Frage von Happiness88, 23

Was heisst, dass die Kunst im 19. Jahrhundert autonom wurde, sich von der vornehmlichen Bindung zur Kirche und zum Adel/König ablöste?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von chog77, 19

Vorher war Kunst in der Regel Auftragsarbeit. Ein Adeliger oder die Kirche bestellte ein Kunstwerk nach seinen Wünschen und der Künstler führte es aus.

Ab dem 19. Jhd. gab es zunehmen unabhängige Künstler, die ihre Kunst einfach ausführten ohne sich nach dem Geschmack eines Auftraggebers richten zu müssen. Der Markt dafür begann sich daraufhin zu entwickeln. D

Kommentar von Happiness88 ,

wow. super! vielen herzlichen Dank für die Antwort 

Antwort
von Hamburger02, 5

Auch der Schornstein eines Künstlers muss von etwas Rauchen.

Die einzige Möglichkeit, früher an Geld zu kommen, bestand darin, Aufträge von Kirchen oder Adel zu erhalten. Jemand anders hatte kein Geld, dafür sorgten Adel und Klerus gemeinsam. Die verlangten aber, dass sich die Künstler ihren Konventionen und Erwartungen unterwarfen, die sie auch mit Macht durchsetzten. Michelangelo musste z.B. mehrfach vor seinen Auftraggebern fliehen, weil er nicht tat, was die wollten.

Mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jhdt. entwickelte sich eine Bürgerschicht, die ebenfalls Geld für Kunst hatte und gerne bereit war, dieses auszugeben. Das fing mit Portraits (nach früherem Vorbild) an und entwickelte sich mehr und mehr zu einer dekorativen Kunst, die für die Bürger zu einem Statussymbol wurde. Diese dekorative Kunst findet man auch unter dem Stichwort Manierismus. 

Durch die frz. Revolution und Aufklärung befördert, wollten dann viele Künstler ihre persönliche künstlerische Freiheit dadurch ausleben, dass sie gezielt die alten Konventionen missachteten. Zu nennen wären da z.B. die Impressionisten, die anfangs sehr umstritten waren.

Befördert wurde das auch durch neue Erfindungen, z.B. der Farbe in der Tube, durch die die Künstler in der Lage waren, auch außerhalb des Ateliers in der Natur zu malen, was in früheren Zeiten ein absolutes "no go" war.

Dieser Drang nach künstlerischer Freiheit und dem Bedürfnis, Konventionen zu brechen, ist besonders stark bei Vincent van Gogh ausgeprägt gewesen, der dadurch zum Vater der modernen Malerei wurde und auf den sich viele folgende Künstler von ihrer Einstellung her beriefen, z.B, auch Picasso. Solchen Künstlern war dann auch egal, ob sie von ihrer Kunst leben konnten, das geriet in den Hintergrund. Auch hier kann man van Gogh anführen, der zu Lebzeiten ein einziges Bild verkaufen konnte und erst nach seinem Tod so berühmt wurde, dass die Preise für seine Bilder in die Höhe schossen.

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