Frage von guudtoknow, 67

Was haltet ihr von der Evulotionsgeschichte. Wenn ein Fisch an Land geht dann stirbt er Wenn er 3 Sekunden länger atmet vererbt er das nicht weiter oder doch?

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 58

Zunächst einmal handelt es sich bei der Evolution nicht um eine Geschichte, sondern um ein vielfältiges und riesiges Forschungsgebiet, das noch hunderttausende Biologen für viele Jahre beschäftigen wird. Dass es eine Evolution gegeben haben muss, ist angesichts der Faktenlage heute in der Wissenschaft unstrittig. Es kann eigentlich niemand unvoreingenommen die Liste der Belege betrachten und die Evolution dann immer noch abstreiten. Sämtliche Evolutionsgegner sind durch religiöse Ansichten voreingenommen und die meisten haben von ihnen haben sich niemals mit der Materie auseinandergesetzt.

Was dein Beispiel mit dem Fisch angeht: So funktioniert Evolution nun mal nicht. Der Fisch verändert nicht seinen Körper, damit er an Land überleben kann. Vielmehr haben die Fische, die durch besondere Merkmale die Fähigkeit besitzen, außerhalb des Wassers zu überleben, einen Vorteil gegenüber anderen Fischen. Durch ihre längere Lebenszeit pflanzen sie sich häufiger fort und dadurch verbreiten sich ihre Merkmale stärker als andere.

Zu diesem konkreten Fall mit dem Landgang der Wirbeltiere sieht der heutige Kenntnisstand übrigens so aus: Tiere, also auch Fische, brauchen Sauerstoff zum Leben. In geringen Mengen  ist Sauerstoff auch im Wasser gelöst. Fische filtern diesen Sauerstoff aus dem Wasser, das über ihre Kiemen fließt, direkt ins Blut. Vor allem in flachen Gewässern, wie Lagunen, kann es aber zu einem Mangel an Sauerstoff kommen. Fische können diesen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, indem sie Wasser schlucken und den Sauerstoff darin nun auch über die Darmwand aufnehmen. Ist noch weniger Sauerstoff vorhanden, stecken sie auch schon mal den Kopf aus dem Wasser, um Luft zu schlucken, in der der Sauerstoff wesentlich höher konzentriert ist. Das machen sogar heutige Aquariumsfische, wenn sie aufgrund von schlechter Haltung oder Krankheit nicht genug Sauerstoff bekommen. 

Wenn ein einzelner Fisch nun eine Ausstülpung des Darms (bei Embryos entwickelt sich die Lunge auch aus dem vorderen Darm) aufweist, die durch eine zufällige Mutation (die treten immer und überall auf und haben manchmal einen Effekt auf den Körper) aufgetreten ist, kann er durch diese Oberflächenvergrößerung mehr Sauerstoff aus einem einzigen Schluck filtern als seine Artgenossen. Bei besonders flachem und warmen Wasser kann so ein Merkmal über Leben und Tod entscheiden. Auf jeden Fall haben Fische in flachen Buchten mit einer solchen Ausstülpung größere Überlebenschancen als welche ohne. Durch weitere Einstülpung dieses Lungensacks wird die Sauerstoffaufnahme noch vergrößert.

Vor rund 400 Millionen Jahren hatten einige Fische wohl so gut entwickelte Lungen, dass sie auch für eine gewisse Zeit ganz ohne Wasser auskamen. Sie konnten wohl ans Ufer robben (ihre Vorfahren hatten starke Flossen, da sie eher am Grund von Gewässern lebten als im freien Wasser), was ihnen wiederum einen Vorteil einbrachte, da sie sich nun neue Nahrungsquellen erschließen konnten (Pflanzen und Insekten gab es schon lange vor den Wirbeltieren an Land) oder vor Räubern fliehen konnten bzw. ihre Eier außerhalb der Reichweite von Räubern im flachen Wasser ablegen konnten. Aus dieser Zeit sind einige sehr schöne Fossilien erhalten geblieben, wie etwa Panderichthys und Tiktaalik.

Wenn sich diese Fähigkeiten über eine sehr lange Zeit ausbauen und optimieren konnten, trennt diese Fische eigentlich kaum noch etwas von echten Amphibien. Amphibien sind heute noch für wichtige Bereiche ihres Lebens (Eiablage, Larvenstadium, Hautatmung...) auf das Wasser angewiesen. Wie die Wirbeltiere ihre Unabhängigkeit vom Wasser (Amnioten) gewonnen haben, ist wiederum eine ganz andere Sache, ich habe mich jetzt schon genug in diesem spannenden Thema verquatscht.

Antwort
von uteausmuenchen, 46

Hallo guudtoknow,

ich hoffe jetzt einfach einmal, dass das hier keine Missionierungsfrage ist, die hier manchmal auftauchen, sondern, dass Du es wirklich wissen willst...

So, wie Du Dir das vorstellst, funktioniert das freilich nicht. Nur: So beschreibt es weder die Evolutionstheorie, noch der fossile Befund.

Die ET beschreibt Mechanismen, die dazu führen, dass sich die Merkmale der Lebewesen in Generationenfolgen über Jahrmillionen hinweg verändern.

Die Individuen einer Tierart sind ja nicht alle genau gleich. Mache sind ein bissi größer, manche ein bissi kleiner, manche ein bissi kräftiger, manche ein bissi geschickter.... Jedem Individuum erleichtern oder erschweren "seine" Merkmale den Überlebenskampf: Wir es leichter oder schwerer genug zu fressen finden? Wird es mehr oder weniger Chancen zur Paarung kriegen? Wird es leichter als andere in seiner Gruppe zum Opfer von Fressfeinden?

Über lange Zeiträume haben die Individuen mit den Merkmalen, die ihnen in ihrem Lebensraum die besten Überlebenschancen bieten, mehr Nachkommen als die mit den schlechter angepassten Merkmalen. Die Gene der schlechter angepassten Tiere werden seltener vererbt - und verschwinden nach und nach aus der Gruppe der Tiere. Die durchschnittswerte, wie denn die Merkmale der Gruppe aussehen, verschieben sich dadurch mit der Zeit.

Auf sehr lange Zeiträume können sich die Merkmale so eben extrem stark - immer gesteuert durch die jeweiligen Umweltbedingungen - verändern.

Die Befunde, die für die ET sprechen, sind überwältigend. Erst über die ET verstehen wir, warum die Tiere in ihren Lebensräumen so aussehen, wie sie es eben tun. Wir verstehen, warum wir ein bestimmtes Fossilienmuster finden - also die Verteilung der Fossilien über die erdzeitalterlichen Schichten.

Die ET ist eine der am besten gesicherten naturwissenschaftlichen Theorien überhaupt. Sie steht mit Recht an zentraler Stelle im Theoriennetz der Naturwissenschaften.

Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution!

So hat es der Biologe Dobzhansky einmal sehr passend gesagt.

Jetzt zu Deinem "Fisch". Wie ging das denn tatsächlich?

Das Leben hat sich im Meer entwickelt. Entsprechend gab es auch Jäger und Beutetiere unter den Fischen.

Für Beutetiere war es deshalb sicher ein Vorteil, wenn sie sich auch in flachere Stellen in Ufernähe zurückziehen konnten. Oder gar die Eiablage in so flachen Stellen erledigen konnten, die ihre Jeger nicht erreichen konnten.

Wer nur weiter raus kam zur Eiablage, der hatte schon einen Vorteil gegenüber den anderen. Dann wurde ja ein anderes Gelege gefressen.

Das ist ganz typisch: Der Vorteil, der hier zur Evolution führte, war zunächst keineswegs tatsächlich an Land zu gehen. Ziel war es, im flachen Wasser zu sein.

Natürlich folgten die Jäger in dieser Entwicklung. Das schaukelt sich über viele, viele Generationen immer weiter auf.

Tatsächlich ist es bereits bei diesem Überlebenskampf von Vorteil, wenn man eine primitive Lunge hat. Oder etwas über Land robben kann, wenn einen eine Welle doch mal weiter aus dem Wasser schiebt. Entsprechend bildeten sich diese Merkmale bereits vor dem eigentlichen "Landgang" aus.

Aussagen wie "wer braucht Beine und Lungen, wenn er im Wasser lebt" sind also hochgradig irreführend. Der Flachwasserbereich war eine umkämpfte Lebenszone.

Recht interressant stellt Neil Shubin das in seinem Film "Der Fisch in uns" zusammen, bei dem es um Tiktaalik geht, eines der ersten Tiere, die es zu richtigen (kurzen) Landgängen gebracht haben dürfte.

http://www.zdf.de/zdfinfo/unsere-geheimen-vorfahren-37421730.html

Grüße

Antwort
von mychrissie, 21

Was hast Du denn für eine Vorstellung von Evolution, das geht doch nicht von einer Minute auf die andere.

Diese Fische haben sich im seichten Uferwassen aufgehalten, Ab und zu sind sie auch in den Schlamm gekrochen, um dort Beute zu finden. Die, welche durch Zufall etwas länger außerhalb des Wassers atmen konnten, hatten eine größere Chance gut ernährt das Fortpflanzungsalter zu erreichen. Die Kinder erbten dann die Fähigkeit, etwas länger Beute auf dem Trockenen machen zu können und haben Generation für Generation die "looser" dieser Spezies verdrängt, bis sie dann im Wasser als auch auf Land leben konnten. Ein Teil hat sich dann für das Landleben entschieden, weil sie in dieser Umweltnische eine geringere Nahrungskonkurrenz hatten.

Und dieser Prozess zog sich über Jahrhunterttausende, wenn nicht Millionen Jahre hin. Möglicherweise auch mit Rückschlägen, weil es in diesen Bereichen durch Überschwemmungen plötzlich keinen Uferschlamm mehr gab. Dann hatten natürlich die, die im Wasser geblieben waren, einen evolutionären Bonus und waren vielleicht die Ur-ur-urahnen der Fischspezies', die heute oft eine halbe Stunde lang außerhalb des Wassers atmen können.

Ich schließe aus Deiner Frage, dass Du nur zu einem Punkt der Evolutionsgeschichte einen Zweifel äußen wolltest, und nicht aus religiösem Wahn die Evolution grundsätzlich infrage stellst. In diesem Fall wäre allerdings jedes Wort meines Diskussionsbeitrages in gleichen Maße verschwendet, wie wenn Du behauptet hättest, der Mond sei dreieckig.

Antwort
von carinoundpaco, 66

Die Evolution verläuft über sehr viele Generationen. Sollten sich im Laufe dieser Generation Eigenschaften durch Änderung der Erbsubstanz ergeben, die das Überleben erleichtert, hat diese Art bessere Chancen, sich zu erhalten.

Wenn die Eigenschaft des Fisches, an Land nicht so schnell zu sterben,

genetischer Natur ist, besteht die Möglichkeit, dass deren Nachkommen diese Eigenschaft besser ausbilden und sich so eine Art heraus bildet, die auf den Sauerstoff im Wasser kaum noch angewiesen ist. Siehe Amphibien.

Antwort
von Andrastor, 45

Was ich davon halte? Viel, immerhin ist sie eine längst bewiesene Tatsache.

Aber es ist nicht so das ein Fisch auf einmal an Land sprang und rief "hey Leute, Luft ist geil!" und alle seine Nachkommen genauso reagierten.

Das hat viele Jahrhunderttausende lang gedauert und sicher waren einige Mutationen im Spiel, die im Endeffekt zu diesem Ergebnis geführt haben.

Antwort
von voayager, 38

Vieles an Änderungen geschieht durch den Gezeitenwechsel.

Antwort
von howelljenkins, 67

google mal lungenfische, quastenflosser, knochenfische ... etc.

Antwort
von Harvix, 61

Glaubst du "der" Fisch ist auf das Land geschwommen und hat sich sofort weiterentwickelt? Das dauert Millionen von Jahre. 

Antwort
von ThomasJNewton, 26

Ich kenne keine Evolutionsgeschichte.

Schick doch einfach die Hausaufgabe, oder einen Link.

Antwort
von Dagobert420Duck, 42

So wie es aussieht verstehst du die Evolutionstheorie nicht ganz. :)

Antwort
von wolfram0815, 55

So schnell ging der Fisch sicher nicht an Land. Das hat ewig gedauert. 

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