Frage von 1234567890wolke, 51

Was hat das Woodstock Festival in der Geschichte der Rockmusik zu bedeuten?

Antwort
von ButlerJames, 32

Die Bedeutung für die Rockmusik ist gar nicht so groß, viele Künstler bemängelten den schlechten Bühnensound und waren mit ihren Performances nicht zufrieden, zudem durften einige vor schlafenden Zuschauer auftreten,weil sich aufgrund eines Unwetters der Zeitplan um mehrere Stunden verschob. 

Bemerkenswert ist, wieviele, meist junge, Menschen durch das Festival mobilisiert wurden. Und dass alles friedlich und ohne größere Zwischenfälle im Publikum ablief. Da waren ja immerhin 400.000 Leute, doppelt so viele wie geplant. Diese mussten ernährt werden, es gab nicht genug Klos, nicht genug Platz und durch den schlimmen Regen war alles verschlammt. Trotzdem gab es keinen Aufruhr, man half sich gegenseitig, und die meisten Zeitzeugen, von denen ich gelesen habe, beschrieben es als positives Erlebnis. Insofern würde ich das Festival als gesellschaftlich bedeutend für die damalige Zeit bezeichnen.

Ich kann jedem Interessierten nur die Woodstock-Dokumentation ans Herz legen, die das ganze beeindruckend in Bildern einfängt.

Kommentar von Bswss ,

DH, Woodstock wird ziemlich überbewertet. Die Qualität der Musik war bei weitem nicht so gut  wie bei vorhergehenden Festivals in Kalifornien, und das Wetter war grauenhaft. Woodstock ist vor allem durch die riesigen Massen von Rockfans berühmt. Der Einfluss der Woodstock-Musik war nicht besonders groß, weil fast alle Bands, die dort auftraten, schon vorher dieselben Songs bei anderen Festivals (z.B. Monterey) gespielt hatten.

Kommentar von ButlerJames ,

Aber Musiker wie Joe Cocker oder Richie Havens wurden dort (auch durch den Film) zu Ikonen, Crosby,Stills&Nash hatten dort ihren zweiten Auftritt überhaupt. Aber es stimmt, die meisten Musiker haben sicher vorher und nachher bessere Shows gespielt. Das Gesamtpaket macht Woodstock zur Legende. Und wie gesagt, die beeindruckende Dokumentation.

Antwort
von tuedelbuex, 37

Es war das erste Festival dieser Art und Größenordnung und verkörperte eine Art friedlicher Gegenbewegung zum Vietnamkrieg, der zu der Zeit stattfand.

Kommentar von Bswss ,

Nein, es war keineswegs das erste Festival dieser Art. Man denke an Isle of Wight, Monterey,  Altamont....

Antwort
von AnnaStark, 21

Ich kann mich noch an die Zeit damals erinnern. Der Antwort von Butlerjames ist absolut zuzustimmen.

Durch dieses Festival wurden manchen auch zur Legende, Joe Cocker, Jimi Hendrix, legendär der Auftritt von Ten Years After. Der Anti-Vietnam-Song von Country Joe McDonald war ebenso ein Höhepunkt.

Ich sah den Doku-Film damals in einem Kino in Chicago. Werde ich nie vergessen, ALLE im Saal sangen den Vietnam-Song mit, der Saal bebte. Während ich diese Zeilen schreiben, bekomme ich schon wieder Gänsehaut :-)

Kommentar von ButlerJames ,

Das glaub ich, ich krieg schon immer Gänsehaut, wenn es im Film vom Publikum mitgesungen wird.

Antwort
von napoloni, 11

Das Woodstock Festival ist so etwas wie ein Heldenepos, eine große Geschichte wie die Kämpfe um Troja mit großen Helden. Nur dass dies alles stattgefunden hat.

Junge Leute aus allen Teilen der USA, darunter viele Hippies und Friedensaktivisten strömen auf einen Acker mitten in der Landschaft, der kurzerhand zum Konzertplatz umgebaut worden ist. Mit diesem gewaltigen Ansturm hat keiner gerechnet, die Straßen sind zu, die Logistik überfordert, das Chaos vorprogrammiert. Weil Zäune nicht halten und schon tausende ins Konzertareal eingedrungen sind, wird das Konzert kurzerhand zur kostenlosen Veranstaltung erklärt.

Länger als geplant harrt eine halbe Million Menschen teilweise in Regen und Matsch aus. Die lokale Bevölkerung erlebt, dass diese jungen Menschen nicht jugendliche Spinner ohne Verantwortungsbewusstsein sind, sondern smarte Leute, die zivilisiert auftreten, einander helfen und das Land voranbringen können.

Viele Stars bleiben im Verkehr hängen. Richie Havens, der erste auf der Bühne, muss seinen Auftritt daher mehr und mehr in die Länge ziehen, weil seine Nachfolger nicht in Sicht sind. Erst spielt er ein paar Beatles-Songs. Am Ende, als ihm die Songs nun vollends ausgegangen sind, improvisiert er aus lauter Verzweiflung ein altes Volkslied zu einer Freiheitshymne.

Die meisten Interpreten, laut Sängerin Melanie alle außer sie selbst, waren zugekifft. Für Santana kommt ihr Auftritt unerwartet plötzlich, sie haben sich gerade erst LSD reingepfiffen. Carlos Santana wird sich später daran erinnern, dass sich der Steg seiner Gitarre wie eine Schlange zwischen den Fingern gewunden hat. Öhm, sieht man was?

Im Grunde waren sogar alle Interpreten zugekifft, denn die erwähnte Melanie war eigentlich Zuschauerin, nicht für einen Auftritt vorgesehen. Sie wird wegen eines Ausfalls kurzerhand rekrutiert, irgendeine Gitarre in die Hand gedrückt ... und das arme, verschüchterte Mädchen muss vor einigen hunderttausend nassgeregneten Leuten auftreten.


Das sind nur wenige von vielen Geschichten um dieses Konzert :o)

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