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Was hat der Aktienkurs mit dem täglichen Geschäft von Unternehmen zu tun?

gefragt von FoncklFonckl am 02.11.2009 um 10:47 Uhr

Der Aktienkurs hat doch eigentlich überhaupt nichts mit dem Geschäft von Banken zu tun, da er auf Erwartungen und damit auf Angebot und Nachfrage beruht. Wie kann es also sein, dass ein Unternehmen, wenn der Aktienkurs auf Null ist, pleite ist? Das Unternehmen hat doch immer noch Geld. Das Geld ist doch dann nicht verschwunden. Da fehlt mir ein bisschen der Zusammenhang und deshalb das Verständnis der Krise. Die Aktienkurse brechen ein und auf einmal hat kein Unternehmen mehr Geld und die Banken wollen kein Geld mehr hergeben? Aber das Geld ist doch nicht weg, wenn die Aktienkurse einbrechen. Wie hängt das also alles zusammen???


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anonym
beantwortet von Ahster am 2. November 2009 11:07
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Hilfreichste Antwort

Bei der Gründung einer AG wird festgelegt, in wie viele Aktien das Grundkapital aufgeteilt wird. Diese Aktien können dann in einem Buch verbrieft sein oder als effektive Stücke gedruckt und herausgegeben werden. Die Ausgabe von Aktien bezeichnet man als Emission. Eine weitere Emission ist auch im Rahmen einer Kapitalerhöhung möglich. Der Anteil einer Aktie am Unternehmen kann in Form von Nennwert- oder Stückaktien verbrieft sein. Bei Nennwertaktien entspricht der Nennwert der Aktie dem Anteil am Grundkapital einer Gesellschaft. Dieses ist wichtig, da das Grundkapital z. B. aus 100.000 Euro bestehen kann, jedoch in 1.000 Aktien à 50 Euro und 50 Aktien à 1.000 Euro eingeteilt sein kann. Nennwertlose Aktien (auch Quotenaktie oder Stückaktie) tragen keinen eigenen fixen Nennwert, sondern entsprechen ihrem Anteil am Grundkapital. Bei 1.000 Aktien und 200.000 € Grundkapital entspricht eine Aktie also einem Anteil von 1/1.000 am Grundkapital und damit am Unternehmen. Der theoretische Nennwert wäre 200 €. Der Buchwert einer Aktie berechnet sich: Buchwert pro Aktie = (Eigenkapital/Grundkapital) * Nennwert pro Aktie Als Aktiensplit wird die Aufteilung der Aktien in solche mit kleinerem Nennwert bezeichnet. Der Börsenwert eines Unternehmens errechnet sich nach der Formel: Zahl der Aktien * Börsenkurs Das Unternehmen kann die Aktionäre über Dividenden am Gewinn des Unternehmens beteiligen. Die Dividende ist eine pro Aktie geleistete Zahlung an die Besitzer der Aktien. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen (Gewinnverwendungsvorschlag) und von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen. Als Anlageprodukt sind Aktien aber nicht nur wegen der Dividende interessant. Renditechancen bieten auch Kurssteigerungen der Aktie. Wird eine Aktie verkauft, so kann der Kursgewinn in Deutschland als Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften einkommensteuerpflichtig werden (Stand ab 1. Januar 2009 siehe Abgeltungsteuer). Ein Investment in Aktien ist grundsätzlich mit dem Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals behaftet. Aktien können an einer Wertpapierbörse oder außerbörslich gehandelt werden


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anonym
beantwortet von GePeterF am 3. November 2009 10:24
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Hier würde ich mal vermuten, dass Du den Zusammenhang aus Unternehmenswert / Geschäft und Aktienkurs verkehrt herum her gestellt:

Das unternehmen geht nicht pleite, weil der Aktienkurs gen null wandert sondern der Aktienkurs verfällt, weil das Unternehmen pleite geht...

Die AG hat sich irgendwann einmal Kapital an der Börse beschafft und hierfür Beteiligungen (Aktien) verkauft. Bei der Emission wurde ein Kurs festgestellt, der dem Unternehmen so als Eigenkapital zugeflossen ist. Die weitere Kursentwicklung betrifft das Unternehmen selber kaum noch (bis auf den Wert der selber gehaltenen Anteile)...

Besonders gut kann man den Zusammenhang an den Fundamental-Kennzahlen erkennen wie z.B. Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) oder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)

Beim KGV wird der Aktienkurs in Relation zum Unternehmensgewinn gesehen. Ein hohes KGV bedeutet somit, dass das Unternehmen lange Gewinne erwirtschaften muss um den Aktienkurs "zurück zu zahlen" Microsoft hat z.B. ein KGV von 17. Das heißt Microsoft müsste 17 Jahre lang die Gewinne von heute fortschreiben und den heutigen Aktienkurs zu erwirtschaften. Sind nun viele Investoren vom Geschäftmodell überzeugt treiben Angebot und Nachfrage den Aktienkurs in die Höhe, das KGV steigt wenn die Gewinne nicht im gleichen Maß ansteigen wie die Nachfrage nach Aktien.

Andersrum aber steigt das KGV auch, wenn die Gewinne einbrechen. Verdient ein Unternehmen bei einem Kurs von 100€ z.B. 10€ hat es ein KGV von 10 (Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie). Sinkt nun bei gleichem Kurs der Gewinn auf 1€ steigt das KGV auf 100, der Aktienkurs aber hat sich nicht verändert. Sinkt der Gewinn nun gen Null geht das KGV gen unendlich. Na, ja, und spätestens dann werden die Anleger verkaufen wenn sie nicht trotzdem vom Geschäftsmodell überzeugt sind und auch der Kurs geht gen Null ;-)

(Aber Vorsicht: das KGV lässt sich nur von Unternehmen der gleichen Branche vergleichen: Audi hat 2009 ein KGV von 15, man kann aber im Vergleich zu Microsoft nicht sagen, ob das nun teuer oder billig ist, da es 2 verschiedene Branchen sind. Aber BMW hat 2009 ein KGV von 115, also bezahlt man für den Audi gewinn hier wenig – in dem Vergleich zumindest!)

Na, ja, etwas arg vereinfacht, aber deshalb kann man für ein Unternehmen, das keine Gewinne oder gar Verluste macht kein KGV berechnen. Hier zählt an der Börse dann nur noch das Geschäftsmodell und die Hoffnung auf bessere Zeiten!

Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis ist es ähnlich. Hier geht es aber nicht um die Gewinne sondern den Unternehmenswert aus den Büchern (Aktienkurs geteilt durch Buchwert je Aktie). Bei einem KBV von 1 würde man an der Börse für ein Unternehmen quasi nur das Inventar bezahlen. Bei einem KBV von unter 1 könnte man das Unternehmen kaufen und allein durch den Verkauf der Anlagen und Immobilien einen Gewinn erwirtschaften. Bei einem KBV von 2 aber bewertet man die Marke, des Geschäftsmodell mit dem gleichen Wert, wie die Anlagen.

Hier erkennt man sehr schön, dass ein Unternehmen nicht mit seinem Aktienkurs bewertet werden kann. Er ist nur der Preis für das Unternehmen. Zumal der Kurs ja auch durch Aktiensplits leicht verändert werden kann, da die Kapitalisierung auf eine andere Stückzahl umgerechnet werden muss. Verringert man die umlaufende Aktienzahl, steigt der Kurs optisch(!), erhöht man die Aktienzahl, sinkt er – optisch! Am eigentlichen Börsenwert aber ändert sich dadurch nichts!

Wie gesagt, das Unternehmen geht nicht pleite, weil die Aktien nichts mehr Wert sind sondern die Aktien verlieren an Wert, weil das Unternehmen pleite geht und sie keiner mehr haben will. Das Geld hat das Unternehmen ja beim Börsengang schon erhalten und nun anscheinend verbrannt... ;-)


HFriesdorf
beantwortet von HFriesdorf am 3. November 2009 07:51
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Der Wert der Aktien hat für das laufende Geschäft einer AG keine direkte Wirkung. Die AG bezahlt und bekommt für den Aktienhandel ja kein Geld. Aber da Erwartungen an der Börse eine wesentliche Rolle für den Kurs spielen, heißt dass, das die Mehrheit nichts mehr von dem Unternehmen erwartet, wenn der Aktienkurs verfällt. Dann möchten auch die Banken einem solchen Unternehmen kein Geld mehr leihen und neue Aktien bringen dem Unternehmen dann auch kein Geld. Es kann nicht mehr die Rechnungen bezahlen, rutscht dann in die Insolvenz und kann alle anderen Kredite nicht mehr bezahlen. Dann haben die Banken wiederum ein Problem.

Wenn alle Aktien einbrechen haben die Banken weniger Buchkapital (denn auch Banken investieren in Aktien) und können selber nur wenig Geld durch den Verkauf von Aktien bekommen - und dadurch weniger ausleihen und dadurch weniger Zinsen bekommen und auch nicht mehr ihre Rechnungen bezahlen - Pleite. So hängt das alles zusammen.


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