Frage von thealaurie, 113

Was haltet ihr von Parelli?

Ich finde einige Methoden sinnvoll, von anderen halte ich gar nichts. Außerdem denke ich, dass jedes Pferd individuell ist und auch ein individuelles Training braucht, da gibt es, zumindest für mich, keine Regeln, die für alle Pferde ausnahmslos gelten. Was denkt ihr darüber?

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 17

Ich halte nicht viel von Parelli. Einiges davon ist für die Basiserziehung ganz gut. Mein Pferd hat die Basics in NHS gemacht, mehr brauchen wir nicht.
Ich kenne Parelli natürlich nicht persönlich, aber einige seiner Anhänger. Nein danke.

Die ganze Philosophie von Parelli und seinen Anhängern ist mir zu sehr auf blanken Gehorsam ausgelegt. Natürlich muss mein Pferd auch hinreichend gehorsam sein, aber ich will schon auch seinen eigenen Willen sehen. Es darf sich ärgern und auch mal meine Befehle in Frage stellen. Schließlich ist mein Pferd kein Roboter. Und viele Pferde weit fortgeschrittene Parellipferde sind Maschinenwesen, aber keine "lebenden" Tiere mehr.

Nein, es gibt Bessere als Parelli und Co. Linda Tellington z.B.

Parelli betont mir zu sehr die "Ich Cheffe, du nix" Ideologie. Und die mag ich nicht.

Dazu eine Geschichte:

in meinem Stall war eine Einstellerin, die eine fanatische Parellianerin war.
Sie arbeitete sehr viel mit ihrem Pferd und hat viel Geld für Kurse ausgegeben. Zugegeben, das Pferd war auch SEHR gehorsam. Es wackelte nicht mal mit dem Ohr, wenn sie das nicht wollte. In der Tasche nach Leckerlis wühlen? Niemals. Gott behüte! Sie konnte ihr Pferd in den Hänger steigen lassen, wenn sie 5 m daneben stand. Sie musste nur mit den Fingern schnipsen.
Allerdings wirkte ihr Pferd nie fröhlich, immer motzig, depressiv, desinteressiert. Wenn sie kam und das Pferd sie von weitem sah, ging es weg.
Dann allerdings verliebte sich die Besitzerin und hatte fortan viel weniger Zeit für ihre Stute. Sie versorgte sie immer noch vorbildlich und ritt sie auch, aber es gab keine 3 Stunden Parelli-Bodenarbeit mehr. Und ihr Pferd wurde von Tag zu Tag fröhlicher. Und ein bißchen ungehorsamer. :-)

Nein, ich lehne Parelli weitestgehend ab.

Antwort
von VanyVeggie, 59

Es gibt verschiedene Arten von Horsemanship, da muss man eben schauen was passt. Man muss sich ja auch nicht auf eine Methode schlagen, man kann auch zwei Methoden verknüpfen und/ oder etwas Individualität mit einbringen. 

Ich für meinen Teil finde Parelli toll so wie es ist. Mein Wallach hat auch gut mitgemacht. Hab aber auch mal mit einer Stute gearbeitet wo man etwas abwandeln musste, da sie mit bestimmten Vorgaben nicht klar kam. Kenne auch Pferde die mit dem ganzen Programm nicht umgehen können. 

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde & reiten, 41

Über Parelli weiß ich nicht das meiste - Horsemanship halt. Hab mich aber auch noch nicht wirklich mit ihm und seinen Thesen auseinandergesetzt. Was mir extrem in Erinnerung geblieben ist, das ist eine Vorführung einer nach Parelli arbeitenden Truppe auf der Equitana letztes Jahr, die mich nachhaltig negativ eingenommen hat. Unter anderem stieg da ein Pferd in den fahrenden, offenen Pferdehänger - mit Reiter drauf (!!!!!!)

Auch das angebunden hinter dem fahrenden Hänger hertrabende Pferd stieß bei mir nicht auf Bewunderung, sondern auf echte innere Ablehnung. Unnötig, blödsinnig und hat nichts mit dem Alltag von Pferd und Reiter zu tun. Meine Pferde stehen im Hänger wenn er fährt und so einen gefährlichen Bockmist würde ich nicht machen. - Das Pferd braucht doch nur mal zu stolpern.........

Und die Vorhandlastigen Vorführungen der reitenden Parelli-Begeisterten haben mich auch nicht überzeugt- genau so wenig wie teils blanken Kandaren in den Pferdemäulern. Ist nicht meins.

Natural Horsemanship ist vom Grundprinzip Pro Pferd und hat viele extrem gute Ansätze. Nur das was teilweise gemacht wird , um schnelle Resultate und schnelle Erfolge zu erzielen, ist nicht immer das, was nachhaltig und Pro Pferd ist - aber es verschafft den jeweiligen Gurus den Ruf, der dafür sorgt, dass es wirtschaftlich gesehen läuft.


Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 34

ich halte generell nicht viel von "philosophien".

im endeffekt basieren diese ganzen "methoden" immer nur auf einer guten geschäftsidee, die an die bedürfnisse der aktuellen pferdehalter angepasst wird.

es gibt pferde, mit denen kann man nach 2 stunden frei arbeiten, wenn man zeit hatte, das pferd ein oder zwei tage kennenzulernen. und es gibt durchaus pferde, die brauchen autorität, bzw. deutlich nachdruck in dem, was man von ihnen fordert, weil sie sonst nicht bei der sache sind oder temperamentsprobleme haben.

in der regel gehts darum, dass du bei der arbeit mit dem pferd das eigene risiko beim erreichen der geplanten ziele gering hältst.

und an diesem punkt fängt die arbeitsplanung und die einteilung der lektionen inklusive prioritätensetzung an.

es gibt dreijährige, mit denen kann man direkt anfangen zu arbeiten und muss eher aufpassen, sie nicht zu überfordern, weil sie zuviel anbieten - und es gibt vier- und fünfjährige, bei denen hapert es immer noch an der grunderziehung.

ich finde da unter den pferdetrainern vieles, was ich gerne und mit gutem erfolg anwende - und wieder anderes lasse ich ganz, weil ich darin keinen sinn erkennen kann.

Antwort
von LoveDancing, 55

Ich sehe es genauso wie Viowow. Ich finde es ist eine schöne Inspiration. Allerdings habe ich noch keines der Spiele genau so angewendet, wie es beschrieben wurde. Zum Beispiel benutze ich ändere Signale , die individuell auf das Pferd abgestimmt sind.

Kommentar von friesennarr ,

Das ist ja aber genau das was ein richtiger Impuls ausmacht. Man soll nicht versuchen alles nach einem Guru zu machen, sondern selbst herausfinden was für dieses eine Mensch - Pferd Paar passt.

Ich habe mir schon wirklich viele Leute angesehen die mit Pferden arbeiten und von jedem habe ich bestimmt ein oder zwei Punkte mit nach Hause genommen, angewand habe ich es aber immer so wie es mir sinnvoll erschien, deshalb arbeite ich mit meinen Pferden in "meinem" Arbeisstil und nicht in der von jemand anderem.

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 42

Nix - absolut gar nix.

Kommentar von Dahika ,

meine Freundin hat  einen Stand auf der Equitana. Und ist abends, wenn die Besucher weg sind, immer noch da. Sie kann dann den Trainern für die Show am nächsten Tag zugucken. Und tut es auch.
Sie hat mir über Parelli und seine Trainer wörtlich gesagt: "das, was die im Training hinter verschlossenen Türen  mit den Pferden machen, willst du nicht sehen. Mit Tierfreundlichkeit und Horsemanship hat das jedenfalls nichts zu tun."

Kommentar von friesennarr ,

Was denkst du warum ich den nicht mag?

Antwort
von Viowow, 52

ich mache es prinzipiell so, das ich mir aus jedem reit-bzw arbeitsstil das raussuche, was ich als sinnvoll erachte und es dann entsprechend an meine arbeitsziele und das pferd anpasse. auch elemente von parelli habe ich da mit bei. :)

Kommentar von friesennarr ,

DH für das zusammensuchen von Arbeitsstielen und das anwenden von dem was für dich und dein Pferd passt.

Ich hab keine Elemente von Parelli drin, weil ich den Typ absolut nicht leiden kann - dessen Jünger quatschen sehr oft einen riesigen Müll daher.

Kommentar von Viowow ,

Danke, Friesennarr. ja, solche "Parellijünger" kenne ich auch🙈

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