Frage von Kirschbluete15, 157

Was hat der Islamische Staat mit der Religion zu tun?

Hallo Leute,

Meine frage an euch steht schon oben. Ich muss einen vortrag über die Religion islam vorbereiten und mein lehrer sagte, ich solle auch auf den islamischen staat eingehen bzw. Einen kontext finden. Aber eigentlich hat doch der islamische staat nichts mit der religion zu tun? Was könnte man für einen kontext herstellen?

Antwort
von Agentpony, 122

Aber eigentlich hat doch der islamische staat nichts mit der religion zu tun?

Sorry, aber das ist das übliche Geplapper, das gerade verhindert, eine ernsthafte Entwicklung zum Besseren zu erreichen.

Klar ist es sehr einfach, wenn sich der Mustafa von nebenan, netter Kerl, mag Fussball und Opel, von den Terroristen distanziert. Es ist natürlich so, daß die große Mehrheit der Muslime die Gewalttaten an sich ablehnt.

Und trotzdem sind die Terroristen ein muslimisches Kind. Niemand wird zum Islamisten geboren. Sie werden von ihrem Umfeld dazu gemacht. Und dieses Umfeld wird auf der ganzen Welt in der Mitte der muslimischen Gesellschaft beherbergt - im besten Falle nicht ausreichend bekämpft, im schlimmsten Falle noch unterstützt. Dies geschieht mitten innerhalb der islamischen Verbände, Gemeinden und Moscheen. Der Schritt vom Islamisten zum Terroristen ist dann nur noch Auslegungssache und Gelegenheit.


Der islamische Staat vertritt keine einzige Teilideologie, die nicht so in wenigstens Teilen der sunnitischen Gemeinde, gesteuert von den umhegten Klerikern im arabischen Kernland, anerkannt ist, manchmal auch als offizieller Standpunkt.

Man kann gerne noch so viele total hippe Hashtags publizieren  - wir warten aber immer noch darauf, daß wenigstens die Muslime in Europa aufhören, nach der inhumanen nahöstlichen Pfeife zu tanzen, endlich aufhören, sich als Parallelkultur zu verstehen und zu einer neuen deutsch/europäischen Identität finden. Wenn es diese europäischen Muslime dann schaffen, daß nicht mehr Massen an radikalisierten Muslimen dem Terror verfallen - erst dann haben IS/Hezbollah etc. und die Religion nichts mehr miteinander zu tun.

Antwort
von Hamburger02, 90

Extrem viel, denn der IS versucht einen Gottestaat zu errichten, der den Koran wörtlich umsetzen soll. 

In arabischen Medien liest man auch zunehmend direkte oder indirekte Rechtfertigungen zu den Anschlägen in Paris und auch hierzulande gibt es reichlich Moslems, die klammheimliche Freude empfinden. Dass IS und deren Anschläge also nichts mit dem Islam zu tun haben sollen, ist nur eine Ausrede, um sich nicht mit den gewalttätigen Seiten des Islams beschäftigen zu müssen. 



Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 72

Der "islamische Staat hat sehr viel mit der Religion zu tun. Hier mal ein Vergleich, damit du siehst, was ich meine:

Der politische Terrorist

Ein politischer Terrorist rechtfertigt seine Taten politisch. Er nutzt seine politische Ideologie um Anhänger zu gewinnen. Die politischen Schriften sind zugleich die Grundlage und das Anwerbungsmaterial.

Er beruft sich auf politische Vorbilder und erklärt, man verfolge als politischer Terrorist ein höheres Ziel, nämlich die Zerstörung des bösen Systems.

Der politische Terrorist bekommt unterstützung von politisch ähnlich orientierten Regierungen, die demokratische Staaten schwächen wollen.

Ohne eine gemeinsame Politik hätte er keine Richtlinie und kein Anwerbemittel für politische Terroristen.

Der religiöse Terrorist

Der religiöse Terrorist rechtfertigt seinen Machtanspruch mit der Religion und nutzt den Glauben, um Anhänger zu gewinnen. Die religiösen Schriften sind zugleich die Grundlage und das Anwerbungsmaterial

Er beruft sich auf religiöse Vorbilder und erklärt, man verfolge als religiöser Terrorist ein höheres Ziel, nämlich die Zerstörung der Ungläubigen.

Der religiöse Terrorist bekommt Unterstützung von religiös ähnlich orientierten Regierungen, die ungläubige Staaten schwächen wollen.

Ohne eine gemeinsame Religion hätte er keine Richtlinie und kein Anwerbemittel für religiöse Terroristen.

Fazit

Für eine Terrororganisation ist also eine Ideologie - Anarchismus, Islamismus, christlicher Fundamentalismus, Ökoterrorismus etc - extrem wichtig.

Deshalb werden gesellschaftlich wichtige Schriften auf eine bestimmte Weise ausgelegt und interpretiert, so dass es den Eindruck erweckt, der Terrorismus werde durch die Autorität dieser Schriften gedeckt.

Dadurch, dass man die Regeln dieser Schriften als Autorität anerkennt, gehört man dieser übergeordneten Lehre an.

Ideologie

Ein politischer Terrorist wird die Schriften seiner politischen Vordenker anerkennen. Er wäre somit zB ein Kommunist.

Ein religiöser Terrorist wird die Schriften seiner religiösen Propheten anerkennen. Er wäre somit zB ein Muslim.

Gemäßigte Anhänger lehnen den Terrorismus ab - das ändert aber nicht, dass diese Terroristen trotzdem der gleichen Lehre folgen und sie lediglich besonders hart und radikal auslegen.

Ob diese Personen dann Beispiele für "gute" Kommunisten oder "gute" Muslime, oder allgemein "gute Menschen" sind, steht auf einem anderen Blatt.

Sie sind jedenfalls dann Teil der jeweiligen Lehre.

Antwort
von webschamane, 157

Das stimmt so nicht. Es gibt im sunnitischen Islam sogenannte Rechtsschulen. Eine Rechtsschule legt die relevanten Schriften (Qur'an und Hadith) für einen aus und hilft einen damit Entscheidungen für sein Leben zu treffen. Die Richtung der Salafi hat sich entschlossen keiner Rechtsschulen anzugehören sondern die Anweisungen wörtlich aus Qur'an und Hadithen zu übernehmen. Daher her kommt auch radikal, von dem Wortstamm radix = Wurzel und meint daher von der Wurzel her. Das werden dir radikale Salafitsen auch gern so bestätigen. Die Aussage der "Islamische Staat hätte nichts mit dem Islam zu tun" entspricht also der Aussage die "Union der kommunistischen Sowjetrepubliken" (UdSSR) hätte nichts mit dem Kommunismus zu tun. Kann man sagen, würde ich allerdings nicht so sehen sehen.

Kommentar von earnest ,

-"Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken"

Kommentar von webschamane ,

Der Sozialismus wurde meines Wissens nach nie erreicht...

Kommentar von earnest ,

Habe ich das behauptet? Ich habe nur die Bezeichnung "UdSSR" erläutert.

Deine Analogie würde meiner Ansicht nach auch mit "Sozialismus" funktionieren.

Kommentar von webschamane ,

Entschuldige, das mit "nie erreicht" war ein Kommunisten-Witz, der ist offensichtlich nicht aufgegeangen.

Kommentar von mineralixx ,

Der "Sozialismus" wurde erreicht (Vorstufe zum Kommunismus), der "Kommunismus" nicht.

Kommentar von webschamane ,

Dass ich auch immer alle Fundamentalisen beleidigen muss. Entschuldige, das scheint eine Charakterschwäche zu sein.

Kommentar von earnest ,

War dein Kommentar auf mich bezogen, webschamane? Falls ja: Ich fühle mich nicht angesprochen.

Kommentar von webschamane ,

Earnest, wenn du nicht anesprochen fühlst, werde ich dich auch nicht gemeint haben.

Kommentar von earnest ,

Das ist gut, aber bei GF ist das keine zwangsläufige Logik. 

;-)

Kommentar von earnest ,

@mineralixx: Naja, höchstens die Vor-Vorstufe ... 

:-)

Kommentar von Dahika ,

doch, der Sozialismus als Vorstufe zum Kommunismus schon. Der Kommunismus wurde nie erreicht.

Kommentar von webschamane ,

Wirklich das Himmelreich wurde auf Erden noch nicht umgesetzt - Schocker. Johannes 12,8 "Die Armen habt ihr immer bei euch."

Kommentar von earnest ,

Dahika, ich wollte mit meiner Bemerkung ausdrücken, daß in der sowjetischen Realität vielleicht, wenn überhaupt, gerade einmal die Vorstufe zum Sozialismus erreicht wurde.

Antwort
von mineralixx, 90

Alleine die Tatsache, dass diese "Gruppierung" den Begriff "Islam" bzw. "Islamisch" übernommen hat, zeigt eine Verbindung auf.

Antwort
von 1988Ritter, 45

Der "islamische Staat" hat sehr wohl mit dem Islam zu tun, auch wenn dies oftmals bestritten wird.

Diese Menschen, die den "islamischen Staat" für sich behaupten legen ihr Leben nach dem Koran, der Sunna (Überlieferungen/Hadith-Berichten) und der islamischen Gestzgebung (Scharia) aus. Dies wird auch von etlichen Muslimen als solches anerkannt und unterstützt.

Nehmen wir nur das Bombardement der Russen in den letzten Wochen. 500 IS-Führungskräfte wurden als es eng wurde von 4 Passagiermaschinen in den Jemen in Sicherheit gebracht. Von wem waren die Passagiermaschinen ?

  • 1 x Saudi Arabien
  • 1 x Katar
  • 2 x Türkei

Es ist dadurch bewiesen, dass sich nicht nur einzelne Personen diverser islamischer Nationen IS anschließen, sondern sogar islamisch geprägte Staaten positiv unterstützen.

Antwort
von stine2412, 64

Kirschblüte, die Wahabiten in Saudi-Arabien leben den Ur-Islam, den auch die IS-Leute vertreten. Eigentlich müßten sie sich ja gut verstehen; der Grund, warum das nicht so ist, besteht darin, dass die Saudis schon ein Staatsgebilde haben, die IS aber eins aufbauen, worin sie auch Saudi-Arabien haben wollen. Ich habe heute einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung online gelesen über dieses Thema "Der IS nicht so stark wir angenommen" oder so ähnlich, finde ihn aber nicht mehr. Auf jeden 'Fall wäre der Artikel super  für deine Aufgabe.

Nachfolgendes habe ich aus einer  meiner Antworten ausgeschnitten - vielleicht kannst du es gebrauchen.
Mir fiel nur auf, dass Muslime u.a. behaupten, Ismael sei der Erbe Abrahams. Mal nachdenken: Der Islam entstand ca. 600 n.Chr. Bis dahin glaubten alle Juden und Christen, dass es Isaak war - obwohl Ismael prophezeit wurde, dass von ihm auch eine große Volksmenge abstammen würde. Juden und Christen glaubten das nicht nur, sondern sie hatten es auch schriftlich. Über Isaak sollte der Messias kommen,  nicht über Ismael!  Nun lese ich oft, dass Muslime sagen, die Bibel sei verfälscht worden. Ist das nicht ein wenig billig zu behaupten? Nur weil Mohamed kein Kenner der Bibel war? Sollte er ein Kenner der Bibel gewesen sein, warum schrieb er dann den Koran? Denn in der Bibel steht ganz am Schluß: "Wenn jemand einen Zusatz  zu diesen Dingen macht, wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in dieser Buchrolle geschrieben stehen."

Und soll "Islam" nicht bedeuten, dass es eine friedliche Glaubensrichtung ist? Das war der Islam von Anfang an nicht, was jeder unterrichtete Muslim auch weiß! Die täglichen Nachrichten berichten  von ganz anderen Dingen als von friedlichen! So etwas hätte Jesus Christus von seinen Nachfolgern nie verlangt!

Viel Erfolg Kirschblüte!

Kommentar von Dahika ,

keine Bekehrungsreligion ist friedlich. Kann auch nicht friedlich sein, denn sie befindet sich ja im Besitz der Wahrheit. Bekehrungsreligionen sind z.B. das Christentum und der Islam. Dass das Christentum friedlich (geworden) ist, liegt schlicht an der Säkularisierung der Gesellschaft. Sie haben nicht mehr die Macht, den Glauben mit Feuer und Schwert zu verbreiten. Früher war das Christentum auch nicht besser als der Islam heute.

Kommentar von stine2412 ,

Dahika, auf den ersten Blick hast du recht; auf den zweiten ist die Christenheit z.T. sehr unfriedlich geworden, weil es Teil dieser Welt war und ist - denke mal nur an das Papsttum. Oder in jüngerer Zeit Ruanda oder der Balkankrieg (ich sehe noch die TV-Bilder, wie die jeweiligen Geistlichen die Waffen segneten). Jesus sagte aber, dass seine Nachfolger kein Teil dieser Welt sein sollen. Und dass in den Kriegen sogar Brüder der gleichen Konfessionen aufeinander losgingen, war mit Sicherheit nicht auf Anordnung Jesu geschehen.

Was ich sagen möchte ist, dass das Christentum eine friedliche Religion ist, sie wird nur nicht ausgelebt mit dem Argument, dass die Zeiten sich geändert haben und man mit der Zeit mitgehen muß. Die christliche Lehre ist aber zeitlos!

Der Islam war von Anfang an nicht friedlich. Dass heute viele Moslems sich für den IS schämen, spricht  für sie, dass sie mit diesen Grausamkeiten nicht in einen Topf geworfen werden wollen. Aber der IS lebt den Ur-Islam! Der Islam ist nicht friedlich, man müßte ihn sonst reformieren! Und das kann lebensgefährlich für diejenigen werden.

Antwort
von himako333, 81

evtl. folgst Du auch diesem Link  zum Thema Islam und Distanzierung vom IS

An die Kämpfer und Anhänger des selbsternannten „Islamischen Staates“Unterzeichnet von über 120 Gelehrten vom 27. September 2014

  "Offener Brief an al-Baghdadi" stellt ein Beispiel einer innerislamischen Reaktion auf die Verbrechen dar, die derzeit im Namen des Islam verübt werden. 

http://madrasah.de/leseecke/islam-allgemein/offener-brief-al-baghdadi-und-isis

Antwort
von realsausi2, 27

Der IS beruft sich auf den Koran. Also hier kann man einen religiösen Bezug überhaupt nicht in Frage stellen.

Natürlich ist die Lesart der IS nicht die einzig mögliche und mit diesen Verbrechern möchten sich vernünftige Moslems verständlicher Weise nicht gemein machen.

Daher wird dem IS vielfach abgesprochen, etwas mit dem Islam zu tun zu haben. Da halte ich aber für völlig ungerechtfertigt.

Wenn einer aus der Familie zum mordenden Unhold gerät, bleibt er dennoch unauflösbar immer Teil der Familie. Man kann ihn meiden, verleugnen, aber die Bindung ist unauflösbar.

Gäbe es den Koran nicht, gäbe es den IS nicht.

Die Gräuel der Idioten vom IS wachsen auf dem gleichen Boden wie jede andere Lesart des Islam auch.

Religionen können sich nicht einfach reinwaschen, in dem sie solche Entgleisungen auszusondern versuchen.

Antwort
von earnest, 77

Hi. 

Die IS-"Gotteskrieger"(!) berufen sich auf Passagen im Koran, die Gewalt gegen "Ungläubige" rechtfertigen, ja fordern.

Diese Mörderbande hat in ihrem Herrschaftsbereich die Scharia (bei Bedarf bitte den Begriff googeln) errichtet bzw. das, was sie dafür hält.

Allein DAS sollte als Kontext reichen. 

Gruß, earnest


Kommentar von serdom ,

Aber auch die Scharia sagt nicht, dass man unschuldige Menschen töten soll.
Streng dich mal bisschen an und sammle Informationen, bevor du einfach etwas rauswürfelst. Baam!

Kommentar von earnest ,

Wenn du ernst genommen werden möchtest, müßtest DU dich ein bisserl mehr anstrengen.

;-)

Schau dir mal die PRAXIS der Scharia an - nicht nur im Bereich der IS-Mörderbande, sondern z.B. auch in Saudi-Arabien.

Kommentar von Dahika ,

wie sagte Jesus zu Recht: nicht an den Worten, an den Taten sollt ihr sie erkennen.

Kommentar von earnest ,

So ist es.

Serdom hat zudem offenbar meine Antwort nicht recht verstanden - wie z.B. diese Aussage: "... die Scharia ... errichtet, bzw. das, was sie dafür hält.

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