Frage von VIELLERNERIN, 30

Was haltet ihr von dem Prinzip der Inklusion und glaubt ihr, dass es in Deutschland funktionieren kann?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Polepolepolska, 5

Hi,

Zu Anfang: Ja, ich bin für das Prinzip der Inklusion und ja, es kann auch in Deutschland funktionieren.

Nun meine Begründungen und Hintergrundgedanken:

Wir begeben uns zurzeit am Anfang der Inklusion. Und ich unterstütze den Gedanken der Inklusion! :)
Aber da wir uns beim Anfang befinden, läuft noch vieles falsch bzw. es braucht seine Zeit.

Das bedeutet Inklusion an Schulen für mich (So stelle ich mir das vor):
Das ganze Schulsystem muss umgekrempelt werden! Das Schulsystem, wie wir es jetzt kennen, wird da nicht funktionieren. Noten finden da keinen Platz. Große Klassen ebenfalls. Und die Klassen werden nicht nach Alter eingeteilt, sonder nach Fähigkeiten/Kompetenzen, welche die Person mitsichbringt.
Und die individuelle Förderung wird im Vordergrund stehen. Nicht, wie wir es heute kennen: Alle lernen das gleiche.
Sondern es wird bei jedem geguckt, auf welchem Entwicklungsstand er sich befindent, welche Ressourcen er mitbringen etc.

Es ist für uns, auch für mich, schwierig sich so eine Schule vorzustellen. Aber anders sehe ich da nicht die Möglichkeite, eine vollwertige Schule nach dem inklusiven Gedanken zu erstellen.

Der Fehler unser  Politik ist, dass Geld gespart wird und versucht wird, Menschen mit  Behinderung in das "Regelschulensystem" zu integrieren. Das ist jedoch der falsche Weg. Die Regelschulen müssen sich gravierend ändern. Das bedeutet nicht, dass sich nicht nur die Räumlichkeiten ändern. Der Lehrer wird eine andere Position einnehmen müssen (Ich habe da
Montessori immer im Kopf). Die Gesellschaftsstrukturen müssen sich
ändern (Noten nicht als Leistungsmaßstab) und vieles mehr.

Wie gesagt. Wir sind am Anfang. Und ich finde es schade, dass sich da die
Politik so wenig einsetzt und investiert. Unser Bildungssystem sollte grundletzlich geändert werden, nicht nur aufgrund der Inklusion. Unser Bildungssystem wird dem heutigen Wissen über die Lernprozesse leider nicht gerecht.

Man muss aber auch erwähnen, dass die Pädagogik eine relativ junge Wissenschaft ist und sich diese stetig weiterentwickelt. Die Entwicklung der Inklusion in Deutschland hängt also vom pädagogischem Wissen und deren Umsetzungsbereitschaft stark zusammen....

Ein kleines Fazit meiner Aussagen: Ich bin der Meinung, dass Inklusion in der Zukunft gut funktionieren wird. Aber das wird noch einige Zeit dauern. Zurzeit sind die "materiellen" und "gesellschaftlichen" Strukturen nicht außreichend, um so eine Vision innerhalb kurzer Zeit umzusetzen... Förderschulen sind für einige Kinder mit Behinderung zurzeit, meiner Meinung nach, die bessere Wahl, weil Regelschulen den Bedürfnissen manchen Kindern nicht gerecht werden.

LG :)

Antwort
von Skinman, 12

Prinzipiell halte ich da sehr viel von, aber da es in Deutschland nur als neuestes pseudo-pädagogisches Buzzword genutzt wird, um Sparmaßnahmen an der Bildung zu verbrämen, ist sie zum Scheitern verurteilt wie alles andere auch.

Antwort
von amdphenomiix6, 21

Mit genügend qualifiziertem Personal kann es u.U. funktionieren, jedoch scheuen sich die Länder davor, Geld in die Hand zu nehmen, wollen sich aber trotzdem profilieren. In unserer derzeitigen Situation ein klares Nein. Nur frage ich mich, was beide Parteien davon haben sollen?
Ich kann leider nur für Bayern sprechen, die Situation in anderen Bundesländern kann ich schlecht beurteilen.

Kommentar von VIELLERNERIN ,

Also bist du der Meinung, die Theorie ist da, aber es will keiner in Bayern wagen?

Naja, für Menschen mit Behinderung ist es bestimmt besser, wenn sie zum Beispiel in eine Regelschule gehen können. Dadurch fühlen sie sich nicht mehr ausgegrenzt. Außerdem kann ein Leben mit Menschen mit Behinderung auch völlig neue Einsichten bringen und andere Lösungsmöglichkeiten.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass Inklusion umgesetzt wird. Denn auch Menschen mit Behinderung haben das Recht auf ein Leben innerhalb der Gesellschaft.

Kommentar von amdphenomiix6 ,

Ich bin der Meinung, dass in Bayern zu wenig Geld dafür vorhanden ist. Selbstverständlich haben diese Menschen ein Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft. Jedoch ist m.E. nach in einen Raum mit 30 Kindern gesetzt zu werden, mit denen schon ein normaler Pädagoge völlig überfordert ist, äußerst kontraproduktiv.

Kommentar von VIELLERNERIN ,

Natürlich wären Änderungen in der momentanen Bildungspolitik nötig. Kleinere Klassen, mehr Lehrer, ...

Ich hoffe, dass irgendwann Inklusion möglich ist und alle Menschen einsehen, dass das zusätzlich dafür ausgegebene Geld gut angelegt ist.

Kommentar von amdphenomiix6 ,

Die Frage ist, wie du "behindert" definierst. Körperliche Behinderung ist m.E. kein großes Hinderniss, geistige jedoch u.U. schon. Ich glaube kaum, dass man einen shizophrenen, bzw. einen unter dem Tourette-Syndrom Leidenden vernünftig mit gesunden Menschen unterrichten kann.

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