Frage von stevengrey, 92

Was heißt komplexe Persönlichkeitsstörung?

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Antwort
von schloh80, 17

Komplexe Persönlichkeitsstörung ist kein diagnostisches Kriterium.

Vielmehr wird diese Begrifflichkeit (zumindest in der psychoanalytischen Psychotherapie) verwendet, wenn erhebliche und vielfache sog. strukturelle Beeinträchtigungen vorliegen, die sich in einer Vielzahl von Diagnosen wiederspiegeln, auch mehrere, gleichzeitig vorliegende Persönlichkeitsstörungen (womit man zB oft auch in der forensischen Psychiatrie konfrontiert ist). Hier stößt eine symptomorientierte Diagnostik an ihre Grenzen, zumal diese außerdem nichts über die erlebte Schwere, den oft rapide wechselnden Verlauf usw. der Symptome aussagt und keine Aussagen über Hintergründe beinhaltet.

Dem Konzept komplexer Persönlichkeitsstörungen folgen psychoanalytische Erklärungsanätze, die auf Basis verschiedener Schulen und Theorien der Psychoanalyse einen "Common Ground" für die komplex verwobenen Symptome postulieren und spezifische Behandlungsverfahren daraus abgeleitet haben.

Antwort
von Grautvornix16, 44

Hi,- das könnte heißen, dass sich dein Psycho-Loge / -Therapeut zwischen den mittlerweile inflationär angewachsenen Störungsbildern des >DSM< (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders / müßte jetzt so die 5. oder x-te Auflage sein) nicht entscheiden kann oder selber nicht mehr durchblickt. Da ist eine sich selbst erschaffende und entwickelnde Industrie unterwegs die sich ihre eigenen "Märkte" schafft (klingt nach Satire hat aber einen sehr ernsten Hintergrund). -

Soll jetzt aber auch nicht heißen, dass klare wirklich belastende psychische Erkrankungen nicht ernst zu nehmen und als Krankheit anzuerkennen wären.

Könnte aber auch heißen, daß du nur "etwas neben der Norm deines Umfeldes bist" (was immer auch die Norm sein soll) aber eben nicht das Umfeld, welches mit dir umgehen kann passend zu deinem Profil hast. Und dann gerät man sehr schnell in einen Strudel von Selbstzweifel und psychologisierender Selbstdiagnose und hat dann unter "fachlicher Anleitung" die freie Auswahl zwischen einem recht beträchtlichen Angebot möglicher "Persönlichkeitsstörungen".

Aber nach dem DSM gäbe es eigentlich fast keine "normalen" Menschen mehr. Da könnte selbst Komplexität schon zu einer Persönlichkeitsstörung per Definition werden.

Gruß

Kommentar von Tamtamy ,

Die Antwort ist fachlich wahrlich nicht überzeugend.
Das soll nicht in Abrede stellen, dass es eine kritische Diskussion gibt über eine evtl. unnötige Ausweitungen und mit hineinspielende Interessen der Pharmabranche.

Kommentar von Grautvornix16 ,

Hi,- das ist wohl auch kaum das Forum um  Fachlichkeit und das auch noch in Ferndiagnosen (ein Widerspruch in sich) zu demonstrieren (und das auch noch zu Lasten des jeweiligen "Opfers"). Hier können maximal Anregungen gegeben werden. Und da halte ich es erstmal mit der Devise der Philotherapie: "Dialog statt Diagnose".  Der Begriff "Fachlichkeit" verschleiert zudem, dass es innerhalb der Psychologie überhaupt keine "fachliche" Einheitlichkeit in den Theorien zu psychischen Erkrankungen gibt - solange sie nicht so eindeutig sind (psychotischer Kernbereich und Zwangsstörungen) wie ein "allgemeinmedizinischer" Beinbruch.

Gruß

Antwort
von Tamtamy, 52

Das bedeutet, dass die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung nicht eindeutig einem der vorgegebenen Typen entspricht (z.B. abhängige PS., ängstlich vermeidende PS., anankastische PS), sondern es sind verschiedene Elemente in Kombination festzustellen.

Kommentar von stevengrey ,

Das heißt aber doch kombinierte ps.
Das Wort komplex heißt doch sowas wie schwere oder komplizierte oder ?

Borderline ist daher auch sehr komplex

Kommentar von sweetblueeyes84 ,

"komplex" bedeutet auch "vielschichtig"...was die Antwort von Tamtamy bestätigt.

Kommentar von Tamtamy ,

Fachlich ist es eigentlich üblich von einer "kombinierten Persönlichkeitsstörung" zu sprechen. Mitunter wird aber auch "komplex" als Synonym verwendet.

Kommentar von stevengrey ,

Heißt das dass man mehrere Ps gleichzeitig hat ?

Kommentar von Tamtamy ,

Steven, falls es um dich geht, wirst du am Besten wissen, was los ist ...

Ansonsten ist es, wie ich bereits geschrieben habe:
Es lassen sich ELEMENTE von Verhaltensweisen aus dem Krankheitsbild definierter Persönlichkeitsstörungen kombiniert bei dem Betreffenden feststellen. Z.B. können Probleme der Gefühlsregulation vorliegen und zugleich Zwangshandlungen.
Die Diagnose stellt ja nur eine kurze Zusammenfassung der Befunde dar. Die Besonderheiten des Einzelfalls gehen daraus nicht hervor. Das wird dann evtl. im Bericht näher dargestellt.

Expertenantwort
von bodyguardOO7, Community-Experte für Arzt & Medizin, 27

Genaueres dazu findest Du hier.

Die komplexe Persönlichkeitsstörung ist nicht leicht zu verstehen.

http://www.apotheken-umschau.de/borderline

Antwort
von Ottavio, 5

Ich weiß es nicht wirklich. Nicht ich habe Psychologie studiert, sondern meine Tochter. Aber die Frage interessiert mich sehr.

Ich kenne da eine Frau seit Jahrzehnten, die hatte (und hat vielleicht noch) eine nicht ganz unerhebliche PS. Jahrzehntelang habe ich gerätselt, welche es war. Mein Verdacht war (und ist): bipolare Störung. Aber der Psychoanalytiker hat ihr einen Vaterkomplex diagnostiziert. Ich habe etwas länger gebraucht zu der Erkenntnis: Es kann ja auch beides sein.

Jesus wurde zu einer Frau geführt, die einen bösen Dämon hatte, damit er ihn austreiben sollte. Und er fragte den Dämon nach seinem Namen. Und der Dämon antwortete: Mein Name ist Legion.

Ich denke, das ist eine komplexe PS.

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