Was haltet ihr von dem Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie?

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8 Antworten

Etwas ähnliches wird bereits im Inselstaat Vanatu prakitziert. Dort gilt als gesellschaftliche Übereinkunft, dass sämtliche politischen Maßnahmen und Entscheidungen danach getroffen werden, ob sie die Zufriedenheit der Bevölkerung steigern oder nicht. Gewinnmaximierung für eine kleine Elite spielt absolut keine Rolle.
Vanatu gehört damit zu den wirtschaftlich schwächsten Ländern der Erde, allerdings sagen Statistiken immer wieder, dass dort die zufriedensten und glücklichsten Menschen weltweit wohnen.

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Um jetzt nicht gleich negativ zu vorverurteilen: Im Prinzip ist die Verfolgung des Gemeinwohls eine gute Sache. Dieses Ziel hat auch Adam Smith als Ziel seiner Ökonomie gesetzt und Mill und Mises. Es gibt keinen Ökonomen, der irgendwelche Handlungsvorschläge gemacht hat, mit deren Verfolgung es der Gemeinschaft schlechter gehen sollte. Das Problem der Widersprüche aller Vorschläge ist, dass es keine sachliche Vorstellung gibt, was ein Gemeinwohl ist. Gemeinwohl ist eine Wertung und da will der Biologe mehr Enten im See und der Astrophyiker mehr Raketen auf den Mars. Die Feststellung von Allgemeinwohl ist leider extrem Interessengeleitet.

Wenn Christian Felber so einfach von "freiem Markt" spricht und im gleichen Satz, dass aber die "nachhaltig Produzierenden" belohnt werden sollen, dann gibt es gleich zu Anfang viele Fragen: 1) Was ist nachhaltig? 2) Wer bewertet das? Die Verbraucher oder eine Nachhaltigkeitskommission? Hört man weiter zu, wird immer klarer, dass es mit dem "frei" auf dem Markt für alle Teilnehmer, auch für die Verbraucher, vorbei ist und dass an allen Ecken und Enden reglementiert wird - eine reglementierte Freiheit sozusagen. Reglementierung (soweit sie nicht für alle gleich gilt) würgt Kreativität ab. Schon jetzt herrscht bei uns in Deutschland zuviel Bürokratie, liegt zuviel Bewertung in den Händen uninteressierter Beamter.

Jetzt muss man wissen, dass es einen "freien Markt" oder besser "freie Märkte" gar nicht gibt. Das ist eine Illusion. Märkte sind per se bereits eine Reglementierung und es liegt an den Politikern, die Rahmenbedingungen festzusetzen. Wenn unsere demokratisch gewählten Politiker Rahmenbedingungen für Märkte festlegen, die diese aus dem Ruder laufen lassen, dann muss man die Politiker hinterfragen und deren Wähler (die ja meist im Einzelnen gar nicht wissen, wen sie da wählen). Es kann aber nie darum gehen, Einzelne zu bewerten sondern einen Bewertungsrahmen zu schaffen, der für alle gilt und nicht der Beamtenwillkür Tür und Tor öffnet. Das nämlich ist die Basis für Bestechlichkeit und Lobbyismus. Da die meisten Lobbyisten aus der Politik kommen, könnte man meinen, die schaffen sich vorher durch schwammige Reglementierung die Basis, sich später den Reglementierten als Lobbyist anzudienen. Wohlklingende, aber schwammige Begriffe und frei definierbare Werte hören sich erst mal gut an, sind aber das Einfallstor für Betrug und Bestechung.

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Fände ich gut - funktioniert aber nur, wenn alle 3 Ebenen denselben Stellenwert haben - aktuell leider Wirtschaft - lang lang lang nix - Politik - lang nix - Gesellschaft.

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Wäre ein zukunftsfähiges Modell.

Leider diktiert heute "die Wirtschaft" alles andere.
Unter anderem dadurch, dass dieses System ewiges Wachstum erzwingt.
Jeder mit Hirn weiss, dass das schiefgehen muss.

Deshalb sollten sich Politiker endlich an der Wahrheit orientieren, die Leute aufklären, anstatt nur auf ihre eigene Wiederwahl zu schielen und die ganze Zeit von Waxdumm zu schwafeln, ohne zu sagen, wie sie das gesellschaftsverträglich machen möchten.

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Kommentar von Interesierter
12.08.2016, 12:27

Wo wäre das zukunftsfähig?

Hältst du es für zukunftsfähig, wenn Leistung nicht belohnt, sondern bestraft wird? Bei diesem Grundsatz werden nur noch ein paar Idealisten arbeiten. Diese werden aber die Masse nicht versorgen können.

Jede Art von Kommunismus ist bisher am Egoismus und an der Faulheit der Meschen gescheitert.

Im Übrigen ist grenzenloses Wachstum nicht unmöglich. Die Bedürfnisse des Menschen sind unendlich. Sie werden nur durch seine finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Das wissen wir nicht erst seit heute. Du musst dich von der Vorstellung Wachstum=Ressourcenverbrauch trennen.

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Das nennt sich in der Realität "soziale Marktwirtschaft" und funktioniert in Deutschland seit den Gründungsjahren der Bundesrepublik erstaunlich gut.

Was sich Felber da ausgedacht hat, ist sicher eine nette Theorie, die wie viele derartige Theorien, an der Natur des Menschen zu scheitern verurteilt ist.

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Kommentar von scatha
12.08.2016, 12:44

Wir haben eine Marktwirtschaft nur auf den unteren Ebenen. Auf der höchsten, Volkswirtschaftlichen Ebene haben wir eine Planwirtschaft. Bzw. es gibt Direktiven. Nach dem Motto: Wer das Geld bekommt, bekommt die Macht. Wer also das Geld verteilt, verteilt die Macht ;)

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Hallo 120grammButter,

Also ich halte das Projekt durchaus für interessant. Die Zukunft wird zeigen, was daraus wird. Es gibt durchaus sozialverantwortliche Manager und und Unternehmer. Es gibt da durchaus mehrere solcher Projekte. Hier werden immer wieder solche veröffentlicht und darüber berichtet:

http://goo.gl/qtBHgT

Hier findest Du den Wochenüberblick:

http://goo.gl/qAFT

LG

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Diese Konzept löst das ganz zentrale Problem nicht: Gemeinwohl und unternehmerischer Erfolg stehen oft in einem- tatsächlichen oder scheinbaren- Widerspruch. 

Und auch Belohnungen für besonders gemeinverträgliches Wirtschaften ändern nichts daran, dass der Gewinn eines Unternehmens vor allem davon abhängt, wie groß sein unternehmerischer Erfolg ist. Deshalb ist eine Gemeinwohlökonomie zum Scheitern verurteilt. 

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Solche Konzepte führen fast zu 100 % IMMER dazu, dass viel geredet wird, was man alle machen müsste oder könnte. Nur für die Ausführung findet sich dann keiner.

Bestes Beispiel sind WGs. Da findet sich, trotz Plan, auch nie jemand der den Müll raus bringt.

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Kommentar von 120grammButter
12.08.2016, 11:57

Ich denke durch ein staatliches Zwangs-System wäre es wirklich unrealistisch. Es würden viele Menschen diesen Prinzipien widersprechen. Der Erfolg ist nur möglich, wenn freiwilliges Engagement aus Eigeninteresse bei einem solchen ökonomischen Projekt vorhanden ist.

Daher denke ich auch, dass ein solches Projekt durch aus mit libertären Werten vereinbar ist. Derzeit nehmen 6836 Privatpersonen, 2169 Unternehmen und 64 Politiker daran teil.

www.ecogood.org

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