Was haltet ihr davon, deutsche Grammatik ohne Termini zu vermitteln?

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5 Antworten

Wie ich mir das vorstelle, ist das nicht zweckmäßig. Antworte mal in einem Kommentar, wie du dir das vorstellst.

Ja, man bekommt Sprache auch ohne Regeln und ohne Termini hin. Der beste Beweis ist die Muttersprache. Wenn wir lange genug in einem fremden Land wohnen, genug hören, genug lesen, genug selber sprechen, ist das die ultimative Lernmethode, denn es lernt ausschließlich das Sprachzentrum (wie einst bei der Muttersprache, nur eben um eine gigantische Prozentzahl langsamer).

Oft hat man aber im Leben nicht genug Zeit, sich das Brot mit Hören, Lesen und Sprechen zu verdienen. Deshalb helfen uns Grammatikregeln, die Sprache mit unserem Intellekt zu verstehen. Weil der gesunde Menschenverstand aber ungesund ist, ist ihm die Sprache oft zu hoch und er regt sich über unlogischen Quatsch und blödsinnige Regelgungen auf, und wer hat sich das überhaupt ausgedacht? 

Der Verstand ist für das Erlernen von Sprachen nicht geeignet. Das fällt in den Bereich unseres höheren Denkens, in den des Sprachzentrums. Wenn man einmal die Grammatikregeln intus hat, kann man anfangen zu sprechen und zu lesen und zu hören. Und erst mit dem Usus lässt sich eine Sprache tatsächlich erlernen. Damit man aber mal über diese Verstehensphase hinaus kommt, braucht man auf einfache Prinzipien und Regeln minimierte Grammatik – und damit die wiederum effizient in Worte gefasst werden kann, verwendet man Fachtermini.

Aber auch für die Rechtschreibung sind diese Termini wichtig. Wenn ich nämlich weiß, was ein Prädikat, ein Infinitiv und ein Attribut sind, ist die Kommasetzung des Deutschen in fünf Minuten erklärt. Substantivierungen sind da schon kniffliger, aber ohne grammatisches Wissen kann man sich da an den Schülern nur die Zähne ausbeißen.

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Ein schöner lateinischer Terminus ist immer etwas Gefährliches. Wenn man dann nämlich mal ein Prädikatsadjunkt im selben Kasus hat, hört sich das gigantisch an und man kann viel von Prädikatsadjunkten reden, ohne eine Ahnung davon zu haben, was eigentlich dahinter steckt.

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Meist erwachsen gerade in den Wissenschaften Termini gerade aus dem Grund heraus, dass sie etwas besser beschreiben, als andere Alternativen - besonders weil sie den Kontext verdeutlichen und eindeutig machen. Der Umgang zeugt außerdem von Fachkenntnis.

Du hast für deine Frage den Begriff 'Termini' verwendet. Warum nicht das Synonym bzw. die sinngemäße Übersetzung 'Fachbegriff' verwendet? Um Personen mit (Fach-)Ahnung anzuziehen, bzw. eher um andere Personen in dieser konkreten Fragestellung auszuschließen (Unkenntnis des Fachterminus als Ausschlusskriterium)? Das wäre m.E. auch eine menschliche historische Entwicklung.

Oder redest du hier von dem konkreten Problem des Lehrens der deutschen Grammatik? Das ist was anderes, und didaktisch bestimmt sinnvoll. Bei Dingen wie Tuwort etc. wird das ja auch getan. Du müsstest spezifizieren, was du meinst, am besten anhand eines Beispieles. Aber ich denke dass die Terminikenntnis durchaus Vorteile hat, besonders in Vorbereitung suf Sprachwissenschaft wo es wieder eine treffendere Beschreibung von Sachverhalten ist. Im Endeffekt sind Fachwörter Neologismen die keineswegs anderen Wörtern unterzuordnen sind, weil sie Sachverhalte/Situationen beschreiben. Der einzige Unterschied ist doch, dass die Benutzer anders sind. Jemand (von Beginn) Blindes hat keine Verwendung für die Farbnamen.

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(Deine Meinung hierzu dürfte leicht zu erraten sein anhand der Wortwahl deiner Frage.)

Ich versuche gerade, mich in meine Grundschulzeit zurückzuversetzen, wo uns die vier Fälle der deutschen Sprache vermittelt wurden.

Dass das Wort "Fall" hier in einem anderen als den mir bekannten Bedeutungen verwendet wird, hat mich anfangs verwirrt; aber rückblickend war es einfacher, einmal einen Fachbegriff einzuführen (der dazu noch außerhalb der Schule im selben Sinn verwendet wird) als ein Begriffskonstrukt zu entwickeln, das entweder zwar kurz aber seinerseits ein Fachbegriff wäre oder lediglich aus umgangssprachlichen Begriffen in ihrer umgangssprachlichen Bedeutung bestünde, dann aber unhandlich lang wäre.

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Es gibt bei uns das Problem, dass man grammatikalisches und anderes Wissen an Leute weitergibt, die nicht darum gebeten haben. Grammatikinteressierte haben keine Probleme mit den Fachbegriffen und in der Regel auch das Bedürfnis, sie zu lernen.

Ich beispielsweise hatte nie Interesse an theoeretischem Wissen über die Grammatik und mich haben die Fachbegriffe verrückt gemacht. Ich wusste auch damals schon, dass es "Wegen des schönen Wetters können wir heute draußen essen." heißt. Und nicht: "Wegen dem schönen Wetter ..."  Was ich damals nicht wusste, und was mir auch völlig schnurz war, ist die Tatsache dass es sich bei "Wegen des schönen Wetters..." um den Genitiv handelt und bei "Wegen dem schönen Wetter ..." um den Dativ. Ich habe nicht mal verstanden, was das bedeutet.

Auch die grammatikalischen Zeiten waren mir ein Rätsel, obwohl ich sie korrekt anzuwenden wusste. Ich sprach korrektes Deutsch, wurde aber ungefragt mit Noten zwischen 4 und 5 belästigt (Die 6 gab es bei uns nicht.).

Solange die Lehrer beispielsweise von Gegenwart. Zukunft und vollendeter bzw. unvollendeter Vergangenheit sprachen, konnte ich noch halbwegs folgen. Als sie aber begannen, die lateinischen Synonyme (Prätäritum,
Plusquamperfekt, Präsens, Futur
usw.) zu verwenden, war ich komplett überfordert. Ich brauchte und wollte das alles nicht, musste sie aber auswendig lernen.

Natürlich sind grammatische Terminologien unnötig. Aber nur für diejenigen, die sich nicht dafür interessieren. Wer eine Liebe zur deutschen Sprache hat, will möglicherweise auch etwas über ihren theoretischen Aufbau wissen.

Gruß Matti

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Kommentar von earnest
27.06.2016, 15:37

Nur der "theoretische Aufbau"?

Fachbegriffe können auch in der Praxis hilfreich sein.

Im Englischunterricht fände ich es zum Beispiel recht unpraktisch, von diesen komischen Sätzen zu sprechen, bei denen vorn ein "If" steht und bei denen hinten ganz Seltsames und Unergründliches passiert.

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Nichts. 

Fachbegriffe erleichtern das Verstehen und damit das Lernen einer Sprache - sobald es über das bloße Gegrunze hinausgeht.

Du hast doch selbst den Terminus 'Terminus' verwendet ... und damit das Verstehen deiner Frage erleichtert. 

Alles klar?

(Natürlich geht es bei der Vermittlung einer lebendigen Sprache nicht um Grammatik-Huberei.)

Gruß, earnest


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