Frage von Muadeep, 107

Was haltet Ihr von Homöopathie und Naturheilpraktik?

Antwort
von uteausmuenchen, 48

Hallo Muadeep,

zuerst einmal: Homöopathen stellen die Homöopathie gerne als Naturheilkunde dar. Webseiten und Artikel werden grundsätzlich mit den Bildern von bunten Blümchen oder fröhlichen, über Wiesen laufenden Kindern verziert.

Tatsächlich ist das eine reine Werbestrategie, weil in der modernen Gesellschaft Begriffe wie "natürlich" oder "sanft" oder "nebenwirkungsfrei" beim Kunden sehr, sehr positiv besetzt sind.

Homöopathie ist keine Naturheilkunde, weil ihr Gedankengebäude nichts mit den natürlichen Heilwirkungen von Pflanzen, Tieren oder Mineralien zu tun hat.

Homöopathie ist eine 200 Jahre alte, feststehende Lehre, die auf den sächsischen Arzt Samuel Hahnemann und dessen Schriften zurückgeht. Homöopathie beruht auf der Vorstellung, dass Beschwerden mit denjenigen Präparaten heilen zu können, die ganz ähnliche Präparate beim Gesunden hervorrufen. Die verabreichten Homöopathika sind dabei derart verdünnt, dass sie keinerlei Atome des behaupteten Inhaltsstoffes mehr enthalten. Eine Wirksamkeit dieser Methode über die immer zu erwartenden Placebo- und Kontexteffekte hinaus konnte nie nachgewiesen werden.

Das Ganze habe ich hier einmal beschrieben:

https://www.gutefrage.net/frage/was-bringt-homoepathie-und-wenn-es-was-bringt-wa...

(Dort ist auch ein Link auf ein sehr gutes Paper zu Deiner Frage: https://www.researchgate.net/publication/279966284_Complementary_and_alternative... Tipp: ab Seite 24 steht derselbe Text auf Deutsch)

Dort bin ich auch darauf eingegangen, was von der Homöopathie zu halten ist: Das Problem ist nicht, dass es sich um ein Placeboverfahren samt intensiven Arzt-Patientengesprächen handelt. Das Problem an der Homöopathie ist, dass ihre Vertreter den Patienten gegenüber mit dieser Tatsache nicht ehrlich umgehen. Nicht selten werden Patienten sogar von Homöopathen seriöse, nachweislich wirksame Therapien ausgeredet. Das gilt leider auch für ernste Erkrankungen wie Krebs.

Ganz allgemein werden neben der Homöopathie eine ganze Reihe vollkommen unplausibler Placeboverfahren (Anthropsophika, Kinesiologie, ...) als "Alternativmedizin" angeboten und vom Laien mit echter Naturheilkunde verwechselt.

Echte Naturheilkunde beruht auf den natürlichen Wirkungen der in Pflanzen, Tieren und Mineralien enthaltenen Wirkstoffe (Phytotherapie) oder auch auf mechanischen Wirkungen (Massagen) oder Temperatureffekten (Wechselduschen für den Kreislauf). Diese Methoden haben gezielte Wirkungen - aber entsprechend auch Nebenwirkungen. Phytotherapeutika wechselwirken genau wie alle anderen echten Medikamente auch mit anderen Medikamenten und erzeugen Nebenwirkungen oder können allergische Reaktionen auslösen.

Als Verbraucher sollte man sich hier nicht von bunten Werbebildchen und Wunschdenken leiten lassen. Verfahren, die "Nebenwirkungsfreiheit" versprechen, haben auch keine gezielte Wirkung - oder eben doch auch Nebenwirkungen. Verfahren, die damit werben, bei allen(!) Beschwerden einsetzbar zu sein, sollte man immer skeptisch gegenüber stehen. Unser Körper ist komplex, die Mechanismen, die zu Beschwerden führen, sind vielfältig. Wunder- und Allheilmittel, die bei einfach allem einsetzbar sind, sind ein Wunschtraum.

Das Geschäft mit der Verzweiflung, mit Ängsten von Patienten oder mit dem Frust über Probleme im Gesundheitswesen, ist leider ein leichtes: Nur allzu oft hört der Patient auf, nachzufragen, sobald ihm ein charismatischer Therapeut lächelnd verspricht, was zu hören der Patient ersehnt: Nämlich, dass es eine einfache Lösung für alles gibt.

Vernünftig ist, umso hellhöriger zu werden, je schöner die Versprechungen klingen: Was zu schön ist, um wahr zu sein, das ist es in aller Regel auch. In jedem Falle aber bei der Homöopathie.

Grüße

Kommentar von xAdmiralAckbarx ,

FETTER DH!

Kommentar von MalNachgedacht ,

Da kann ich mich nur anschließen. Wobei eigentlich praktisch jeder Beitrag von Ute einen großen Daumen hoch verdient!

Antwort
von Christianwarweg, 63

Ich weiß nicht genau, was mit Naturheilpraktik gemeint ist.

Von pflanzlichen Arzneimitteln halte ich viel.

Von Homöopathie halte ich nichts. In Niedrigpotenzen ist es meist eher Phytotherapie, in Hochpotenzen reine Placebobehandlung.

Zwar sollte man den Placeboeffekt nicht außer Acht lassen und es spricht auch nichts dagegen, ihn zu nutzen, man darf sich aber nicht allein darauf verlassen. Daher halte ich es für sinnvoller, es normalen Medizinern zu ermöglichen, sich so eingehend mit ihren Patienten zu befassen, wie es Homöopathen möglich ist, ihnen dann aber auch entweder halt gar nichts (außer vielleicht Ruhe, leichte Kost), oder eben ein angebrachtes echtes Arzneimittel zu verordnen.

Antwort
von BurkeUndCo, 29

Das sind 2 völlig verschiedene Dinge.

Von Naturmedizin halte ich viel, und viele Medikamente (auch viele die heute chemisch hergestellt werden) haben einen natürlichen biologischen Ursprung.

Homöopathie - zumindest die reine Lehre nach Hahnemann - ist seit über 100 Jahren, seit dem Nachweis, dass es Atome gibt, absolut überholt und nur noch als Märchen anwendbar (davon leben manche gut). Natürlich gibt es auch hier den Placebo-Effekt, aber warum sollte man dann nicht gleich einen echten Wirkstoff verwenden und dann dessen Wirkung noch durch Placebo unterstützen lassen.

P.S. Auf einen Nachweis, dass irgendein Hochpotenz-Homöopathikum bei irgendeiner Krankheit besser wirkt als reines Placebo, darauf warten alle schon seit 200 Jahren - wahrscheinlich kann man aber hier noch sehr lange warten. (Dinge, die der Physik widersprechen, ereignen sich eigentlich nie.)

Antwort
von vitus64, 55

Die Wirksamkeit von Homöopathie konnte durch keine Studie, die wissenschaftlichen Standards gerecht wird, belegt werden.

Kommentar von Christianwarweg ,

Ja, aber was hältst du von ihr? Immerhin würde einige Leute das als besonderes Güteprädikat interpretieren. :D

Kommentar von vitus64 ,

Ich halte nichts davon, eben weil die Wirksamkeit widerlegt ist.

Antwort
von hpruetten, 21

Ein Krankheitssymptom kann man nur erfolgreich behandeln, wenn man die Ursache erkennt und behandelt. 

Dies kann ausschließlich die Homöopathie, TCM oder die Phytotherapie. Die schulmedizinische Behandlung ist eine Reparaturmedizin und diese unterdrückt lediglich die Symptome, statt sie auszuheilen.

Kommentar von uteausmuenchen ,
Die schulmedizinische Behandlung ist eine Reparaturmedizin und diese unterdrückt lediglich die Symptome, statt sie auszuheilen.

Schlicht falsch. Anders kann man es nicht ausdrücken. Erst die medizinische Forschung nach den Ursachen von Krankheiten hat zum heutigen Wissen über die Entstehung von Krankheiten und die in unserem Körper ablaufenden Funktionen geführt. An all diesem Wissen hat z.B. die Homöopathie nicht den geringsten Anteil.

Medizin behandelt Krankheiten wo immer möglich ursächlich. Man denke allein an die mit dem medizinischen Wissen einhergehenden Hygienevorschriften. Erst das Wissen um Infektionsherde hilft sie zu meiden - ursächlicher als die Krankheitsvermeidung kann eine Behandlung gar nicht mehr sein.

Es lässt tief blicken, wenn man Verfahren wie die Homöopathie, die nun einmal sicher NICHT ursächlich behandeln (Mittelwahl allein anhand der wahrnehmbaren Symptome, der Patient ist eine "Blackbox", die biologischen Vorgänge in ihm werden nicht betrachtet) mit der Verbreitung gezielter Falschinformation über echte Medizin bewerben muss...

Kommentar von MalNachgedacht ,

Ein Krankheitssymptom kann man nur erfolgreich behandeln, wenn man die Ursache erkennt und behandelt. 

Dies kann ausschließlich die Homöopathie,  TCM

In der Homöopathie wird das "passende" Mittel das angeblich heilen soll AUSSCHLIEßLICH auf Basis der beobachtbaren Symptome und deren Begleitumstände ausgewählt.

Wodurch diese Symptome verursacht wurden ist aus homöopathischer Sicht vollkommen belanglos und Samuel Hahnemann der sich die Homöopathie vor über 200 Jahren ausgedacht hat rät in seinem Standardwerk "Organon der Heilkunst" auch davon ab sich mit der Suche nach Krankheitsursachen zu beschäftigen.

Die Ursache einer Krankheit ist aus Sicht der Homöopathie sowieso immer eine "Verstimmung der Lebenskraft" - egal ob Schnupfen oder Lungenkrebs.

In der traditionellen chinesischen Medizin werden Krankheiten hingegen durch feindselige Dämonen verursacht die den Körper des Kranken heimsuchen. 

Dagegen schützen dann z.B. auch Amulette die allerdings Mao bei seiner Neuerfindung der "TCM" aus dem Katalog gestrichen hat - wie einigen anderen esoterischen Unsinn auch damit die TCM zumindest oberflächlich nicht vollkommen absurd erscheint.

Kommentar von Naiver ,

Danke hpruetten...,

"Reparaturmedizin und diese unterdrückt lediglich die Symptome"

das sind Worte, die mir so oft fehlten! Allopathie doktort vornehmlich daran herum, 'gegen' die Symptome zu wirken, anstatt das fehlende Gleichgewicht (das meinte Hahnemann wohl) zu unterstützen. Na, Symptomtherapie erfährt man ja leider allerorts und wird glücklicherweise trotzderm noch gesund! ;- ))

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