Frage von Koala41, 167

Was haltet ihr eigentlich vom Bedingungslosem Grundeinkommen?

Guten Abend liebe Community.

Was haltet ihr eigentlich vom Bedingungslosem Grundeinkommen? Ich muss jedenfalls sagen, dass es das Beste System ist das ich mir vorstellen kann! Denn sehen wir die Tatsachen wie sie sind: Die Menschen im Land werden mehr und die Arbeit weniger! Also ist das Grundeinkommen für alle das Beste System was man einführen kann, wenn man es denn endlich tut!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bikerin99, 82
Bin sehr dafür.

In der Schweiz gibt es demnächst eine Abstimmung der Bevölkerung, ob sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Es müsste auf alle Fälle höher sein, als dzt. Hartz 4 oder Mindesteinkommen (Österreich), damit die Menschen auch an der Gesellschaft teilnehmen können. Ich finde es ein interessantes Experiment, wie sich die Gesellschaft verändern würde. Denn dann bräuchten Arbeitslose oder Notstandshilfeempfänger oder Hartz 4 sich nicht so ausgeschlossen fühlen. Der Selbstwert würde dann auch nicht mehr nur alleine über die Arbeit definieren.
Menschen könnten viel mehr ihre Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen, würden sicher gesünder sein, weniger gestresst und wieder menschlicher.
Spannend wäre auch, wie sich die Wirtschaft verändern würde.

Kommentar von Interesierter ,

Die Wirtschaft würde leiden. Durch das BGE würden letztlich weniger Menschen arbeiten. Diese geringere Zahl an arbeitenden Menschen müsste dann höhere Sozialtransfers stemmen.

Wer arbeitet wäre dann der Dumme.

Das BGE in der Schweiz ist so gut wie tot. Die Umfragen ergeben eine klare Mehrheit für die Ablehnung des Vorschlages. Die Schweizer können eben rechnen.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Die Wirtschaft würde leiden.

Die gleiche Argumente gab es schon beim Mindestlohn. ... Und? ... Ist die Wirtschaft zusammengebrochen? Leidet sie wenigstens? Man hört ja gar keine Klagen mehr. Oh! Warte! Doch! ... "Die Mini-Jobs sind für die Arbeitgeber unattraktiver geworden.", klagt der Arbeitgeberverband. Naja, "und die Dokumentationspflicht ist lästig.", beschwert er sich.

Aber sonst?! ... Schweigen im Walde... Nix mehr von "Hunderttausenden Arbeitsplätzen, die dann abgebaut werden.", wie man noch kurz vor der Einführung prophezeite...

Diese geringere Zahl an arbeitenden Menschen müsste dann höhere Sozialtransfers stemmen.

Na, da hat aber einer mal wieder nicht nachgedacht (oider keine Ahnung vom BGE)...

Wer arbeitet wäre dann der Dumme.

Na, da hat aber einer mal wieder nicht nachgedacht...

Das BGE in der Schweiz ist so gut wie tot. Die Umfragen ergeben eine klare Mehrheit für die Ablehnung des Vorschlages. Die Schweizer können eben rechnen.

Je nachdem, wen man fragt... 

Der SRF ist der Meinung, dass sich 51% dagegen und 24% dafür entscheiden werden. Der Rest ist noch unentschlossen.

Der SPON ist beispielsweise der Ansicht, dass 64% sich dafür und 24% dagegen entscheiden werden, während sich 12% (bisher) enthalten haben. Das geht zumindest aus einer repräsentativen Umfrage des Dalia Instituts hervor, die im April unter 10.000 Befragten gemacht wurde.

Auch in Spanien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien gibt es eine klare Mehrheit für das BGE, geht aus der gleichen Umfrage hervor.

Kommentar von Interesierter ,

Klar leidet die Wirtschaft. Jede Steigerung der Produktionskosten verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit und kostet unterm Strich Arbeitsplätze. Jede Steigerung von Löhnen geht einher mit Rationalisierungsmaßnahmen deren Ziel es ist, die höheren Stundenlöhne durch eine Steigerung der Produktivität zu kompensieren.

Letztlich führt dies dazu, dass mit steigenden Löhnen die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden abnimmt und weniger Mitarbeiter benötigt werden, was wiederum zu einer Verschlechterung der Chancen gerade bei gering Qualifizierten führt. Sie werden einfach aus dem Markt gedrängt.

Kommentar von Unsinkable2 ,

und kostet unterm Strich Arbeitsplätze.



Löse dich doch mal von dem "Arbeitsplätze-Mantra". Der Sinn von Arbeit ist nicht Arbeit, sondern Lebensunterhalt. Punkt.

Und auch die Automatisierung trägt ihr Übriges dazu bei. Die Konservativen riefen deshalb schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die "Dienstleistungs-Gesellschaft" aus, weil sich anders nicht mehr vertuschen ließ, dass immer weniger Menschen in den Arbeitsprozessen erforderlich sind.

Das wird sich nicht ändern. Im Gegenteil. Die Automobilindustrie schwärmt schon von vollautomatischen Fabriken, in denen nicht mehr Hunderte, sondern nur noch ein paar Dutzend Leute arbeiten. Und trotzdem sollen sie mehr Autos als jemals zuvor bauen...

Nicht "irgendwann in ferner Zukunft". Sondern in den nächsten 10, 20 Jahren...

Selbstfahrende LKW, selbstfahrende Züge, vollautomatische Management-Software; vollautomatische Buchhaltung, ... die Menge der "notwendigen menschlichen Arbeit" nimmt rasant ab. Jeden Tag. Jede Minute. Jede Sekunde. ...

Das versucht man derzeit noch zu kaschieren, weil Konservative nun mal nicht schnell denken können. Aber das lässt sich nicht ewig ignorieren, wie der Niedriglohn-Sektor in Deutschland überdeutlich zeigt...

Jede Steigerung der Produktionskosten verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit



Es ist ein starker Indikator für Einfältigkeit, wenn man im Unterricht zwar "USP" gelehrt bekommt, es in der Praxis aber mit "Gleichmacherei um jeden Preis" versucht...

Deutschland ist kein Industrieland (mehr). Und die Globalisierung reißt gerade die letzten Industrien in andere Gebiete des Planeten.

Darüber kann man heulen und versuchen, mit Lohn- & Preis-Dumping dagegen zu halten. Doch gegen "2 Dollar am Tag" wird Deutschland NIEMALS konkurrenzfähig werden.

Selbst chinesische Firmen lagern schon nach Afrika aus, weil ihnen die einheimischen Lohnkosten zu hoch sind.

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Die Gegenmaßnahme heißt: "Finde deinen versch*ssenen Unique Selling Point!" Sobald du den hast, bist du vorne und läufst nicht mehr hinterher.

Und das "Made in Germany" hat man bereits leichtfertig aufgegeben. Schauen wir mal, ob unsere Konservativen auch die letzten Pfründe Deutschlands über den Jordan kippen. Große Mühe geben sie sich ja bereits...

Kommentar von Interesierter ,

Aua, du hast noch einige Lektionen vor dir.

Der Sinn von Arbeit ist Arbeit zu verrichten. Ein Arbeitgeber stellt einen Arbeitnehmer genau aus diesem und nur aus diesem einzigen Grund ein. Jede anderslautende Behauptung ist ein politischer Kampfbegriff, der nichts mit der Realität zu tun hat.

Warum wird denn automatisiert? Ein Unternehmer schaut immer auf die Kosten. Je teurer die menschliche Arbeitskraft wird, umso mehr Maschinen setzt er ein. Automatisierung ist kein autarker Prozess sondern das Ergebnis der Kostensituation. Du verwechselst hier Ursache und Wirkung miteinander.

Deutschland ist sehr wohl ein Industrieland. Sonst wäre Deutschland nicht so exportstark. Was sonst, als Industriegüter exportiert Deutschland?

Und ja, wir stehen im internationalen Wettbewerb. In diesem können wir nur bestehen, wenn wir uns den Herausforderungen stellen und sie annehmen. Geld ohne Wertschöpfung bringt und volkswirtschaftlich nicht weiter. Aber das ist dir egal.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Der Sinn von Arbeit ist Arbeit zu verrichten. Ein Arbeitgeber stellt einen Arbeitnehmer genau aus diesem und nur aus diesem einzigen Grund ein. Jede anderslautende Behauptung ist ein politischer Kampfbegriff, der nichts mit der Realität zu tun hat.

Nun, ich BIN Arbeitgeber. Und ich habe noch NIE einen Arbeitnehmer eingestellt, ihm eine Schaufel in die Hand gedrückt und gesagt: "Schaufle den Sandberg da vorn von links nach rechts. Und wenn du fertig bist, schaufelst du ihn wieder von rechts nach links. Und dann beginnst du von vorn."

... und ich glaube, ich bin da nicht ganz allein. Die meisten Arbeitgeber dürften ziemlich großen Wert auf die ERGEBNISSE legen und dabei die notwendige Arbeit so weit es irgend geht reduzieren wollen.

Warum wird denn automatisiert? Ein Unternehmer schaut immer auf die Kosten. Je teurer die menschliche Arbeitskraft wird, umso mehr Maschinen setzt er ein.

Menschliche Arbeitskraft ist IMMER teuer. 

Menschen werden krank, wollen Urlaub und Weihnachtsgeld. Und sie arbeiten im Regelfall auch nur 8 Stunden. Und selbst die nicht einmal komplett durch, sondern mit vielen kleinen und großen Pausen und Ablenkungen. 

So billig, dass ich dich einer Maschine vorziehen würde, kannst du gar nicht sein, Interesierter.

Deutschland ist sehr wohl ein Industrieland. Sonst wäre Deutschland nicht so exportstark.

So langsam wird's wieder mal albern, Interesierter. INFORMIERE dich bitte, bevor du so einen groben Unfug ablässt! 

Wie hoch war der Anteil der Industrie in den 80er Jahren? Wie hoch ist er heute? Wie entsteht "Export"? Was kann alles "exportiert" werden? 

Geld ohne Wertschöpfung bringt und volkswirtschaftlich nicht weiter.

Welchen Teil meiner Einlassung hast du dieses Mal nicht verstanden, Interesierter? Wo soll ich nachbessern und es schlichter formulieren?

Kommentar von Interesierter ,

Dass Arbeit mit Leistung gleichzusetzen ist, versteht sich doch eigentlich von selbst. Etwas Anderes habe ich auch nie behauptet. Dein Vergleich ist daher hanebüchen.

Menschliche Arbeitskraft ist teuer. Maschinen kosten auch Geld. Deswegen wird ein jeder Unternehmer Berechnungen anstellen, ob sich Automatisierung lohnt oder nicht. Lohnt es sich, wird automatisiert, lohnt es sich nicht, bleibt der Mensch als Arbeitskraft erhalten.

Wenn du meinst. Hier mal eine Grafik. Schau dir mal den Anteil des Exportvolumens am BIP an. Dieser ist bis auf die Zeit der Wirtschaftskrise kontinuierlich gestiegen. http://www.querschuesse.de/deutschland-exportvolumen-bei-5197-des-nominalen-bips...

Und hier kannst du erkennen, dass der Anteil der Industrie am BIP seit 1993 in etwa gleich bleibt. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsstruktur-deutschland-bleibt-ein...

Wenn du argumentieren willst, dann argumentiere bitte mit Fakten und nicht einfach nur mit Fettschrift.

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 58
Geld geschenkt? Das ist doch sicherlich ein Witz, oder?

Leider suggeriert die Antwort-Auswahl eine falsche Prämisse. Deshalb stelle ich es noch einmal deutlicher klar:

Das BGE erhöht die Abhängigkeit vom Goodwill der Wirtschaft und Politik. Und das ausgerechnet bei jenen, denen das BGE am meisten nutzen soll: Bei den unteren Schichten...

Grundsätzlich ist es eine gute Idee. Doch wenn es auf der grünen Wiese etabliert wird, dann läuft es Gefahr, sich binnen kürzester Zeit in das Gegenteil der eigentlichen Intention zu verkehren.

Also ist das Grundeinkommen für alle das Beste System was man einführen kann, wenn man es denn endlich tut!

Ist das so? Denken wir doch mal ganz jenseits von Emotionen nach:

Hartz IV gibt es in Deutschland seit gut 10 Jahren. In dieser Zeit wurde es notgedrungen ein paar Mal erhöht, weil es einfach nicht mehr zum Leben ausreichte. 

Jedes einzelne Mal feilschten die Politiker um Erhöhungen von lächerlichen 5 Euro wie auf einem türkischen Basar. Monatelang. Teilweise jahrelang.

Und wir alle wissen: Hier wird "auf Kante kalkuliert". Da gibt es keinen Cent extra geschenkt. 

So sind beispielsweise für Bildung (und wir alle wissen, wie wichtig Bildung ist) im HIV-Regelsatz ganze 1,54 Euro pro Monat enthalten. Das reicht für die meisten nicht einmal, um EINE EINZIGE TAGESZEITUNG PRO MONAT zu kaufen. Die Süddeutsche könnte sich ein Hartz-IV-Empfänger beispielsweise nur einmal alle zwei Monate leisten. Von Fachbüchern für die Weiterbildung ganz zu schweigen. Da müsste er schon runde 2 Jahre Hartz IV bekommen, um sich am Ende der zwei Jahre mal ein Buch kaufen zu können...

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Warum sollte das BGE anders bewertet werden? 

Halten wir also schon mal fest: Wenn das BGE eingeführt wird, dann wird es jedes Mal lange und zähe Verhandlungen geben, wenn es erhöht werden müsste. Da dann sehr viel mehr Geld bewegt werden müsste (immerhin wären ja alle Einwohner betroffen), würde man sich sogar noch erheblich schwerer tun, als man es jetzt schon mit Hartz IV macht, wenn eine Erhöhung gerade einmal 300 Millionen Euro kostet...

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Betrachten wir nun beispielsweise den Mindestlohn, dann stellen wir fest: Viele Unternehmen haben den Mindestlohn genutzt, um ihre Preise saftig zu erhöhen. Mein Friseur hat beispielsweise die Preise von vorher 11 Euro auf jetzt 25 Euro angezogen; also mal eben satt verdoppelt. Ich wage ernsthaft zu bezweifeln, dass seine Mitarbeiter vorher weniger als die Hälfte des Mindestlohns bekommen haben; also fließt ein großer Teil der Preissteigerung in seine persönliche Tasche. Es war ihm also vor allem ein willkommener Anlass für die Preissteigerung.

Aber auch so steigen die Preise alle Jahre wieder. In den letzten Jahren zwar weniger; denn wir haben immer noch unter der seit 2007 herrschenden Krise zu leiden; aber auch diese Krise ist ja (hoffentlich) irgendwann vorbei.

Trotz alledem hat man dem Mindestlohn keine "automatische Steigerung" eingebaut. Vielmehr soll eine aus Politikern, Wissenschaftlern und Arbeitgebern bestehende Kommission bestimmen, ob und wenn ja, um wie viel der Mindestlohn steigen soll. ... Lassen wir uns also überraschen, wann und in welcher Höhe die ersten Angleichungen erfolgen werden. 

Schon jetzt ist aber eines klar: Es bräuchte DRINGEND eine Erhöhung um mindestens 2 Euro pro Stunde, will man die Mindestlöhner nicht in die Renten- und Versicherungsfalle treiben; vom "gesellschaftlicher Teilhabe" und anderem Sozialstaats-Quark ganz zu schweigen...

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Damit wird das BGE vor allem für die zur Falle, denen es am meisten nutzen sollte: Die unteren Schichten. Sie können, da nun ja auch "Sonder- & Zusatzleistungen" vom BGE gedeckelt werden sollen, sich schon mal warm anziehen. Denn sie werden es als erste merken, wenn das BGE nach und nach immer weniger ausreicht, um all die Dinge des täglichen Bedarfs - von Miete über Strom bis Lebensmittel - zu bezahlen...

Und während es die Politiker schaffen, sich innerhalb von 3 - in Worten: DREI - Tagen über die Bankenrettung zu einigen, hat die letzte Einigung über die Erhöhung von Hartz IV um lumpige 5 Euro pro Monat fast 9 Monate gedauert...

Wie lange wird es dann wohl dauern, wenn man feststellt, dass "Preise steigen", "die Mietpreisbremse nicht wirkt", "der Mindestlohn zu langsam erhöht wird", "die Kommunal-Gebühren steigen", oder all die anderen unzähligen Ereignisse eintreten, die dafür sorgen, dass am Ende des Geldes für viele noch reichlich Monat übrig ist...

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Dennoch; ich sagte es ja eingangs schon: Das BGE ist eine gute Idee. Und die Gesellschaft wird sich über kurz oder lang sowieso Gedanken machen müssen, was sie mit all den "überflüssigen" Menschen anfängt.

Aber solange das BGE "auf der grünen Wiese" eingerichtet werden soll, solange es also nicht von anderen Maßnahmen innerhalb der Gesellschaft flankiert und gestützt wird, wird es - genauso wie Hartz IV, das ja damals auch als "der Stein der Weisen" gepriesen wurde - vor allem die unteren Schichten (also alles unterhalb des Durchschnitts), aber auch die mittleren Schichten sehr schnell vom Goodwill von Politik und Wirtschaft abhängig machen. Noch weitaus abhängiger, als sie jetzt schon sind...

Denn eines ist sonnenklar: Geld bekommt man nicht geschenkt! Auch das BGE nicht...

Kommentar von swissss ,



****Geld bekommt man nicht geschenkt!**** 


Hartz4 ist geschenktes Geld . LG


Kommentar von Unsinkable2 ,

Nicht ganz: Der Preis für HIV ist, dass du dich komplett nackt ausziehen und deine Privatsphäre vollständig aufgeben musst. Selbst "spontane Überwachungs-Besuche in deiner Wohnung durch Staatsdiener" musst du dulden...

Kommentar von Interesierter ,

Ein sehr differenzierter Kommentar, der zwar in etlichen Punkten nicht meiner Meinung entspricht, dem ich aber trotzdem viel Respekt entgegen bringe.

Was mir hier fehlt, ist die Antwort auf zwei Fragen:

Zum Einen wird nicht darauf eingegangen, wie sich der Anreiz eines bedingungslosen Einkommens auf die Bereitschaft zur Aufnahme einer Arbeit bzw. auf die Schwarzarbeit auswirkt. Das Einfachste wäre nämlich, einfach das BGE abgreifen und nebenbei ein paar Stunden schwarz arbeiten, dann hat Lieschen Müller ein richtig gutes Einkommen.

Zum Anderen werden die Auswirkungen auf die Wirtschaft, auf die Preisstabilität und auf das allgemeine Lohnniveau sowie deren weitere Auswirkungen auf die Absatzmärkte sowie auf den Arbeitsmarkt nicht thematisiert. Ich denke aber, hier werden sich Verwerfungen ergeben, die bei einer gesamtheitlichen Betrachtung mit berücksichtigt werden sollten. Gibt man vielen Menschen mehr Geld in die Hand, steigt der Konsum. Mehr Konsum bedeutet steigende Preise. Und schon ist das schöne neue Einkommen nicht mehr wert als ALG II.

Antwort
von Interesierter, 83
Geld bekommt man nicht geschenkt! So ein Unsinn!

Schon der Begriff Bedingungsloses Grundeinkommen suggeriert, hier gibt es Geld für lau.

Wie bei allen Geldern, die irgendwo ausgezahlt werden, stellt sich auch hier die Frage, wo es denn herkommen soll. Letztlich muss jeder Euro, der ausgegeben wird, erst mal erwirtschaftet und einkassiert werden, denn es ist ja nicht so, dass das Geld wie das Manna einfach vom Himmel fiele.

Durch das BGE würden gerade gering Qualifizierte aus dem Arbeitsleben herausgedrängt, da die Transferleistung höher wäre als der Lohn, den sie durch Arbeit erwirtschaften könnten. Zahlen muss das dann die Allgemeinheit. Die Abgaben würden weiter steigen und Arbeit würde sich noch weniger lohnen als heute.

Weiter würde das BGE jedem zustehen, also auch Leuten, die reich sind und gar nicht darauf angewiesen sind. Es wäre einem Arbeiter wohl schwer zu vermitteln, warum er höhere Abgaben zahlen müsste, nur um anderen Leuten ein Leben ohne Arbeit zu ermöglichen.

Durch den mit dem BGE verbundenen Wegfall aller anderen Leistungen würde der Empfänger in Mecklenburg genausoviel bekommen wie der Empfänger in München, er hätte aber deutlich geringere Lebenshaltungskosten, was letztlich wieder zu einer Ungleichstellung führen würde.

Auf den ersten Blick mag das schön erscheinen. Blickt man jedoch hinter die Fassade, kann man eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Idee vollkommener Quatsch ist.

Antwort
von MarkusJaja, 62

so pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn es gibt sehr unterschiedliche Konzepte dazu, die sich massiv unterscheiden. Das betrifft nicht nur die Höhe des Geldes, sondern auch in der Frage der Art und Höhe der Steuern und der Ausgestaltung des Staates.

Konket: Was ist dann mit einer allgemeinen öffentlichen Krankenversicherung? Was mit einem öffentlichen Bildungssystem oder dem ÖPNV? Sollen materielle und soziale Ungleichheiten steuerlich abgebaut werden oder nur die Armen unter sich und ruhig gestellt bleiben?


Antwort
von voayager, 60
Bin sehr dafür.

Bin sehr dafür. So lange der Kapitalismus keine Vollbeschäftigung jenseits eines totalen Krieges hinkriegt, und das ist leider der Fall, bin ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen mit ein paar kleinen Einschränkungen. Jeder Mensch, sofern er nicht verbrecherisch agiert, hat einen Anspruch an gesellschaftlicher Teilhabe und ein Leben in Würde, so wie es in der Präambel des GG geschrieben steht.

Wer übrigens einigermaßen materiell abgesichert ist, besitzt dann auch die Schubkraft eine neue Arbeit aufzunehmen, andernfalls derangiert er zusehns, bis er nur noch ggf. ein bloßes Wrack ist.

Es ist daher nicht ok, wenn z.b. der hiesige Staat hingeht und Leute zwingt ihr Auto erst zu verkaufen, bevor es Kohle gibt, sofern es keine bloße Rostschüssel iss. Auch braucht der Arbeitslose so viel Geld, dass er sich soweit anständig ernähren kann, um so noch Arbeitskraft aufrechterhalten zu können. Er braucht zudem so viel Geld, dass er sich anständig kleiden kann, damit er bei einem vorstellungsgespräch überhaupt von einer Firma in Betracht gezogen wird. All das ist mit H-4 leider nicht möglich. Hinzu all die Einschränkungen, was der Arbeitsloe alles nicht haben darf, um überhaupt Stütze zu beziehen. Dies der Grund, warum dann fortschrittliche Menschen auf die Idee kamen den Begriff bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen sowie weitere Gründe. Natürlich muß das Grundeinkommen höher als das  hiesige H-4 Almosen sein, aber auch niedriger als der Mindestlohn, (wenn denn eine Zeit von sagen wir von 2 Jahren überschritten ist) der bei 12 € liegen sollte, so die neuesten Forderung fortschrittlicher Menschen und deren Organisationen. 

Kommentar von Interesierter ,

Ich weiss nicht so recht, wo du hin willst, aber die Lohn/Preis-Spirale nach oben zu drehen, wird uns nicht weiterbringen. Im Gegenteil. Dadurch setzen wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit Hunderttausende von Arbeitsplätzen aufs Spiel. Als modern kann man das nicht wirklich bezeichnen. Wo stark steigende Löhne ohne entsprechende Wertschöpfung hinführen, siehst du heute in Griechenland.

Je mehr Geld die Menschen in der Tasche haben, umso weiter werden die Preise steigen. Je höher die Löhne, umso höher die Kosten der Unternehmen, was wiederum die Preise treibt. Das sind Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, die eigentlich jeder im ersten Semester lernt. Selbst wenn Mindestlohn und BGE so eingeführt würden, wie du es vorschlägst, hätte der Konsument letztlich nicht mehr Kaufkraft in der Tasche.

Wohlstand kann nur durch Wertschöpfung erzielt werden. Geld an sich ist nichts wert und nur eine beliebige Zahl. Entscheidend ist das, was man sich für das Geld kaufen kann.

Kommentar von voayager ,

Man vergesse nicht, dass noch zu Kohls Zeiten als Kanzler, die Arbeitslosenhilfe meist um Einiges höher war, als später seit Schröder das mickrige H-4!  Oder nehmen wir mal die alte Bundesrepublik, da war das Arbeitslosengeld und auch die Arbeitslosenhilfe am höchsten und dennoch war das Land wirtschaftlich besser aufgestellt als das heutige Deutschland, gemessen an seiner Größe und Einwohnerzahl im Vergleich zu der hiesigen Republik.

Kommentar von Interesierter ,

Das würde ich nun so nicht sagen. Zu Kohls Zeiten hatten wir eine deutlich höhere Inflation und auch zu guten Zeiten immer eine hohe Neuverschuldung. Vieles wurde damals auf Pump bezahlt, was man nicht als nachhaltig bezeichnen kann.

Kommentar von voayager ,

Nun, dann nenn doch mal die Inflationsrate zu Kohls Zeiten und nenne die hiesige Quote, lass einfach mal Zahlen sprechen. Und wer sagt denn, dass es jetzt ohne Neuverschuldung zugeht? Das wiederum kann ich nicht erkennen.

Kommentar von voayager ,

"Und geschieht nichts Neues unter der Sonne" (Prediger 1,7 AT)

Das ist berkannt, es wurden schwarze Zahlen geschrieben, doch das heißt nun nicht, dass das all die Zeit davor auch so war und es heißt auch nicht, dass das so bleibt. Wie heißt es doch im Volksmund so treffend. "eine Schwalbe macht noch keinen Sommer". Dann wäre ja noch abzuklären, Wem das denn nutzt, Wer ist da der eigentliche Profiteur? Wem genau kommt eigentlich die schwarze Null zu Gute? Und wieweit war da noch eine Glückssträhne im Spiel, die so nicht wiederkehrt. Im Link geht hervoer, dass Lizenzeinnahmen dem Bund zu Gute kamen. Doch wird da immer wieder neu, fast schon einem Perpetuum mobile gleich einfach jährlich stetig abgeschöpft werden können und das in größeren Summen? Dann wäre ja noch abzuklären, wie die schwarze Null überhaupt zustande kam. Wer sagt denn, dass dies ein Meisterwerk der jetzigen Regierung ist, vielmehr ein saisonales Hoch, das als Art Welle temporär nach Oben führt!

"so viele Berichte, so viele Fragen" Fragen eines lesenden Arbeitwers, diesmal modfifiziert  - nach Brecht

Kommentar von voayager ,

hier noch ein Nachtrag: schaut man sich das Diagramm der Inflationskurve an, fällt ja auf, dass die Inflation 1986 am niedrigsten war! Dies scheinst du Interesierter (wieso schreibst du deinen Nick mit einem s ???) geflissentlich übersehen zu haben. Dann fällt auch auf, dass die Kurve rauf und runter geht, also du siehst, deine Rechnung geht nicht auf, so wird das einfach nix mit deiner Überlegung.

Kommentar von Interesierter ,

Statistiken sind offenbar nicht deine Stärke. Die Inflation muss immer von kurzfristigen Einflüssen befreit werden, um aussagekräftig zu werden. Sonst wird die Statistik zur Rosinenpickerei.

Du unterschlägst dabei, daß in der von dir genannten Zeit trotz wirtschaftlichem Aufschwung rund 3,5 Millionen Menschen arbeitslos waren.  Wohlgemerkt nur in den westlichen Ländern, denn das war vor der Vereinigung.

Erkennst du den Zusammenhang zwischen der Höhe des ALG und der Arbeitslosigkeit?

Kommentar von voayager ,

gute Güte, damals wurde offensichtlich weniger geschummelt als jetzt. Der Zaubertrick: Leute arbeiten 15 Std. die Woche und gelten dann nicht mehr als arbeitslos, oder sie werden frühverrentet, auch dann sind sie aus der Statistik, oder man hievt sie rein in einen 1-€-Job, schwups sind auch auf wundersame Weise nicht mehr arbeitslos. Dann kommen noch die aufstocker hinzu, auch halbe Arbeitslose, wie man sieht dfer Grad der Verlogenheit befindet sich in steigender Tendenz.

ein Schelm, wer dabei Böses sieht!

Kommentar von Interesierter ,

Natürlich wurde auch damals geschummelt. Und natürlich wurde auch in den 80ern fleissig frühverrentet, um die Arbeitslosenzahlen zu schönen.

Aber du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass die Arbeitslosenquote bei 3,5 Mio von 60 Mio Einwohnern niedriger gewesen wäre als heute, wo wir heute noch 2,6 Mio von 86 Mio Einwohnern haben.

Kommentar von voayager ,

Heutzutage geht es zu wie in biblischen Zeiten, wo es die wundersame Brotvermehrung vermeintlich gab. Es wird prekarisiert was das Zeug nur hält, und ja es wurden und werden Leute zu all dem, was ich schon anmerkte hineingepackt oder entsprechend getrickst, Leute zudem in den Niedriglohnsektor reingestopft und dann behauptet, nun wäre alles paletti.

Lass dir mal gepflegt sagen, dass Deutschland den größten Niedriglohnsektor in ganz Westeuropa hat.

Und ja, die Frühverrentung gab es allerdings in der Form nicht, wie sie uns eine Frau Nahles von der sPD bescherte, so verkommen ging es nun denn doch nicht damals unter Kohl zu.

Ich kann nun nichts dafür, dass du dies nicht erkennst.

Kommentar von Interesierter ,

Warum ignorierst du die Frühverrentungsorgien der 70er, 80er und 90er Jahre?

Damals ging die Beschäftigungsquote der 60-65-jährigen kontinuierlich zurück. Das war so gewollt und per Gesetz sogar unterstützt worden.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/08/54099/

Kommentar von voayager ,

Die Nachricht ist von 2013, also mittlerweile obsolet!

Kommentar von Interesierter ,

Die Nachricht bezog sich ja nicht auf aktuelle Ereignisse sondern auf die Zustände der 70er, der 80er und der 90er Jahre. Diese Zahlen sind wie sie sind. Ob sie nun in einer Nachricht von 2000, 2013 oder von 2016 abgedruckt sind, macht keinen Unterschied. Sie sind wie sie sind und ändern sich nicht mehr. Oder glaubst du, in einer Nachricht von heute könnten da andere Zahlen drin stehen?

Antwort
von Vampire321, 25
Geld geschenkt? Das ist doch sicherlich ein Witz, oder?

Was mich stört ist das "bedingungslose" bei dem ganzen bla bla.

Was ist denn verwerflich daran von jemandem zu verlangen, das der/die auch ein Minimum an Zeit  und Arbeitseinsatz für die Allgemeinheit erbringt - Eben diese Allgemeinheit, die durch ihre steuerzahlungen dieses "grundeinkommen" (heute heißt es Hartz 4) erwirtschaftet!

Warum kann man von jemandem, der Miete, Kleidung, Strom, Heizung, Nahrung etc von der Allgemeinheit bekommt, nicht verlangen, das der auch was für die Allgemeinheit macht? Und wenn es für Reinigung von Parks ist, das abkratzen von Kaugummis von Bürgersteigen etc pp !?

Ein "bedingungsloses " grundeinkommen würde es Ausschließen, das jemand zu solch sozialen arbeiten herangezogen werden könnte - und das ärgert mich!

Deshalb: warum "bedingungslos"?!!

Antwort
von anniegirl80, 16
Bin sehr dafür.

Du bist nicht der einzige, der sich für dieses Thema interessiert...

https://www.gutefrage.net/frage/waere-das-grundeinkommen-in-der-schweiz-sinnvoll...

Antwort
von SeelenOnkel, 2
Bin sehr dafür.

Essen, Kleidung, Wohnung, Krankenversicherung kriegt eh schon jeder irgendwie. Manche Penner gehen im Winter ''freiwillig'' in U-Haft, das kostet so 100€/Tag. Also bedingslos, aber dafür leicht (10-30%) unter ALG-2 Niveau, wäre ok.

Antwort
von Modem1, 34
Geld bekommt man nicht geschenkt! So ein Unsinn!

Genau ausrechnen wo man besser fährt: Wohngeld fällt weg, Befreiung von der TV und RF Gebühr fällt weg,Mietzuschuss von Hartz IV fällt weg etc, Ich bin der Meinung das Summa-Summasumarum ein Manko dabei herauskommt: Denn wenn die schon sowas vorschlagen ist immer ein Haken dabei.Und die Miete steigt und steigt? Was sind da tausend Euro noch Wert?.Alternative: Schrottauto besorgen und als Wohnung ausbauen.Der Fuchs und der Rabe.. eine gute Fabel.Mal nachschauen was die uns sagen will.!


Kommentar von swissss ,

1000 Beamte braucht es um jeden einzelnen Posten zu verwalten.

 *Wohngeld  TV und RF Gebühr Mietzuschuss von Hartz IV  usw*

1 Beamter braucht es um dir das Grundeinkommen zu überweisen.

Kommentar von Interesierter ,

Macht 5000 Beamte weniger und 5000 Arbeitslose mehr.

Was hast du jetzt gewonnen?

Kommentar von Modem1 ,

Das Thema " Grundeinkommen " wurde in der vorletzten schwarz-gelben Koalition kurz vor den Wahlen angesprochen und die Bierdeckel Rechnung.Wer sich davon Einlullen lässt ist selber Schuld.Wer Miete auf dem Lande bezahlt das ist nicht Dasselbe.  Der Großstädter der für 47 m2 Wohnung bald 600 Euro Zahlen muss hat" viiiiel "?! davon .Das sind Wohnungen teilweise mit § 5 Schein.Das Andere was dazu kommt im Falle eines Überangebotes von Arbeitskräften der... Minishop mach den Teller nicht viel größer.Aber Tausend Euro sind auf den ersten Blick atraktiv.

Kommentar von Interesierter ,

Gerne vergessen wird beim BGE auch, dass die Krankenversicherung noch abgeht, denn die wird vom BGE nicht übernommen.

Du hast schon recht. Wer genau rechnet, kommt sehr schnell darauf, dass das BGE für viele zur Mogelpackung würde.

Antwort
von Kampfsport15, 10

Bedingungsloses Grundeinkommen ist die Lösung. Siehe ,,Plan B" von der Wissensmanufaktur

Kommentar von PatrickLassan ,


"Plan B" von der Wissensmanufaktur


Dümmliche Kritik am ageblich  ach so bösen Geldsystem, dem Herr Popp allerdings sein nicht unbeträchtliches Einkommen verdankt.

Kommentar von Kampfsport15 ,

Dümmliche Kritik? Hast du den Plan B schon mal durchgelesen? Durchdachte Kritik trifft es wohl eher. Und ja, Andreas Popp verdient gut, weil er nunmal versteht wie's läuft. Trotzdem ist er gegen das Geldsystem.

Antwort
von Pr1nzAlbert, 30

Rein rechnerisch wäre das BGE in der BRD sogar ein Sparmodell, wenn jedem Bürger 850 € + Krankenversicherung spendiert würden, dafür aber alle Arbeitsämter, Sozialämter und die gesamte angeschlossene Umschulungs- und Soziabürokratie rückstandslos entfernt würde.

Grundsätzlich wäre ein BGE möglich, allerdings nur in einem überschaubaren, in sich geschlossenen System mit exakt definierter Personengruppe, sonst würde das betreffende Land in etlichen Zehnerpotenzen höher überrannt werden als Deutschland 2015.

Einer weltweiten gleichzeitigen Einführung sprechen zu viele Fakten dagegen.

In der BRD spricht dagegen, daß mittlerweile eine wesentliche Anzahl an Wählern von der derzeitigen Sozialbürokratie profitiert und bei einem BGE den gemütlichen Bürosessel und überbezahlten Job in der Sozialindustrie verlieren würde

Ich hätte für folgende Antwort gestimmt:

Grundsätzlich halte ich das BGE für eine gute Idee, jedoch praktisch nicht für umsetzbar.

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