Frage von Milka414, 117

Was haltet ihr von Strukturvertrieben?

Hallo!

Ich bin seit einiger Zeit in einem Strukturvertrieb (Finanzbereich) in Deutschland tätig.

Da ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann, ob ich die Arbeit wirklich gut finde, würde ich mich über einige Einschätzungen von euch freuen. (im Folgenden schreibe ich meine Einschätzung):

Grundsätzlich geht es beim Vertrieb um eine Art Vermögensberatung. Ich habe mittlerweile schon viele Kunden gesehen, denen sehr geholfen werden konnte, was mich immer sehr freut, weil ich anfangs an der Seriösität gezweifelt habe.

Verdienen kann man in diesem Job sehr gut, auf der anderen Seite muss ich immer wieder meine Kunden um Kontakte fragen. Vorallem das darauf folgende Anrufen dieser Kontakte (für mich komplett unbekannte Leute), mit dem Ziel neue Kunden zu finden, gefällt mir nicht so gut.

Ich habe also sowohl auf der positiven, als auch auf der negativen Seite Punkte. Ich freue mich auf eure Ansichten.

Vielen Dank im Voraus

Antwort
von kevin1905, 74

Grundsätzlich geht es beim Vertrieb um eine Art Vermögensberatung.

Das ist natürlich extrem allgemein gehalten.

Was genau machst du? Welche Erlaubnis nach GewO hast du? Was wird angeboten? Wird nur ein Anbieter vertreten oder mehrere? Wenn mehrere bist du oder der Vertrieb ein Mehrfachagent oder ein Makler?

Wie sind die Weiterbildungsmöglichkeiten? Gibt es nur eine hauseigene Akademie oder werden auch Qualifikationen eine Ausbildung oder ein Studium angeboten?

Wird bei der Weiterbildung nur auf vertriebliche Ansätze geschult oder auch Fachthemen?

Verdienen kann man in diesem Job sehr gut, auf der anderen Seite muss ich immer wieder meine Kunden um Kontakte fragen.

Das hat jetzt nicht sehr viel mit dem System Strukturvertrieb zu tun, sondern mit einer erfolgreichen Selbständigkeit.

Einen Laden aufzumachen, sich reinzusetzen und zu hoffen, dass Menschen reinströmen ist kein Unternehmertum sondern Verwaltung, so läuft das auf dem Amt aber sicher nicht bei einem Start-Up. Man kann natürlich auch statt Empfehlungen zu ziehen was weiß ich wie viele € Werbung investieren (Sponsoring von Sportvereinen, Zeitungen, Internet, Google, Facebook). Ist m.M.n. aber nur die etwas professionellere und teurere Version des Prinzips Hoffnung.

Empfehlungsmarketing und das Bauen von Netzwerken sind elementarer Bestandteil für jeden Menschen der ein Unternehmen aufbaut.

Es sei denn man hat mal eben einen Kunden an dem man 10 Millionen verdient, dann kannst du den Laden schließen und dich ins Privatleben zurück ziehen.

An Bestandskunden verdient man langfristig mehr als an Neukunden, sofern der Bestand groß genug ist (150+ Durchschnittskunden) und man für Bestandsbetreuung vergütet wird.

Kommentar von casybeny ,

Na damit hat er nun alle relevanten Informationen die er braucht . Geteilte Arbeit :-)

Manchmal könnte man auch eine Sekretärin ansetzen um Fragen genau zu beantworten . Aber so geht es ja auch .

Was man ergänzend noch hinzufügen kann ist , das man sich irgendwann entscheiden muß , ob man mehr auf Beratung oder Struktur den Schwerpunkt setzen  möchte . Und was noch ganz wichtig ist , man sollte ein Back Office haben wo für jeden Fachbereich ein Speziallist sitzt . Denn wer von sich behauptet er weiß alles und kann alleine in allen Bereichen beraten , von dem kann ich dann nur abraten . Spezialisiere dich auf 2-3 Sachen und werde darin eine Koryphäe .

So nun haben wir es aber , oder haben wir noch etwas vergessen ?

Kommentar von Niklaus ,

Kevin es gibt nur eine Strukkibude, die ihren Aussendienst Vermögensberater nennt. 

Kommentar von kevin1905 ,

Und die wäre so ein Paradebeispiel für einen etwas weniger guten Vertrieb.

Antwort
von Tutmoses2017, 39

Jeder der hier antwortet mit "Ich halte nichts davon", hat sich meiner Meinung nach noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt.

Man urteilt nur über was, was man nicht kennt.

Die Sache beim Strukurvertrieb ist natürlich das Kunden werben, was ja an sich nicht schlecht ist, weil ja vielen Leuten geholfen werden kann.

Ich kenne die Firma(kenne die vorgehensweise, wie du es beschrieben hast), für die du tätig bist und  bin eigentlich positiv eingestellt zu dieser Firma.

Wieso?

In England und Amerika ist es zum Beispiel üblich, dass jede Familie ihren eigenen Vermögensberater hat, weil natürlich die Bank das beste für sich will und der Kunde das beste für sich selbst. Das nennt sich interessenskonflikt.

Nachdem die Provisionen ausgeschüttet werden, egal welches Angebot du animmst, wirst du immer das BESTE Produkt bekommen, weil sie aus allen Produkten am Markt auswählen können.

Du fragst hier NUR, weil du von deinem Produkt nicht überzeugt bist.

Ich bin zwar in einem andere Vertrieb, aber diese Phase hattte ich kurze Zeit auch.

Dann erinnere ich mich zB an meine Eltern deren Kreditrate von 1700€ im Monat auf 1000€ im Monat gesunken ist, obwohl wir die Laufzeit beibehalten haben, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

Was glaubst du wie sehr sich solche Kunden freuen? 700€ mehr im Monat zu haben ist eine Menge!

Kommentar von DolphinPB ,

Du entlarvst Dich und auch andere Strukkis so offensichtlich - Danke. Man erkennt in Dir den (Ex)-Strukki oder Jemanden der so denkt wie einer sofort.

"Die Sache beim Strukurvertrieb ist natürlich das Kunden werben, was ja an sich nicht schlecht ist, weil ja vielen Leuten geholfen werden kann."

genau, weil ja jeder nur darauf wartet dass der Vermögensberater kommt. Das ist genau das problem und wenn schon, warum muss es dieser sein und nicht ein anderer ?

"Nachdem die Provisionen ausgeschüttet werden, egal welches Angebot du animmst, wirst du immer das BESTE Produkt bekommen, weil sie aus allen Produkten am Markt auswählen können. "

Herzlichen Glückwunsch zum Bestehen des 1. Moduls der Gehirnwäsche. Kein einziger großer Strukturvertrieb ist ein Versicherungsmakler und das, zusammen mit dem Ausspruch natürlich das Beste bieten zu können, ist genauso lächerlich wie fatal für den Kunden.

"Du fragst hier NUR, weil du von deinem Produkt nicht überzeugt bist."

Genau, ein wirklich unabhängiger Vermittler (Versicherungsberater oder -makler) muss von vielen Produkten nicht überzeugt sein, er filtert und bewertet das. Ein Strukki braucht das nicht, er wird mit schön viel Shakha darauf getrimmt dass seine Produkte die besten sind, was natürlich nie stimmt, er aber trotzdem mit Überzeugung vertritt.

Antwort
von DolphinPB, 17

Gar nichts !

Moralisch bedenklich, die völlig falschen Anreize werden gegeben (Stichwort: mitverdienen an den unteren Ebenen) - deshalb i.d.R. bedenkliche Personalgewinnung und -auswahl, meist keine vernünftige Aus- und Weiterbildung - stattdessen Gehirnwäsche bez. der eigenen "besten" Produkte (sogenannte hauseigene Akademien), tendenziell Ausbeutung der unteren Ebenen, bedenkliche Provisionsstruktur und -anreize, katastrophale Regelungen und Hürden bei Verlassen des Unternehmens.

Ich kenne keinen einzigen Menschen der auch nur ansatzweise in allen Bereichen vernünftig von Strukkis beraten worden wäre.

Insgesamt werden bei Strukkis prinzipiell falsche Anreize geschaffen und sowieso schon bedenkliches Personal auch noch damit geködert, das Alles zu Lasten der Opfer / Kunden.

Antwort
von casybeny, 55

Hallo

Das du positive Erfahrungen gemacht hast ist doch schon mal sehr gut . Wenn die Gesellschaft ,für die du tätig bist , wirklich unabhänig in allen Finanzbereichen ist, kann man auch seriös arbeiten .

Wenn du dann auch deine Ausbildung & IHK-Sachkundeprüfung zum Versicherungsfachmann/ - frau §34d und §34i hast ist doch alles soweit gut .

Worauf du noch achten solltest sind z.B. noch folgende Dinge :

- Must du deine Bonusstufe jedesmal bestätigen oder behälst du sie auch wenn es mal schlecht läuft

- Kannst du wirklich unabhänig beraten ? Oder nur mit wenigen Anbietern kalgulieren ?

- Gibt es Bestandsprovisionen

- Gibt es ein Bonusleistungssystem ( Das besagt wenn du die höchste
Bonusstufe erreicht hast , das es für jeden deiner Geschäftspartner die
diese Stufe auch erreichen du dafür einen extra Bonus monatlich bekommst
)

- Was pasiert mit den Kunden wenn du mit dem Geschäft aufhöhrst ?

Dieses sind nur einige wichtige Punkte .

Die Leute sprechen immer gerne von einem Schneeballsystem oder
Pyramide , auch im Bezug auf Strukturbetrieb. Aber was ist der normale Arbeiter ? Ist das keine Pyramide ??
Derjenige der ganz unten sitzt ist am ärmsten dran und kommt auch nie
auf den Chefstuhl .

Das Problem mit neuen Kunden ist eigentlich keines. Dein Mentor sollte dir eigentlich sagen und zeigen wie es geht , bzw. sollte es auch kostenlose Schulungen dafür geben .Ich habe zu 90% nur noch Empfehlungen . Dieses kann man aber auch nur erreichen , wenn man gut und seriös arbeitet. Ich brauche keinen anrufen , die Kunden kontaktieren mich .

Ich habe einige in unserer Direktion die auch erst einmal Nebenberuflich angefangen haben und heute oben angekommen sind .

Natürlich gilt auch hier : Ohne Fleiß kein Preis . Man muss sich immer Weiterbilden und auf dem neusten Stand bleiben .

Bei weiteren Fragen stehe ich dir gerne zur Verfügung .

LG

casybeny

Antwort
von AlexChristo, 42

Eine Sache will ich noch hinzufügen, auf die mir es persönlich sehr ankommt.

Wenn bei einer Beratung und Verkauf der Nutzen des Kunden im Vordergrund steht, dann ist es für mich egal, welche Art von Vertriebsstruktur gewählt ist.

Wenn ein Produkt verkauft wird, was - gemessen an den Kunden - keinen Nutzen hat, dann finde ich es nicht in Ordnung.

Kommentar von casybeny ,

Genau so ist es .

Der Kunde sollte immer im Vordergrund stehen.

Kommentar von DolphinPB ,

Das ist doch gar nicht der Punkt. der Nutzen wird dem Kunden dann schon ggf. vom Strukki klargemacht. Das Problem ist der Ansatz und die Tatsache dass schon bei der Personalgewinnung und auch später völlig falschgerichtete Anreize geschaffen werden.

Kommentar von AlexChristo ,

Das ist doch gar nicht der Punkt. der Nutzen wird dem Kunden dann schon ggf. vom Strukki klargemacht.

Für mich ist das der Punkt. Für mich geht es garnicht, wenn:

- der Käufer keinen praktischen Nutzen hat (z. B. High-End-Fernsehgerät, der eine Internetverbindung benötigt wird an einen Senioren verkauft, der das Gerät offensichtlich garnicht benutzen kann)

- wenn die finanzielle Realität des Kunden völlig außer acht bleibt

- für das Produkt der Kunde einen Kredit aufnehmen muss, den er wahrscheinlich nie zurückzahlen kann.

- die "Hilflosigkeit" oder "Gutgläubigkeit" eines Kunden ausnutzt um etwas zu verkaufen, wovon der Kunde keinen praktischen Nutzen hat.

Kommentar von DolphinPB ,

Volle Zustimmung.

Antwort
von archibaldesel, 38

Ich halte überhaupt nichts von Strukturvertrieben. Sie sind die Abodrücker der Finanzbranche, die meist auf Freunde und Familie angesetzt werden, um das Vertrauensverhältnis auszunutzen um denen dann Produkte andrehen, die sonst niemand kauft. 

Das gute Gehalt erreicht man nur über Provisionen. Deshalb hat der Verkäufer auch niemals den Kundenvorteil im Auge, sondern nur den Eigenen. Solche Provisionszahlungen an Mitarbeiter sind bei Banken übrigens ausdrücklich bei Finanzprodukten verboten.

Antwort
von Aktienmuffel, 44

Ich halte mich immer weeeiiit fern von diesen Dienstleistungsformen. Strukturvertrieb ist und bleibt mit einem schlechten Image behaftet - und das meiner Meinung nach aus gutem Grund.

Ich finde schon die Bezeichnung "Vermögensberatung" irreführend, weil dort nicht über konkreten Produktbedarf beraten wird, sondern vertrieblich gesteuerte Verkaufsgespräche über die eigene Produktpalette abgehalten werden.

Ist bestimmt lukrativ und es macht wohl auch dem einen oder anderen Spaß, für mich ist und bleibt es Augenwischerei und fragwürdiges Verkaufsgesabbel.

Wer dort arbeitet und mir widersprechen möchte: überprüft doch mal, wann euer Chef das letzte Mal zu euch gesagt hat: "Ach, der Kunde brauchte keine Rentenversicherung mehr? Nee, das kann ich verstehen, dann machen wir lieber keinen Abschluss."

Das wäre bedarfsgerecht. Meiner Erfahrung nach wird der Chef aber etwas anderes sagen...

Kommentar von casybeny ,

Dann fehlt dir wohl die Erfahrung .

Unser Chef sieht es anders . Schau mal hier :

https://www.youtube.com/watch?v=UbmmBS10WAo

Bei 2:20 kommt genau der Punkt wo es drauf an kommt .

Aber schwarze Schafe laufen leider trotz Gesetzänderungen immer noch rum . Ich bin mir aber sicher das diese nicht langfristig auf dem Markt exestieren. Es gibt ja schon einige bekannte Unternehmen die vom Markt verschwunden  oder gebunden sind .

Kommentar von DolphinPB ,

Nein, er hat prinzipiell Recht, nach wie vor.

Antwort
von blackhaya, 47

Ich halte davon überhaupt nichts.

Verkauft wird nicht das, was dem Kunden nutzt, sondern das was am meisten Provision abwirft.

Viele Mitarbeiter werden in Schnellkursen auf Verkauf gedrillt und verkaufen dann alles mögliche an Freudne und Verwandte.

Karsten Maschmeyer hat ehemals so einen STruckturvertrieb besessen, und eherlichweise muss man fragen, wieivele andere Menschen er "reicher" gemacht hat.

Kommentar von kevin1905 ,

Die Argumente sind ein bisschen aufgewärmt und vor 10-15 Jahren sicherlich auf den Punkt gebracht richtig gewesen, einer der Gründe warum ich 2009 nach 4,5 Jahren Strukturvertrieb mich entschieden habe ein Maklerbüro zu eröffnen.

Heute stimmen diese Argumente aber nicht mehr ausnahmslos. Fast jeder Vertrieb hat mittlerweile Qualitätsstandards, bezogen auf Stornoquoten, es gibt Bestandsvergütung neben oder statt Abschlussvergütung, Qualifikation muss vor der IHK nachgewiesen werden, etc.

In Zeiten von Internet und Co. funktioniert es gar nicht mehr ohne konzeptionelle Beratung und Bedarfsanalyse. Dass da immer noch Abstufungen gibt auch was die fachliche Qualifikation angeht ist natürlich klar.

Ich kenne heute gute Vertriebe und ich kenne schlechte aber ich bin kein Freund von Verallgemeinerungen.

Kommentar von casybeny ,

Das was du hier beschreibst gibt es leider immer noch . Das sind aber oft auch diejenigen die später mit den Stornos leben müssen , und dann die Arbeit wieder an den Nagel hängen .

Doch zum Glück hat der Staat insoweit eingegriffen , das man eine Sachkundeprüfung bei der IHK ablegen muss .

Dies unterteilt sich in

- § 34f GewO: Der Immobilien- und Darlehensvermittler vorher § 34c GewO

- § 34d GewO: Der Versicherungsvermittler

- § 34e GewO: Der Versicherungsberater

- § 34f GewO: Der Finanzanlagenvermittler

- § 34h GewO: Der Honorar-Finanzanlagenberater

-§ 34i GewO: Der Vermittler von grundbuchlich abgesicherten Immobiliendarlehen


Sachkundig ist, wer über die entsprechenden Kenntnisse in der
Kundenberatung (einschließlich der Produktkenntnisse) und bezogen auf die Finanzanlagen (Investmentfonds und Vermögensanlagen) besitzt einschließlich rechtlicher und steuerlicher Grundkenntnisse. Es muss dann eine entsprechende mündliche und schriftliche Prüfung zum Nachweis dieser Sachkunde vor der IHK abgelegt werden, bevor die Tätigkeit
ausgeübt werden darf. Bestimmte Berufsausbildungen (z. B. als
Bankfachwirt) werden (eingeschränkt) als Nachweis der Sachkunde anerkannt.

Und als nächstes wird die IDD ( Insurance Distribution Directive) eingeführt .

Also unterm Strich trennt sich immer mehr die Spreu vom Weizen.



Kommentar von DolphinPB ,

Gilt auch für kevin1905: Das sehe ich anders, es werden zwar weniger aber das Problem ist keineswegs weg. Mal von der DVAG abgesehen (z.B. Ausnahmeregelungen bei Qualifikationen usw.), gibt es leider immer noch viel zu viele Strukki-Typen die da draussen herumrennen (Tecis, OVB, Swiss Life Select, andere kleinere) und im aufgehübschten Gewand denselben Sch.... verzapfen wie früher.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten