Frage von Buschbohne1235, 16

Was hatte Margery aus dem Buch "Die Farben des Jahres" von Ann Baer?

In den oben genannten Buch geht es um die im Mittelalter lebende Frau Marion. Auf Grund der hohen Kindersterblichkeit, hat sie einige ihrer Kinder verloren, unter anderen auch ihre Tochter Magery. Ich würde nun gerne wissen an was das Mädchen gestorben ist bzw. an was sie litt. Magery wird als sehr hager und untergewichtig beschrieben. Zudem sei sie sehr still, "unterentwickelt, schwach und ohne viel Lebensenergie" gewesen. Sie habe auch zu viele Zähne für ihren Kiefer gehabt. Eventuell war dieser auch zu klein. Als Folge dessen konnte sie den Mund nur mit Mühe schließen und hatt den Mund oft halb geöffnet. Im Laufe der Zeit wurde das Mädchen immer schwächer und immer weniger strapazierfähig. Außerdem wurde sie auch immer schläfriger. Sie bekam schließlich eines Herbstes Husten. Ihr Blick wurde stumpfer und sie hatte praktisch keine Kraft mehr. Zum Schluss kauerte sie nur noch an der Feuerstelle. Sie nahm kaum noch etwas zu sich und wurde zu schwach zum Aufstehen. An einem Wintertag wachte sie nach der Nacht nicht mehr auf. Mich würde nun interessieren, ob es wirklich ein vergleichbares Leiden gibt und wenn ja, wie es heißt. Die Beschreibung der aufgeführten Dinge beginnt in meiner Ausgabe des Buches im unteren Absatz der Seite 15 und geht bis Seite 17.

Antwort
von Bethmannchen, 3

Neben allen anderen Symptomen, wie sie der Hunger allgemein mit sich bringt, Kwashiorkor, Kachexie, Hungerödeme, Marasmus, wird sie Noma bekommen haben. Ohne Antibiotika, schlechte Hygiene, Parasitenbefall, Mangelernährung (vor allem Vitamin- und Proteinmangel)... Satt zu werden war schon Glückssache, dann noch gesund zu bleiben und es bis zum heiratsfähigen Alter zu bringen, war ein weiterer Glücksumstand, dann noch die Geburt der eigenen Enkel zu erleben war wie heute ein Sechser im Lotto. Sechs von zehn lebend geborenen Kindern wurden gar nicht erst erwachsen. 
Hunger als ständiger Begleiter in der frühen Kindheit führt zu Knochendeformierungen weil Wachstumsschübe immer wieder ausgebremst werden. Mangelernährung führt zu Blutungen zwischen Knochen und Knochenhaut, mit Fieberschüben und Beschwerden wie Rheuma. Da wird dann nicht mehr gespielt und vergnügt herumgehüpft.
Hunger und Mangelernährung führen auch zu gestörter geistiger Entwicklung. Mentale Retardierung bezeichnet einen andauernden Zustand deutlich unterdurchschnittlicher kognitiver Fähigkeiten eines Menschen sowie damit verbundene Einschränkungen seines affektiven Verhaltens.  wird duch Eiweiß-, Fett-, Vitamin- und Mineralmangel ausgelöst.
Zuletzt konnte schon ein Schnupfen zum Tod führen, aus einem Husten 
Lungenentzündung oder Tuberkulose werden (Haustiere konnten auch erkrankte Überträger aller möglichen Krankheiten sein). Man verhungerte also nicht unbedingt, sondern starb an den Folgen extremer Mangelernährung und zusammenbrechender Immunabwehr.
Im Mittelalter bestand die Nahrung hauptsächlich aus Mehl bzw. Brot aus verschiedenen Getreidesorten, (in Hungerszeiten auch Bucheckern, Eicheln oder Queckewurzeln, die wie Spaghetti gekocht werden können) Salate (auch Brennessel und Löwenzahn) und Gemüse der Saison (Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Lauch, Rüben) bzw, im Winter sauer eingelegtes Gemüse. (Kartoffel, Paprika, Tomate, Mais, Kakao... gibt es noch nicht)
Sofern ein Milchtier Schaf, Ziege, Kuh gehalten wurde, gab es für jeden dann etwas Milch, Sahne, Quark, Butter, Käse. Musste man das "kaufen", gingen dafür andere Lebensmittel weg.  alle paar Tage mal ein Ei (nicht nur von Hühnern), Schmalz, Speck und höchstens einmal die Woche etwas Fleisch, das auch viel fetter war als heutiges. 
Sie hatte also erst gar nichts, dann kam der Hunger, der machte sie krank, und zuletzt starb sie an all dem zusammen.
Siehe Wikipedia

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