern man sich erst einmal selber helfen kann: Musik z.B. kann sehr beruhigend wirken. Und das auch noch, nachdem man sie wieder abgeschaltet hat. Eine Therapie durch das Aufschreiben von Gefühlen und das sich imaginäre Vorstellen von Bildern kann sehr wohl helfen. Regelmäßig die progressive Muskelentspannung hinzu mit diversen Atemübungen auszuführen, kann langzeitlich gesehen, Wunder wirken. Klar sollte man sich natürlich auch erstmal mit seiner Ungeduld auseinandersetzen: Stehe ich dazu? Will ich auch wirklich etwas dagegen tun? Nervt es mich wirklich so sehr? 

Generell lässt sich Ungeduld nur durch langfristige Übungen und dem eigenen Willen bekämpfen. Deswegen wünsche ich viel Glück! ;) 

http://www.psychotipps.com/selbsthilfe/innere-unruhe.html

Hier noch ein Internettipp, wenn du dich mal durchklicken willst! :)

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Vielleicht zählen um zur Ruhe zu kommen.
Von 20 bis 1 rückwärts. Aber was generell hilft ist schwierig, denke ist Charaktersache.

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Versuche dich abzulenken. Auch wenn du immer daran denkst, sag dir selbst im Kopf NEIN! Mach das bis du es dir selbst abgewöhnt hast. Unterbrich damit deine gedankenrichtung.

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Kommentar von cynamite
16.01.2016, 23:05

Ja, aber meistens denk ich trotzdem daran und kann gar nicht anders als es zu machen.

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